Randsteinbeißen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Randsteinbeißen (englisch Curb stomping, Curbjob), ugs. Bordsteinfressen, Bordsteinbashing,[1][2] Bordsteinkick[3] oder auch Bordsteinbreaker, beschreibt eine Gewalttat, bei der das Opfer mit seinem Mund bzw. seinen Zähnen an einer festen Stelle – meist einem Bordstein – fixiert und in den Nacken getreten wird. Die Folge ist oft ein Genickbruch und damit der Tod des Opfers.[4] Bei ausreichender Gewalteinwirkung kann es auch zu einer schweren Schädelfraktur, einem Querbruch der Schädelbasis, kommen.[5][6]

Bekannte Fälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Juli 2002 wurde der 16-jährige Marinus Schöberl von jugendlichen Neonazis in einem Schweinestall im brandenburgischen Potzlow durch einen solchen Tritt – in diesem Fall an einem Schweinetrog – schwer verletzt und anschließend ermordet.[7] Die Täter gaben später an, den Film American History X zu kennen, und die zuständige Richterin vermutete, dass sie durch die Darstellung dieser Gewalttat, die als Bordstein-Kick bezeichnet wurde, in diesem Film zu ihrem Verbrechen motiviert wurden.[8][9] Die drei Täter erhielten Strafen von 15 Jahren Haft für den Erwachsenen, acht Jahre und sechs Monate für einen der Minderjährigen und zwei Jahre Jugendhaft auf Bewährung für den dritten Täter, wobei diese Strafe 2004 jedoch rückwirkend in eine dreijährige Gefängnisstrafe umgewandelt wurde.[10]

Darstellung in Presse, Literatur, Film, Fernsehen und Videospielen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine solche Tat wurde 1998 in American History X erstmals in einem Film gezeigt.[11][12] Die explizite Darstellung der Tat führte nach Veröffentlichung des Films zu einer kontroversen Diskussion über diese Gewaltdarstellung.

Die Ermordung von Marinus Schöberl wurde 2006 unter der Regie von Andres Veiel in Der Kick filmisch verarbeitet, nachdem es unter dem gleichen Titel bereits 2005 als Dokumentartheaterstück in Basel aufgeführt worden war.[13][14]

Auch weitere Filme und Serien stellen das Randsteinbeißen in Schlüsselszenen filmisch dar.

Im Wrestling benutzte der WWE-Wrestlingprofi Seth Rollins Bordsteinbeißen, im Englischen Curb stomp genannt, als Kampfabschluss. Rollins sagte 2015, dass er aus PR-Gründen aufgehört habe, ihn zu benutzen, weil der Curb stomp zu gewälttätig sei und er nicht wollte, dass Kinder ihn nachmachen.[17] Am 15. Januar 2018 verwendete er diesen Kampfabschluss wieder im Monday Night Raw, aber er wird nun nur noch als „Stomp“ bezeichnet.[18]

In Zeitungen, Zeitschriften und Büchern wurde Randsteinbeißen im Zusammenhang mit Straftaten thematisiert.

  • Im November 1990 führte Der Spiegel ein Interview mit einem Neonazi, in dem dieser das Bordstein-Bashing einer Neonazis-Gruppe gegenüber einem Linken beschrieb.[19]
  • Im Buch Berlin: Biographie einer Stadt von David Clay Large wird Bordstein-Bashing 2002 als Gewaltmethode von Neonazis genannt, wobei durch einen Tritt mit einem Stiefel mit Stahlkappe dem Opfer die Kiefer gebrochen werden.[20]
  • Im Mai 2005 berichtete die Nordwest-Zeitung über den Prozess wegen Bordsteinbeißen im Dezember 2003 an einem 16-jährigen Jugendlichen, der durch Drehen des Kopfes vor dem Zutreten einen Genickbruch vermeiden konnte. Der Täter war ein 19-jähriger, der Teil einer fünfköpfigen Gruppe von Rechtsradikalen war. Die Anklage gegen über dem Haupttäter lautete auf Mordversuch,[4] der ihm bis zum Prozessende im Juni 2006 aber nicht nachgewiesen werden konnte.[21] Die vier anderen Täter wurde wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.[4]
  • 2011 wurde Randsteinbeißen im Buch Wir waren jung und brauchten das Geld als Gewaltmethode von Straßenbanden erwähnt, die Opfern ihre Jacken stahlen. Als Verletzungsfolgen des Randsteinbeißens werden Zahnverlust beider Zahnreihen und Einreißen der Mundwinkel genannt.[22]
  • 2016 berichtete die Mail Tribune über einen Fall von Bordsteinkantenbeißen, bei der das Opfer mehrere Schädelbrüche erlitt und die Tat überlebte.[23]
  • Anfang 2018 berichtete die New York über einen Rechtsradikalen, der sein Opfer mit Messerstichen getötet hatte. Der Täter hatte die Bewegung des Zutretens beim Bordsteinbeißen fotografisch nachgestellt und im Internet gepostet.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Sie sehen in ihm einen Verräter und verlangen von Thomas, dass er das berüchtigte Bordstein-Bashing an Georg ausführt.“Kombat Sechzehn,bpb.de
  2. „Ein paar Zähne gehen drauf“, Der Spiegel, 12. November 1990
  3. Marinus Schöberl, todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de
  4. a b c 16-jähriges Opfer muss niederknien und in den Bordstein beißen, nwzonline.de, 11. Mai 2005
  5. a b Photo shows ‘Ivy League killer’ pretending to crush friend’s skull, nypost.com, 20. Januar 2018
  6. Stumpfe Gewalt: Verletzungen der Knochen, Schanierbruch, lecturio.de
  7. American History X, kabeleins.de
  8. Simone Rafael: Bis zu 15 Jahre Haft für Potzlow-Mord. Gericht: Rechtsextreme Motivation. In: Märkische Allgemeine, wiederveröffentlicht in Mut gegen rechte Gewalt. 23. Oktober 2003, archiviert vom Original am 22. April 2004; abgerufen am 23. Januar 2014.
  9. Andreas Fritsche: Warum hat keiner Marinus geholfen? Heute Urteilsspruch im Potzlow-Prozess, neues-deutschland.de, 24. Oktober 2003
  10. Wie drei Neonazis in Potzlow einen 16 Jahre alten Schüler zu Tode quälten, Krimi-Serie: Potzlow im Jahre 2002: Mord ohne Reue, MOZ.de, 8. November 2011
  11. 50 Most Hard-To-Watch scenes in movie history. Complex Pop Culture. 5. Mai 2013.
  12. John Sellers: Curb-Stomp — An Oral History of the Grisly ‘American History X’ Scene. True Slant. 27. Juli 2009. Archiviert vom Original am April 27, 2016. Abgerufen am 4. Mai 2014.
  13. „Der Kick“: Dokumentarttheater in Basel, deutschlandfunk.de, 24. April 2005
  14. In einer deutschen Julinacht: Andres Veiels Film »Der Kick« ist die beeindruckende Geschichte eines Verbrechens., Die Zeit 39/2006, 21. September 2006
  15. Oi! Warning, film-kultur.de
  16. Interview: "Ich hoffe auf eine andere Form der Auseinandersetzung": Ein Gespräch mit Mirko Borscht zu seinem Film Kombat Sechzehn, kinofenster.de, 1. Juni 2005
  17. Jimmy Traina: Seth Rollins talks Brock Lesnar, Johnny Manziel, curb stomp, John Cena and more. Fox Sports. Abgerufen am 14. Dezember 2015.
  18. Seth Rollins' Curb Stomp ist zurück in der WWE, heute.at, 18. Januar 2018
  19. „Ein paar Zähne gehen drauf“, Der Spiegel, 12. November 1990
  20. David Clay Large: Berlin: Biographie einer Stadt, C.H.Beck, 2002, S. 54ß [1]
  21. Keine Beweise für versuchten Mord, nwzonline.de, 17. Juni 2006
  22. Lisa Seelig, Elena Senft: Wir waren jung und brauchten das Geld, S. Fischer Verlag, 2011, S. 10 [2]
  23. Men get prison for 'curb stomp' attack, Mail Tribune, 20. Juli 2016