Renate Gruber (Sammlerin)

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Renate Gruber 2019

Renate Gruber (* 18. Juli 1936[1] als Renate Busch[2] in Köln[3]) ist eine deutsche Sammlerin von Fotokunst aus Köln. Sie gilt als anerkannte Expertin und Förderin der Fotografie[1] und Zeitzeugin für die Geschichte zeitgenössischer Kunst in Köln.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotografie von

Annie Leibovitz

Renate und Leo Fritz Gruber, 1989

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(Bitte Urheberrechte beachten)

Renate Busch wurde als eines von elf Kindern ihrer Mutter in Köln geboren. Sie stand kurz davor, eine Berufsausbildung zu beginnen, als sie 1958[4] Leo Fritz Gruber kennenlernte, der von 1950 bis 1980 die Bilderschauen-Ausstellungen auf der Fotografie-Messe photokina organisierte. Am 5. Juni 1959 heiratete das Paar.[5][6] An seiner Seite erarbeitete Renate Gruber sich ihre Kenntnisse der Fotografie und die Stellung einer Archivarin der lebenslangen Sammlung und Dokumentation. So kuratierte sie etwa die Photokina 1980 begleitende Fotoausstellung Das imaginäre Photo-Museum in der Josef-Haubrich-Kunsthalle mit, welche in der deutschen und internationalen Presse als „einzigartig“ und „unwiederholbar“ bezeichnet wurde.[7][8] Im Nachgang erschien unter ihrer Herausgeberschaft ein Fotoband zur Ausstellung, der in mehreren Sprachen und Ländern verlegt wurde.

Gemeinsam mit Gruber baute sie eine große Sammlung von Materialien und Originalen zum Leben und Werk des Künstlers Man Ray auf, mit dem das Paar eine intensive zwanzigjährige Freundschaft pflegte.[9][4] Weitere Freundschaften, etwa mit Irving Penn, Helmut Newton und anderen Fotografen, kamen im Laufe der Jahre dazu.

Nachdem das Museum Ludwig in den 1970ern unter Kulturdezernent Kurt Hackenberg etwa 800 Blatt der Sammlung der Grubers aufgekauft hatte (nach Aussage von Renate Gruber, um ihre fehlende Altersvorsorge zu kompensieren), stiftete das Paar dem Museum die restlichen Objekte der Sammlung, die 2014 etwa 4500 Blatt umfasste.[3] Renate Gruber leitete das Verzeichnisprojekt dieser Sammlung, dessen Patronin sie auch ist. Das Man-Ray-Archiv verkaufte sie 2012 an das Museum Ludwig.[10]

Als Ehrenmitglied der DGPh gilt sie auch in fortgeschrittenem Alter als „sehr aktiv“[1], berät den Vorstand des Festivals der Internationalen Photoszene Köln[3] und hält Vorträge, etwa zu Man Ray.[4] Das Museum Ludwig produzierte 2017 eine 21-teilige Videoserie mit ihren Erinnerungen. Neben der L.-Fritz-Gruber-Sammlung betreut sie den gesamten dokumentarischen Nachlass der Familie Gruber (inklusive 14.000 dokumentarischer Fotografien), den das Paar 1984 vertraglich an das Historische Archiv der Stadt Köln vermacht hatte, und der mit dessen Einsturz in großen Teilen stark beschädigt oder zerstört wurde.[11] Obwohl sie den mutmaßlichen Verlust des Nachlasses „fast wie einen zweiten Tod“[12] empfand, gab sie in den Jahren danach neue Fotos an das Kölner Archiv ab – weil sie „ein Zeichen setzen“ wollte für „unser unglaubliches Archiv [, das …] wieder auferstehen“ soll.[13][14]

Renate Gruber lebt und arbeitet in Köln.[3] Sie sagt von sich selbst, dass die Fotografie sie „unendlich bereichert und [sie] mit sehr vielen, interessanten Menschen zusammengebracht“ habe.[5] Selber habe sie zeitlebens nie ein Foto gemacht.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadt Köln, Museum Ludwig (Hrsg.): Bilder der Stille / Sammlung Gruber, Museum Ludwig. Ausstellung und Katalog: Renate Gruber. Museum Ludwig, Köln 1986.
  • Heinz Held: Köln in Wirtschaftswunderzeiten. mit Beiträgen von Joachim Born und Renate Gruber. Hrsg.: Werner Schäfke. Emons, Köln 2011, ISBN 978-3-89705-874-3.
  • Eva Weissweiler für den Kölner Autorenverband AURA 09 (Hrsg.): Klaus Kammerichs Bildlegenden : Fotografien von 1948 – 1954 [Ausstellung: 11. Januar – 22. Februar 2015, Auferstehungskirche Köln-Buchforst]. Mit einer Einführung von Renate Gruber. Free-Pen-Verlag, Bonn 2015, ISBN 978-3-945177-18-1.
  • George Holz: Holz Hollywood: 30 years of portraits. Vorwort von Renate Gruber. Daab, Köln 2015, ISBN 978-3-942597-32-6.

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Gernsheim: Das imaginäre Photo-Museum: Meisterwerke aus 140 Jahren Photographie / Renate und L. Fritz Gruber. Hrsg.: Renate Gruber (= DuMont-Foto. Nr. 3). DuMont-Buchverlag, Köln 1981, ISBN 3-7701-1359-4.
    • The imaginary photo museum / Renate and Fritz Gruber. with 457 photographs from 1836 to the present. Harmony Books, New York 1982, ISBN 0-517-54844-5 (englisch, Originaltitel: Das imaginäre Photo-Museum. Übersetzt von Michael Rollof).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Denn Fotografen essen gern. Renate und Fritz Gruber haben Fotografien gesammelt und gespendet. In: DIE ZEIT. Band 41. Hamburg 4. Oktober 2007, S. 69 (Archivdigitalisiat unter zeit.de).
  • Michael Kohler: Ein Paar aus dem Bilderbuch; Als Manieren und Fotografie noch klassisch waren – Eine Begegnung mit Renate Gruber. In: Kölner Stadt-Anzeiger. Nr. 180. Köln 4. August 2016, S. 21.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Die DGPh gratuliert zum Geburtstag. In: Deutsche Gesellschaft für Photografie (Hrsg.): DGPh intern – Newsletter. Juli 2011, S. 7 (Digitalisat bei dgph.de [PDF]).
  2. a b Sabine Oelze, Marion Ritter: Renate Gruber – Audioarchiv Kunst. Abgerufen am 16. August 2019 (deutsch).
  3. a b c d Agentur photomarketing.de in Kooperation mit dem Goetheinstitut Istanbul, İstanbul Fotoğraf Müzesi (Hrsg.): Fremd und doch vertraut - Das menschliche Gesicht im Wandel der Zeiten und Medien –. Symposium anlässlich der Ausstellung „990 Faces“ in Istanbul. Istanbul 2014.
  4. a b c Hanna Styrie: Eine intensive Freundschaft; "Die Rays und die Grubers": Vortrag von Renate Gruber im Max-Ernst-Museum. In: Kölnische Rundschau. Nr. 52. Köln 30. November 2013, S. 52.
  5. a b Bettina Janecek: Witwe des Photokina-Begründers in Köln: Zeitlebens die junge Frau Gruber. 15. September 2014, abgerufen am 17. August 2019 (deutsch).
  6. Mehr als nur die schöne Frau an seiner Seite. In: Rheinische Post. 24. Januar 2013.
  7. Photo-Museum. In: Magazin KUNST. Band 21, 1981, ISSN 0340-1626.
  8. Books. In: Popular Photography. Band 90, Nr. 3, März 1983, ISSN 1542-0337, S. 174 (S. 174 auf Google Books).
  9. Stadt des Lichts und der Farben. In: Patrick Krause (Hrsg.): Qvest Metropolen Issue N°3 Köln. Band 3. Köln Januar 2017 (Interviewtext als Digitalisat unter fritz-gruber.de [PDF]).
  10. Man Ray. Das besondere Archiv einer außergewöhnlichen Beziehung. In: museum-ludwig.de. 2013, abgerufen am 17. August 2019.
  11. Stefan Koldehoff: Historisches Archiv: Siebzig Meter Bildgeschichten. In: Die Zeit. 12. März 2009, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. August 2019]).
  12. WELT: Archiv-Einsturz in Köln: Der Tod ereilte den 17-jährigen Kevin K. im Schlaf. 8. März 2009 (welt.de [abgerufen am 17. August 2019]).
  13. Nora Koldehoff: Das Wissen verschwindet. In: meinesuedstadt.de. Meine Südstadt UG, 5. März 2019, abgerufen am 17. August 2019.
  14. Christoph Gehring: Die Fotografiesammlung Gruber in Köln [Reihe: Mäzene in Deutschland]. In: deutschlandfunkkultur.de. 26. Januar 2010, abgerufen am 17. August 2019.
  15. Selber zeitlebens kein Foto gemacht. In: Kölner Stadt-Anzeiger. Nr. 183. Köln 8. August 2016, S. 27.
  16. L. Fritz Gruber Preis der Universität zu Köln Ausstellung der 20 besten Arbeiten. In: (Einladung). 2016, abgerufen am 16. August 2019.