Polikarpow R-1

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Polikarpow R-1
Polikarpow R-1
Typ: Mehrzweckflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller:

Staatliches Flugzeugwerk Nr. 1/Polikarpow

Erstflug: 1923
Produktionszeit: 1922–1931
Stückzahl: ≈3000

Die Polikarpow R-1 (russisch Поликарпов Р-1) war ein von der Sowjetunion gebautes militärisches Mehrzweckflugzeug. Eingesetzt wurde sie zur Aufklärung, als leichter Bomber, zur Schulung und als Erdkampfflugzeug. Eine zivile Version diente zur Postbeförderung. Sie war das erste Flugzeug, das in Massenproduktion gefertigt und an die sowjetischen Luftstreitkräfte ausgeliefert werden konnte, und trug so zur Unabhängigkeit der sowjetischen Luftfahrtindustrie gegenüber Importkäufen aus dem Ausland bei.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bestand der noch nicht lange bestehenden Roten Luftflotte befanden sich mehrere Flugzeuge der Typen D.H.4 und D.H.9, die teils von der alten zaristischen Luftwaffe übernommen und teils von den britischen Interventionstruppen während des Bürgerkrieges erbeutet wurden, und mit denen die sowjetischen Piloten sehr zufrieden waren. Im Alter von 26 Jahren wurde Nikolai Polikarpow 1918 zum Leiter des Staatlichen Flugzeugwerkes Nr. 1 (russisch Государственный авиационный завод № 1 [ГАЗ № 1]) in Moskau ernannt. Dieses sollte die vorhandenen Flugzeuge warten, instandsetzen sowie auch neue Entwürfe realisieren. Polikarpow überarbeitete daraufhin drei Jahre lang die Konstruktionsunterlagen und passte sie bis 1921 den Möglichkeiten der sowjetischen Industrie an.

Die ersten 1920/21 neu gefertigten Flugzeuge waren 20 Maschinen des Typs D.H.4 mit italienischen Fiat A.12-Triebwerken. Ein Exemplar erhielt 1923 zu Erprobungszwecken einen deutschen 260-PS-Maybach-Motor, ein anderes stromlinienförmige Stahlrohrverstrebungen. Ebenfalls versuchsweise bekam eine Maschine 1924 ein dickeres Flügelprofil.

In den Jahren 1922–1923 erschienen dann die ersten reinen, auf der D.H.9 basierenden R-1 (Raswedtschik, Aufklärer). Allerdings waren die dazugehörigen Zellen noch größtenteils in Großbritannien gekauft worden. Sie unterschieden sich von der D.H.9 hauptsächlich durch die weiter nach hinten versetzten Kabinen. Als Antrieb diente ein Sechszylinder-Reihenmotor Mercedes D IVa mit 194 kW (260 PS) Leistung. Davon produzierte man 100 Stück.

Ein Jahr später verließ eine weitere Serie von 130 R-2 mit britischen Armstrong Siddeley Puma-Sechszylindermotoren die Werkhallen. Diese Variante wurde hauptsächlich als Übungsflugzeug an den Fliegerschulen eingesetzt. 1925 flog A. N. Jekatow mit einer R-2 von Moskau nach Peking.

Ab Herbst 1923 erschien dann die mit dem M-5, einem Lizenzbau des amerikanischen Liberty L-12 Motors, ausgestattete endgültige R-1 Serienversion, die bis 1931 in einer Stückzahl von etwa 2800 Flugzeugen produziert wurde. Mit diesem Flugzeug unternahm Michail Gromow im Sommer 1925 einen Fernflug auf der Strecke Moskau-Peking-Tokio.

Als die Flugzeuge aus der ersten Linie herausgezogen wurden, bekamen einige von ihnen einen BMW-IVa-Motor und fanden fortan als Schulflugzeuge Verwendung.

Eine andere Ausführung war die MR-1, die mit von Polikarpow konstruierten Sperrholzschwimmern versehen war. Im Gegensatz zur Landversion verfügte sie einen verstärkten Unterflügel und Rumpfboden sowie ein verändertes Seitenleitwerk.[1] Nach Versuchen im Winter 1925, bei dem sich die Schwimmerverstrebungen als unzureichend erwiesen, wurde das Schwimmerwerk verstärkt und im Herbst 1926 von Michail Gromow erprobt. Von ihr wurden 1927/28 124 Stück gebaut und bis 1932 eingesetzt.

Es folgte die vom in der UdSSR arbeitenden deutschen Ingenieur Münzel entworfene PM-2 mit Aluminium-Schwimmkörpern, die im Herbst 1927 von J. N. Moissejew getestet, aber wegen der allgemeinen Rohstoffknappheit nicht in die Serienproduktion überführt wurde.

Technische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rumpf der R-1 bestand aus einer Kiefernholz-Gitterkonstruktion, der Vorder- und Mittelteil wurde mit 3 mm Sperrholz verkleidet, der Rest mit Stoff bespannt. Das Tragflächengerüst besaß zwei Kastenholme und im Tragflächenmittelstück zwei Doppel-T-Holme, die Flügelrippen bestanden aus Kiefernholz mit Sperrholzstegbrettern. Das Leitwerk war verspannt, das Höhenruder besaß einen während des Fluges verstellbaren Einstellwinkel. Das Hauptfahrwerk war starr und hatte eine durchgehende Achse. Im Winter konnten Skier montiert werden. Der Hecksporn war gummigefedert.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schwimmerversion MR-1
Dreiseitenriss
Kenngröße R-1 MR-1
Konzeption Mehrzweckflugzeug
Konstrukteur(e) Nikolai Polikarpow
Hersteller Duks
Baujahr(e) 1923–1931 1927–1928
Länge 9,24 m 10,58 m
Flügelspannweite 14,02 m
Höhe 3,50 m
Flügelfläche 45,65 m² 44,54 m²
Antrieb ein wassergekühlter V-12-Motor M-5
Startleistung 294 kW (400 PS)
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h in Bodennähe 179 km/h in Bodennähe
Steigzeit 4,5 min auf 1000 m Höhe
16,5 min auf 3000 m Höhe
8,8 min auf 1000 m Höhe
Landegeschwindigkeit 90 km/h 100 km/h
Startstrecke 250 m k.A.
Dienstgipfelhöhe 5000 m 3680 m
Reichweite 750 km 650 km
Flugdauer 4 h
Leermasse 1463 kg 1830 kg
Startmasse 2217 kg 2580 kg
Besatzung 2
Bewaffnung ein starres 7,62-mm-MG PW-1
zwei bewegliche 7,62-mm-MG DA
k.A.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wadim B. Schawrow: Zur Geschichte des sowjetischen Flugzeugbaus. Der sowjetische Flugzeugbau in der Periode des Wiederaufbaus der Volkswirtschaft (1921 bis 1925). In: Fliegerkalender der DDR 1975. Militärverlag, Berlin 1974, S. 153–159.
  • Wilfried Kopenhagen: Sowjetische Bombenflugzeuge. Transpress, Berlin 1989, ISBN 3-344-00391-7.
  • Wilfried Kopenhagen, Jochen K. Beeck: Das große Flugzeugtypenbuch. Motorbuch, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-613-02522-6, S. 500.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Polikarpow R-1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wladimir Kotelnikow: Der „Chinesische Eisenbahnkrieg“ von 1929. In: Fliegerrevue Extra. Nr. 24. Möller, Berlin 2009, S. 36.