Rachel Dolezal

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Rachel Dolezal in Spokane im Mai 2015

Rachel Dolezal (auch Doležal geschrieben; * 12. November 1977) ist eine amerikanische Kulturwissenschaftlerin und Bürgerrechtsaktivistin.

Sie war bis Juni 2015 Lehrbeauftragte (Instructor) für afrikanische und afroamerikanische Studien an der Eastern Washington University,[1][2] Präsidentin der lokalen Abteilung der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) in Spokane, Washington und Vorsitzende der Ombudsmann-Kommission der Polizei in Spokane.[3]

Sie hatte sich dabei als Afroamerikanerin ausgegeben, was im Widerspruch zu ihrer tatsächlichen Herkunft stand, wie ihre Eltern im Juni 2015 öffentlich machten.[1] Von ihrem NAACP-Amt trat sie daraufhin zurück,[4] von ihrer Funktion als Polizei-Ombudsfrau wurde sie wegen Fehlverhaltens entbunden.[5] Ihr Vertrag als Lehrbeauftragte wurde nicht verlängert.[6]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß ihrer Geburtsurkunde ist Rachel Dolezal die Tochter von Ruthanne und Larry Dolezal, die eigenen Angaben zufolge vornehmlich deutsche und tschechische Vorfahren haben. Rachel Dolezals Vater war zeitweise County Commissioner im Lincoln County (Montana).[7] Nach Angaben des Bruders von Dolezal seien sie in einer „kultähnlichen“ Umgebung groß geworden. Ihre Eltern seien Hippies gewesen und hätten sich dann einer Sonderform des Christentums zugewandt, die davon ausgeht, dass die Welt erst 10.000 Jahre alt ist (Young Earth creationism).[8] Der Kontakt zur Außenwelt sei begrenzt gewesen.[9] Neben Rachel und ihrem Bruder als leiblichen Kindern nahmen sie mehrere schwarze Kinder durch Adoption an, mit denen Dolezal aufwuchs.[10] Zeitweise waren die Eltern als christliche Missionare im Ausland tätig, so 2002 bis 2006 in Südafrika. 2010 hatte sich einer der Brüder Dolezals von den Eltern losgesagt und Rachel Dolezal wurde mit dem Einverständnis der Eltern als dessen Vormund eingesetzt.[11]

Dolezal erhielt Hausunterricht und war in Jackson (Mississippi) an einem College. Dolezal erhielt ihren Bachelor an der Belhaven University, einer Liberal Arts University, und erwarb einen Master of Fine Arts als Abschluss ihres Kunststudiums an der Howard University.[7] Im Jahr 2000 heiratete sie den Afroamerikaner Kevin Moore. Sie ließen sich 2004 scheiden. Das Paar hat einen Sohn.[12] Von 2005 bis 2013 war sie Lehrerin am North Idaho College.

Sie war von 2007 Mitarbeiterin der Eastern Washington University.[13] 2014 wurde sie Präsidentin des NAACP in Spokane.[14] Dolezal ist auch künstlerisch tätig.[11]

Ethnische Herkunft und öffentliche Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigenen Angaben fühlte sich Dolezal schon seit ihrer Kindheit als Schwarze. Sie habe Selbstporträts mit einem braunen statt einem pfirsichfarbenen Stift gemalt.[15] Dolezal bezeichnete sich als „eindeutig nicht weiß“. Nichts am „Weißsein“ beschreibe, wer sie sei. Sie verglich sich mit der transsexuellen Caitlyn Jenner und sagte, sie habe geweint, als sie von deren Geschichte gehört habe.[12]

Dolezal hat sich bei ihrem politischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Engagement immer als Teil der schwarzen Community bekannt. Auf mindestens einer Bewerbung, so als Ombudsfrau der schwarzen Community bei der lokalen Polizei, hat sie ihre ethnische Herkunft (im Sinne des amerikanischen Race) als Schwarze angegeben.[1][16] 2015 gab sie auf Facebook einen schwarzen Amerikaner als ihren leiblichen Vater aus.[11] Im Juni 2015 sagten ihre Eltern auf Nachfrage einer Zeitung aus, ihre Tochter würde sich mittlerweile als echte Afroamerikanerin ausgeben, was sie als Verfälschung ihrer Herkunft empfänden.[2] Zum familiären Bruch sei es bereits gekommen, als Dolezal ihre Eltern 2006 bei einer Jubiläumsveranstaltung ausgeladen habe.[17]

Dolezal hatte Medien gegenüber behauptet, als schwarze Bürgerrechtlerin Opfer mehrerer Hate crimes geworden zu sein und ihren Eltern öffentlich unterstellt, sie misshandelt zu haben.[7] Zudem habe ihr leiblicher Bruder sie sexuell missbraucht. Ihrem ehemaligen Ehemann warf sie in einem Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen Sohn vor, er habe sie gezwungen, gegen ihren Willen beim Dreh eines Sexvideos mitzumachen.[12] Auch habe ihr ehemaliger Mentor ihr sexuelle Gewalt angetan.[18] Die Coeur d’Alene Press, eine Lokalzeitung in Idaho, befragte ihre Eltern daraufhin und brachte die Kontroverse ins Rollen.[7][19] Sie hätte sich seit 2007 immer mehr mit der afroamerikanischen Gemeinde identifiziert.[3] Der Vorgang wurde landesweit publik.[20] Jonathan Capehart unterstellte Dolezal, im Sinne einer Blackfacedarbietung rassistisch vorzugehen.[21] Das Vorgehen von Dolezal wurde ebenso, insbesondere auf sozialen Netzwerken, parallel zu einer transsexuellen Geschlechtsidentität als transracial diskutiert.[22] Die NAACP teilte mit, sie stehe hinter dem Engagement von Dolezal und ihre racial identity habe keinen Einfluss auf ihre Eignung als Präsidentin der NAACP.[23] In Spokane selbst sind nur 1,9 Prozent der Einwohner als African-American ausgewiesen.[7]

Gegen Dolezal wurde wegen möglichen Betrugs ermittelt.[17] Patrick Blanchfield sieht bei Dolezal und anderen angenommenen Identitäten das Problem, dass sie zwar ihr Schwarzsein aufgeben könne wie ein Styling, dies aber tatsächlichen Minderheitsangehörigen nicht möglich sei.[24] Kritik kam auch aus der schwarzen Community Deutschlands, wo viele Dolezals Verhalten als respektlos empfanden.[25]

Kontroverse um transrace-Identität und die Konstruktion von Ethnizität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einer breiten Empörung löste der Fall Rachel Dolezal aber auch eine Kontroverse um eine transrace-Identität aus. Die afroamerikanische Fernsehmoderatorin Melissa Harris-Perry hat in ihrer Fernsehshow auf MSNBC die Frage aufgeworfen, ob die Identifizierung von Dolezal als Schwarze nicht eine begriffliche Differenzierung zwischen Cis-Schwarzsein und Trans-Schwarzsein nahelegen könne.[26] Harris-Perry verwendet diese Bezeichnungen in Analogie zu Transgender und Cisgender. In einem Kommentar im Guardian bestreitet Syreeta McFadden die Idee von einer transrace-Identität, die in Analogie zu Gender gedacht wird. Sie schreibt, dass der Begriff transracial in der Fachliteratur gelebte Erfahrungen von Kindern bezeichne, die in Familien aufwachsen, die sich kulturell und phänomenologisch unterscheiden von ihrer Herkunft.[27]

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rachel Dolezal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Daniel Victor: NAACP Leader Rachel Dolezal Posed as Black, Parents Say. In: New York Times. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
  2. a b Mosendz, Polly: Family Accuses NAACP Leader Rachel Dolezal of Falsely Portraying Herself as Black. In: Newsweek. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
  3. a b Jessica Elgot: Civil rights activist Rachel Dolezal misrepresented herself as black, claim parents. In: The Guardian. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
  4. Rachel Dolezal: „Falsche Schwarze“ fasziniert die USA. In: sueddeutsche.de. 13. Juni 2015 (sueddeutsche.de [abgerufen am 14. Juni 2015]).
  5. David Wasson: Dolezal ousted from ombudsman commission. The Spokesman-Review, 18. Juni 2015
  6. Rob Kauder: Dolezal out at EWU, Inlander. (Memento des Originals vom 17. Juni 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kxly.com KXLY.com, 15. Juni 2015
  7. a b c d e Jeff Selle, Maureen Dolan: Black like me?. In: Coeur d'Alene Press, 11. Juni 2015. Archiviert vom Original am 13. Januar 2017  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cdapress.com. Abgerufen am 12. Juni 2015. Vorlage:Cite news/temporär
  8. Diane Duthweiler, Gisele Lamarre, Tracy Connor, Andrew Blankenstein: Rachel Dolezal Scandal Exposes Fractured Family. In: NBC News, 17. Juni 2015.
  9. Ginger Adams Otis: Ex-NAACP leader Rachel Dolezal grew up in strict, cult-like Christian family, brother writes in memoir. In: New York Daily News, 16. Juni 2015.
  10. Ben Brumfield, Greg Botelho: Race of Rachel Dolezal, Spokane NAACP head, questioned. In: CNN. 13. Juni 2015, abgerufen am 13. Juni 2015.
  11. a b c Ben Brumfield: Race of Rachel Dolezal, head of Spokane NAACP, comes under question. In: CNN. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
  12. a b c Mia De Graf: Showing off her all-over tan! Rachel Dolezal poses naked for provocative photo shoot wearing just a gold feather headband and knee-length braids. 18. Juni 2015. Daily Mail.
  13. Rachel Dolezal, MFA. In: Eastern Washington University. Abgerufen am 12. Juni 2015.
  14. Nina Culver: Spokane NAACP elects new president. In: The Spokesman-Review. 23. November 2014, abgerufen am 12. Juni 2015.
  15. Nils Markwardt: Rachel Dolezal – Die Farbenfrage. Zeit Online, 17. Juni 2015.
  16. Kip Hill, David Wasson: Spokane NAACP president Rachel Dolezal’s claims about background disputed. In: The Spokesman-Review. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
  17. a b Das Geheimnis hinter der Hautfarbe von Rachel Dolezal. Welt Online, 12. Juni 2015
  18. Shawntelle Moncy. 5. Februar 2015. A Life to be Heard. The Easterner. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 16. Dezember 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/easterneronline.com
  19. Jeff Humphrey, Melissa Luck: Did NAACP president lie about her race? City investigates. (Nicht mehr online verfügbar.) 11. Juni 2015, archiviert vom Original am 19. Dezember 2016; abgerufen am 14. Juni 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kxly.com
  20. Barbara Herman: Bizarre Case Of Rachel Dolezal Sparks Twitter Debate Around White Privilege, Racism And 'Transracial' Identification. In: International Business Times. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
    Ben Brumfield und Greg Botelho: Race of Rachel Dolezal, head of Spokane NAACP, comes under question. In: CNN. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
    Gary Younge: Rachel Dolezal’s deception: her 'black’ identity doesn’t make sense – or make her black. In: The Guardian. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
  21. The damage Rachel Dolezal has done. In: The Washington Post. 12. Juni 2015 (washingtonpost.com [abgerufen am 13. Juni 2015]).
  22. Vanessa Vitiello Urquhart: It Isn’t Crazy to Compare Rachel Dolezal With Caitlyn Jenner. In: slate, 15. Juni 2015.
  23. Mark Berman: NAACP on Rachel Dolezal: Racial identity ‘not a qualifying criteria’ for leadership. In: Washington Post. 12. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.
  24. Patrick Blanchfield: The Psychology of an Ethnic Fraud: Behind Rachel Dolezal’s Invented Persecution. In: The Daily Beast. 13. Juni 2015, abgerufen am 15. Juni 2015.
  25. Der Fall Rachel Dolezal. Missbrauch von schwarzen Menschen. Deutschlandradio Kultur. 18. Juni 2015. Tupoka Ogette im Gespräch mit Gesa Ufer.
  26. mrctv.org
  27. Syreeta McFadden: Rachel Dolezal’s definition of transracial isn’t just wrong, it’s destructive. In: The Guardian, 16. Juni 2015; abgerufen am 25. Juni 2015.