Paul Kretschmer (Linguist)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul Kretschmer (* 2. Mai 1866 in Berlin; † 9. März 1956 in Wien) war ein deutscher Linguist, der die Frühgeschichte und die Wechselbeziehungen der indoeuropäischen Sprachen studierte und zeigte, wie diese durch nicht-indoeuropäische Sprachen beeinflusst wurden, wie zum Beispiel Etruskisch.

Leben[Bearbeiten]

Paul Kretschmer war Sohn des Genremalers und Kostümkundlers Albert Kretschmer (1825 bis 1891) und Bruder des historischen Geografen Konrad Kretschmer (1864 bis 1945).

Kretschmer studierte seit 1884 in Berlin Indogermanistik bei Johannes Schmidt, Archäologie bei Carl Robert und Klassische Philologie bei Hermann Diels. 1889 wird er mit einer Arbeit zur griechischen Grammatik zum Dr. phil. promoviert und 1891 habilitiert er sich für indogermanische Sprachwissenschaften. 1897 wird er außerordentlicher Professor für vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg. 1899 wird er ordentlicher Professor der allgemeinen vergleichenden Sprachwissenschaft an dem vom Orientalischen Institut getrennten Indogermanischen Institut der Universität Wien, wo er bis zu seiner Emeritierung 1937 vor allem zur Griechischen Sprache und ihrer Geschichte lehrt und forscht.

Gemeinsam mit Franz Skutsch begründete er 1908 die Zeitschrift Glotta.

Zu seinen Schülern zählten der griechische Sprachwissenschaftler und Neogräzist Nikolaos P. Andriotis sowie der klassische Philologe und Pädagoge Richard Meister.

In der von Friedrich von der Leyen begründeten Buchreihe Märchen der Weltliteratur veröffentlichte Kretschmer 1917 ein Buch mit griechischen Volksmärchen. Schon vorher hatte er Märchen als Beispiele benutzt, mit denen er auf den Inseln Lesbos und Korfu neugriechische Dialekte erforschte.

Kretschmer wird mehrfach ausgezeichnet: Er erhält den Förderpreis der Bopp-Stiftung und die Ehrendoktorwürden der Universitäten Athen und Sofia. 1902 wird er korrespondierendes, 1909 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie. Zudem ist er Mitglied sieben weiterer Akademien. 1936 wurde Kretschmer in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.[1] Er publizierte über 250 Titel und legte seine Professur erst kurz vor seinem Tode nieder.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1892: Förderpreis der Bopp-Stiftung
  • Ehrendoktorwürde der Universität Athen
  • Ehrendoktorwürde der Universität Sofia

Schriften[Bearbeiten]

  • Einleitung in die Geschichte der griechischen Sprache (1896)
  • Griechische Volksmärchen (1917)
  • Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache (1918)

Literatur[Bearbeiten]

  • Bihl, Wolfdieter (2009). Orientalistik an der Universität Wien. Forschungen zwischen Maghreb und Ost- und Südasien: Die Professoren und Dozenten. Wien / Köln / Weimar: Böhlau. S. 69 f.
  • DBE – Deutsche Biographische Enzyklopädie (2006). Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 6 Kraatz – Menges. Hg. Rudolf Vierhaus. München: Saur. S. 59.
  • Solta, Georg Renatus (1982). „Kretschmer, Paul“. In: Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.). Neue deutsche Biographie. Band 13 Krell – Laven. Berlin: Duncker und Humblot. S. 15-16. http://www.deutsche-biographie.de/pnd118888455.html
  • Kronasser, Heinz. Paul Kretschmer (2. Mai 1866 bis 9. März 1956). In: Archiv für Orientforschung 17 (1954–1956). S. 479–481.
  • Lochner von Hüttenbach, Fritz Freiherr (2003). „Historische Sprachwissenschaft“. In: Acham, Karl (Hg.). Geschichte der Österreichischen Humanwissenschaften. Band 5: Sprache, Literatur und Kunst. Wien: Passagen-Verlag. S. 50 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Members of the American Academy. Listed by election year, 1900–1949 (PDF). Abgerufen am 27. September 2015