Rheinisches Reichsprälatenkollegium

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Der Abt von Werden war Direktor der Rheinischen Prälatenbank

Das Rheinische Reichsprälatenkollegium auch Rheinische Prälatenbank genannt war die Vertretung der Reichsprälaten ohne Virilstimme im Reichstag des Heiligen Römischen Reiches, die nicht dem schwäbischen Reichsprälatenkollegium angehörten. Der Zusammenschluss führte ab 1653 eine Kuriatstimme im Reichstag.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Anfänge eines Zusammenschlusses neben dem schwäbischen Reichsprälatenkollegium reichen bis ins Jahr 1582 zurück. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts nahmen einige nichtschwäbische Reichsabteien oder –stifte an Sitzungen des Reichsfürstenrates teil. Um 1640 beantragten einige von ihnen die Zuerkennung einer eigenen Kuriatstimme neben dem schwäbischen Kollegium. Mit der Gewährung im Jahr 1653 war die Entstehung des rheinischen Reichsprälatenkollegiums abgeschlossen. Dies war möglicherweise ein Ausgleich für die Verdoppelung der Reichsgrafenkollegien zwischen 1641 und 1653. Da drei von diesen mehrheitlich protestantisch waren, stellte das rheinische Reichsprälatenkollegium ein Gegengewicht dar. In der Aufrufordnung des Reichsfürstenrats nahm die Rheinische Prälatenbank die # 97 ein.

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direktor des Zusammenschlusses war der Abt von Werden. Dieser entsandte den Gesandten des Kollegiums zum Reichstag. Zeitweise hat daneben auch das Stift Gandersheim einen eigenen Abgesandten zum Reichstag geschickt.

Die Bezeichnung „rheinisch“ ist allerdings missverständlich. Während der schwäbische Pendant Reichsabteien und –stifte nur aus dem Gebiet des schwäbischen Reichskreises vertrat, waren im rheinischen Kollegium Reichsprälaten aus verschiedenen Teilen des Heiligen Römischen Reiches zusammengeschlossen. Selbst einige schwäbische Stifte wurden zumindest zeitweise Mitglieder des rheinischen Kollegiums (St. Ulrich und Afra in Augsburg, Kaisheim, Buchau und Isny).

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die Historikerin Sarah Hadry in Ihrem Artikel des Historischen Lexikons Bayern ausführt, traf die politisch bedeutende Rolle, die das Kollegium der schwäbischen Prälaten innerhalb ihres Reichskreises spielte, für das über verschiedene Reichskreise verteilte rheinische Kollegium nicht zu. Ein weiterer Aspekt, der die Wirksamkeit minderte, kam hinzu. Im Gegensatz zum schwäbischen Kollegium umfasste das rheinische Kollegium nicht nur katholische, sondern auch protestantische Einrichtungen. Dies war einer gemeinsamen Politik wenig zuträglich.

Nach Sarah Hadry hat der Zusammenschluss nennenswerte eigenständige Wirksamkeit kaum ausgeübt. Der Kenner des Reichsrechts Johann Jacob Moser war 1767 nicht einmal mehr in der Lage die genaue Zusammensetzung des Kollegiums anzugeben.[1]

Mitglieder der Rheinischen Prälatenbank 1792[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angaben für 1792[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sarah Hadry: Reichsprälatenkollegium in: Historisches Lexikon Bayerns, [1], 2009
  2. Gerhard Köbler, Einleitung. In: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 4. Aufl. München, 1992, ISBN 3-406-35865-9 S.XIII

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Abt von Kaisheim war sowohl auf der Rheinischen (# 1) als auch auf der Schwäbischen Prälatenbank (# 7) vertreten. Mit der Zuordnung der Zisterzienserabtei Kaisheim zur Rheinischen Prälatenbank war es den beiden einzigen Zisterziensermannsabteien mit Prälatenrang gelungen, auf beiden Bänken den Ehrenplatz # 1 einzunehmen. Der Beitrag der Abtei Kaisheim mit 438 fl. zu den Römermonaten war der höchste aller Prälaten beider Bänke. Die beiden einzigen Zisterziensermannsabteien zahlten einen Preis für den Ehrenplatz, da sie überhaupt weit höhere Beiträge aufbringen mussten als andere Orden; der höchste Beitrag einer Benediktinerabtei lag nur halb so hoch. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zu Bayern.
  2. Die Reichsunmittelbarkeit von Kaisheim war bis 1757 umstritten. Auch die Kreisstandsschaft war bis 1759 zwischen dem Bayerischen und dem Schwäbischen Reichskreis strittig, daher wurde Kaisheim keinem der Viertel des Schwäbischen Reichskreises zugeteilt; die Beiträge wurden aus der Kasse genommen. Die Zuordnung zum Bayerischen Reichskreis erfolgt gemäß dem Reichstagsabschied 1532.
  3. Komtur der Ballei Koblenz des Deutschen Ritterordens ohne Gebiet. Zuordnung zum Kurrheinischen Reichskreis gemäß Reichstagsabschied 1532. 1801 im Frieden von Lunéville zu Frankreich (Département Rhin-et-Moselle, Hauptstadt Koblenz)
  4. Die Herrschaft Altshausen mit Sitz im Schwäbischen Reichsgrafenkollegium befand sich im Besitz des Komturs der Ballei Elsass und Burgund des Deutschen Ritterordens. Die Ballei wurde 1805 aufgelöst und ihre Besitzungen an Bayern, Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen übertragen. Altshausen wurde von Württemberg säkularisiert, die Herrschaft Achberg sowie die Kommende Hohenfels zu Hohenzollern-Sigmaringen. Die Kommende Mainau mit der Herrschaft Blumenfeld kam zu Baden, die Kommende Rohr-Waldstetten zu Bayern.
  5. Stiftung 1118. Hirsauer Reformkloster. Seit 1398 unter Vogtei des Bistums Speyer. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zu Baden.
  6. Stiftung 799; der Abt von Werden übte das Amt des Direktors der Rheinischen Prälatenbank aus. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zu Preußen, 1807 zum Königreich Westphalen.
  7. Stiftung um 1012. Hirsauer Reformkloster. Bis 1644 wegen Streit um Reichsstandschaft mit dem Hochstift Augsburg Reichsstandschaft nicht wahrgenommen. Obwohl nicht in der Reichsmatrikel verzeichnet, wurde St. Ulrich und Afra im Schwäbischen Reichskreis zur Gestellung von Soldaten herangezogen. Zu St. Ulrich und Afra gehörte das Priorat Unterliezheim (Stiftung vor 1026 als Benediktinerfrauenabtei, Aufhebung 1540, Wiederherstellung als Expositur der Abtei St. Ulrich und Afra 1655) und die Herrschaft Finningen. Für Unterliezheim, das unter pfalz-bayerischer Landeshoheit stand, war der Abt von St. Ulrich und Afra pfalz-neuburgischer Landstand.
  8. Stiftung um 1096. Hirsauer Reformkloster. Der Abt von St. Georgen war auch auf der Schwäbischen Prälatenbank (# 23) vertreten. Seine Reichsunmittelbarkeit war bis 1781 umstritten. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 erhielt der Graf von Quadt Stadt und Abtei Isny, 1806 zu Württemberg.
  9. Stiftung 814, 1801 im Frieden von Lunéville zu Frankreich (Département Roer).
  10. Kloster Sankt Emmeram ohne Gebiet. Abtei 1748 zur fürstlichen Residenz umgebaut (1812 an die Familie Thurn und Taxis). Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zum Fürstentum Regensburg für den Reichskurerzkanzler von Dalberg, 1810 zu Bayern.
  11. Stiftung um 850. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zu Preußen, 1807 zum Großherzogtum Berg.
  12. Die Herrschaft Straßberg mit Sitz im Schwäbischen Reichsgrafenkollegium befand sich im Besitz der Fürstäbtissin von Buchau. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 erhielt der Fürst von Thurn und Taxis in § 13 die Abteien Marchtal und Neresheim sowie Ostrach, dazu Stadt und gefürsteteter Damenstift Buchau als Reichsfürstentum Buchau. Auf den Landtagen von Schwäbisch Österreich in Ehingen waren neben den Städten, Klöstern und Adelsherrschaften unter ausschließlich österreichischer Landeshoheit neben anderen Ständen das Damenstift Buchau und die Abtei Schussenried für das Amt Bierstetten vertreten. 1806 Buchau zu Württemberg, Straßberg zu Hohenzollern-Sigmaringen.
  13. Stiftung 966, ab 1515 evangelische Äbtissinnen. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zu Preußen, 1807 zum Königreich Westphalen.
  14. Stiftung 819. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zu Preußen, 1807 zum Königreich Westphalen.
  15. Stiftung 961, 1610 Säkularisation der Abtei: Gernrode mit Anhalt-Bernburg vereinigt.
  16. Stiftung 900, Gorzer Reformkloster, ohne Gebiet. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zum Fürstentum Regensburg für den Reichskurerzkanzler von Dalberg, 1810 zu Bayern.
  17. Stiftung 1020, Gorzer Reformkloster, ohne Gebiet. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zum Fürstentum Regensburg für den Reichskurerzkanzler von Dalberg, 1810 zu Bayern.
  18. Stiftung um 973, jungcluniazensisches Reformkloster (Reform von Siegburg). 1220 wurde das Benediktinerkloster in ein reichsunmittelbares Zisterzienser-Frauenstift umgewandelt. Im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis nicht als Stand vertreten. 1801 im Frieden von Lunéville zu Frankreich (Département Roer).
  19. Stiftung 875, 1568 Umwandlung in ein evangelisches Damenstift. 1802 freiwillige Aufgabe des Sitzes auf der Rheinischen Prälatenbank. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 zu Braunschweig.
  20. Stiftung um 992, 1795 Säkularisation der Abtei. 1801 im Frieden von Lunéville zu Frankreich (Département Meuse-Inférieure).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]