Postmigrantische Gesellschaft

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Postmigrantische Gesellschaft (von lateinisch post ‚hinter‘, ‚nach‘) bezeichnet eine Gesellschaftsordnung, die wesentlich durch die Erfahrung der Migration geprägt ist. Der Begriff des Postmigrantischen verweist auf die politischen, kulturellen und sozialen gesellschaftlichen Veränderungen, die aus dem demografischen Wandel durch Einwanderung hervorgehen. Aus postmigrantischer Perspektive wird die Migration als ein Prozess aufgefasst, der wesentlich zur Gestaltung der Gesellschaft beiträgt.

Im Zuge der gesellschaftlichen Debatte um die Migrations-, Flüchtlings- und Integrationspolitik sprach sich Naika Foroutan aus für „eine eindeutig post-migrantische Perspektive, bei der sich die Bundesregierung nicht mehr nur auf Migranten konzentriert, sondern auch auf jene Gruppen, die schwach sind, sich von Staat und Demokratie entfremden, weil ihnen alle Aufstiegschancen fehlen.“[1]

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung postmigrantisch wurde in Deutschland durch die Berliner Theater-Intendantin Şermin Langhoff bekannt gemacht, indem sie ihrem Theater Ballhaus Naunynstraße den Namen „Postmigrantisches Theater“ gab.[2][3] Langhoff ging es dabei auch um die Geschichten und Perspektiven derer, „die selbst nicht mehr migriert sind, diesen Migrationshintergrund aber als persönliches Wissen und kollektive Erinnerung mitbringen“.[2] Im deutschsprachigen Raum hat sich der Begriff seither in öffentlichen Debatten als „Einspruch gegen die hegemoniale Migrations- und Integrationsdebatte“ etabliert und wird in jüngster Zeit auch in der Migrationsforschung diskutiert.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Migration und Integration – Artikel, Kategorien und mehr zu Migration und Flucht, Interkulturellem Dialog und Integration

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Archiv der Jugendkulturen (Hg.): KanakCultures: Kultur und Kreativität junger MigrantInnen. Archiv der Jugendkulturen Verlag, 2010
  • Erol Yildiz, Marc Hill: Nach der Migration: Postmigrantische Perspektiven jenseits der Parallelgesellschaft. transcript, 2014
  • Pinar Tuzcu: "Ich bin eine Kanackin" Decolonizing Popfeminism. transcript, 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Deutschland steht unter erheblicher Spannung“. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Januar 2018, abgerufen am 27. Januar 2018.
  2. a b Shermin Langhoff: Die Herkunft spielt keine Rolle – „Postmigrantisches“ Theater im Ballhaus Naunynstraße. Bundeszentrale für politische Bildung, 10. März 2011, abgerufen am 27. Januar 2018.
  3. Migration: „Das ist das neue Deutschland“. In: Frankfurter Rundschau. 12. Dezember 2014, abgerufen am 27. Januar 2018.
  4. Postmigratisches Europa. Postkoloniale Welt, ETH Zürich, Universität Zürich.