Reconquista Internet

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Reconquista Internet
Jan Böhmermann zu Reconquista Internet auf der re:publica 18, Berlin 2018

Reconquista Internet (von spanisch reconquista „Rückeroberung“) ist eine 62.000 Mitglieder starke Bürgerrechtsbewegung für „Liebe und Vernunft im Internet und eine Zivilisierung des gesellschaftlichen Diskurses in den sozialen Netzwerken.“

Sie stellt ein Gegengewicht zu den Strukturen des Netzwerks Reconquista Germanica dar.[1][2] Ziel sind konzertierte Aktionen, um verletzenden, beleidigenden und volksverhetzenden Äußerungen radikaler Netzaktivisten mit Vernunft und Anstand zu begegnen.[3][4]

Ins Leben gerufen wurde sie am 26. April 2018 durch den deutschen Satiriker Jan Böhmermann in der Sendung Neo Magazin Royale. Böhmermann hielt dabei das deutsche Grundgesetz in die Kamera und rief: „Jeder, der sich an die strengen Regeln dieses geheimen Manifests hält, darf mitmachen!“[5]

Per Selbstdefinition grenzt sich Reconquista Internet durch die Ächtung von politischem Extremismus und einen betont freundlichen Umgangston vom Satiregegenstand ab. Das Projekt geht von der Feststellung aus, dass eine in sozialen Netzwerken überdurchschnittlich aktive Minderheit durch gut koordinierte Aktionen einen negativen Einfluss auf den öffentlichen Diskurs hat und diesen nach ihren Interessen lenkt.[6] Das Projekt entstand vor dem Hintergrund von Recherchen des ARD-Formats funk.[7] Die Bezeichnung „Satireprojekt“ ist eine Metasatire auf die Eigendefinition von Reconquista Germanica als Satireprojekt. Diese fungiert beim Satiregegenstand mutmaßlich als eine Art Disclaimer für Straftatbestände wie Volksverhetzung.[8]

Dreh- und Angelpunkt ist ein Discord-Server, auf dem sich ausgetauscht werden und von dem aus Aktionen gegen Hass- und Hetzkommentare auf Facebook, YouTube, Twitter und Co. geplant werden sollen.[9]

Veröffentlicht wurden unabhängig vom ZDF zwei Listen mit Twitter-Profilen, die zu Reconquista-Germanica-Aktionen beigetragen oder einem rechtsextremen Netzwerk von Profilen angehört haben sollen. Von Kritikern wurde diesbezüglich das Szenario „Guilt by Association“ lanciert.[10][11][12][13][14][15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angriff der Liebestrolle. In: Die Zeit, 9. Mai 2018, Feuilleton, Seite 49.
  2. Böhmermann gegen Hass im Netz „Aus Versehen eine Bürgerrechtsbewegung ins Leben gerufen“. In: welt.de. 3. Mai 2018, abgerufen am 7. Mai 2018.
  3. Vice Staff: Jan Böhmermann gründet seine eigene Troll-Armee gegen Rechts. In: Vice.com. VICE Media GmbH, abgerufen am 29. April 2018.
  4. Teresa Fries: Böhmermann greift rechtes Troll-Netzwerk an. In: jetzt.de. Süddeutsche Zeitung GmbH, abgerufen am 29. April 2018.
  5. Hass im Internet – NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan Böhmermann – ZDFneo. In: youtube.de. Abgerufen am 29. April 2018.
  6. Marc Röhlig: Böhmermann startet Troll-Armee gegen rechte Hetzer. In: bento.de. 27. April 2018, abgerufen am 7. Mai 2018.
  7. „funk“-Doku über Troll-Netzwerk „Reconquista Germanica“ Wie Rechtsextreme Hass im Netz organisieren. In: swr.de. 26. April 2018, abgerufen am 7. Mai 2018.
  8. Markus Reuter, Anna Biselli: Getarnt als Gamer: Einblicke in eine rechtsradikale Troll-Armee. In: netzpolitik.org. 5. Februar 2018, abgerufen am 7. Mai 2018.
  9. Vorstellung von Reconquista Internet durch Jan Böhmermann in seiner Sendung Neo Magazin Royale. In: Youtube. Bild und Tonfabrik, Neo Magazin Royale, abgerufen am 29. April 2018.
  10. Jan Böhmermanns "Reconquista Internet" – Bürgerrechtsbewegung aus Versehen. In: Deutschlandfunk. Abgerufen am 12. Mai 2018.
  11. ZDFneo on Twitter. In: Twitter.com. Abgerufen am 12. Mai 2018.
  12. Andre | ZDDK | MIMIKAMA: Reconquista Internet. In: mimikama.at. 7. Mai 2018, abgerufen am 12. Mai 2018.
  13. Michael Hanfeld: Böhmermanns „Reconquista“: Ruhe im Karton? In: FAZ.NET. 12. Mai 2018, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. Mai 2018]).
  14. Jan Böhmermann: Erfolgreich den Diskurs abwürgen. In: Zeit Online. Abgerufen am 12. Mai 2018.
  15. Kritik am Internet-Pranger für Rechte: „Jan Böhmermann zeigt, wie totalitäres Denken wieder cool werden kann“. In: Meedia.de. Abgerufen am 12. Mai 2018.