Rowy (Ustka)

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Rowy
Rowy führt kein Wappen
Rowy (Polen)
Rowy
Rowy
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Słupsk
Gmina: Ustka
Geographische Lage: 54° 40′ N, 17° 3′ OKoordinaten: 54° 40′ 0″ N, 17° 3′ 9″ O
Einwohner: 343
Postleitzahl: 76-212
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GSL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Rowe - Objazda - Ustka/Słupsk
Schienenweg: Bahnstrecke Piła–Ustka
Bahnstation: Ustka
Nächster int. Flughafen: Danzig



Rowy ['rɔvɨ] (deutsch Rowe, kasch. Rowë) ist ein Ostseebadeort in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Er gehört zur Landgemeinde Ustka (Stolpmünde) im Powiat Słupski (Kreis Stolp).

Badestrand in Rowy (Rowe)

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rowy liegt in Hinterpommern, am Ufer der Lupow (Łupawa) auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Jezioro Gardno (Garder See) und der Ostsee. Rowe war einst ein abgelegenes Fischerdorf in wohl idyllischer Lage, doch ist Rowy heute ein gern aufgesuchtes touristisches Ausflugs- und Naherholungsziel.

Die nächstgelegene Stadt Ustka liegt 22 Kilometer entfernt in südwestlicher Richtung, die Kreisstadt Słupsk (Stolp) liegt 27 Kilometer südlich und die Woiwodschaftshauptstadt Danzig 150 Kilometer südöstlich. Die Landzunge, auf der Rowy liegt, ist über den Ort Objazda (Wobesde) in acht Kilometern zu erreichen. Objazda war bis 1945 auch die nächste Bahnstation an der Stolpmünde - Stolp der Stolper Bahnen. Nach deren Stilllegung ist der Bahnhof in Ustka an der Bahnstrecke Piła–Ustka die nächstgelegene Bahnstation.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der deutschen Ortsbezeichnung sollte Rowe am Garder See nicht verwechselt werden mit dem südlich des Leba-Sees (Jezioro Łebsko) ebenfalls in Landkreis Stolp gelegenen Dorfes Rowen (polnisch: Równo). Der Name erscheint in alten Urkunden 1282 als Rou, 1493 als Roff und auch Row. Es gab ein groten Rowe und ein lutken Roff.

Die polnische Namensform „Rowy“ ist in Polen öfter anzutreffen.

Der Marktplatz in Rowy

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historischen Dorfform nach war das frühere Rowe ein Haufendorf. Im Jahre 1350 wurde der Ritter von Bartowitz mit dem Heringsfang in Rowe belehnt. 1493 war ein von Bandemer Besitzer und ab 1553 ein von Schwave. Danach kam Rowe zu den königlichen Dörfern, die dem Amt Stolp unterstanden, später zum königlichen Amt in Schmolsin (heute polnisch: Smołdzino). Auch gab es einen adligen Anteil.

Um 1784 hatte Rowe einen Prediger, einen Küster und 24 königliche Untertanen bei insgesamt 38 Haushaltungen.[1] 1908/10 wurden Adlig Rowe (1895 = 85 Einwohner) und Königlich Rowe (1895 = 171 Einwohner) zu Rowe zusammengelegt. 1910 lebten hier 249 Einwohner. Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 277 und betrug 1939 noch 264.

Bis 1945 gehörte die Gemeinde Rowe mit der Ortschaft Klein Rowe (Rówek) zum Amts- und Standesamtsbezirk Wobesde (Objazda) im Amtsgerichtsbereich Stolp. Es lag im Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern.

Beim Einmarsch der Roten Armee 1945 blieben die Bewohner von Rowe im Ort, zusammen mit vielen Ostpreußen, die zum Teil schon 1944 im Treck hierher gekommen waren. Am 9. März 1945 wurde Rowe von den sowjetischen Truppen kampflos besetzt. Weil der Ort im Sperrbezirk an der Ostsee lag, mussten die Bewohner es am 29. März verlassen. Sie gingen nach Wobesde (Objazda) und fanden schließlich Unterkunft in Beckel (Wiklino).

Im Herbst 1945 kamen die Polen, auch polnisches Militär. Die Vertreibung der Ortsbewohner begann. 1947 gingen drei Transporte nach Westen bei Einsatz polizeilicher Kräfte. Im Jahre 1957 gab es in Rowy noch einige deutsche Fischer, die bleiben durften.

Seit 1945 ist der dann Rowy genannte Ort polnisch. Er ist heute Teil der Gmina Ustka im Powiat Słupski in der Woiwodschaft Pommern (1975 bis 1998 Woiwodschaft Słupsk). In Rowy leben heute mehr als dreihundert Menschen.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche in Rowy

Eine eigene Kirche soll das frühere Rowe bereits 1581 erhalten haben und wurde bei einer Kirchenvisitation 1590 erwähnt.

Später wurde ein neuer Fachwerkbau errichtet, wohl im Jahre 1750. Diese Kirche stand auf einem Hügel hoch über dem Garder See. Sie besaß einen Turm, der jedoch - wie ein Visitationsprotokoll von 1816 aussagt - wegen drohenden Einsturzes abgerissen werden musste. An seine Stelle wurde dann ein Glockenstuhl gebaut.

Die jetzige Kirche entstand 1843 als Neubau. In ihm befinden sich zahlreiche ältere und wertvolle Ausstattungsgegenstände. Die Glocken wurden im freistehenden Glockenstuhl eingehängt.

Mehr als hundert Jahre war diese Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Nach 1945 wurde sie zugunsten der katholischen Kirche enteignet. Sie wird heute Kościół Świętych Apostołów Piotra i Pawla („Kirche der Heiligen Apostel Peter und Paul“/Peter-und-Paul-Kirche) genannt.

Kirchspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rower Pfarre wurde 1581 von der in Groß Garde (heute polnisch: Garda Wielka) abgelöst. Dem damals evangelischen Kirchspiel zugeordnet waren die Ortschaften Klein Rowe (Rówek) und Schönwalde (Dębina) sowie die Filialkirche Wobesde (Objazda) mit Alte Mühle (Bałamątek).

Im Jahre 1921 gab es Versuche, den Pfarrsitz von Rowe nach Wobesde zu verlegen, die aber erfolglos blieben.

1940 hatte das Kirchspiel Rowe 1322 Gemeindeglieder, von denen 512 zur Kirchengemeinde Rowe und 810 zur Kirchengemeinde Wobesde gehörten. Der Pfarrsprengel gehörte zum Kirchenkreis Stolp-Altstadt in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Das Kirchenpatronat oblag für Rowe den staatlichen Behörden, für Wobesde der Rittergutsbesitzerin Kutscher.

Seit 1945 leben in Rowy überwiegend katholische Einwohner. Der Ort ist heute Filialkirchort in der Pfarrei Objazda (Wobesde), die zum Dekanat Główczyce (Glowitz) im Bistum Pelplin der Katholischen Kirche in Polen gehört. Bałamątek (Alte Mühle) und Dębina (Schönwalde) sind ebenfalls eingegliedert.

Hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören jetzt zur Kreuzkirchengemeinde in Słupsk in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Pfarrer bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Reformation amtierten bis 1945 in Rowe als evangelische Pfarrer:

  • Elias Tinellus
  • Paul Mantey, 1635–1643
  • Joel Polzin, 1644-?
  • David Bunkius, (1671)
  • NN. Giennak
  • Johannes Jarke, 1713–1736
  • Christian Cruska de Grabowsky, 1736–1755
  • Reinhold Fischer, 1755–1763
  • Matthias Dorsch, 1763–1799
  • Johann Fleischer, 1800–1820
  • Eduard Heinrich Haese, 1821–1837
  • Eduard Gottlieb Wilm, 1838–1842
  • Karl Friedrich Jonathan Horn, 1843–1851
  • Johann Friedrich Nahgel, 1851–1871 [2]
  • Ernst Hermann Reinhold Pieper, 1871–1874
  • Adolf Carl Paul Schultz, 1874–1878
  • Karl Gustav Bernhard Schröder, 1896–1911
  • Emil Max Wilhelm Müller, 1912–1924
  • Erich Karmer, 1924–1927
  • Franz Kypke, 1929–1940

Der von 1716 bis 1736 amtierende Pfarrer Johannes Jarke war der Großvater des preußischen Generals Ludwig Graf Yorck von Wartenburg. Er stammte aus dem Lauenburgischen und gehörte dem armen kaschubischen Paneadel an.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der 1932 einstufigen Volksschule unterrichtete ein Lehrer 48 Schulkinder. Die letzten Lehrer waren Erich Marko und Bernhard Wolter.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

mit dem Ort verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Maler Max Pechstein verbrachte von 1927 bis 1944 jeden Sommer in Rowe und traf sich hier auch mit vielen Künstlern.

Schach-Seniorenweltmeisterschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2000 fand in Rowy die 10. Seniorenweltmeisterschaft im Schach statt. Weltmeister wurden die aus Russland stammenden Oleg Tschernikow bzw. Jelena Fatalibekowa.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 824-829(Ortsbeschreibung Rowe; PDF)
  • Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen in Pommern von der Reformation bis zur Gegenwart. Teil 2, Stettin 1912.
  • Hanns Glaeser-Swantow: Das Evangelische Pommern. Teil 2, Stettin 1940.
  • Paul Scharnofske: Die Gemeinde Rowe. In: Ostpommersche Heimat 1938, Nr. 6.
  • Paul Scharnofske: Yorks Vorfahren stammten aus Rowe. Rühmliche Blätter aus der Ortsgeschichte von Rowe. In: Die Pommersche Zeitung, 15. Oktober 1966.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rowy – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 998, Nr. 113.
  2. Angehöriger des Corps Masovia; Kösener Korps-Listen 1910, 141, 219; Bild in den Blättern der Erinnerung (Schmiedeberg)