Prix Goncourt

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Die Brüder Edmond (links) und Jules (rechts) Goncourt

Der Prix Goncourt (frz. Le prix Goncourt, [lə pʁi ɡɔ̃'kuʁ]) ist ein französischer Literaturpreis, der seit 1903 von der Académie Goncourt vergeben wird. Ursprünglich ehrte die Auszeichnung nur den besten französischsprachigen Roman des Jahres, mittlerweile wird der Prix Goncourt auch in vier weiteren Kategorien vergeben. Ergänzend wird ein separat organisierter Preis für die Leseförderung von Schülern unter seinem Namen verliehen. Der Prix Goncourt, der alljährlich im November für den besten Roman vergeben wird, gilt als ältester und bedeutendster Literaturpreis Frankreichs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benannt wurde der Preis nach den Schriftsteller-Brüdern Edmond und Jules de Goncourt. Edmond de Goncourt legte in seinem Testament 1896 die Gründung einer Académie Goncourt und die Stiftung des Prix Goncourt fest.

Er wird seit 1903 jeweils im Spätherbst, meist im November, von der 1900 gegründeten Académie Goncourt vergeben und soll das beste erzählerische Werk auszeichnen, das im laufenden Jahr in französischer Sprache erschienen ist. Seine Verleihung ist das wichtigste Ereignis der sogenannten „rentrée littéraire“, dem für das literarische Leben Frankreichs so typischen massierten Erscheinen neuer Werke ab Mitte August, d. h. etwa zeitgleich mit der „rentrée“, der Heimkehr der Franzosen aus dem Urlaub und dem Beginn des neuen Schuljahres.

Obwohl nur mit symbolischen 10 Euro dotiert, ist der Prix Goncourt bei den Autoren überaus begehrt, weil er starken Einfluss auf den Verkaufserfolg eines Werkes hat. Der Preis wird für Romane vergeben; es gibt daneben auch Goncourt-Preise für Lyriker, Roman-Erstlinge, Kurzgeschichten sowie für Biografien.

Es gibt immer wieder Verschwörungstheorien, wonach Jurymitglieder sich verbünden, um reihum die ihnen nahestehenden Verlage zu begünstigen. So gab es das böse Wort von einem Kartell „Galligrasseuil“ (Gallimard, Grasset, Seuil).

Kategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Académie Goncourt vergebene Preise:

Kategorie Originaltitel verliehen
seit
Roman Le Prix Goncourt 1903
Biografie Prix Goncourt de la Biographie Edmonde Charles-Roux 1980
Debütroman Prix Goncourt du Premier Roman 1991
Kurzgeschichte Prix Goncourt de la Nouvelle 1977
Dichtung Prix Goncourt de la Poésie Robert Sabatier 1985

Seit 1988 wird separat unter Schirmherrschaft der Académie Goncourt und im Sinne der Leseförderung von französischen Schülern der Prix Goncourt des lycéens vergeben. Ähnliche Preise existierten unter dem Titel Le Choix Goncourt de … auch im Ausland auf Schul- und/oder Universitätsebene, oft in Zusammenarbeit mit dem Institut français organisiert. Gegenwärtig werden solche Auszeichnungen in Polen (seit 1998), Serbien (seit 2012), im Nahen Osten (erste Verleihung 2012 im Libanon als Le choix de l’Orient), Italien und Rumänien (beide seit 2013), Schweiz und Tunesien (beide seit 2015), Belgien (seit 2016), Slowenien und Spanien (beide seit 2017) vergeben.[1]

Auswahlverfahren und Jury[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um am Prix Goncourt teilzunehmen, muss das Werk in französischer Sprache geschrieben und von einem frankophonen Verlag herausgegeben worden sein. Ein Verlag reicht seine Werkauswahl von Ende Juni bis zum 16. August (Bester Roman), Januar (Bester Debütroman), Februar (Beste Kurzgeschichte) oder April (Beste Biografie) bei den Jurymitgliedern ein. Einzig der Preis für Poesie wird an das Gesamtwerk eines Dichters verliehen.[2]

Die Jury besteht aus zehn Schriftstellern, „die Zehn“ genannt, die nicht auch Mitglieder der Académie française sein dürfen. Versammlungsort der Jury ist seit 1914 ein Salon im ersten Stock des Pariser Restaurants Drouant in der Rue Gaillon nahe der Opéra Garnier. Der französische Meisterkoch Auguste Escoffier war verantwortlich für das Menü beim ersten Zusammentreffen der Jury am 26. Februar 1903.[3]

Mitglieder der Académie Goncourt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Jurymitglieder sind:

Bernard Pivot, aktueller Präsident der Goncourt-Jury
Sitz Name Geboren seit
1 Bernard Pivot 1935 2004
2 Éric-Emmanuel Schmitt 1960 2016
3 Didier Decoin 1945 1995
4 Paule Constant 1944 2013
5 Patrick Rambaud 1946 2008
6 Tahar Ben Jelloun 1944 2006
7 Virginie Despentes 1969 2016
8 Françoise Chandernagor 1945 1995
9 Philippe Claudel 1962 2012
10 Pierre Assouline 1953 2012

Ehemalige Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olivier Boura: Un siècle de Goncourt. éditions Arléa, Paris 2003, ISBN 2-86959-633-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Le Choix Goncourt de …. In: academie-goncourt.fr (abgerufen am 28. Oktober 2017).
  2. Comment participer aux prix. In: academie-goncourt.fr (abgerufen am 22. Oktober 2017).
  3. Timothy Shaw: Die Welt des Auguste Escoffier. aus dem Engl. von Eva L. Wahser, Heyne, München 1994, ISBN 3-465-08036-X, S. 58