Postbariatrische Wiederherstellungschirurgie

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Der Begriff postbariatrische Wiederherstellungschirurgie (Syn.: postbariatrische plastische Chirurgie) bezeichnet operative Maßnahmen zur Wiederherstellung und funktionelle Rekonstruktion der Körpersilhouette nach massiver Gewichtsreduktion.[1][2][3] Häufig wird auch der Begriff Wiederherstellungsoperation verwendet.

Die Eingriffe (Dermolipektomie) sind medizinisch indiziert und grenzen sich damit klar von der ästhetischen Chirurgie ab.[3][4] Sehr häufig wurde die Gewichtsreduktion mit Hilfe eines Eingriffs der Adipositaschirurgie erreicht. In den meisten Fällen beträgt die Gewichtsreduktion 50–100 kg, in seltenen Fällen auch mehr als 200 kg.[4][5][6][7][8] Es resultieren massive Hautüberschüsse im gesamten Körperstammbereich als auch der Oberschenkel und der Oberarme. Die Wiederherstellung der Körpersilhouette ist für viele Patienten nach einer massiven Gewichtsreduktion quasi der "Endpunkt" und somit das Behandlungsziel der dauerhaften Gewichtsreduktion und nachhaltigen Lebensstilveränderung.[5][6][9]

Operationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den häufigsten Eingriff stellt die Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik) mit Nabelreimplantation, gefolgt von Oberarm-, Oberschenkel- und Bruststraffungen (Mastopexie) dar. Zirkuläre Straffungen erfolgen als Belt Lipectomy oder Bodylift-Operation nach Lockwood, ggf. kombiniert mit einer Oberschenkelstraffung.[4][6][7] Die Komplikationsmöglichkeiten der Eingriffe wie Nachblutungen, Serombildung und Wundheilungsstörungen werden mit einer Häufigkeit von 10-20 % beobachtet und erfordern unter Umständen wiederholte Operationen und eine entsprechend verlängerte Nachbehandlung.[10] Neben der Dermolipektomie erfolgt bei postbariatrischen Patienten häufig eine aufwändige Rekonstruktion der Subkutanfaszien (Scaper`sche Faszie) und ggf. der Muskelfaszien, um ein langfristig stabiles Ergebnis zu erreichen.[4][8]

Medizinische Indikation und Kostenübernahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuelle Leitlinie Chirurgie der Adipositas hat erstmals die postbariatrischen Korrektureingriffe berücksichtigt.[9] Zu beachten ist allerdings, dass unrealistische Erwartungen der Patienten zu subjektiv enttäuschenden Ergebnissen führen.

In der Regel handelt es sich um planbare Elektiveingriffe, sodass vor der Operation die Kostengutsage der Krankenversicherung auf der Basis einer Einzelfallentscheidung einzuholen ist. Die Antragstellung erfolgt durch den Patienten und die behandelnde Klinik in Form eines Gutachtens. Objektive Befunde, wie ausgedehnte Haut-zu-Haut-Kontaktzonen mit Irritationen, Nabeltiefe oder funktionelle Einschränkungen (z. B. Toilettengang) werden erfasst und fotodokumentiert. Hinzu kommen Stellungnahmen oder Behandlungsberichte von Fachärzten wie Dermatologen und Orthopäden, ggf. wird eine Stellungnahme von Seiten eines Psychologen eingeholt. Die Krankenversicherung stützt sich bei ihrer Entscheidung maßgeblich auf die gutachterliche Äußerung des Medizinischen Dienstes (MDK). Von Bedeutung ist dabei auch, inwieweit die zu erwartende Gewichtsreduktion nach einem adipositaschirurgischen Eingriff zum Stillstand gekommen ist und ob das angestrebte Gewichtsziel erreicht wurde. In der Regel liegen zwischen dem adipositaschirurgischen und dem ersten wiederherstellungschirurgischen Eingriff ein bis zwei Jahre. In sehr vielen Fällen erfolgt zunächst keine Kostenzusage, es bleibt dann die Möglichkeit einen Widerspruch einzulegen, vor dem Sozialgericht zu klagen oder den Antrag im Verlauf erneut zu stellen. In Österreich werden grundsätzlich die Kosten eines wiederherstellungschirurgischen Eingriffs nach einem adipositaschirurgischen Eingriff von den Krankenkassen übernommen.[2][3][5][7]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fettschürzenresektion

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dragu A, Kneser U, Horch RE: Die postbariatrische Plastische Chirurgie und Ihre speziellen Herausforderungen, 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, 24.–27. April 2012, Berlin (Abstrakt online)
  2. a b Werner TC: Postbariatrische Wiederherstellungschirurgie im Lichte des neuen Patientenrechtegesetzes. CHAZ 14(4), 2013, 281–282
  3. a b c Hüttl PE, Hüttl TP: Rechtsfragen der Adipositaschirurgie: Juristische Probleme einer "neuen" operativen Maßnahme (online)
  4. a b c d Richter DF, Stoff A: Körperstraffungen. Von der Bauchdeckenplastik bis zum Bodylift. Chirurg 82, 2011, 797–806
  5. a b c Kitzinger H, Abayev S, Pittermann A et al.: After Massive Weight Loss: Patient Expectations` of Body Contouring Surgery. In: Obes Surg. 22(4), 2012, 544–548
  6. a b c Ziegler UE: Plastische Kombinationseingriffe nach massivem Gewichtsverlust. CHAZ 11+12, 2010, 631–638
  7. a b c Büsing M: Plastische Chirurgie als fester Bestandteil am Adipositaszentrum. 6. Adipositas Symposium 2013, Norderstedt 21.–22. Februar 2013.
  8. a b Dragu A, Horch RE: Die Rekonstruktion der Körperform nach massiver Gewichtsreduktion. CHAZ 11+12, 2012, 601–607
  9. a b AWMF-Leitlinie (S3 – gültig bis 1. Juni 2015): Chirurgie der Adipositas (online)
  10. Fischborn et al.

11. Sozialgericht Wiesbaden, Urteil vom 25. September 2013, Az. S 1 KR 295/10

12. Sozialgericht Gießen, Urteil vom 6. November 2013, Az. 339/10

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strauch B, Herman CK: Encyclopedia of Body Sculpting after Massive Weight Loss. Thieme, New York-Stuttgart, 2010, 71, 79-89, ISBN 978-1-60406-246-5.

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