Paul Hahn

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Paul Gustav Hahn (* 5. April 1883 in Obertürkheim bei Stuttgart; † 2. April 1952 in Stuttgart) war ein deutscher Lehrer und Kunstmaler. Nach der Novemberrevolution 1918 baute er in Württemberg Sicherheitswehren auf und übernahm bis 1923 das Amt des Oberpolizeidirektors von Stuttgart. Wegen seiner Verbindungen zum Widerstand wurde er nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ersten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Schlossers verbrachte er seine Jugend in Esslingen am Neckar. Von 1897 bis 1902 besuchte er die Präparandenanstalt in Nürtingen und unterrichtete anschließend als Lehrer in Stuttgart. 1907 nahm er ein Studium an der Kunstgewerbeschule und Kunstakademie Stuttgart auf. Nach Abschluss des Studiums eröffnete er 1911 eine Werkstatt für graphische Kunst und verdiente seinen Lebensunterhalt als Kunstmaler. Er stellte im Stuttgarter Kunstverein Bilder und Zeichnungen aus und war als Werbezeichner tätig.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete sich Hahn als Freiwilliger beim Dragoner-Regiment „Königin Olga“ (1. Württembergisches) Nr. 25 (Ludwigsburg). 1915 wurde er schwer verwundet. Nach einer Beförderung zum Leutnant der Landwehr-Kavallerie am 22. August 1916, wurde er am 1. Juni 1917 zum Württembergischen Infanterie-Regiment Nr. 475 versetzt. Nach einer erneuten Verwundung und Lazarettaufenthalt kam er zum Gebirgs-Ersatzbataillon in Isny und wurde dort am 9. November 1918 in den Soldatenrat gewählt.

Revolution und Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 12. Dezember 1918 bis 21. März 1919 gehörte Hahn dem Landesausschuss der Soldatenräte Württemberg an. Dort wurde er am 11. Dezember 1918 mit dem Aufbau von Sicherheitskräften beauftragt. Mit seinen Sicherheitskompanien schlug Hahn Anfang Januar 1919 den Spartakusaufstand in Stuttgart nieder und übernahm die Zentralleitung der Sicherheitstruppen in Stuttgart, die am 20. Dezember 1918 vom Generalkommando des XIII. (Württ.) Armeekorps aufgestellt worden waren. Württembergische Sicherheitstruppen nahmen auch an der Niederwerfung der Münchner Räterepublik teil.

Nach Übernahme der Sicherheitstruppen in die Vorläufige Reichswehr blieb Hahn Oberpolizeidirektor in Stuttgart. Als Leiter der Hauptstelle für Einwohnerwehren in Württemberg unterstützte er während des Kapp-Putsches die Reichsregierung, die in Stuttgart Zuflucht genommen hatte. Im April 1922 wurde Hahn nach Zerwürfnissen mit dem württembergischen Innenminister Eugen Graf und der SPD-Fraktion seines Amtes enthoben; sein Dienstverhältnis als Oberpolizeidirektor endete im März 1923.

Hahn arbeitete von nun an freiberuflich als Designer und beteiligte sich unter anderem an der Stahlmöbelfabrik Knoll.

Während des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1935 wurde Hahn von der Robert Bosch GmbH angestellt. Er war beim Aufbau des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart für die Robert-Bosch-Stiftung tätig. Über Robert Bosch kam er auch zu Widerstandskreisen in Kontakt, insbesondere zu Carl Friedrich Goerdeler. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wurde Hahn am 8. August 1944 verhaftet und vom Volksgerichtshof am 28. Februar 1945 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und in der Strafanstalt Brandenburg-Görden inhaftiert.

Nach der Befreiung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hahn kehrte nach der Befreiung Berlins nach Stuttgart zurück, wo er von Juni bis September 1945 als „Chef der deutschen Staatspolizei für Württemberg“ von der französischen Besatzungsmacht mit dem Aufbau der Polizei beauftragt war. Nach Differenzen mit der amerikanischen Besatzungsmacht legte er sein Amt nieder und zog sich ins Privatleben zurück.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erinnerungen aus der Revolutionin Württemberg. „Der rote Hahn. Eine Revolutionserscheinung“. Bergers Literarisches Büro und Verlagsanstalt, Stuttgart 1922.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard Kolb und Klaus Schönhoven. Regionale und Lokale Räteorganisationen in Württemberg 1918/19. Droste Verlag, Düsseldorf 1976, ISBN 3-7700-5084-3.
  • Wilhelm Keil. Erlebnisse eines Sozialdemokraten. II Band. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1948.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]