Gräfenroda

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gräfenroda
Gräfenroda
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gräfenroda hervorgehoben
Koordinaten: 50° 45′ N, 10° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Verwaltungs­gemeinschaft: Oberes Geratal
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 23,32 km²
Einwohner: 3232 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 139 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99330
Vorwahl: 036205
Kfz-Kennzeichen: IK, ARN, IL
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 024
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
An der Glashütte 3
99330 Gräfenroda
Webpräsenz: www.graefenroda.de
Bürgermeister: Frank Fiebig (Die Linke)
Lage der Gemeinde Gräfenroda im Ilm-Kreis
Alkersleben Altenfeld Angelroda Arnstadt Böhlen Bösleben-Wüllersleben Dornheim Elgersburg Elleben Elxleben Frankenhain Frauenwald Friedersdorf Gehlberg Gehren Geraberg Geschwenda Gillersdorf Gossel Gräfenroda Großbreitenbach Herschdorf Amt Wachsenburg Ilmenau Ilmtal Kirchheim Langewiesen Liebenstein Martinroda Gehren Neusiß Neustadt am Rennsteig Osthausen-Wülfershausen Pennewitz Plaue Rockhausen Schmiedefeld am Rennsteig Stadtilm Stützerbach Amt Wachsenburg Wildenspring Wipfratal Witzleben Wolfsberg Thüringen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Suhl Landkreis Hildburghausen Landkreis Sonneberg Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis GothaKarte
Über dieses Bild
St.-Laurentius-Kirche
Haus Grevenrot
Gartenzwergmuseum
Bahnhof
Staatliche Grundschule »An der Burglehne« Gräfenroda

Gräfenroda ist eine Gemeinde im Ilm-Kreis (Thüringen).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräfenroda liegt in etwa 400 Metern Höhe im Tal der Wilden Gera. Gräfenroda ist der größte Ort ohne Stadtrechte im Ilm-Kreis und nach Einwohnern der viertgrößte Ort des Ilm-Kreises. Der Ort ist mit 5 km Länge auch das längste Dorf im Kreis. Nördlich von Gräfenroda erhebt sich der 490 Meter hohe Läusebühl, südlich liegt der 508 Meter hohe Gräfenrodaer Berg. Südwestlich des Ortes beginnt der Thüringer Wald. Westlich von Gräfenroda befindet sich die Lütschetalsperre. Die Lütsche mündet in Gräfenroda in die Wilde Gera. Talaufwärts befindet sich in 3 km Entfernung mit der Talbrücke Wilde Gera die imposanteste Brücke der A 71.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Liebenstein,Geschwenda,Geraberg,Gehlberg,Oberhof,Frankenhain

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräfenroda wurde erstmals 1290 urkundlich erwähnt. Der Ortsname kennzeichnet den Ort als Rodungssiedlung. Der Besitz am Ort lag ursprünglich bei den Grafen von Kevernburg bzw. Schwarzburg, von 1446 bis 1819 war der Besitz in eine schwarzburgische und eine witzlebische, später gothaische Hälfte geteilt. Traditionelle Erwerbsmöglichkeiten der Einwohner lagen in Forstwirtschaft und Fuhrwesen, außerdem im bergmännischen Abbau von Kupfer, Silber und Blei sowie ab dem 16. Jahrhundert in der Glasherstellung. Im 17. Jahrhundert entstanden die Ortsteile Anspiel und Dörrberg als Ausbausiedlungen in Verbindung mit der Errichtung von Schmelzhütten und Hammerwerken. Die vorindustriellen Betriebe boten jedoch nur geringe Arbeitsplätze, so dass in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Einwohner wegen mangelnder Erwerbsmöglichkeit nach Amerika auswanderten. Erst nach 1850 siedelten sich im Zuge der Industrialisierung größere Betriebe im Ort an: 1855 eine Holzwarenfabrik, 1860 eine Terrakottafabrik, 1869 eine Glashütte und später weitere Porzellanfabriken. 1884 erfolgte der Anschluss an die Bahnstrecke Neudietendorf–Ritschenhausen. Ende des 19. Jahrhunderts lag in Gräfenroda die Geburtsstätte der Gartenzwerge, die heute in einem Museum zu besichtigen ist. Von 1858 bis 1922 gehörte Gräfenroda zum Landratsamt Ohrdruf im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha.

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges mussten 104 „Ostarbeiter“ bei der Firma Hugo Funk Söhne und in der Glasfabrik Wilhelmshütte Zwangsarbeit leisten. Auf dem Kirchhof erinnern Gräber und eine Gedenktafel an zwei KZ-Häftlinge, die während eines Todesmarsches bei Gräfenroda von SS-Mitgliedern erschossen wurden.[2] In der Zeit des Nationalsozialismus wirkte und lebte der für seine antisemitische Propaganda berüchtigte Schriftsteller Artur Dinter in Gräfenroda. 1945 floh er nach Zell am Harmersbach, um einer Bestrafung zu entgehen.

Zu DDR-Zeiten errichtete und unterhielt im Ort der VEB Matratzenfabrik Wittekind in Halle ein Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräfenroda ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Geratal.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den Kommunalwahlen in Thüringen 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

Partei / Liste Stimmenanteil 2014 Sitze 2014 Sitzgewinn/-verlust Stimmenanteil 2009 Sitze 2009 Sitzgewinn/-verlust Stimmenanteil 2004 Sitze 2004
CDU 42,1 % 7 +1 33,8 % 6 -3 52,1 % 9
Die Linke 26,1 % 4 0 26,2 % 4 +2 12,4 % 2
SPD 18,2 % 3 0 20,2 % 3 -2 35,5 % 5
Freie Wählergemeinschaft Ilm-Kreis 13,6 % 2 -1 19,8 % 3 +3 nicht angetreten 0

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank Fiebig, Die Linke, wiedergewählt 2012 in der Stichwahl mit 62,7 % der gültigen Stimmen.[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot, geteilt durch einen silbernen Wellenbalken; oben eine goldene neunzackige Grafenkrone, unten ein silberner Stubben.“

Der ehemalige Rodungsort wurde erstmals 1290 urkundlich erwähnt und gehörte zum Besitz der Grafen von Schwarzburg-Käfernburg. Krone und Stubben symbolisieren die gräfliche Rodung, der der Ort seinen Namen verdankt. Das Wellenband steht für die Wilde Gera, die den Ort durchfließt und 23 Mühlräder trieb.[4]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet und am 10. Dezember 1993 genehmigt.

Partnerstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Städtepartnerschaft verbindet Vouziers in Nordfrankreich (Département Ardennes) mit Gräfenroda.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die St.-Laurentius-Kirche wurde 1731/33 vom gothaischen Oberlandbaumeister Johann Erhard Straßburger erbaut. Straßburger befand die Vorgängerkirche für die damalige Zahl der Kirchbesucher zu klein. Daher erfolgte 1730 der Abriss der alten und der Baubeginn der neuen Kirche. Der Neubau wurde als großzügige Saalkirche errichtet mit geräumigen Doppelemporen. Möglicherweise aus der Vorgängerkirche stammt der dreiflügelige Schnitzaltar aus der Zeit um 1500. Eigene Fenster bewirken die Beleuchtung des Erdgeschosses. 2005 erfolgte durch Orgelbau Waltershausen die Rekonstruktion der Weise-Orgel von 1736.
  • Das Gartenzwerg-Museum erinnert an die in Gräfenroda erstmals praktizierte industrielle Fertigung von Gartenzwergen, die hier in zwei 1872 gegründeten Unternehmen begann.
  • Im Haus Grevenrot ist das Heimatmuseum untergebracht.
  • Das Raubschloss, eine mittelalterliche Befestigungsanlage, befindet sich südlich des Ortes.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräfenroda ist eine wirtschaftlich nicht stark ausgeprägte Gemeinde. Der größte Arbeitgeber im Ort ist die Schulz Fördersysteme GmbH mit 76 Mitarbeitern. In den Jahren vor dem demokratischen Umbruch gab es verschiedene Sägewerke sowie eine Tonwarenfabrik, die auch die Heimat der Gartenzwerge war. Nach 1990 brach ein Großteil der Industrie des Ortes zusammen. Heute pendeln viele Gräfenrodaer zur Arbeit nach Arnstadt oder Ilmenau.

Gräfenroda liegt an der B88, die als Ilmenau und Eisenach verbindet. Nach dem Ort ist auch eine Autobahnanschlussstelle der A 71 benannt, die ca. 4 km südlich liegt. Von Gräfenroda führen weitere Straßen nach Gehlberg/Oberhof und Plaue/Arnstadt.

Der 2 km vom Ort entfernte Bahnhof Gräfenroda war ein Eisenbahnknoten an der Bahnstrecke Neudietendorf–Ritschenhausen. Heute verkehren der Mainfranken-Thüringen-Express und Regionalbahnen, die auch am Haltepunkt Dörrberg halten. Bis in die 1990er Jahre wurden in Gräfenroda Schiebelokomotiven für die Bergfahrt nach Oberhof/Suhl angesetzt. Am Bahnhof Gräfenroda beginnt die Ohratalbahn Gräfenroda–Gotha mit dem weiteren Haltepunkt Gräfenroda-Ort; aber der Personenverkehr wurde im Dezember 2011 eingestellt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musiker rund um die Kellner-Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräfenroda hat drei Ehrenbürger.[5]

  • 1999: Rainer Abendroth (1925–2009), Gründer des Heimatvereins und Verfasser der heimatgeschichtlichen Chroniken.
  • 2002: Katrin Apel (* 1973), erfolgreiche Biathletin aus Gräfenroda.
  • 2005: Peter Harder (* 1962), machte sich um die international anerkannte Rekonstruktion der Kellner-Weise-Orgel in der St.-Laurentius-Kirche und die Pflege des Werkes von Johann Peter Kellner verdient.

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Wernicke (1848–1905), Neurologe und Psychiater, starb in Gräfenroda-Dörrberg
  • Artur Dinter (1876–1948), nationalsozialistischer und antisemitischer Schriftsteller und Politiker (NSDAP), lebte eine Zeit lang in Gräfenroda
  • Hermann Brill (1895–1959), Politiker (SPD) und erster Regierungspräsident Thüringens nach dem Zweiten Weltkrieg, geboren in Gräfenroda
  • Karl Fuchs (1910–2002), Modelleur, lebte in Gräfenroda
  • Lutz Holland (1934–2012), Bildhauer und Metallbildner, geboren in Gräfenroda
  • Lieselotte Ahnert (* 1951), Psychologin und international bekannte Expertin für „frühe Bindung“, geboren in Gräfenroda
  • Daniel Graf (* 1981), Biathlet, geboren in Gräfenroda
  • Peter Walde (* 1945), Politiker (REP und NPD), geboren in Gräfenroda

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karlheinz Fischer: Gräfenroda – Erinnerungen in Wort und Bild. Rockstuhl, Bad Langensalza 2009, ISBN 978-3-86777-119-1, S. 120.
  • Rotraut Greßler: Gräfenroda und umliegende Orte. Ein Lesebuch zur Geschichte eines Thüringer Fleckens, mit einer umfangreichen Bibliografie und ausgewählten Texten. Buch- und Kunstdruckerei Keßler, Weimar und Waltershausen 2008, ISBN 978-3-00-026338-5, S. 168.
  • Gräfenroda. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 3. Band, Zwickau 1816, S. 383 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8 Thüringen. Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 142.
  3. CDU lässt bei Stichwahlen Federn, insuedthueringen.de vom 6. Mai 2012
  4. Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. (Hrsg.): Neues Thüringer Wappenbuch, Band 2. 1998, ISBN 3-9804487-2-X, S. 12.
  5. http://www.graefenroda.de/index.php/ehrenbuerger

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gräfenroda – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien