Farge

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Ort Farge, für die Physikerin siehe Marie Farge. Zu anderen Bedeutungen siehe La Farge.

Farge ist seit 1946 ein Ortsteil im Stadtteil Bremen-Blumenthal am rechten Ufer der Unterweser und gehört zum Land Bremen. Am 31. Dezember 2004 hatte das 546 ha große Farge 3.072 Einwohner.

Streckenverlauf der Bahnstrecke Bremen-Farge–Bremen-Vegesack mit der Endstation „Bremen-Farge“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname „Farge“ deutet auf die Nähe zur Weser und die Existenz einer Fähre, die auch noch heute existiert (Schwerlastfähre Farge-Berne).

Nach dem Ersten Bremisch-Schwedischen Krieg 1654 kam das Gebiet als Herzogtum Bremen unter schwedische Hoheit, 1715 wurde es Teil des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg (später als Kurfürstentum Hannover bezeichnet).

1852 hielt die Industrie ihren Einzug in das Bauern- und Schifferdorf Farge. Die enge politische Verbindung zwischen Großbritannien und dem Königreich Hannover hatte es mit sich gebracht, dass viel englisches Steingut eingeführt wurde. In der Folge wurde in Farge mit englischem Kapital, englischen Arbeitern und unter einem englischen Direktor die Steingutfabrik Witteburg in Betrieb genommen[1]. Diese Stammbelegschaft wohnte in flachen Cottages in der „englischen Reihe“ (heute Koloniestraße). Britische Seeschiffe brachten aus dem Mutterland den weißen Ton herüber.

Die eigenständige Gemeinde Farge gehörte zum Landkreis Blumenthal und damit bis 1866 zum Königreich Hannover, bis 1939 zu Preußen. 1923 bat das Bauerndorf Rekum nach Insolvenz um Beitritt zur Gemeinde Farge. Die dazu erforderliche Genehmigung der preußischen Provinzialverwaltung wurde nicht erteilt. Daraufhin wurde der Farger Ortsbürgermeister Richard Taylor – ein Kupferstecher der Steingutfabrik und Sohn des gleichnamigen englischen Kupferstechers – in Personalunion auch Ortsbürgermeister von Rekum, und es entstand die Doppelgemeinde Farge-Rekum. 1932 ging der Kreis Blumenthal im Landkreis Osterholz auf.

1924 ging das Kraftwerk Unterweser in Farge mit 12 Megawatt Turbinenleistung ans Netz, das in den 1950er Jahren erweitert und 1985–1990 abgebaut wurde.[2]

Die vom Reichswirtschaftsministerium 1934 gebildete Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft mbH (Wifo) errichtete ab Mitte der 1930er Jahre unter dem Tarnnamen „Wasserberg“ ein Tanklager in der „Farger Heide“. Ab Anfang 1939 kam das „Kriegsmarinetanklager Farge“ der deutschen Kriegsmarine hinzu. Im Sommer 1943 wurde in Rekum mit dem Bau der U-Boot-Bunkerwerft „Valentin“ begonnen, was zu einem Konglomerat von „Arbeiterlager(n) bei den Tanklagern in Bremen-Farge & Schwanewede“[3] führte. Dabei handelte es sich neben dem KZ Farge und dem Arbeitserziehungslager im Marinegemeinschaftslager Schwanewede um Lager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.

Farge wurde zum 1. November 1939 zusammen mit Rekum und Blumenthal aufgrund der Vierten Verordnung über den Neuaufbau des Reichs in die Freie Hansestadt Bremen eingegliedert.[4]

Ab 1946 hatte Farge im Gegensatz zu den meisten anderen Bremer Ortsteilen zusammen mit Rekum einen eigenen Ortsausschuss.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farge war der Umstiegs- und Umschlagsbahnhof zwischen der 1888 eröffneten Bahnstrecke der Farge-Vegesacker Eisenbahn und der Niederweserbahn. Daneben gab es erheblichen Güterumschlag durch das Kohlekraftwerk Farge und das (weiterhin genutzte) ehemalige Wifo-Tanklager sowie eine Anbindung zur Marinebahn mit dem Militärbahnhof in Schwanewede.

Seit dem 16. Dezember 2007 gibt es wieder Personenverkehr von Bremen-Vegesack nach Bremen-Farge. Die Verbindung ist seit dem 12. Dezember 2011 Bestandteil der im Dezember 2010 eingeführten Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen, die Strecke von Vegesack bis Farge ist dafür elektrifiziert worden.

Die Buslinie 90 erschließt und verbindet Farge mit den Nachbarortsteilen Rekum und Rönnebeck sowie darüber hinaus mit Neuenkirchen, Blumenthal, Vegesack, Burg und Gröpelingen. Nachts verbindet die Nachtbuslinie N7 darüber hinaus Farge mit der Bremer Innenstadt. Beide Linien stellen an den Bahnhöfen bzw. Haltepunkten Farge, Blumenthal, Klinikum Bremen-Nord, Aumund, Vegesack, Schönebeck, Lesum und Burg Anschluss an die Bahn her.[5] Während der morgendlichen Spitzennachfrage wird die Linie 90 von der Linie 92 verstärkt.

2009 wurde die Bundesautobahn 270 als Bundesstraße 74n bis Farge verlängert und zur Fährverbindung der Fähren Bremen–Stedingen nach Berne an die Bundesstraße 74 angebunden.

In Farge befinden sich Kaianlagen für die Hochseeschifffahrt sowie ein Binnenschiffshafen am Kraftwerk und ein Ölverladeterminal.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ThyssenKrupp System Engineering GmbH (ehemals ThyssenKrupp Krause), stellt Automations- und Verpackungstechnik u. a. für die Autoindustrie her.
  • Die Spinnbau GmbH, gegründet 1952, ist nach mehrfachem Eigentümerwechsel und starker Schrumpfung immer noch Weltmarktführer für Krempelmaschinen. Heute ist sie als DiloSpinnbau ein Zweig der auf Vliesmaschinen spezialisierten Dilo Maschinenfabrik in Eberbach.[6]
  • Bis Ende der 1980er Jahre gab es auf dem Spinnbau-Firmengelände am Bahnhof Farge ein Reparaturwerk für US-Panzer, die größtenteils per Bahn an- und abtransportiert wurden.
  • In Farge betreibt das Energieerzeugungsunternehmen Engie das 1967–1969 erbaute Steinkohlekraftwerk Farge mit einer Leistung von 350 Megawatt, mit dem das niedersächsische Umland versorgt wird. Dieses ersetzte die Vorgängerbetriebe aus den 1920er und 1950er Jahren.
  • Die zur australischen Macquarie Group gehörende TanQuid Betriebsführungsgesellschaft mbH betrieb im Auftrag der Bundeswehr von 1993 bis 2013 das 300 Hektar große Tanklager Farge, das sich zu zwei Dritteln auf bremischen Gebiet und zu einem Drittel im niedersächsischen Umland auf dem Gebiet der Gemeinde Schwanewede befindet. In dem unterirdischen Großtanklager mit einer Gesamtkapazität von 318.000 Kubikmetern, das ursprünglich in der Zeit des Nationalsozialismus von 1935 bis 1941 von der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft (WiFo) errichtet worden war, wurden Mineralölprodukte für die Bundeswehr gelagert.[7] Im Zuge ihrer Umstrukturierung gab die Bundeswehr das Depot auf, das wegen massiver Grundwasserbelastungen nunmehr saniert werden muss.[8]
  • Von 1852 bis 1958 gab es die Steingutfabrik Witteburg, die ab 1919 eine Tochter der Norddeutschen Steingut war.[9]

Sehenswert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche von Rönnebeck-Farge
  • Evangelisch-reformierte Kirche Rönnebeck-Farge, Farger Str. 19, 1904/05 nach Plänen der Architekten August Abbehusen und Otto Blendermann erbaut
  • Rathaus Farge, 1845 als Bauernhaus erbaut
  • Kahnschifferhaus, erbaut 1800, Unterm Berg 31, Heimat- und Schifferverein
  • Fährhaus Farge, nachweisbar seit 1776, früher Meyer Farge, Ausflugslokal direkt an der Fährverbindung Farge–Berne

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claus von Lübken, 1852 bis 1865 Gemeindevorsteher(Claus von Lübken-Straße).
  • Richard Taylor, geb. 1868 gest. 1953, Kupferstecher, 1917 bis 1937 Gemeindevorsteher, (Richard-Taylor-Straße)
  • Diedrich Schierholz, 1884 bis 1916 Gemeindevorsteher (Diedrich-Schierholz-Straße)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Name der Steingutfabrik geht auf die Witteborg zurück, die südlich von Rekum am rechten Weserufer im 13. Jhdt bestanden haben soll.
  2. Chronik des Kraftwerks
  3. Arbeiterlager bei den Tanklagern in Bremen-Farge & Schwanewede. relikte.com, archiviert vom Original am 27. März 2010, abgerufen am 10. Oktober 2010.
  4. Vierte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 28. September 1939
  5. http://www.bsag.de/pdf/Web_BSAG_Bremen-Nord_Final.pdf
  6. Luftbild der DiloSpinnbau Textilmaschinen. Abgerufen am 17. September 2010.
  7. TanQid Standort Bremen-Farge
  8. Info des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr Bremen zu den Grundwasserbelastungen
  9. Steingutfabrik Witteburg. Porcelain Marks & More, abgerufen am 10. Oktober 2010.

Koordinaten: 53° 12′ N, 8° 32′ O