Rinderbestattung

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Die Rinderbestattung ist in Mitteleuropa ein Phänomen aus der Mittel- und Endphase der Jungsteinzeit, das besonders östlich der Weser auftritt. Sie wird häufig mit der Kugelamphorenkultur (KAK) (etwa 3100–2700 v. Chr.), aber auch mit der Badener, der Bernburger und anderen Kulturen verbunden. Rinderbestattungen aus der Jungsteinzeit sind selten und werden als Opfer interpretiert. Die Rinderbestattung von Biendorf enthielt zugleich das Skelett einer Frau und eines etwa 5-jährigen Kindes.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rinderbestattungen finden sich in der Osthälfte des heutigen Deutschlands zwischen der Ostsee und dem Erzgebirge sowie in Polen. Das Skelett von Penkun, Landkreis Vorpommern-Greifswald stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Rinderbestattungen von Buchow-Karpzow und vom Gallberg bei Zachow im Kreis Nauen liegen in Brandenburg und sind der Havelländischen Kultur zuzuweisen. In Sachsen-Anhalt gibt es Funde in Altranstädt, Derenburg-Löwenberg und in Oschersleben. In Sachsen sind Rinderbestattungen z. B. aus Weideroda-Zauschwitz, Dölkau, Plotha, Schönebeck in Sachsen-Anhalt und Stobra bekannt.

Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Börnecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Börnecke und Westernhausen im Kreis Quedlinburg fanden die Archäologen ein rund 5000 Jahre altes Ensemble aus sieben Rinderbestattungen und einer Steinkiste. Unmittelbar neben der Steinkiste wurden gleichzeitig in zwei Gruben Rinder deponiert. Die Kombination aus Steinkiste und Rinderbestattung macht dieses Ensemble bisher einzigartig. Die Art der Niederlegung deutet auf ein Bestattungs- oder Opferritual hin. Nach der Knochenbestimmung handelt es sich um Rinder, die im anatomischen Verband liegen. Sie sind annähernd ost-west orientiert und folgen insofern der Steinkistenbestattung. Bei den Rindern der einen Grube handelt es sich um drei Jungstiere im Alter von 3 bis 4 Jahren, ein 8 bis 10 Jahre altes erwachsenes Tier und eine 7 bis 8 Jahre alte Kuh. Im Halsbereich eines Tieres befand sich ein angespitztes, scharfes Knochengerät mit dem man die Tiere möglicherweise getötet (ausgeblutet) hat. Keines der Tiere weist Schlachtspuren auf. Von den Skeletten der beiden Rinderbestattungen in Altranstädt hatten sich nur die Reste der Schädel, Zähne und Kieferfragmente erhalten. Die Gräber waren mit mehreren vollständigen Gefäßen sowie einem großen, völlig zerscherbtem Vorratsgefäß ausgestattet worden.

Remlingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiderseits des Zugangs der Kammer des Mauerkammergrabes von Remlingen (Niedersachsen) lagen auf dem Schotterpflaster die stark verbrannten Skelettreste von Rindern, deren Schädel bzw. Unterkiefer in östliche Richtung wiesen. Dieses in Mauerkammergräbern bislang einmalige Phänomen kann mit den Rinderbestattungen der Bernburger- und der Kugelamphorenkultur in Zusammenhang gebracht werden. Bei den Rindern könnte es sich um Zugtiergespanne gehandelt haben, denn im Zusammenhang mit einigen Anlagen stehen auch die in Stein gepickten Darstellungen von Rindergespannen, wie man sie aus den Galeriegräbern von Lohne-Züschen (Schwalm-Eder-Kreis, Hessen) und Warburg I (Ldkr. Höxter, Nordrhein-Westfalen) kennt.

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die polnische Kugelamphorenkultur (KAK) bereichert die Kenntnis über Rinderbestattungen. Ein Grab in Husynne Kolonia, Bez. Zamość, enthielt eine Rinderbestattung, der neben einem Gefäß und Knochengeräten zwei Beile mitgegeben worden waren, wie sie bislang eher von menschlichen Beisetzungen bekannt sind. Während dieses Grab keine Steineinbauten besitzt, wurde in Sahryń, Gem. Werbkowice, eine Steinkiste gefunden, die an die Ostlubliner Gruppe und an Grabbauten in Wolhynien und Podolien erinnert. Der östliche Einfluss spiegelt sich nicht nur in der Grabkonstruktion, sondern auch in Form und Verzierung der Gefäße wider. In Sandomierz, Bez. Tarnobrzeg, fanden sich drei Gräber unterschiedlichen Typs, Grab II ohne Steinsetzung, Grab VIII mit Steinplatten ohne Kammereinbau und Grab X mit Steinabdeckung und Pflaster. Anhand der Funde lassen sich die Gräber der jüngsten, dritten Phase der Kugelamphorenkultur zuweisen, einer Datierung, die auch zwei 14C-Daten aus Grab VIII stützen. In Zdrojówka, Kreis Koło wurde neben einer halb aus Steinen und halb aus kleinformatigen Mauerwerk errichteten kistenartigen Anlage eine paarweise Rinderbestattung gefunden.

Afrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Felsbildern in Südost-Algerien finden sich die ältesten bisher bekannten Darstellungen von Rinderbestattungen. In Ägypten kennt man frühe Rinderbestattungen aus der Badarizeit (5. Jahrtausend v. Chr.) und der Hyksoszeit (2. Jahrtausend v. Chr.), später beim Apis-Kult.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Coblenz K. Fritsche Dreifache Rinderbestattung mit Kugelamphoren in aus Zauschwitz Kr. Borna In: Ausgrabungen und Funde 6 1961 S. 62-69
  • A. Kokowski, J. Ścibior: Bemerkungen zur regionalen Gliederung der Kugelamphorenkultur in Polen In: Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen 1991.
  • A. Pollex: Ein neolithisches Rinderskelett von Penkun, Lkr. Uecker-Randow. Bemerkungen zur Interpretation so genannter Rinderbestattungen. Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrbuch 45/1997, 103-128.
  • H. Stahlhofen; A. Kurzhals: Neolithische Rinderbestattungen bei Derenburg, Kr. Wernigerode In: Ausgrabungen und Funde Berlin 1983

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]