SMS Olga

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Kaiserliche Kriegsflagge (1892).png
SMS Carola.jpg
Baudaten
Schiffstyp Glattdeckskorvette
Schiffsklasse Carola-Klasse
Bauwerft: AG Vulcan, Stettin
Bau-Nr. 88
Baubezeichnung Ersatz Augusta
Stapellauf: 11. Dezember 1880
Schwesterschiffe SMS Carola
SMS Marie
SMS Sophie
Technische Daten
Wasserverdrängung: Konstruktion: 2.147 t
Maximal: 2.424 t
Länge: KWL: 70,6 m
über alles: 76,35 m
Breite: 14 m
Tiefgang: 5,80 m
Maschinenanlage:
Anzahl der Schrauben: 1 zweiflügelig (Ø 5,02 m)
Leistung: 2367 PSi
Höchstgeschwindigkeit: 12 kn
Reichweite: 3420 sm bei 10 kn
Brennstoffvorrat: 218 t
Besatzungsstärke: ca. 296 Mann
Bewaffnung
Seezielgeschütze: Bis 1889: 10 Ringkanonen 15 cm hinter Stückpforten
Seit 1889: 2 Sk – 8,8 cm L/30
12 Revolverkanonen – 3,7 cm
Verbleib
1908 abgewrackt

SMS Olga war eine Glattdeckskorvette der kaiserlichen Marine.

Sie lief am 11. Dezember 1880 in Stettin vom Stapel. Ihre Schwesterschiffe waren SMS Carola, SMS Marie und SMS Sophie.

Benannt war die Olga nach Großfürstin Olga Nikolajewna von Russland (11. Oktober 1822 bis 30. Oktober 1892), der Tochter des russischen Zaren Nikolaus I., die 1846 den späteren König Karl I. von Württemberg geheiratet hatte.

Einsatz vor Westafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1884 wurde SMS Olga zum neu formierten "Westafrikanischen Kreuzer-Geschwader" unter Konteradmiral Eduard von Knorr abkommandiert. Bestehend aus SMS Bismarck, SMS Möwe, SMS Gneisenau, SMS Ariadne und SMS Olga sollte dieses Geschwader im Rahmen der später so genannten Kanonenbootpolitik die in Westafrika "...ansässigen Deutschen unter deutschen Schutz…" stellen. Das Einsatzgebiet lag zwischen dem Nigerdelta und Gabun, das heutige Kamerun.

SMS Olga bei der Beschießung von Hickorytown (heute Duala), Kamerun, am 21. Dezember 1884
Denkmal für die 1884 Gefallenen der SMS Olga in Bellstadt, heute Duala. Quelle: Gustav Meinecke, Die Deutschen Kolonien

Am 18. Dezember 1884 begann unter den Duala ein Aufstand gegen den deutschfreundlichen König Bell. Die Landungskorps der Bismarck und der Olga erstürmten die Joßplatte, wo sich die Aufständischen verschanzt hatten. Bis zum 22. Dezember 1884 gelang es den Marineinfanteristen, den Aufstand niederzuschlagen.[1] Ab 1885 wurden mehrere Verträge zwischen dem Deutschen Reich, Frankreich und Großbritannien geschlossen, so dass Kamerun als deutsche Kolonie anerkannt wurde.

Einsatz und Strandung auf Samoa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SMS Olga, Samoa, 1889

Vier Jahre später wurde die Olga nach Samoa entsandt. Dort brach 1888 ein Aufstand gegen die deutschen Händler und Einwanderer aus, der von den USA mit Waffenlieferungen unterstützt wurde. Die Landungskorps der Olga und der gleichzeitig entsandten SMS Eber gerieten am 18. Dezember 1888 in der Nähe des Hafens Apia in schwere Kämpfe, bei denen zwei Offiziere und 14 Mann fielen, sowie ein Offizier und 38 Mann verwundet wurden.

Während des Konfliktes stieß auf deutscher Seite noch SMS Adler zu Olga und Eber hinzu, die USS Trenton, USS Vandalia und USS Nipsic der United States Navy und die britische Korvette HMS Calliope trafen ebenfalls vor Samoa ein. Alle sieben Schiffe lagen am 13. März 1889 in Apia vor Anker, als ein Zyklon die Insel traf. Die Schiffe dampften gegen das Wetter an, um die Kräfte, die auf die Ankerketten wirkten, zu verringern. Am nächsten Morgen jedoch wurde der Sturm so stark, dass die Adler, die Eber und die Nipsic auch mit voller Kraft nicht mehr gegen das Wetter ankommen konnten und zu treiben begannen. Die Eber riss sich von der Ankerkette los und prallte erst mit der Olga zusammen, dann mit der Nipsic, bevor sie von dem Sturm auf das Korallenriff geworfen wurde und dort kieloben liegen blieb. Nur vier Mann der Besatzung überlebten dies. Auch die USS Nipsic riss sich los und kollidierte mit der Olga, ehe auch sie auf das Riff trieb. Auch die Adler wurde an Land gespült und blieb auf der Seite liegend auf dem Strand liegen, wobei 20 Seeleute ums Leben kamen. Als Nächstes wurde die USS Vandalia auf dem Riff zertrümmert. Auch die deutsche Bark Peter Godeffroy und der dänische Schoner Azur havarierten und wurden zerstört. Als die Calliope ebenfalls zu treiben begann, entschied sich ihr Kommandant zu einem gewagten Mittel, um dem Schicksal der anderen Schiffe zu entgehen. Er ließ den Anker lichten und dampfte gegen die Wellen an, um sein Schiff aus der Bucht zu bringen. Da die Calliope außergewöhnlich starke Maschinen hatte, gelang dieses Vorhaben und das Schiff wurde nicht zerstört.

Nun lagen nur noch die USS Trenton und die SMS Olga im Hafen von Apia. Als der Wind etwas drehte, hoffte man auf dem deutschen Schiff davonzukommen, doch dann riss sich die Trenton los und trieb auf die Olga zu. Korvettenkapitän von Ehrhardt entschloss sich nun seinerseits zu versuchen, sein Schiff zu retten. Da er nicht über so starke Maschinen verfügte, wie die entkommene Calliope war ein Auslaufen nicht möglich und so entschied er sich, sein Schiff kontrolliert auf Grund zu setzen. Mit voller Kraft voraus konnte er an der Trenton vorbei dampfen, der Bugspriet der Amerikaner riss ihm jedoch die Unterrahen weg. An einer weichen Stelle bei Matautu dampfte die SMS Olga schließlich auf den Strand. Dadurch waren Schiff und Mannschaft gerettet. Die Trenton hingegen wurde ebenfalls auf das Riff geworfen und damit zerstört. Erst am 17. März legte sich der Sturm, der sieben Schiffe vernichtet hatte.

Nach 1889 und Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SMS Olga in Kiel

Die Olga wurde anschließend wieder schwimmfähig gemacht und konnte mit eigener Kraft nach Sydney laufen, wo sie wieder seetauglich gemacht wurde, um die Heimreise nach Deutschland anzutreten. Unterwegs kollidierte sie im Suez-Kanal noch mit einem Handelsschiff.

In Deutschland wurde die Olga repariert und zum Artillerieschulschiff für Maschinenwaffen umgerüstet. Die 150 mm-Ringkanonen wurden dafür entfernt.

Im Juli 1898 unternahm die Olga eine Expeditionsfahrt zur Bäreninsel und nach Westspitzbergen, die offiziell ozeanographischen Zwecken und der Erkundung der Fischbestände im Auftrag des Deutschen Seefischerei-Vereins diente. Tatsächlich hatte Korvettenkapitän Dittmer die kaiserliche Mission, auf der Bäreninsel eine Station für deutsche Fischdampfer anzulegen. Von diesem Auftrag wussten die begleitenden Wissenschaftler nichts. Ohne die Insel, die reiche Kohlevorkommen besaß, offiziell in Besitz zu nehmen, sollte sie als Faustpfand bei der Verteilung der arktischen Gebiete dienen.[2] Die Expedition führte Lotungen an der Küste durch, erprobte Grundschleppnetze und entnahm eine Kohleprobe. 1899 errichtete der Seefischerei-Verein eine Schutzhütte in Herwig-Hafen.[3]

Die deutschen Versuche, auf der Insel Fuß zu fassen, wurden jedoch durch die privaten Handelsinteressen Theodor Lerners gestört, der 1899 ebenfalls eine Expedition zur Bäreninsel unternahm, was die erhöhte Aufmerksamkeit der russischen Marine hervorrief.

Im Jahr 1905 wurde die Olga aus der Flottenliste gestrichen, im März 1906 verkauft und 1908 abgewrackt.

Kommandanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oktober 1881–Januar 1882 KL v. Raven
Oktober 1882–März 1884 KK v. Seckendorff
Oktober 1884–April 1887 KK Bendemann
April 1887–Juni 1887 KK v. Reichenbach
Juni 1887–August 1887 KL Fischer
August 1887–August 1888 KK/KzS Strauch
August 1888–September 1888 KK/KzS Hartog
September 1888–September 1889 KK v. Erhardt
Juli 1889–September 1893 KK v. Frantzius
1897– März 1898 KK v. Dassel
März 1898 – ? KK Dittmer
Januar 1901–März 1902 KK v. Dassel
April 1902–April 1903 KK v. Cotzhausen
April 1903–September 1904 KK/FK Marwede
Oktober 1904–März 1905 KK Behm

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Buchner: Aurora Colonialis – Bruchstücke eines Tagebuches aus dem ersten Beginn unserer Kolonialpolitik 1884/1885. Piloty & Loehle, München 1914, S. 186 ff.
  2. Detlef Brinkmann: Gegen Zar und Kaiser, in: Deutsche Schiffahrt 2016, H. 1, S. 6.
  3. Reichs-Marine-Amt (Hrsg.): Spitzbergen-Handbuch. 1916. Nachdruck 2010 und BoD [1], S. 107.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hildebrand, Hans/Albert Röhr/Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Biographien, Band 6. Hamburg 1985.