Paul Schuster (Autor)

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Grabstätte, Stubenrauchstraße 43-45, in Berlin-Friedenau

Paul Schuster (* 20. Februar 1930 in Hermannstadt/Siebenbürgen; † 5. Mai 2004 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Redakteur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Schuster entstammt der rumäniendeutschen Minderheit der Siebenbürger Sachsen. Sein Vater war Besitzer eines Delikatessengeschäfts. Nachdem er am Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt das Abitur abgelegt hatte, ging Schuster 1949 nach Bukarest. Dort war er als junger Volontär tätig, später arbeitete er als fester Mitarbeiter in den Redaktionen der TageszeitungNeuer Weg“ und der LiteraturzeitschriftNeue Literatur“. In den 1950er Jahren war Schuster verheiratet mit der rumänischen Schriftstellerin Ana Novac. Seit Mitte der Fünfzigerjahre veröffentlichte er eigene Prosatexte in deutscher Sprache; sein bekanntestes Werk ist der zweibändige Roman Fünf Liter Zuika, der als Panorama der Geschichte der Siebenbürger Sachsen angelegt war und in Rumänien unvollendet blieb. 1968 wurde der Roman als erstes Werk eines deutschen Schriftstellers aus Rumänien im Westen auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Die Arbeit am dritten Band wurde erst nach dem Umzug nach Berlin 1972 möglich, jedoch nie beendet.[1]

Am 15. November 1968 wurde Schuster in der konstituierenden Sitzung des Rats der Werktätigen deutscher Nationalität der Sozialistischen Republik Rumänien als Stellvertreter des Vorsitzenden Eduard Eisenburger gewählt. Zu weiteren Stellvertretern wurden Anton Breitenhofer, Richard Winter und Peter Lamoth gewählt.[2] Während seiner Bukarester Zeit geriet Schuster immer wieder in engen Kontakt mit dem rumänischen Staatschef Nicolae Ceaușescu. Später unternahm er gezielt Versuche, die Autoren der späteren Aktionsgruppe Banat zu fördern. In Folge der ambivalenten Haltung Schusters kam es zum Zerwürfnis mit den jungen Autoren.

1971 folgte Schuster einer Einladung des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland, Erwin Wickert, und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste nach München, und kehrte daraufhin nicht mehr nach Rumänien zurück.

Ab 1972 lebte Paul Schuster in der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem sich seine Lebensgefährtin Claire Foehn von ihm getrennt hatte, führte er zeitweise eine exzentrische Existenz. Er engagierte sich für die Belange der Roma und leitete diverse Schreibwerkstätten in Akademien, Volkshochschulen und Gefängnissen.[1] In Deutschland entstand eine Vielzahl von Texten, von denen die meisten bisher unveröffentlicht sind. Daneben übersetzte er literarische Texte aus dem Rumänischen ins Deutsche, u.a. von Norman Manea.

Schuster wurde auf dem Städtischen Friedhof Stubenrauchstraße in Berlin-Schöneberg beigesetzt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rübezahl und der Glaserjockl, Bukarest 1954 (Theaterstück für Kinder - Jugendverlag Bukarest und Verlag Neues Leben, Berlin)
  • Bühnenspiele für die Jugend, Bukarest 1955
  • Der Teufel und das Klosterfräulein, Bukarest 1955 (Roman, Jugendverlag Bukarest und Verlag Neues Leben, Berlin)
  • Strahlenlose Sonne, Bukarest 1957 (Novelle, Jugendverlag Bukarest und Verlag Neues Leben, Berlin)
  • 17 Ich - 1 Wir, Bukarest 1965 (Anthologie "Junge deutsche Lyrik in Rumänien" Literaturverlag Bukarest)
  • Alte Sachen, neue Brillen, Bukarest 1959 (Erzählungen, Jugendverlag Bukarest)
  • Fünf Liter Zuika oder Die Verwirrungen, Schicksalsprüfungen und die allmähliche Erleuchtung des wenigerwohlhabenden Thomas Schieb aus Kleinsommersberg, Bukarest
    • 1 Verlag "Meridiane",Bukarest, 1963 (1962)
    • 2 (1965)??
  • Ikikusch - oder die Eroberung der Liebe, Bukarest 1966 (Roman über den Amazonenkrieg, Fragmente - Neue Literatur)
  • Februarglut, Bukarest 1967 (Roman, Jugendverlag Bukarest, auch ins Rumänische übersetzt)
  • Hermannstadt, Bukarest 1967 (Poetische Chronik - Fotos: Edmund Höfer)
  • Die Geschichte vom Billardgott Lutz Schuster und der Hure Doda, Bukarest 1968 (Neue Literatur; NDR)
  • Yoko und Tadashi, Bukarest 1969 (Zirkusroman für Kinder, Jugendverlag Bukarest und Styria Verlag Graz)
  • BRIEF AN MEINEM SOHN GAD JOHANNES oder Das Matterhorn und das Steinchen im Schuh oder Rhapsodie auf einen genialen Billardspieler, Bukarest 1968 Heft 4 der Neuen Literatur
  • Heilige Cäcilia, Berlin 1986 (Novelle, Mariannenpresse, Berlin - RIAS)
  • Puzzeln im Königsschloß (Erzählungen - NDR)
  • 12 + 1 Selbstmorde (Collage - NDR)
  • Tanz mit Chiva (frei erzählt - WDR)
  • Unter uns geschwiegen - Sauna in Sibirien (Kommunität und RIAS)
  • Wie ich zu meinem sagenhaften Vermögen gelangt bin (Erzählung - Litfass; Cosmopolitan; RIAS)
  • HEIDELBERGER AUSLESE - Band I un II, Oktober 2001
  • Huftritt, Aachen 2003

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 17 Ich, 1 Wir, Bukarest 1965
  • Reinhard Gehret: Maikäferlikör, Berlin 1992

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Perlentaucher: Biografie Paul Schuster
  2. Hannelore Baier: Das Jahr 1968 und die deutsche Minderheit (Memento vom 17. Juli 2009 im Internet Archive)