Psychiatriezentrum Münsingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die „Irrenanstalt“ Münsingen um 1895
Das Psychiatriezentrum Münsingen 2007

Die PZM Psychiatriezentrum Münsingen AG ist eine Psychiatrische Klinik in Münsingen bei Bern.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die PZM AG ist in den drei Kliniken "Depression und Angst", "Psychose und Abhängigkeit" und "Alters- und Neuropsychiatrie" sowie im Angebot "Wohnen und Arbeiten" organisiert. Zu ihrem Aufnahmegebiet gehören 256 Gemeinden aus der Region Bern-Land. Die insgesamt 260 Betten werden jährlich von rund 2500 Personen beansprucht.

Der Bau der PZM Psychiatriezentrum Münsingen AG geht zurück auf das Jahr 1895 und erfolgte nach Plänen von Paul Adolphe Tièche. Infolge chronischen Platzmangels in der Klinik Waldau bei Bern beschloss der Grosse Rat die Errichtung einer zweiten „Irrenanstalt“ auf dem Schlossgut in Münsingen. Gebaut wurde die Anlage in einem gemischten Block- und Pavillonsystem. Die Architektur des PZM mit seinem abwechslungsreichen und gepflegten Naturpark ist in der Schweiz einzigartig.

Von Beginn weg galt die PZM AG als innovativ und offen für neue Therapieverfahren. Die Klinikleitung nahm ausdrücklich mehr Entweichungen in Kauf, damit sie die Kranken in Werkstätten und im Freien beschäftigen konnte, anstatt sie zu isolieren. Als erste Heilanstalt der Schweiz führte Münsingen im Jahr 1898 die Familientherapie und im Jahr 1929 die Beschäftigungstherapie ein. Das PZM galt in der Behandlung von Schizophrenien schon bald als führend. In den letzten Jahren wurden verschiedene wegweisende Angebote entwickelt und erfolgreich umgesetzt.

Zum Behandlungsangebot gehört die ambulante, teilstationäre und stationäre Abklärung, Diagnostik und umfassende Behandlung für psychisch kranke Erwachsene. Das therapeutische Handeln beinhaltet als Schwerpunkte die Psychotherapie, die Soziotherapie und die Pharmakotherapie. Sie werden ergänzt durch ein breites Spektrum von Spezialtherapien. Im Jahr 2013 hat das Psychiatriezentrum Münsingen eine wesentliche Auszeichnungen erhalten: Als eines der ersten Spitäler der Schweiz wurde sie mit der 4 Sterne «Anerkennung für Excellence» nach dem EFQM-Modell ausgezeichnet. Diese wurde 2016 erneuert und bestätigt.

Der Schriftsteller Friedrich Glauser (1896–1938) verbrachte insgesamt sechs Jahre in der Klinik in Münsingen und machte diese 1936 zum Schauplatz von Matto regiert, dem dritten Roman um die Detektivfigur Wachtmeister Studer. Der Krimi gilt als Glausers Schlüsselroman und löste bei seinem Erscheinen 1937 einen Skandal im bernischen Gesundheitswesen aus, in deren Folge Max Müller (Oberarzt am PZM) zum Regierungsrat und Direktor des Gesundheitswesens zitiert wurde und der Psychiatrischen Klinik Waldau eine Disziplinaruntersuchung drohte. Szenen des Dokumentarfilms Glauser – Das bewegte Leben eines grossen Schriftstellers des Schweizer Regisseurs Christoph Kühn aus dem Jahr 2011 wurden im PZM aufgenommen.

Im öffentlich zugänglichen Park des Psychiatriezentrums befindet sich die "Dampfbahn Aaretal" und eine Minigolfanlage.

Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fussnote 40 in: «Sie müssen an Ihre Heilung glauben!»: Paul Dubois, 1848-1918, ein vergessener Pionier der Psychotherapie. Schwabe, Basel 2001, S. 36.
  2. Friedrich Glauser: Briefe I, 1911-1935. Arche, Zürich 1988, S. 45.
  3. «jahrzehntelang»: Rudolf Wyss zum Gedenken. In: Der Bund. 19. Juli 1996.
  4. «Psychiatrie ist nicht da, um Menschen zu entsorgen». In: Berner Zeitung. 2. Dezember 2005.
  5. Rolf Ineichen wird neuer Direktor des Psychiatriezentrums Münsingen, Medienmitteilung des Kantons Bern, 24. März 2005, abgerufen am 26. April 2012.

Koordinaten: 46° 52′ 52″ N, 7° 33′ 8″ O; CH1903: 608658 / 192227