Präludium

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Ein Präludium, auch Praeludium (lateinisch praeludium, Vorspiel) bzw. Prélude (französisch) und Preludio (italienisch und spanisch), ist ein Instrumentalwerk mit eröffnendem oder hinführendem Charakter.

Das (verschollene) Gemälde Präludium von Ernst Oppler

Ursprünglich war das auch Priamel genannte[1] Präludium (oder älter: Praeambulum, auch[2] Preambel) eine ab dem 16. Jahrhundert gebrauchte Bezeichnung für ein einleitendes, formfreies und improvisiertes Vorspiel für Orgel oder Zupfinstrument (Laute, Gitarre, Vihuela),[3][4] im 17. Jahrhundert häufig ein die Suite eröffnendes Stück[5] und dann ein auf einen Choral hinführendes oder einen Gottesdienst eröffnendes Werk für Orgel, bevor es als eigenständige Form einer Fuge, einer Fantasie[6] oder einem anderen Werk voranging (z. B. Johann Sebastian Bach, Praeludien und Fugen für Orgel oder die zwei Teile des Wohltemperierten Klaviers). Das einleitende Musikstück einer Oper, Operette oder anderen musikalischen Bühnenstückes kann hingegen sowohl ein Präludium (im deutschen Sprachgebrauch dann allerdings Vorspiel genannt) als auch eine Ouvertüre bzw. ital. Sinfonia sein.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Prélude für Tasteninstrumente zu einem eigenständigen Charakterstück, bei dem die ursprüngliche eröffnende Funktion verloren ging.

Große Bedeutung haben die 24 Préludes op. 28 von Frédéric Chopin: Von kurzen Albumblättern über etüdenhafte Skizzen, bis zu längeren, an die Nocturnes erinnernden Stücken in dreiteiliger Liedform reichte die kompositorische Einbildungskraft des Komponisten. Er ordnete alle Stücke nach dem Quintenzirkel mit nachgestellter Moll-Parallele von C-Dur bis d-Moll. Dieser Zyklus hatte großen Einfluss auf Komponisten wie Alexander Skrjabin und Sergei Rachmaninow, die ebenfalls Préludes komponierten.

Im Verlauf der Zeit entwickelte sich das Prélude weiter fort – die großen Orchesterwerke Les Préludes von Franz Liszt oder Prélude à l’après-midi d’un faune von Claude Debussy haben mit dem Ursprung eines „Präludiums“ nichts mehr gemein. Bekannte Präludien neuerer Zeit stellen die fünf Préludes (1940) von Heitor Villa-Lobos für Gitarre dar.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Präludium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Judenkönig: Das erst Priamell. In: Ain schone kunstliche vnterweisung. 1523. Vgl. etwa Hubert Zanoskar (Hrsg.): Gitarrenspiel alter Meister. Original-Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Band 1. B. Schott’s Söhne, Mainz 1955 (= Edition Schott. Band 4620), S. 12.
  2. Hans Judenkönig: Ein gut Preambel. In: Ein newgeordent künstlich Lautenbuch. 1536. Vgl. etwa Hubert Zanoskar (Hrsg.): Gitarrenspiel alter Meister. Original-Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Band 1. 1955, S. 18 f.
  3. Konrad Ragossnig: Handbuch der Gitarre und Laute. Schott, Mainz 1978, ISBN 3-7957-2329-9, S. 114.
  4. Jerry Willard (Hrsg.): The complete works of Gaspar Sanz. 2 Bände. Amsco Publications, New York 2006, ISBN 0-8256-1695-6, Band 1, S. 64–66 (Preludio y Fantasia) und S. 72–74 (Preludio, o Capriccho arpeado). (Übersetzung der Originalhandschrift durch Marko Miletich)
  5. etwa bei Francesco Corbetta in La Guitarre Royale von 1670, Robert de Visée in Livre de Guitare von 1682 und Livre de pièces pour la Guiare von 1686, François Campion in Pièces pour la Guitarre und Ludovico Roncalli in Capricci armonici sopra la Chitarra spagnola sowie 1732 Santiago de Murcia in Pascalles y obras de Guitarra. Vgl. Adalbert Quadt (Hrsg.): Gitarrenmusik des 16.–18. Jahrhunderts. 4 Bände. Nach Tabulaturen herausgegeben. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1970–1984, Band 1, S. 26–54, Band 3, S. 40, 46, 51, 55 und 58, und Band 4, S. 1, 4, 7, 10 und 14 sowie 26, 30 f., 35, 39, und 42.
  6. Jerry Willard (Hrsg.): The complete works of Gaspar Sanz. 2 Bände. Amsco Publications, New York 2006, ISBN 0-8256-1695-6, Band 1, S. 64–66 (Preludio y Fantasia). (Übersetzung der Originalhandschrift durch Marko Miletich)