Peter Moses-Krause

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Peter Moses-Krause (* 8. Februar 1943) ist ein deutscher Verleger, Autor und Übersetzer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der promovierte Germanist, der in Hamburg, Bonn und Amsterdam studierte, lebt seit 1971 in Berlin. Am 14. Juli 1977 gründete er in West-Berlin den Verlag Das Arsenal,[1] den er je nach Quelle als „Waffenkammer der Aufklärung“[2] oder „Rüstkammer für die Köpfe“[3] versteht. Gemeinsam mit seiner Frau hat er bisher rund sechzig Bücher verlegt, sechs bis neun „wunderbar schlichte Bücher, in Fadenheftung und englischer Broschur, ergänzt durch ebenso ausgefallene wie zarte Skizzen“ pro Jahr.[2] Schwerpunkte des Verlagsprogramms sind jüdische, jüdisch-deutsche und essayistische Literatur, das großstädtische Feuilleton, Kunst, Film- und Kunstkritik.[4]

Moses-Krause versteht sich als politischer Verleger mit linker Vergangenheit. Gemäß taz soll er in jüngeren Jahren einer maoistischen K-Gruppe angehört haben.[5] Der Anspruch, mit Literatur in die Politik einzugreifen, sei dann allerdings „rasch zerstoben“, „aber ich bringe nach wie vor Literatur heraus, die ich für politisch halte – nur verbirgt sich das Politische heute stärker“, meint Moses-Krause.[3]

Moses-Krause, der nur Bücher verlegt, die ihn interessieren,[6] verlegt neben dem Elsässer Claude Vigée und Christine Wolter nur wenige Gegenwartsautoren. Zu den verstorbenen, meist jüdischen Autoren, deren Texte Moses-Krause wieder zugänglich macht, gehören der Journalist und Schriftsteller Victor Auburtin, von dem eine Werkausgabe erscheint, die Filmkritiker Béla Balázs und Siegfried Kracauer, der ungarische Erzähler Tibor Déry, der Journalist und Literaturwissenschaftler Arthur Eloesser und der Schriftsteller und Flaneur Franz Hessel.[2]

Moses-Krause ist ein assimilierter Jude, für den an Weihnachten „der Weihnachtsbaum ganz selbstverständlich dazu[gehört]“.[7] Er engagierte sich in der Jüdischen Gruppe Berlin[8] und beim Jüdischen Runden Tisch.[9] Seinen Verbleib in Deutschland, dem „Land der Mörder“ in der jüdischen Lesart, erklärt er:

„Ich sehe meinen Platz hier in Deutschland und werde ein paar Neonazis nicht das Feld räumen. Zweifel, ob jüdische Gemeinden in Deutschland existieren können und sollten, hat es seit dem Zweiten Weltkrieg immer gegeben. Zugespitzt lautet die Frage: Ist es für Juden richtig, im Land der Mörder zu leben? Jeder Einzelne muss sich diese Frage irgendwann stellen und für sich persönlich beantworten. Auch wenn die Entscheidung nie definitiv sein kann, bin ich fest entschlossen, meine Position in Deutschland zu verteidigen.“[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lange Nacht zum 33. Geburtstag des Verlags Das Arsenal. In: BuchMarkt. 15. Juli 2010, abgerufen am 19. Oktober 2011.
  2. a b c Claudia Keller: In der Waffenkammer der Aufklärung. Der „Arsenal“-Verleger Peter Moses-Krause wird 60 Jahre alt. In: Der Tagesspiegel. 8. Februar 2003, abgerufen am 18. Oktober 2011.
  3. a b Sieglinde Geisel: Politisch im Verborgenen. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Dezember 2002, abgerufen am 9. Mai 2019.
  4. Das Arsenal - Verlag für Kultur und Politik. In: Lexikon: Charlottenburg-Wilmersdorf von A bis Z. Berlin.de. Das offizielle Hauptstadtportal, abgerufen am 18. Oktober 2011.
  5. Jörg Sundermeier: Die Waffen der Aufklärung sind noch nicht stumpf. In: Taz. 12. Juli 2007, abgerufen am 18. Oktober 2011.
  6. Susanne Kippenberger: Was machen wir heute? : Geburtstag feiern. In: Der Tagesspiegel. 9. Juli 2007, abgerufen am 18. Oktober 2011.
  7. Auch Angehörige anderer Religionen wollen sich am Wochenende etwas schenken. Der Baum gehört einfach dazu. In: Berliner Zeitung. 24. Dezember 1994, abgerufen am 19. Oktober 2011.
  8. Peter Moses-Krause: Ein Denkmal? Nein, danke. In: Berliner Zeitung. 20. Januar 1995, abgerufen am 19. Oktober 2011.
  9. Marlies Emmerich: Zoten, Drohungen, Haß - viele Juden leben mit der Angst. In: Berliner Zeitung. 29. Juni 1994, abgerufen am 19. Oktober 2011.
  10. Darf sich das jüdische Leben zurückziehen? In: Die Welt. 5. Oktober 2000, abgerufen am 19. Oktober 2011.