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SOS (Notsignal)

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Ein Notruftelefon mit der Aufschrift "SOS"

SOS ist ein Notsignal, das als Morsezeichen  · · · − − − · · ·  oder als ausgeschriebene Buchstabenfolge verwendet wird, um in einer Notlage Hilfe anzufordern. Im letzteren Fall werden die Buchstaben großformatig in den Sand[1][2] oder Schnee[3] geschrieben, in der Hoffnung, dass Besatzungen von Flugzeugen oder Hubschraubern diese sehen und Hilfe schicken. Des Weiteren werden Notruftelefone mit den Buchstaben "SOS" gekennzeichnet.

SOS als Morsecode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morsezeichen des SOS-Signals
SOS-Signal

Der Code SOS, drei kurz, drei lang, drei kurz  · · · − − − · · ·  (auch als dididit dahdahdah dididit ausgesprochen), wird nicht, wie oft angenommen, als drei Einzelbuchstaben gesendet, sondern ohne Pausen zwischen diesen Buchstaben (also nicht  · · ·     − − −     · · · ). Wie jede Erstaussendung oder unbeantwortete Aussendung ist der Anruf – hier also SOS – dreimal hintereinander zu senden (also  · · · − − − · · ·     · · · − − − · · ·     · · · − − − · · · ), um die Sendefrequenz länger zu belegen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass der Code erkannt wird, entsprechend zu erhöhen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1904 wurde bei der deutschen Kaiserlichen Marine die Morsegruppe  · · · − − − · · ·  als Notzeichen eingeführt; mit Wirkung vom 1. April 1905 wurde sie auch für den öffentlichen Schiffsfunk in Deutschland vorgeschrieben.[4] Diese auffällige Morsegruppe war als Notzeichen zur Unterbrechung des Funkverkehrs bestimmt und sollte wie ein Sirenenton alle anderen Funkstationen zur Funkstille auffordern. Sie war daher nicht als Anruf zu senden, sondern solange zu wiederholen, bis alle anderen Stationen den Sendebetrieb eingestellt haben. Danach sollte der Inhalt des Notrufs folgen.

International hatte die Firma Marconi Company für ihre Funker ab 1904 den Code CQD zur Einleitung von Notrufen bestimmt.[5] Er setzt sich zusammen aus dem Code CQ für französisch sécurité (hier: „Achtung!“) und D für détresse („Notfall“). Nach anderen Quellen stand CQ für englisch come quick („Komme schnell“) und D für Danger („Gefahr“).[6] Dieses Signal war nicht zur Unterbrechung von Rufen anderer Funkstationen geeignet, sondern diente bei bestehender Stille als Anruf mit der Adresse: An alle, Notruf.

Zu jener Zeit konkurrierten die Funksystemhersteller und Duopolisten Marconi und Telefunken so heftig, dass es Schiffsfunkern – damals nicht Angestellte der Reederei, sondern stets der Funkgesellschaft – nicht erlaubt war, Funkrufe von Funkstellen der Konkurrenz anzunehmen. Dies konnte zur Nichtbeachtung von Notrufen führen. Um diesen seerechtswidrigen Zustand zu beenden, wurde auf der Internationalen Funkkonferenz in Berlin am 3. Oktober 1906 beschlossen, das deutsche Notzeichen international zu übernehmen; es wurde nach der Bestätigung durch alle seefahrenden Nationen ab dem 1. Juli 1908 offiziell eingeführt.[7] Das deutsche Notzeichen war einprägsam und auch für ungeübte Funker leicht aus anderen Signalen herauszuhören, setzte sich aber dennoch nur langsam durch. Der erste bekannte Seenotruf, abgesetzt am 23. Januar 1909 von der Republic, war CQD,[8] und auch der Erste Funker der Titanic wurde 1912 erst von seinem Kollegen auf das neue Signal hingewiesen.

Angebliche Bedeutungen von SOS als Abkürzung für save our souls oder save our ship („Rettet unsere Seelen“ oder „Rettet unser Schiff“) wurden erst später in das Signal hineininterpretiert.

Erstmals wurde SOS am 10. Juni 1909 von dem Passagierschiff RMS Slavonia gesendet, als es vor den Azoren Schiffbruch erlitt.[9] Der Untergang der Titanic zeigte später, dass neben einem einheitlichen Signal und einer Standard-Notruf-Frequenz auch regelmäßiges Abhören dieser Frequenz notwendig war. Dass ein Schiff in unmittelbarer Nähe nicht Hilfe leistete, wurde unter anderem darauf zurückgeführt, dass dessen Bordfunkstelle zur Unglückszeit nicht besetzt war – Vorschriften dafür gab es damals noch nicht. Erst auf diesen Vorfall hin wurde noch 1912 die verpflichtende „Hörwache“ rund um die Uhr eingeführt sowie die dreiminütige Funkstille auf der Anruf- und Notfrequenz 500 kHz (jeweils ab der 15. und ab der 45. Minute nach der vollen Stunde). Mit späterer Einführung des Sprechfunks wurden für Notrufe zusätzlich das CodewortMayday“ und entsprechende Regeln für Notfrequenz und Funkstille vereinbart.

Im Zweiten Weltkrieg wurden von den Alliierten Zusatz-Codes eingeführt, um bei Angriffen auf die Handelsschiffe die Bedrohungsarten zu unterscheiden; ein RRR-Ruf bezeichnete einen Angriff durch ein Oberflächenschiff, SSS stand für eine U-Boot-Attacke.[10]

Mit der weltweiten Einführung des satellitengestützten Seenot-Funksystems GMDSS 1999 wurde das Morsesignal SOS in der kommerziellen Seefahrt endgültig abgeschafft.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: SOS – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: SOS – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Riesiges SOS rettet fünf Menschen das Leben. N24, 24. April 2014; abgerufen am 28. August 2016.
  2. Mikronesien: "SOS" im Sand rettet zwei Gestrandeten das Leben. Der Spiegel, 27. August 2016; abgerufen am 28. August 2016.
  3. Nach fast zwei Tagen heil gefunden. Tagesanzeiger, 6. März 2016; abgerufen am 28. August 2016.
  4. Vorschrift für den Gebrauch der Funkentelegraphie im öffentlichen Verkehr, Amtsblatt des Reichs-Postamts, Berlin, 30. März 1905.
  5. Alexandra Eul: 100 Jahre SOS: Drei kurz, drei lang … In: Der Spiegel, einestages, 2. Juli 2008, online auf Spiegel.de, abgerufen am 26. Januar 2017.
  6. Peter Kleinort: SOS: Vor 105 Jahren erstmals gemorst. In: Täglicher Hafenbericht vom 10. Juni 2014, S. 16.
  7. Bernd Januschke, Karl-Friedrich Warner: 1900–1909. Das neue Jahrhundert. In: Chronik des 20. Jahrhunderts. 1983, S. 96.
  8. Ralf Klee und Broder-Jürgen Trede: Morsen bis zum Untergang. In: einestages. 23. Januar 2009; abgerufen am 3. Oktober 2016.
  9. Mirko Smiljanic: Kurz - lang - kurz oder: Die Kraft des Signaltons. Deutschlandfunk, 11. September 2015; abgerufen am 3. Oktober 2016.
  10. Nigel West: Historical Dictionary of Naval Intelligence. 1. Auflage. Scarecrow Press, Plymouth 2010, ISBN 978-0-8108-6760-4., S. 266.
  11. Antke Reemts von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)