Prödel

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Prödel
Stadt Gommern
Wappen von Prödel
Koordinaten: 52° 2′ 19″ N, 11° 55′ 8″ O
Höhe: 73 m ü. NHN
Fläche: 5,31 km²
Einwohner: 232 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 44 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2008
Postleitzahl: 39264
Vorwahl: 039242
Prödel (Sachsen-Anhalt)
Prödel
Prödel
Lage von Prödel in Sachsen-Anhalt

Prödel ist ein Ortsteil der Stadt Gommern im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prödel liegt zwischen Gommern und Zerbst/Anhalt. Die unmittelbaren Nachbarorte sind Leitzkau im Nordosten, Lübs im Süden und Dornburg im Westen. Das Umland fällt von Nordosten nach Südwesten in Richtung Elbe, die in Luftlinie drei Kilometer entfernt ist, rasch ab und hat für ostelbische Verhältnisse eine gute Bodenqualität. Ein Teil der Gemarkung Prödel liegt im Biosphärenreservat Mittelelbe.

Naturräumlich gehört der Ort zum Zerbster Land, einer ackergeprägten offenen Kulturlandschaft und 536 km² großen Haupteinheit der übergeordneten Haupteinheitengruppe des Fläming im norddeutschen Tiefland. Das Zerbster Land bildet die Südwestabdachung des Flämings zur Elbe und gehört zum Einzugsgebiet dieses Flusses.[1]

Der Ort besitzt einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Biederitz–Trebnitz. Hier verkehren Regionalzüge nach Magdeburg und Dessau. Die Bundesstraße 184 erreicht man über eine Kreisstraße nach drei Kilometern in Leitzkau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Bodenfunden geht hervor, dass in der Gegend um das heutige Prödel bereits in der Eisenzeit, also um 500 vor Christus, germanische Stämme siedelten. Tausend Jahre später folgten ihnen die Slawen, die Prödel auch seinen Namen gaben. Die erste urkundliche Erwähnung fand unter der Ortsbezeichnung „Predele“ im Jahre 1155 statt. Zu diesem Zeitpunkt dürfte Prödel bereits zum Herzogtum Sachsen gehört haben. Diesem war es gelungen, durch Albrecht dem Bären auf dem Gebiet des Erzbistums Magdeburg eine Exklave um die Stadt Gommern zu bilden, zu der auch Prödel kam. Die sächsische Herrschaft dauert bis 1806, danach wurde das Amt Gommern dem französischen Königreich Westphalen überlassen, ehe es in den Befreiungskriegen 1813 von Preußen erobert wurde. Nach der preußischen Kreisreform von 1815 wurde Prödel in den Kreis Jerichow I der Provinz Sachsen eingegliedert, 1948 kam der Ort in den Landkreis Zerbst, am 1. Juli 1994 in den Landkreis Anhalt-Zerbst und im Zuge der Kreisreform Sachsen-Anhalt am 1. Juli 2007 in den Landkreis Jerichower Land.

Prödel war vom 1. Januar 1974 bis zum 31. März 1990 ein Ortsteil der Gemeinde Lübs.[2]

Die Gemeinde war vom 1. Januar 2005 bis zum 30. Juni 2007 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Ehle-Nuthe. Davor gehörte sie der Verwaltungsgemeinschaft Zerbster Land an. Am 1. Januar 2008 wurde sie nach Gommern eingemeindet.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prödel wurde zuletzt von einem achtköpfigen Gemeinderat geleitet. Der am 13. Mai 2001 gewählte Bürgermeister Jürgen Michalek ist Mitglied der CDU und erhielt als einziger Kandidat die Stimmen von 77,1 Prozent der wahlberechtigten Einwohner.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 4. Juli 1995 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt.

Blasonierung: „Siebenmal geteilt von Silber über Rot; belegt mit dem grünen Rautenkranz und einem goldenen schräglinken Abtsstab.“

Die Farben der Gemeinde sind Silber (Weiß) – Rot.

Das Wappen vereinigt zwei alte Territorialwappen. Die mehrfache Teilung ist dem Wappen der Burggrafschaft Magdeburg entliehen, und der Kronenschrägbalken, auch Rautenkranz genannt, ist ein Hinweis auf die Zugehörigkeit zum Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Der Abtsstab deutet den Klosterbesitz an. Diese Grundherrschaften waren einst für Prödel zuständig. Die Heraldische Gesellschaft “Schwarzer Löwe” Leipzig gestaltete das Wappen und registrierte es in der Quedlinburger Wappenrolle unter QWR II/92006 am 3. März 1992.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge wurde am 30. August 1995 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt. Die Flagge ist Weiß – Rot (1:1) gestreift mit mittig aufgelegtem Gemeindewappen.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grabstätten auf dem Ortsfriedhof für zwei namentlich unbekannte Polen, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden
  • Grabstätte im ortsnahen Wald für einen polnischen Zwangsarbeiter, der vor seinen Mitgefangenen 1942 (nach anderen Angaben 1943) öffentlich gehängt wurde

Sankt Sebastiankirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt Sebastiankirche

Die Anfänge des evangelischen Gotteshauses gehen bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. Das romanische Kirchenschiff, aus Bruchsteinen errichtet, ist bis heute im Wesentlichen erhalten geblieben. Ihm wurde im 16. Jahrhundert im Osten in gleicher Breite der dreiseitige Altarraum angefügt. Ebenfalls aus Bruchsteinen wurde 1627 unter Nutzung eines schon vorhandenen Sockels der quadratische Westturm errichtet. Sein Grundriss fällt schmaler als die Breite des Kirchenschiffs aus. Im 18. Jahrhundert erhielt der Turm durch das Aufsetzen eines Fachwerkgeschosses mit Zeltdach sein heutiges Aussehen.

Während das Kirchenschiff mit einem Satteldach versehen ist, wird der Innenraum mit einer reich bemalten Holzbalkendecke geschlossen. An der Westwand ist eine Empore angebracht. Der Altar ist mit einem von dem Magdeburger Künstler Elias Dalheim 1609 geschnitzten Aufsatz geschmückt, der in einem farbigen Relief die Abendmahlszene zeigt. Von einem Taufstein aus spätromanischer Zeit ist noch das Oberteil erhalten geblieben. Aus dem 18. Jahrhundert stammen die in der Kirche aufgestellten Epitaphien. 2002 wurde das Innere der Kirche gründlich renoviert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]