Paul von Stetten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paul von Stetten d. J.

Paul von Stetten, genannt der Jüngere (* 24. August 1731 in Augsburg; † 11. Februar 1808 ebenda), war von 1792 bis 1806 der letzte Stadtpfleger der Stadt Augsburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Augsburger Familie dieses Namens ist nicht mit dem fränkischen Uradels- und Reichsrittergeschlecht von Stetten verwandt, sondern stammte aus Frankfurt am Main, von wo 1426 Hans von Stetten übersiedelte. Die Familie schloss sich frühzeitig der Reformation an und wurde 1538 vom Rat unter die „Geschlechter“ und damit ins regierende Patriziat aufgenommen.

Paul von Stetten besuchte das Anna-Gymnasium und erhielt Privatunterricht. Danach studierte er an der Universität Genf und der Universität Altdorf. Anschließend kehrte er wieder nach Augsburg zurück, wo er eine Familiengeschichte zu schreiben begann, die er 1766 unter dem Namen Neues Ehrenbuch oder Geschichte des adeligen Geschlechtes der von Stetten veröffentlichte. Er verfasste Darstellungen der adeligen Geschlechter (1762) und der Wappen des Patriziats (1763), außerdem verschiedene literarische Porträts berühmter Augsburger, unter anderem auch der Agnes Bernauer. Er schrieb aber auch Romane und Kantatentexte und pflegte den Umgang mit anderen Künstlern. In den Jahren 1779 und 1788 veröffentlichte Stetten in zwei Bänden die Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte der Reichs-Stadt Augsburg, die bis heute eine bedeutende Quelle geblieben ist. Er war zudem in verschiedenen Verwaltungszweigen in Augsburg Inhaber von Ämtern und seit 1770 Ratsmitglied. Stetten war von 1792 bis 1806 der letzte Stadtpfleger der Stadt Augsburg. Um Reformen der Verfassung und Finanzen der Reichsstadt Augsburg im Sinne der Aufklärung bemüht, konnte er sie – mit Ausnahme einer umfassenden Reform des evangelischen Schulwesens in Augsburg – aufgrund verschiedener äußerer Bedingungen (Ablehnung der politischen Partizipation und Repräsentation der einfachen Bürgerschaft im Inneren und im Geheimen Rat durch die kaiserliche Obrigkeit, Widerstand gegen manche Sozialreform von Seiten des katholischen Stadtpflegers und des katholischen Lagers, Verlust der Reichsfreiheit Augsburgs) aber nicht durchsetzen.[1]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichs-Stadt Augsburg. Augsburg 1762 (E-Kopie).
  • Kunst-, Gewerb- und Handwerks-Geschichte der Reichs-Stadt Augsburg, verfaßt von Paul von Stetten dem jüngern. Augsburg 1779.
  • Kunst-, Gewerb- und Handwerks-Geschichte der Reichs-Stadt Augsburg. Zweiter Theil oder Nachtrag, verfaßt von Paul von Stetten dem jüngern. Augsburg 1788.
  • Beschreibung der Reichs-Stadt Augsburg nach ihrer Lage, jetzigen Verfassung, Handlung und den zu solcher gehörenden Künsten und Gewerben auch ihren andern Merkwürdigkeiten. Nebst beygefügtem Grundriß, Augsburg 1788

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anthony Durand, Médailles et Jetons des Numismates. Genève 1865 (dort auf Seite 193: "mort le 12 février 1808)
  • Günther Grünsteudel, Günter Hägele, Rudolf Frankenberger (Hrsg.): Augsburger Stadtlexikon. 2. Auflage. Perlach, Augsburg 1998, ISBN 3-922769-28-4, (online)
  • Helmut Gier (Hrsg.): Paul von Stetten d. J. Selbstbiographie. Die Lebensbeschreibung des Patriziers und Stadtpflegers der Reichsstadt Augsburg (1731–1808). 3 Bände (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft, Reihe 6)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Gier: Paul von Stetten d. J. Selbstbiographie. Die Lebensbeschreibung des Patriziers und Stadtpflegers der Reichsstadt Augsburg (1731–1808). Band 1: Die Aufzeichnungen zu den Jahren 1731 bis 1792. In: Helmut Gier (Hrsg.): Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft, Reihe 6. Augsburg 2009.