Rudolf-Oetker-Halle

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Rudolf-Oetker-Halle
Stadttheater am Niederwall
Theater am Alten Markt (TAM)

Als Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld bespielen das Theater Bielefeld und die Bielefelder Philharmoniker insgesamt acht Spielstätten in drei Häusern: Stadttheater, Theater am Alten Markt (TAM) und Rudolf-Oetker-Halle. Mit einem Gesamtangebot von fast 3.200 Plätzen bilden sie die zweitgrößte Kulturinstitutionen in Nordrhein-Westfalen. Die drei Sparten – Musiktheater, Tanz und Schauspiel – sowie das Orchester und das Konzerthaus stehen unter der Leitung von Michael Heicks (Intendant) und Ilona Hannemann (Verwaltungsdirektorin). Zum Leistungsteam gehören die Sparten-Verantwortlichen Sabine Schweitzer (Operndirektorin), Simone Sandroni (Künstlerischer Leiter und Chefchoreograf TANZ Bielefeld) Christian Schlüter (Schauspieldirektor) und Alexander Kalajdzic (Generalmusikdirektor).[1]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzerthaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rudolf-Oetker-Halle ist ein Konzerthaus in Bielefeld. Sie wurde 1929-1930 nach Plänen der Düsseldorfer Architekten Hans Tietmann und Karl Haake erbaut und am 31. Oktober 1930 eingeweiht. Anfang der 1950er-Jahre galt die Rudolf-Oetker-Halle als eine der besten Tonhallen der Welt. Seit 2018 gehört die Rudolf-Oetker-Halle zu den Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld. Der Name des Konzerthauses geht auf eine Stiftung der Familie Oetker zurück, gegründet zur Erinnerung an den 1916 im Ersten Weltkrieg gefallenen Rudolf Oetker, der sich bereits zu Lebzeiten für den Bau einer Konzerthalle in Bielefeld eingesetzt hatte und selbst Klavier und Orgel spielte.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzerthaus wurde im Bielefelder Westen an einem Hang am Nordrand des Teutoburger Waldes errichtet. Als Standort wurde die Westseite des Bürgerparks festgelegt. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die SchücoArena. Die Haltestelle Rudolf-Oetker-Halle der Stadtbahn Bielefeld liegt unter dem Vorplatz der Halle. Das Konzerthaus und das Stadttheater, in der Bielefelder Innenstadt, sind vier Stationen mit der Stadtbahnlinie 4 voneinander entfernt.

Der Bau und die Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeitschrift „Neue Werkkunst“ lobt man 1929 das architektonische Werk von Hans Tietmann und Karl Haake für „Sinn für monumentale Kraft und zugleich – Anmut – Feingefühl für ehrliche Sachlichkeit und Wahrheitsliebe – Vorliebe für das Schlichte, Anspruchsvolle, Selbstverständliche (…) – geschickte Einpassung in die Umgebung (…)“. Der einfache, rechteckige Grundriss des Saals, auch als „Schuhschachtel- Architektur“ charakterisiert, lehnt sich an den Großen Musikvereinssaal der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien an.[3]

Der langgestreckte, hell verputzte Konzertbau weist an beiden Seiten niedrigere Anbauten auf sowie jeweils einen Treppenhausanbau. Das äußere Erscheinungsbild wird durch die neun markanten Bogenöffnungen in der Nordfassade geprägt. Vor der Eingangsfront erstreckt sich eine breite Treppenanlage. Über der Eingangshalle und dem Foyer befindet sich im Obergeschoss der Große Saal mit maximal 1561 Sitzplätzen, und quer zur Fassade gerichtet schließt sich der Kleine Saal mit ca. 300 Sitzplätzen an. Das Foyer wird seit 2018 als neuer Spielort genutzt und umfasst ca. 120 Sitzplätze. Die Architektur des Konzertbaus wurde zur Optimierung der Akustik angepasst.[4]

Im Großen Saal steht nach Ausbau und Einlagerung der großen Walcker-Orgel aus dem Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen die letzte große „unsichtbare“ Konzertsaalorgel in Nordrhein-Westfalen in einer Orgelkammer hinter dem Orchesterpodium ( W. Sauer Orgelbau, III/53, umgebaut durch Willi Peter, Köln).[5]

Akustik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die von Akustiker Professor Dr. Eugen Michel verwendeten Materialien und die bewusst eingesetzten Absorptionsflächen wird der Große Saal unmittelbar zu einem Klangkörper. So dient die gesamte Decke als Resonanzfläche, bestehend aus großflächigen gestrichenen Sperrholzplatten, die mit Abstand unter einer schallabsorbierenden Bimsbetondecke hängen. Auch sind die großen Deckenleuchten in ihrer besonderen Form zur Schallzerstreuung notwendig, ebenso wie die Abstufungen des Deckenspiegels, die hervorstehenden Holzrahmen der Fenster und die Türnischen im Parkettbereich. Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung und Befragung von 20 bedeutenden Dirigenten durch Dr. Ing. Fritz Winckel gehörte die Rudolf-Oetker-Halle 1955 zu den zehn besten Tonhallen der Welt. Der hervorragende Nachhalleffekt der Rudolf-Oetker-Halle ermöglicht auch Aufnahmen von hoher Qualität, so überträgt unter anderen der Westdeutscher Rundfunk eine live Tonaufnahme, wie beispielsweise beim Fest zum Spielzeitbeginn der Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld am 8. September 2018[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1925 beschloss die Familie Oetker, zum Gedenken an Dr. Rudolf Oetker ein Konzerthaus für ihre Heimatstadt zu finanzieren. Diese wurde vor allem von Lina Oetker, der Frau des Firmengründers August Oetker und Mutter des verstorbenen Rudolf, sowie von Wilhelm Lamping, dem musikalischen Baumeister, unterstützt. Letzterer erlebte die Einweihung des Konzertsaals nicht mehr, da er am 7. September 1929 starb. Zunächst sollte das Konzerthaus auf der städtischen Fläche des Museumsgartens errichtet werden, wo nun die Kunsthalle steht. Im Frühjahr des darauffolgenden Jahres entschied man sich jedoch, auf Initiative des Oberbürgermeisters Rudolf Stapenhorst, für den Standort an der Westseite des Bürgerparks.[7] Die Düsseldorfer Architekten Hans Tietmann und Karl Haake gewannen 1927 den ausgeschriebenen Architekturwettbewerb zum Bau des Konzerthauses.1928 wurde der Entwurf optimiert, um die erstklassige Akustik des Konzertsaales zu garantieren. Nach der Fertigstellung des Konzerthauses wurde die Rudolf-Oetker-Halle am 31. Oktober 1930 unter der Leitung von Max Cahnbley mit dem städtischen Orchester eingeweiht. Das Festkonzert mit Stücken von Brahms, Bach und Beethoven wurde vom Rundfunk Köln übertragen. Zur Vervollständigung der Gesamtanlage bemüht sich die Stadt um einen Gaststättenbau, jedoch musste das Vorhaben aufgrund der schlechten allgemeinen wirtschaftlichen Lage in den Dreißiger Jahren zurückgestellt werden. Der Musikverein stiftete 1931 zu Ehren Lampings eine Bronzebüste, die noch heute im Wandelgang der 1. Etage des Konzerthauses steht.[6]

Die Stadt Bielefeld erklärte 1934 Lina Oetker zur Ehrenbürgerin.[8] und stiftete in diesem Jahr eine Büste von dem städtischen Musikdirektor Heinrich Kaminski, der von 1931 bis 1934 Leiter des Musikvereins der Stadt Bielefeld sowie für die städtischen Symphoniekonzerte in der Rudolf-Oetker-Halle war.[9] Durch einen Bombenangriff während des Zweiten Weltkriegs 1944 wurde der nordwestliche Vorbau der Rudolf-Oetker-Halle in Richtung der Lampingstraße zerstört. Der Schaden konnte jedoch durch die Unterstützung der Familie Oetker behoben werden. Auch weitere bauliche Aufwendungen wurden durch die Familie Oetker finanziert. Am 30. September 1945, dem Jahrestag der schweren Bombenangriffe, feierte die Rudolf-Oetker-Halle mit Mozarts Requiem ihre Wiedereröffnung. Zum Dank ließ die Stadt Bielefeld 1965 eine Büste von Rudolf Oetker im Konzerthaus in der Eingangshalle errichten.[6]

Im Laufe der Jahre fanden auch Künstler der Unterhaltungsmusik Eingang in die Rudolf-Oetker-Halle, wie beispielsweise Udo Jürgens und Reinhard Mey. Während der Sanierung des Stadttheater in den Jahren 2004-2006 spielte das Musiktheater der Städtischen Bühnen in der von Architekt Frank Otterbach temporär umgebauten Rudolf-Oetker-Halle. Daraufhin wurde das Konzerthaus nach zwei Spielzeiten wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt.[10] Seit 2018 ist die Rudolf-Oetker-Halle die dritte Spielstätte der Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld. Am 7. September 2018 wurde mit einer festlichen Gala das neu gestaltete und umgebaute Foyer der Rudolf-Oetker-Halle eingeweiht: Dem zuvor von Garderobenständern geprägten Raum wurde mit Vorhängen Struktur verschafft und die Akustik verbessert, eine große Theke von knapp 30 Metern Umlauf ziert das Foyer, Lounge-Möbel kreieren eine gemütliche Atmosphäre. Des Weiteren wurde eine Bühne errichtet, die für Lesungen, Theater, Konzerte und Tanzveranstaltungen genutzt wird. Das Architekturbüro Wannenmacher & Möller GmbH erhielt dabei die symmetrische Achse des Konzerthauses, ebenso wie die historische und denkmalgeschützte Bausubstanz. Neben den Ensembles der Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld sorgten auch prominente Musiker wie Isabelle van Keulen, Håkan Hardenberger und Tom Gaebel bei den Gästen der Gala für Unterhaltung. Im Rahmen des Programmes FEST! verwandelt sich die Rudolf-Oetker-Halle durch die Zusammenarbeit mit dem WDR3 in einen Sendesaal. Bei der Last Night of the Proms im September 2018 spielten die Bielefelder Philharmoniker ein zweistündiges Konzert, woraufhin anschließend die Veranstaltung aus London live übertragen wurde. Für den Sommer 2019 ist die Eröffnung einer Außengastronomie für die Rudolf-Oetker-Halle geplant.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rudolf-Oetker-Halle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://theater-bielefeld.de/unser-theater/buehnen-und-orchester-der-stadt-bielefeld.html Bühnen und Orchester der Stadt BielefeldTheater Bielefeld Abgerufen am 30.10.18
  2. https://rudolf-oetker-halle.de/rudolf-oetker-halle/ueber-uns.html Rudolf-Oetker-Halle; Profil Abgerufen am 17. Dezember 2018
  3. Friedrich Ernst Hübsch Verlag (1929): Neue Werkkunst: Architektenmonographien in den zwanziger Jahren Berlin
  4. https://www.baukunst-nrw.de/objekte/Rudolf-Oetker-Halle-Bielefeld--2211.htm Baukunst NRW: Rudolf-Oetker-Halle Bielefeld; Ingenieurbau Abgerufen am, 4. Januar 2019
  5. http://www.orgel-owl.de/bielefeld.htm Orgeln der Stadt Bielefeld Abgerufen am 4. Januar 2019
  6. a b c Stadt Bielefeld, Hoffmann, D. (1980): 50 Jahre Rudolf Oetker Halle Bielefeld Kramer-Druck,Bielefeld
  7. https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/20686810_Die-Geschichte-der-Oetkerhalle.html Güntter, T. (2016) Die Geschichte der Oetker Halle Abgerufen am 4. Januar 2019
  8. https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/20686810_Die-Geschichte-der-Oetkerhalle.html Güntter, T. (2016) Die Geschichte der Oetker Halle Abgerufen am 4. Januar 2019
  9. http://www.musikverein-bielefeld.de/index.php/Geschichte.html Die Geschichte des Musikvereins der Stadt Bielefeld Abgerufen am 7. Januar 2019
  10. https://www.bielefeld.de/de/rv/ds_stadtverwaltung/isb/hib/roeh/ Witthaus, Hannemann (2017): Handlungskonzept ROH Abgerufen am 7. Januar 2019
  11. https://rudolf-oetker-halle.de/rudolf-oetker-halle/ueber-uns.html Rudolf-Oetker-Halle; Profil Abgerufen am 17. Dezember 2018