Peter Michael Lingens

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Peter Michael Lingens (2009)

Peter Michael Lingens (* 8. August 1939 in Wien) ist ein österreichischer Journalist. Er ist der Sohn von Ella und Kurt Lingens, zwei Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Matura und dem Bundesheer arbeitete Lingens als Redakteur bei der Arbeiter-Zeitung. Nach einem Zwischenspiel in einem Institut für Markt- und Motivforschung in München wurde er Gerichtsaalberichterstatter des Kurier. Von Oscar Bronner als Chefredakteur zum neu gegründeten profil bestellt wurde er nach dessen Ausscheiden bis 1987 Herausgeber des Nachrichtenmagazins. Drei Jahre später übernahm er die Herausgeberschaft und Chefredaktion der österreichischen Ausgabe der deutschen Wirtschaftswoche, danach wechselte er 1993 in die Chefredaktion des Standard, aus der er 1996 wieder ausschied, aber weiterhin Kommentare für die Zeitung verfasste. Anschließend übernahm Lingens von 1997 bis 2000 eine Professur für Journalismus an der Donau-Universität Krems und lehrte an der Journalismus-Akademie in Wien.[1] Von 2001 bis Mai 2017 war er als Kolumnist erneut für profil tätig.[2] Ab Mitte Juni werden seine Kolumnen in der Wochenzeitung Falter erscheinen. Neben seiner journalistischen Arbeit ist er Mitverleger des Jugendmagazins Topic.

Lingens verband eine enge Freundschaft mit dem Holocaust-Überlebenden Simon Wiesenthal. Er trug als persönlicher Sekretär des „Nazi-Jägers“ viel dazu bei, aus Wiesenthal einen Kommunikator zu machen. Als Bruno Kreisky Simon Wiesenthal im Zuge der Kreisky-Peter-Wiesenthal-Affäre als V-Mann der Gestapo verdächtigte, nannte Lingens das in einem Kommentar des profil „ungeheuerlich, unmoralisch und opportunistisch“. Weil Kreisky als Bundeskanzler kritisiert wurde, wurde das Presseverfahren als Offizialdelikt verhandelt und Lingens wurde in Österreich in letzter Instanz zu einer Geldstrafe von 30.000 Schilling verurteilt. In der Urteilsbegründung vertrat das Oberlandesgericht Wien den Standpunkt, ein Journalist hätte sich jeder "Wertung" zu enthalten. Zehn Jahre später hob der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) diese Verurteilung in einem Urteil[3] auf, das erhebliche Bedeutung für die Berichterstattung im gemeinsamen Raum erlangte. Der EGMR stellte klar, dass dann, wenn ein Sachverhalt korrekt dargestellt wird, der Journalist selbstverständlich zu moralischen Wertungen berechtigt ist, vorausgesetzt, dass er sie in Worten vorbringt, die als angemessen angesehen werden können. Ein sehr kritischer Sachverhalt, der kritisch zu bewerten jedenfalls möglich ist, darf daher mit entsprechend harten Worten kritisiert werden. Als Elfriede Jelinek 1985 mit ihrem Stück „Burgtheater“ 1985 die nationalsozialistische Vergangenheit des Burgtheaters und seiner Bühnenstars Wessely und Hörbiger thematisieren wollte, folgte eine mediale Hetzkampagne, in der sich auch Lingens energisch gegen das Stück aussprach und dies mit dem hohen Alter der im Stück bloßgestellten Schauspieler begründete.[4]

Peter Michael Lingens lebt mit seiner Frau Eva und seinem jüngsten Sohn Eric in Österreich und Spanien.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Michael Lingens liest aus Ansichten eines Außenseiters (2009)

Bekannt wurde Peter Michael Lingens für die Präzision seiner Argumentation, die er über die Jahre in unzähligen Kommentaren unter Beweis stellte. Lingens ist der Autor mehrerer Bücher, u.a:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Jüdische Echo: Autorinnen und Autoren, abgerufen am 24. Mai 2017
  2. derStandard.at: "Profil" wieder ohne Lingens – schreibt ab Juni für "Falter". Artikel vom 21. Mai 2017, abgerufen am 21. Mai 2017.
  3. EGMR 8. Juli 1986 - Beschwerdenummer 12/1984/84/131, Urteil (englisch)
  4. http://diepresse.com/home/diverse/zeichen/102896/Jelinek_Da-ist-die-Hex