Rennsteigtunnel

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A71 Rennsteigtunnel
 Rennsteigtunnel
Nutzung Straßentunnel
Verkehrsverbindung A 71
Länge 7916 m
Anzahl der Röhren 2
Bau
Baukosten 200 Millionen €
Baubeginn 26. Juni 1998
Betrieb
Freigabe 7. Juli 2003
Lage
Rennsteigtunnel (Thüringen)
Red pog.svg
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Koordinaten
Ostportal 50° 42′ 44,6″ N, 10° 46′ 35,8″ O
Westportal 50° 40′ 9,9″ N, 10° 41′ 21,1″ O

Der Rennsteigtunnel, offiziell Tunnel Rennsteig genannt, ist mit 7.916 Metern der längste Straßentunnel Deutschlands und nach dem Gran-Sasso-Tunnel, dem Plabutschtunnel sowie dem Seelisbergtunnel der viertlängste zweiröhrige Straßentunnel Europas. Als Teil der Autobahn A 71 ErfurtSchweinfurt, zwischen den Anschlussstellen Gräfenroda und Oberhof (in Zella-Mehlis) liegend, unterquert er den Kamm des Thüringer Waldes mit dem Kammweg Rennsteig. Nach seiner Tunnelpatin Christiane Herzog wird er auch Christiane-Tunnel genannt. Südseitig folgen unmittelbar die Tunnel Hochwald und Berg Bock, nördlich der Tunnel Alte Burg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rennsteigtunnel ist ein Teil des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 16, dem Ausbau der Bundesautobahnen 71 und 73. Im ursprünglichen Raumordnungsverfahren war eine Kette von drei Tunneln vorgesehen. Im Rahmen der Entwurfsplanung wurden weitere Varianten entwickelt und untersucht. Daraus wurde schließlich der Tunnel in seiner heutigen Form entwickelt.[1]

Der erste Spatenstich erfolgte am 26. Juni 1998. Die Eröffnung fand am 5. Juli 2003 durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder statt, die Verkehrsfreigabe zwei Tage später. Die Bauzeit betrug 57 Monate bei Baukosten von ungefähr 200 Millionen Euro.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abluftkamin am Rennsteigtunnel
Tunnelportal mit Auffahrt Oberhof/Zella-Mehlis am Rennsteigtunnel
Zuluftstollen der Luftaustauschzentrale Floßgraben

Die westliche Röhre hat eine Länge von 7916 Metern und die östliche Röhre ist 7878 Meter lang. Der Abstand zwischen den Röhren beträgt etwa 25 Meter. Jede Röhre hat eine Lichtraumbreite von 9,5 Metern und Lichtraumhöhe von 4,5 Metern. Diese besitzen zwei 3,5 Meter breite Fahrstreifen, Randstreifen von 0,25 Metern, beidseitig Notgehwege von einem Meter Breite, zwölf Pannenbuchten sowie in Abständen von 300 Metern 25 Querstollen zur anderen Richtungsfahrbahn. Aufgrund der Länge der Röhren gibt es zur Be- und Entlüftung in den Zwischentälern Kehltal, 3041 Meter vom Nordportal entfernt bei Kilometer 118, und Floßgraben, 2460 Meter vom Südportal entfernt bei Kilometer 120, je eine Luftaustauschzentrale. Dadurch sind für die Längslüftung drei etwa gleich lange Lüftungsabschnitte vorhanden. Die Tunnelluft wird in den Luftaustauschzentralen mittels vier Axialventilatoren abgesaugt und über Abluftkamine, die bis zu 20 Meter über das Gelände ragen, ausgeblasen. Die Frischluft wird in den Lüftungszentralen über Zuluftstollen angesaugt und durch vier Axialventilatoren eingeblasen. Die Längslüftung erfolgt durch Strahlventilatoren mit 28 Einheiten je Röhre.

Die maximale Überdeckung des Tunnels im Berg, das heißt, der vertikale Abstand zwischen Tunnel und freiem Gelände, beträgt 205 Meter. 1,35 Millionen Kubikmeter Ausbruchmaterial fielen an und wurden in den anschließenden Streckenabschnitten verbaut. Den höchsten Punkt erreicht die A 71 in der Mitte des Tunnels bei 670 m ü. NHN. In der Nähe des Bahnhofs Oberhof kreuzt der Rennsteigtunnel den Brandleitetunnel (Eisenbahntunnel). Zwischen beiden liegen nur etwa 6 bis 7 Meter Gestein.

Das Tunnelgewölbe besteht aus einer Spritzbetonaußenschale, je nach Gebirgsverhältnissen zwischen 5 Zentimeter (unbewehrt) und 25 Zentimeter (bewehrt) dick, einer Abdichtung aus einlagigen 2 Millimeter dicken Kunststoffdichtungsbahnen und einer 30 bis 35 Zentimeter dicken bewehrten Stahlbetonaußenschale. Im Regelfall wurde, da geologisch möglich, ein offener Gewölbequerschnitt, ohne Sohle, eingebaut. Der für die Herstellung des Betons erforderliche Kies stammte aus einem Kieswerk bei Sprotta und wurde mit Ganzzügen nach Zella-Mehlis geliefert.[2]

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem Test des ADAC im Jahr 2004 ist der Rennsteigtunnel der sicherste aller in Europa getesteten Tunnel. So gibt es unter anderem alle 150 Meter geschlossene Notrufkabinen mit einer Kamera und Handfeuerlöschern, alle 300 Meter die Querstollen mit Brandschutztüren sowie alle 600 Meter bei den Pannenbuchten in den Querstollen zusätzlich für Rettungsfahrzeuge eine Überfahrmöglichkeit zwischen den Tunnelröhren. Außerdem können die Zuluftstollen der Luftaustauschzentralen als Zufahrt für Rettungsfahrzeuge genutzt werden. Die Stromversorgung im Notfall ist durch eine Batterieanlage sichergestellt. Für Gefahrguttransporte ist der Tunnel gesperrt (Tunnelbeschränkungscode E). In einem Modellversuch wird seit Oktober 2016 ein neues System gegen Falschfahrer[3] erprobt. Sensoren überwachen die Fahrtrichtung bei Einfahrt in den Tunnel.

Besonderheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Tunnel besteht eine Geschwindigkeitsbegrenzung von üblicherweise 80 km/h. Es befinden sich pro Fahrtrichtung zwei Messstellen (jeweils vierte Pannenbucht bei km 117 und neunte Pannenbucht bei km 120) zur Geschwindigkeitsüberwachung beider Fahrstreifen. Sie arbeiten mit in die Fahrbahn eingelassenen Piezo-Sensorfeldern und verwenden für das Beweisfoto Infrarotlicht, das vom Autofahrer nicht wahrgenommen, aber ausreichend reflektiert wird, um Fahrer und Fahrzeug abzubilden (sogenannte Black-Flash-Blitztechnik). Dadurch soll verhindert werden, dass der „geblitzte“ Fahrer erschrickt und einen Unfall verursacht. Die Daten werden automatisch per Datenleitung an die Zentrale Bußgeldstelle der Thüringer Polizei in Artern übermittelt. Auch die zu- und abführenden Streckenteile sind gespickt mit Starenkästen modernerer Bauart, die nicht sofort als solche erkannt werden.

Blick auf die Autobahnmeisterei zwischen Rennsteigtunnel und Hochwaldtunnel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen: Brücken und Tunnel der Bundesfernstraßen 2004. Dokumentation.. Deutscher Bundes-Verlag, Berlin. ISBN 3-935064-28-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tunnel Rennsteig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gundolf Denzer, Reinhold Maidl: Rennsteintunnel – Längster Autobahntunnel in Deutschland. In: Tunneltechnologie für die Zukunftsaufgaben in Europa. Balekma-Verlag, Rotterdam 1999, ISBN 90-5809-051-5, S. 97–106.
  2. Bahn-Express: Heinrich Niemeier GmbH & Co. KG, Kieswerk Sprotta, 04838 Sprotta bei Eilenburg
  3. heise online: Neues System warnt vor Geisterfahrern im Autobahntunnel. In: heise online. Abgerufen am 24. Oktober 2016.