Ketzin/Havel

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ketzin/Havel
Ketzin/Havel
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ketzin/Havel hervorgehoben
Koordinaten: 52° 28′ N, 12° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Höhe: 32 m ü. NHN
Fläche: 93,63 km²
Einwohner: 6412 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 68 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14669
Vorwahl: 033233
Kfz-Kennzeichen: HVL, NAU, RN
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 148
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstraße 7
14669 Ketzin/Havel
Webpräsenz: www.ketzin.de
Bürgermeister: Bernd Lück (FDP)
Lage der Stadt Ketzin/Havel im Landkreis Havelland
Brieselang Dallgow-Döberitz Falkensee Friesack Gollenberg (Havelland) Großderschau Havelaue Ketzin/Havel Kleßen-Görne Kotzen (Havelland) Märkisch Luch Milower Land Mühlenberge Nauen Nennhausen Paulinenaue Pessin Premnitz Rathenow Retzow Rhinow Schönwalde-Glien Seeblick Stechow-Ferchesar Wiesenaue Wustermark BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Ketzin/Havel ist eine amtsfreie Kleinstadt im Havelland zwischen Potsdam und Brandenburg an der Havel im Landkreis Havelland, Land Brandenburg. Bis zum 31. Dezember 2010 hieß die Stadt Ketzin.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ketzin liegt im Süden des Landkreises Havelland zwischen Brandenburg an der Havel (ca. 25 km) und Potsdam (ca. 22 km) am nördlichen Ufer der Havel. Im Gemeindeteil Paretz zweigen der Havelkanal und der Sacrow-Paretzer-Kanal von der Havel ab. Das Stadtgebiet rings um Ketzin ist eine geschützte Naturlandschaft mit einer ausgedehnten Seen- und Bruchlandschaft.

Nachbarkreise und -gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Ketzin/Havel grenzt (im Uhrzeigersinn)

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtgebiet gliedert sich in die Stadt Ketzin und vier Ortsteile.

Stadtgliederung (Gemeindeteil/Ortsteile mit Wohnplätzen[2]):

  • Ketzin
    • Brückenkopf
    • Kliemsiedlung
    • Schumachersiedlung
    • Vorketzin
    • Paretz
    • Paretzhof
  • Ortsteil Etzin
  • Ortsteil Falkenrehde
    • Neu Falkenrehde
  • Ortsteil Tremmen
  • Ortsteil Zachow
    • Gutenpaaren
    • Fernewerder

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ketzin im Hochstift Brandenburg

Im Jahr 1197 wurde Ketzin erstmals urkundlich erwähnt. Ketzin und Etzin lagen bis 1571 im Hochstift Brandenburg, dem Fürstentum des Bischofs des Bistums Brandenburg, und war darüber de jure nicht Teil der Mark Brandenburg.[3] 1375 wurde im Landbuch Kaiser Karls IV. berichtet, dass Ketzin Fährrecht besaß. 1424 wurde auf Gesuch der Schuhmacher und Lohgerber erstmals ein Markt abgehalten. 1738 wurde die Ketziner Fischergilde gegründet.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die bereits 1197 erwähnte St.-Petri-Kirche, die seit 1541 evangelisch war, durch einen Neubau ersetzt. Lediglich ein Teil des Wehrturms ist erhalten geblieben. Von den vier Glocken sind drei jüngeren Datums; eine stammt von Veit Dietrich (Lothringen, 1555). 1860 entdeckte der Lehrer Kaselitz unter feuchtem Wiesengrund gelegene Tonerde, mit der sich Ziegelsteine herstellen ließen. 1865 wurden die ersten Töpfer sesshaft, ab 1870 breiteten sich Ziegeleien aus. 1882 gab es 14 große Ziegeleien und 13 Tongruben. Der nordwestlich gelegene Burgwall (ehemals 120 x 160 m²) ist nicht erhalten. Er fiel 1881 dem Tonabbau zum Opfer, wobei Rudolf Virchow immerhin dafür sorgte, dass die Wallanlage zuvor wissenschaftlich untersucht wurde, so dass viele Fundstücke erhalten blieben. 1892 wurde die Zuckerfabrik gebaut (1967 geschlossen). Am 13. Dezember 1893 wurde die Bahnlinie Ketzin – Nauen eröffnet. Seit Einstellung des Personenverkehrs am 22. Mai 1963 wird auf dieser Strecke nur noch Güterverkehr betrieben. 1900 wurde die Schiffer- und Schiffbauerinnung gegründet, 1911 wurde das umgebaute Rathaus eingeweiht, und es entstand die katholische Kirche für die 1885 gegründete katholische Gemeinde.

1917 zogen die 1720 von Christoph Späth am Halleschen Tor in Berlin gegründeten Späth'schen Baumschulen nach Ketzin um (von Neu-Falkenrehde). Der damalige Inhaber Dr. Hellmut Späth wurde am 15. Februar 1945 im KZ Sachsenhausen ermordet. Am 25. April 1945 schlossen Einheiten der Roten Armee in Ketzin den Ring um Berlin und leiteten das Ende des Zweiten Weltkrieges ein.

1943 wurde das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, das bis dahin in Berlin auf dem Mitteljoch der Kurfürstenbrücke stand, zum Schutz vor Kriegseinwirkungen demontiert und zu Wasser auf einem Lastkahn nach Ketzin gebracht. Erst im Januar 1946 wurde der Prahm mit dem Reiterstandbild wieder nach Berlin geschleppt und im Borsig-Hafen vertäut.

Am 1. Juli 1950 wurde der Ort Knoblauch eingemeindet.[4] Paretz kam am 1. Januar 1960 dazu.[4] Gutenpaaren war bereits am 1. Juli 1950 nach Zachow eingemeindet worden.[4]

1964 wurde östlich von Ketzin in der Gemeinde Knoblauch der erste Untergrundgasspeicher der DDR in Betrieb genommen. Verschiedene Gasausbrüche bis an die Oberfläche zwangen 1966/67 zur Aufgabe des Ortes. Die Einwohner (1964: 460) wurden großzügig entschädigt und in Ketzin, Markee und Falkenrehde angesiedelt. Das Dorf einschließlich Kirche wurde vom Staat aufgekauft und abgerissen.

Am 22. Mai 1992 schloss sich Ketzin mit vier Gemeinden zum Amt Ketzin zusammen[5]. Sitz der Amtsverwaltung war in der Stadt Ketzin. Im Zuge der Gemeindereform in Brandenburg wurde das Amt Ketzin zum 26. Oktober 2003 wieder aufgelöst. Die amtsangehörigen Gemeinden Etzin[6], Falkenrehde, Tremmen und Zachow wurden zu diesem Zeitpunkt in die Stadt Ketzin eingegliedert[7].

Seit dem 1. Januar 2011 trägt Ketzin wieder seinen alten Stadtnamen Ketzin/Havel.[8]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 2 569
1890 3 462
1910 3 771
1925 3 079
1933 3 475
1939 3 415
1946 5 107
1950 4 732
1964 4 179
1971 4 995
Jahr Einwohner
1981 4 565
1985 4 520
1989 4 287
1990 4 201
1991 4 146
1992 4 143
1993 4 124
1994 4 127
1995 4 064
1996 3 990
Jahr Einwohner
1997 3 944
1998 3 968
1999 3 976
2000 3 959
2001 3 933
2002 3 942
2003 6 503
2004 6 487
2005 6 541
2006 6 483
Jahr Einwohner
2007 6 488
2008 6 448
2009 6 403
2010 6 405
2011 6 379
2012 6 405
2013 6 389
2014 6 355

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[9][10], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtverordnetenversammlung von Ketzin besteht aus 18 Stadtverordneten und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[11]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernd Lück (FDP) wurde in der Bürgermeisterwahl vom 11. September 2011 mit 88,4 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt (Wahlbeteiligung 30,5 %).[12]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 5. November 2004 genehmigt.

Blasonierung: „In Blau aufrecht nebeneinander und silbern eine Garnnadel (Knüttespun), ein Bindestock mit der Spitze nach unten und ein mit dem Bart nach außen gekehrter Schlüssel.“[13]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist Blau - Weiß - Blau im Verhältnis 1:3:1 gestreift mit dem Stadtwappen in der Mitte.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August findet jährlich das Fischerfest mit einem großen Fischzug auf der Havel statt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten in Zachow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung von Zachow liegt im Jahr 1170. Die Kirche wurde 1359 eingeweiht und im 18. Jahrhundert ergänzt durch einen Turm mit geschweifter Haube, eine neugotische Herrschaftsloge und durch eine Sakristei. In unmittelbarer Nähe liegt der sagenumwobene Trebelsee, dort sind vielfältige Wassersportarten möglich.

Sehenswürdigkeiten in Ketzin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rathaus: 1887 als Wirtschaftsgebäude errichtet, bis 1907 Kaiserliche Post, 1911 nach Anbau eines Seitenflügels und des Turmes Rathaus.
  • Evangelische St. Petri-Kirche: 1758–1763 als barocke Saalkirche erbaut, der Turm stammt vom Vorgängerbau aus der Zeit um 1200, im Innern ein barocker Orgelprospekt und eine barocke Kanzel.
  • Katholische Kirche Rosenkranzkönigin: 1910/11 errichteter neugotischer Backsteinbau mit 40 Meter hohem Turm.
  • Bahnhof Ketzin mit historischem Fahrzeugpark, beispielsweise einem Zug der DR-Baureihe VT 18.16

Sehenswürdigkeiten in Paretz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten in Falkenrehde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Falkenrehde
  • Dorfkirche von 1750, 1910 baulich verändert und um den Westturm ergänzt.
  • Gedenksteine von 1955 auf zwei Ehrengräbern für umgekommene sowjetische Soldaten und Kriegsgefangene, die in einem Barackenlager im Ortsteil Neufalkenrehde interniert waren, auf dem Friedhof hinter der Kirche von Falkenrehde

Sehenswürdigkeiten in Gutenpaaren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mittelalterliche Dorfkirche, der Turm wohl 18. Jh., gotisierender Umbau 1863.
  • Gutshof Dorfstraße 22/23, Wohnhaus mit 2 Stallgebäuden, erbaut um 1800 von Familie v. Eckenbrecher, denkmalgeschützt seit 2005, desolater Zustand
  • Gutshaus Dorfstr. 27, im Kern Fachwerkbau von vor 1700, vermutlich Mitte des 18. Jh. modernisiert, Denkmalschutz seit 2005

Sehenswürdigkeiten in Tremmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische St.-Marien-Kirche, ein einschiffiger kreuzförmiger gewölbter Backsteinbau, wurde im 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil als Wallfahrtskirche errichtet. Die beiden Türme wurden 1724 im barocken Stil erhöht und mit Zwiebelhauben versehen. Am Westgiebel der Kirche befindet sich eine Außenkanzel, von der aus vorbeiziehenden Pilgern und Gläubigen der Segen erteilt wurde.

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Ketzin/Havel mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmalen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich der Gemeinde verläuft die Bundesautobahn 10 (Berliner Ring). Der Berliner Ring ist über den Anschluss Potsdam-Nord (ca. 8 km) zu erreichen. Im Stadtteil Ketzin kreuzen sich die Landesstraßen L 86 und L 92. Den Ostteil mit Falkenrehde durchqueren die L 204 (früher Teilabschnitt der B 273) und die L 862 als Verbindung zwischen Ketzin und Falkenrehde. Zwischen Ketzin und Schmergow verkehrt eine Fähre über die Havel.
Das Stadtgebiet und die größeren Teilorte werden durch Buslinien von Potsdam und Nauen nach Ketzin erschlossen. Nächster Bahnhaltepunkt ist Marquardt an der Bahnstrecke Jüterbog–Nauen und am Berliner Außenring. Der Bahnhof Ketzin lag an der Bahnstrecke Nauen–Ketzin, die inzwischen nur noch im Güterverkehr bedient wird.

In der Gemeinde geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Illies (1925–1982), Biologe, Sachbuchautor
  • Walter Ruppin (1885–1945), Politiker (NSDAP) (geboren in Gutenpaaren)
  • Detlef Karg (* 1945), Gartenhistoriker, Denkmalpfleger und Landeskonservator

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg - Stadt Ketzin/Havel
  3. Gustav Abb und Gottfried Wentz: Das Bistum Brandenburg. Erster Teil, In: Germania sacra, Berlin und Leipzig 1929, Walter de Gruyter, S. 68 f.
  4. a b c Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  5. Bildung des Amtes Ketzin. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 21. April 1992. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nummer 33, 22. Mai 1992, S.501.
  6. Eingliederung der Gemeinde Etzin in die Stadt Ketzin. Mitteilung des Ministeriums des Innern vom 30. April 2002. Amtsblatt für Brandenburg Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 13. Jahrgang, 2002, Nummer 20, Potsdam, 15. Mai 2002, S.519 PDF
  7. Viertes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming (4.GemGebRefGBbg) vom 24. März 2003, Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 05, S.73
  8. Märkische Allgemeine, Der Havelländer, 30. Dezember 2010, gelesen am 1. Januar 2011
  9. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland. S. 14–17
  10. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  11. Amtliches Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014
  12. Ergebnis der Bürgermeisterwahl vom 11. September 2011
  13. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ketzin/Havel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien