Rainer Winkel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Rainer Winkel (* 11. Juli 1943 in Dresden) ist ein deutscher Schulpädagoge und Professor an der Universität der Künste Berlin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Lehrerstudium in Bonn und Paderborn war er zunächst als Grund- und Hauptschullehrer tätig. Es folgte ein Zweitstudium an der Ruhr-Universität Bochum in Pädagogik, Philosophie, Psychologie und Psychiatrie. Nach dem Magisterabschluss 1971 promovierte er 1973 bei Jakob Muth und habilitierte sich 1975.

In Essen gründete er die dortige Freie Schule, arbeitete einige Jahre in ihr und war an der Universität/Gesamthochschule Essen als apl. Professor tätig. Seit 1980 ist Rainer Winkel Hochschullehrer für Erziehungswissenschaft an der Universität der Künste Berlin. 1991 gründete Rainer Winkel die J. A. Comenius-Stiftung zur Unterstützung Not leidender Kinder und Jugendlicher, wofür er das von seinem Vater geerbte Vermögen zur Verfügung stellte. Ab 1998 plante Winkel die evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck mit und fungierte auch die ersten fünf Jahre als Gründungsrektor dieser Reformschule. Zu diesem Zweck wurde er von seinen Lehrverpflichtungen entbunden. Seit 2003 lehrt Winkel zusätzlich an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn.

1997 entwickelt er eine nach ihm benannte Schultheorie, fundiert in seinem Werk Der gestörte Unterricht, in dem er eine neue Theorie der Unterrichtsstörungen diskutiert. Im Zuge der kommunikativen Didaktik fordert er, Unterrichtsstörungen als subjektiv interpretierte Gegebenheiten zu betrachten und ihre Bewertung weder von Lehrer- noch von Schülerseite vorzunehmen. Stattdessen solle nur das als Störung klassifiziert werden, was den Verlauf des Lehr- und Lernprozesses beeinflusst. Winkel vertritt die These, dass jedes menschliche Verhalten eine Ursache hat und eine Störung des Unterrichtsverlaufs stets eine implizite Botschaft des Schülers enthält. „Eine Unterrichtsstörung liegt dann vor, wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert oder unerträglich oder inhuman wird.“ So kann der Störenfried beispielsweise sein Desinteresse am Unterrichtsinhalt, seinen Zweifel an den Normen des Lehrers und seine Beschäftigung mit eigenen außerschulischen Problemen zum Ausdruck bringen.

Winkel ist seit 1980 Mitherausgeber und Schriftleiter verschiedener pädagogischer Zeitschriften und der Schriftenreihe „Grundlagen der Schulpädagogik“. Seine Bibliografie weist mehrere Hundert Aufsätze sowie über 30 Buchveröffentlichungen auf.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der gestörte Unterricht. Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. 10. Auflage. Baltmannsweiler 2011.
  • Theorie und Praxis der Schule oder Schulreform konkret. Im Haus des Lebens und Lernens. Hohengehren 1997.
  • Gespräche mit Pädagogen. Bildung – Erziehung – Schule. Weinheim/Basel 1989

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]