Paul Finsler

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Paul Finsler (* 11. April 1894 in Heilbronn; † 29. April 1970 in Zürich) war ein Schweizer Mathematiker, der sich mit Geometrie (Finsler-Räume) und Grundlagen der Mathematik beschäftigte.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Finsler war der Sohn eines schweizerischen Kaufmanns (aus alter Zürcher Familie)[1] und der Bruder von Hans Finsler. Er besuchte die Lateinschule in Urach und das Realgymnasiumin Cannstatt. 1912 begann Finsler ein Studium an der Technischen Hochschule Stuttgart, wo er Vorlesungen von Martin Wilhelm Kutta besuchte. Ab 1913 war er an der Universität Göttingen, wo er unter anderem bei Erich Hecke, Felix Klein, Edmund Landau, David Hilbert, Max Born, Ludwig Prandtl und Carl Runge studierte und bei Constantin Carathéodory 1919 promoviert wurde (Über Kurven und Flächen in allgemeinen Räumen. 1918). In seiner Dissertation führte er die Finsler-Räume ein, die die riemannsche Geometrie verallgemeinern und die unter anderem Elie Cartan aufgriff (er schrieb 1934 ein Buch darüber). 1922 habilitierte er sich an der Universität Köln, wo er Privatdozent wurde. Inzwischen hatte er sich den Grundlagen der Mathematik und Mengenlehre zugewandt. 1926 schrieb er eine grundlegende Arbeit, die Gödels Resultat vorwegnahm, aber nicht weiter beachtet wurde. 1927 wurde er außerordentlicher Professor an der Universität Zürich und 1944 schließlich ordentlicher Professor. 1959 wurde er emeritiert.

Sein originärer Zugang zur Mengenlehre, zuerst 1926 veröffentlicht (der zweite Teil erschien erst 1964), stieß auf Ablehnung, nicht zuletzt weil er sich einer selbst gewählten Terminologie bediente, die niemand anderer benutzte. Sein Vortrag darüber im Mathematischen Kolloquium von Universität Zürich und ETH Zürich wurde von Hermann Weyl hart kritisiert, weshalb Finsler einen Zusammenbruch erlitt und beurlaubt wurde. Finslers Kollegen Rudolf Fueter und Andreas Speiser beauftragten daraufhin Johann Jakob Burckhardt Finslers Ideen in eine verständliche Form zu bringen und im Jahresbericht der Deutschen Mathematikervereinigung zu veröffentlichen.[2]

Finsler war Platoniker und misstraute formalistischer Denkweise. Er beschäftigte sich auch mit Zahlentheorie, Wahrscheinlichkeitstheorie (unter anderem über die Wahrscheinlichkeit seltener Ereignisse) und zuletzt mit Graphentheorie.

Finsler war auch Hobby-Astronom, der mehrere Kometen entdeckte (1924 und 1937, der zweite ist nach ihm benannt). Finsler blieb ledig.

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • J. J. Burckhardt: Die Mathematik an der Universität Zurich 1916-1950 unter den Professoren R. Fueter, A. Speiser und P. Finsler. Basel 1980.
  • Booth, R. Ziegler (Herausgeber): Finsler set theory. 1996.
  • H. Breger A restoration that failed - Paul Finslers Theory of Sets. In: Donald Gillies (Herausgeber) Revolutions in Mathematics. New York, Oxford University Press, 1992, S. 249.
  • Christel Ketelsen: Warum waren Gödels Grenzbetrachtungen erfolgreicher als Finslers? In: Die Gödelschen Unvollständigkeitssätze. Zur Geschichte ihrer Entstehung und Rezeption. Stuttgart: Steiner, 1994, S. 131ff.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Johann Caspar Lavater war einer seiner Vorfahren
  2. Biographie von Burckhardt von Günther Frei, Elemente der Mathematik, 2003, S. 136