Paul Jean Daverio

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Paul Jean Daverio (2017)

Paul Jean Daverio (* 12. Mai 1944 in Kingersheim) ist ein Arzt, Chirurg, Pferdezüchter, Kunstsammler und Kunstexperte.[1] Er ist bekannt auf dem Gebiet der Transgender-Operationen und entwickelte die Technik zur Bildung des Penoids weiter – eines „künstlichen Penis“ – die inzwischen international als Standard gilt.[2]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Jean Daverio ist das siebte von insgesamt zehn Kindern des Napoleone Daverio, eines Bauunternehmers. Seine Mutter war Aurelia Hauss. Er ist u. a. der Bruder des Kunstkritikers Philippe Daverio. Aufgrund seiner italienischen und elsässischen Herkunft hat er von Geburt an die doppelte Staatsbürgerschaft und war bereits als Kind dreisprachig. 

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daverio studierte zuerst Medizin an der Universität Straßburg (1962–63), anschließend weiter an der Universität Freiburg (Schweiz) (1964–65) und am Universitätsklinikum in Lausanne, wo er im Jahr 1973 das Diplome de Médecine Universitaire und die Approbation erhielt.

Von 1973 bis 1975 leitete er eine Kunstgalerie in Lausanne (Galérie des Arts Décoratifs SA) und veröffentlichte mehrere Kataloge und Monographien, u. a. zur Glaskunst aus dem Jugendstil[3], Lampen von Louis Comfort Tiffany[4], Tierbronzen[5] des 19. Jahrhunderts in Frankreich Théophile-Alexandre Steinlen[6], symbolistische Malerei und Präraffaeliten. 1975 eröffnet sein Bruder die Galleria Philippe Daverio in der Via Monte Napoleone in Mailand.

Von 1975 bis 1983 spezialisierte er sich in plastischer Wiederherstellungschirurgie am CHUV (Centre hospitalier universitaire vaudois) und durchlief die verschiedenen Abteilungen der Chirurgie. 1983 gründete er mit spezialisierten Kollegen das Centre Medico-Chirurgical von Ruchonnet als Poliklinik, wo er als Facharzt für Plastische Chirurgie und als Handchirurg arbeitet. 1983 schrieb er seine Dissertation über die Reparatur von Nerven mit Fibrinkleber[7]. 1986 beantragte er die Schweizer Staatsangehörigkeit. Um in der Schweiz praktizieren zu können, musste er ein weiteres Examen vor einem eidgenössischen Regierungsbeamten ablegen (Examen fédéral de médecine humaine).

1985 wurde er Chefarzt für Plastische Chirurgie und Rekonstruktionschirurgie an den Krankenhäusern von Montreux-Vevey „Samaritain – Providence“. 1986 gelangen ihm als erstem Chirurg Geschlechtsangleichende Maßnahmen in einem Schritt, inklusive Phalloplastik mit Mikrochirurgie (one-stage-phalloplastic). Die entscheidende Verbesserung besteht in folgendem: Mastektomie, Hysterektomie, Ovariektomie und Kolpektomie, Urethroplastie und anschließend Phalloplastie mit sensiblem freiem Lappen vom Vorderarm in einer operativen Sitzung von 9 Stunden. Die Technik präsentierte er auf dem European Congress for Plastic Surgery in Stockholm 1986, zusammen mit dem Urologen R. Meyer und dem Gynäkologen Jaques Dequesne.[8] Bis 1988 arbeitete er weiter in Montreux, anschließend von 1988 bis 1990 in der Clinique La Rosiaz in Lausanne Pully.

1990 ging Daverio nach Spanien, wo er bis 1995 in Madrid an der Clinica Pro Salud mit dem Urologen Aurelio Uson Calvo operierte. Gleichzeitig arbeitet er weiter in Montreux und Monchoisi (Lausanne), wo er die Abteilung für plastische Chirurgie und Wiederherstellungschirurgie aufbaute. Dabei verbessert Daverio seine Technik bei Frau-zu-Mann- und Mann-zu-Frau-Operationen. Seine Ergebnisse veröffentlichte Daverio u. a. während der Plastic Surgery Week (Phalloplasty Session), in Davos, Schweiz, am 7. März 2003, sowie in verschiedenen Fachbüchern[9] und Kongressen.

Ab 1995 brachte Daverio sein von ihm entwickeltes One-Stage-Operations-Verfahren (All-In-One-Transgender-Operationen) nach Deutschland auf Einladung von Michael Krüger nach Potsdam und leitete fortan dort alle Transgender-Operationen (FzM / MzF) bis Juni 2018.

Ab Juli 2018 wechselte Daverio mit der Kerngruppe seines OP-Teams in Deutschland an die MEOCLINIC in Berlin-Mitte, um dort ein neues Zentrum für Transgender-Chirurgie aufzubauen, deren Schwerpunkt das Daverio-Verfahren der One-Stage-Transgender-Operationen ist.

Als Chirurg in geschlechtsangleichenden Operationen arbeitet Daverio auch zusammen mit der Universität Bologna in der Abteilung der Andrologie mit Fulvio Colombo sowie in den schweizerischen Kliniken Genolier GSMN und Montchoisi, die im Swiss Medical Network zusammenarbeiten sowie im Zuger Kantonsspital.[10][11][1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Daniel Lüthi: Transsexualität ist ein Identitätsproblem. In: Schweizerische Ärztezeitung 2011;92(48):1886-1888. EMH Media, 30. November 2011, abgerufen am 28. November 2017.
  2. Alfred Berger, Robert Hierner: Plastische Chirurgie: Mamma. Stamm. Genitale. Springer-Verlag, 16. August 2007, abgerufen am 28. November 2017.
  3. Paul Jean Daverio: L’art verrier à l’aube du XXe siècle. Hrsg.: Galerie des Arts Décoratifs SA. Editions Galerie des Arts Décoratifs SA, Lausanne 1973, S. 106.
  4. Paul Jean Daverio: Louis Comfort Tiffany. Hrsg.: Galerie des Arts Decoratifs SA Lausanne. Editions Galerie des arts Décoratifs, Lausanne 1973, S. 96.
  5. Paul Jean Daverio: Les animaliers du XIXe siècle. Hrsg.: Galerie des arts decoratifs SA Lausanne. Editions GAD SA, Lausanne 1973, S. 74.
  6. Paul Jean Daverio: Steinlen. Hrsg.: Galerie des arts décoratifs SA Lausanne. Lausanne 1973, S. 82.
  7. Paul Jean Daverio: Greffes de nervs avec la colle fibrine. Hrsg.: Université de Lausanne. Lausanne 1983.
  8. R. Meyer, P. J. Daverio, J. Dequesne: One-stage phalloplasty in transsexuals. In: Annals of plastic surgery. Band 16, Nummer 6, Juni 1986, S. 472–479, PMID 3273062.
  9. Paul Daverio: Surgical treatment for sex reassignment of gender identity disorders. In: Felipe Coiffman (Hrsg.): Plastic surgery, reconstructive and aesthetic. Nr. 4. Bogota 2012.
  10. Zuger Kantonsspital Website auf zgks.ch
  11. Yves Steinmetz: Geschlechtsangleichende Operationen bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen mit Phalloplastik Vergleich verschiedener Operationstechniken sowie Einschätzung der Operationsergebnisse. 15. September 2010, abgerufen am 28. November 2017.