Qlīpōt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Qliphoth (hebr. sg. קליפה qliphah ‚Schale‘, ‚Hülle‘, pl. קליפות qliphoth), auch Qelippot[1] Klippot, sind metaphorische verhüllende Schalen um „Funken göttlicher Lichtemanation“. Sie sind synonym mit unreinen geistigen Kräften, Quellen von spiritueller, religiöser Unreinheit, indem Gott eine dualistische Wesenheit und Sitra Achra (סטרא אחרא‚ andere Seite‘), die zur göttlichen Heiligkeit im Gegensatz stehende andere Seite, zugeschrieben wird. Qliphoth sind synonym mit Götzendienst (Idolatrie) und unreinen geistigen Kräften, Quellen von spiritueller, religiöser Unreinheit, indem Gott falsche dualistische, trinitäre oder mehrfache Wesenheit. Nach jüdischer Lehre ist der christliche Glaube an einen dreieinigen Gott Götzendienst (Avoda sara). [2][3]

Jüdische Kabbala[Bearbeiten]

Eine gnostische Richtung innerhalb der spanischen Kabbala, der der Autor des pseudepigraphischen Zohar nahestand, geht von einer linken Emanation aus, die den zehn „heiligen“ Sephiroth zehn „unheilige“ oder „unreine“ gegenüberstellt.[4] Nach der Zohar-Auslegung des 1. Buch Mose hat Gott vor der Schöpfung der gegenwärtigen Welt andere Welten erschaffen[5] und diese wegen ihrer Unvollkommenheit wieder zerstört. Als ihre Typisierung werden die Könige von Edom angesehen.[6] Die Reste dieser Welten haben sich laut Zohar als Schalen (hebr. Qliphoth) erhalten und repräsentieren Götzendienst und spirituelle Unreinheit in der Welt (die „Hinterseite“, hebr. סטרא אחרא sitra achra ‚andere Seite‘). Sie enthalten noch „Funken von Heiligkeit“ (hebr. nizzozoth schel keduschah). Das Böse wird als Manifestation der fünften Sephirā Gewurah (Din) gesehen, die von der ausgleichenden Kraft der vierten Sephirā getrennt wurde.[5]

Die lurianische Kabbala versteht unter Qliphoth die Scherben der inneren sechs Sephiroth-Gefäße, die dem Durchströmen des unendlichen Lichtes von En Sof nicht standhalten konnten und deshalb zerbrachen (Schwirat ha-Kelim). Sie blieben jedoch in der Welt erhalten. Sie sind spirituelle Hindernisse, die ihre Existenz von Gott (אור Or‚ Licht‘‎) in einem eher äußeren denn innerem Sinne haben. Sie treten in der absteigenden Ordnung Seder hischtalschelus (hebr. סדר השתלשלות ‚Ordnung der Evolution‘) durch Tzimtzum (Selbstkontraktion Gottes aus seiner eigenen Mitte) zum Zweck der Schöpfung der Welt, in Erscheinung. Göttlichkeit im Judentum bedeutet die ein-einzige Wirklichkeit Gottes. Qlīpōt verhüllen diese jedoch, wie Schalen die enthaltene Frucht umhüllen. Qlīpōt sind daher synonym mit Götzendienst (Idolatrie) und sitra achra. Qliphoth als metaphorisch verhüllende Schalen haben jedoch auch gute Eigenschaften. Wie Schalen die Frucht schützen, so hindern sie die metaphysische göttliche Licht-Emanation am zerstreut werden. Kabbala unterscheidet verschiedene Qlīpōt Gefilde, drei gänzlich unreine und ein mittel unreines. Deren vier konzentrische Ausdrücke sind aus der Merkaba-Vision Ezechiels entnommen. Wie die Sephiroth senden sie Funken (niṣōṣōt) aus, die sich mit den Funken der Sephiroth vermischen und in die Seelen einwandern, so dass jede Seele ein individuelles Mischungsverhältnis von guten und bösen Anteilen hält.

Okkultismus[Bearbeiten]

Strömungen des Okkultismus und des Pfades zur linken Hand haben eigene Konzepte der Qliphoth (alternativ: Qlippoth[7], Kelippot[8], Kliffot[9][10]) entwickelt[5]. Die Qliphoth werden entweder als Dämonen[11][12] oder diese beheimatende Region[13] identifiziert. Aleister Crowley spricht von ihnen als drei Verkörperungen der Formen des Bösen (vor Samael): Qemetial, Belial und Othiel (siehe Liber 777). Israel Regardie stellt sogar einen eigenen Baum von zehn Qlīpōt auf, die den Sephiroth gegenüberstehen:

obere Qlīpōt:

1. Thaumiel, Thamiel (hebr. təɁōmiʕēl): Gottes Zwilling
zugeordnete Dämonen: Satan, Moloch
2. Ghagiel, Chaigidel: Verwirrung von Gottes Macht
zugeordnete Dämonen: Beelzebub, Adam Belial
3. Sathariel: Verbergung Gottes
zugeordneter Dämon: Lucifuge Rofocale

mittlere Qlīpōt:

1. Gha'agsheblah, Gamchicoth: die Oger
zugeordnete Dämonen: Astaroth, Ištar, Isis
2. Golachab: brennende Körper
zugeordneter Dämon: Asmodäus
3. Thagirion: die, die Kummer und Tränen verbreiten
zugeordneter Dämon: Belphegor

untere Qlīpōt:

1. A'arab Zaraq, Harab Serapel: die Raben der Gottesverbrennung
zugeordnete Dämonen: Baal, Tubal-Kain
2. Samael: Gottes Trostlosigkeit, die linke Hand
zugeordneter Dämon: Adramelech
3. Gamaliel: Gottes Verunreinigung
zugeordnete Dämonin: Lilith

unterste Qlīpā:

zugeordnete Dämonin: Naama(h), Nehema

Die ursprüngliche Kabbala kennt nur vier Qliphoth (Bill Heidrick und Éliphas Lévi La clef des grands mystères).

Kaschmirischer Shivaismus[Bearbeiten]

Im kaschmirischen Shivaismus (9. Jh. n. Chr.) des Pfades zur rechten Hand, existiert ein ähnliches Modell: Ishvara strahlt (entsprechend En Sof) das Sadvidya-Tattva (Licht) aus, welches in Interaktion mit dem Maya-Tattva (Dunkelheit, Zorn) fünf Hüllen (Kanchukas) um den Purusha erzeugt (Shuddhashuddha Tattvas), die Vorläufer der weiteren fünf Elemente der Mentalebene, welche ebenfalls positiv und negativ sind. Die Geistfunken werden hier als Ātma-Anu bezeichnet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 300.
  2. Encyclopedia Judaica, Jerusalem, Israel: Keter Publishing House Jerusalem Ltd. 1972 (englisch)
  3. The Treasure of Scripture Knowledge: Five Hundred Thousand Scripture References and Parallel Passages, Introduction by Rev. A. Torrey (Oak Harbor: Logos Research Systems, Inc., 1995)(englisch)
  4.  Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18.Jahrhunderts – ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1973, ISBN 3-201-00834-6, S. 97.
  5. a b c John Michael Greer: The New Encyclopedia of the Occult. Zweite Auflage, St. Paul, MN: Llewellyn Publications 2004, S. 385.
  6. This brings in the subject of the worlds of unbalanced force which are said by the Zohar to have been created and destroyed prior to the creation of the present world. These worlds of unbalanced force are typified by the Edomite kings.  Christian Knorr von Rosenroth: The Kabbalah Unveiled. Inc. The Book of Concealed Mystery, The Greater Assembly, The Lesser Assembly. Forgotten Books, 2008 (Originaltitel: Kabbala Denudata, sive Doctrina Hebræorum Transcendentalis et Metaphysica Atque Theologia, übersetzt von S. L. Macgregor Mathers), S. 179.
  7.  Michael W. Ford: Rite of the Qlippoth. Succubus Productions, 2007.
  8. Stewart Voegtlin: Interview: Ofermod. TheLeftHandPath.com, 14. November 2008, abgerufen am 6. September 2011 (englisch).
  9.  Liber Azerate. Det Vredgade Kaosets Bok. Anti-Cosmic Productions, 2002, S. 42–46, 74.
  10. MLO. Misanthropic Luciferian Order, archiviert vom Original am 15. März 2004, abgerufen am 10. September 2011 (englisch).
  11. John Bonner: Qabalah. A Magical Primer. Boston, MA: Red Wheel/Weiser, LLC 2002, S. 47.
  12. Dion Fortune: Applied Magic. York Beach, ME: Red Wheel/Weiser, LLC 2000, S. 39.
  13. Peter Easingwood: The Appeal of Failure. In: Peter Easingwood, Konrad Gross, Lynette Hunter: Difference and Community. Canadian and European Cultural Perspectives. Amsterdam/Atlanta, GA: Editions Rodopi 1996 (=Cross / Cultures 25), S. 232.

Weblinks[Bearbeiten]