Syngenta

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Syngenta Group

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Rechtsform Holding
Gründung 13. November 2000;
2020 (Holding)
Sitz Basel, Schweiz
Leitung
Mitarbeiterzahl 49'000[1]
Umsatz 23,1 Mrd. US-Dollar (2020)[2]
Branche Agrartechnologie
Website www.syngentagroup.com
Stand: 2020

Die Syngenta Group ist ein führender, internationaler Anbieter für Agrartechnologie, insbesondere Saatgut und Pflanzenschutzmittel, mit Hauptsitz in Basel sowie weiteren Standorten in Chicago, Tel Aviv und Shanghai.[3] Syngenta wurde im Jahr 2000 gegründet und 2015 von der China National Chemical Corporation (ChemChina) übernommen.[4] 2020 wurde Syngenta mit seiner Schwestergesellschaft Adama und den landwirtschaftlichen Aktivitäten von Sinochem unter dem Dach der Syngenta Group zusammengeführt.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrale in Basel (2014)

Ende der 1990er Jahre entstand durch die Fusion von Astra und Zeneca der drittgrösste Chemie- und Pharmahersteller weltweit.[6] Im Jahr 2000 entschieden sich AstraZeneca und Novartis, ihr Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln auszugliedern, da zwischen dem Agrar- und dem Gesundheitssektor nur begrenzt Synergien existierten. Hieraus entstand das Gemeinschaftsunternehmen Syngenta.[7] Das Joint Venture hatte seinen Hauptsitz in Basel und wurde an den Börsen in London, New York, Stockholm und Zürich in den Handel eingeführt.[8] Die Aktionäre von AstraZeneca erhielten 39 % der Aktien, die Aktionäre von Novartis waren mit 61 % beteiligt.[9]

Die Gründung von Syngenta wurde als Beleg für die zunehmende Spezialisierung in der europäischen Chemie- und Pharmaindustrie gewertet.[10] Syngenta behauptete sich erfolgreich im schwierigen Marktumfeld der 2000er-Jahre, das von einem globalen Rückgang der Nachfrage im Agrarsektor geprägt war.[11] Das organische Wachstum war vor allem von Investitionen im Bereich der Gentechnik und der Biokraftstoffe getrieben.[12] Dazu kamen verschiedene Akquisitionen, beispielsweise von Sanbei Seed aus China oder Zeraim Gedera aus Israel.[13][14]

Ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte von Syngenta war die vollständige DNA-Sequenzierung des Reis-Genoms im Jahr 2001.[15] Das Unternehmen gehörte auch dem Forschungskonsortium „Goldener Reis“ an und erwarb Rechte an der Patentierung und Vermarktung. Dabei verzichtete das Unternehmen in Märkten, in denen Reisbauern unterdurchschnittliche Erträge erwirtschaften, auf Lizenzgebühren und erlaubte Landwirten, das Saatgut nach dem Einkreuzen lokaler Sorten zu vermehren.[16] Im Jahr 2004 erhielt eine genveränderte Süssmaissorte von Syngenta eine Importgenehmigung der Europäischen Union, was grössere Aufmerksamkeit hervorrief. Es handelte sich um das erste genveränderte Getreide, das für den menschlichen Verzehr bestimmt war.[17]

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Spekulationen über eine Übernahme von Syngenta durch Monsanto, bekannt vor allem als Hersteller von Glyphosat.[18] Hintergrund war Monsantos Interesse an Syngentas technischen Lösungen gegen pestizidresistentes Unkraut.[19] Beide Unternehmen konkurrierten seit längerem in wichtigen Geschäftsfeldern,[20] was auch zu Rechtsstreitigkeiten führte.[21][22] 2015 gab Monsanto ein formelles Angebot für die Übernahme von Syngenta ab, die das Management aber als zu niedrig zurückwies.[23] In Folge wurden weitere Konkurrenten wie Bayer, Dow Chemical oder DuPont als mögliche Käufer von Syngenta kolportiert.[24]

2015 übernahm schließlich ChemChina, ein staatseigener Chemiekonzern, Syngenta für einen Kaufpreis von 43 Milliarden US-Dollar.[25] Die bis dato größte Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen sorgte für Kritik.[26][27] Nach einer positiven Bewertung durch den Verwaltungsrat nahm eine Mehrheit der Syngenta-Aktionäre das Angebot von ChemChina an.[28] Bis Juli 2017 sicherte sich ChemChina über 98 % der Anteile an Syngenta,[29] was einen Squeeze-out der restlichen Aktionäre und den Rückzug von der Börse ermöglichte.[30]

Unter der Führung von ChemChina kam Syngenta eine herausragende Rolle bei der Konsolidierung der Branche zu.[31][32] Folglich überführte ChemChina sein gesamtes Agrargeschäft in die Syngenta Group,[33] zu der neben Syngenta heute auch Adama und die landwirtschaftlichen Aktivitäten von Sinochem gehören.[34][35] Die 2020 gestartete Unternehmensgruppe steht unter der Leitung von Erik Fyrwald (CEO), der zuvor bereits Syngenta geführt hatte.[36] Chen Lichtenstein, der bislang an der Spitze von Adama stand, ist CFO der Syngenta Group.[37]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Syngenta Group fungiert als Holding. Derzeit beschäftigt die Unternehmensgruppe rund 49'000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 23,1 Milliarden US-Dollar.[1][2]

Die Syngenta Group besteht aus den Geschäftsbereichen Syngenta Crop Protection (Pflanzenschutz), Syngenta Seeds (Saatgut) sowie Adama (Pflanzenschutzlösungen) und der Syngenta Group China. Gesellschaftsrechtlich sind die Geschäftsbereiche Syngenta Crop Protection und Syngenta Seeds in der Syngenta AG gebündelt. Es handelt sich um eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Basel (Schweiz),[38] wo sich auch die Zentrale der Syngenta Group befindet.[39] Weitere wichtige Standorte sind unter anderem Chicago (Vereinigte Staaten), Tel Aviv (Israel) und Shanghai (China). Die Syngenta Group besitzt dort Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.[40]

Produkte und Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Syngenta Group ist einer der weltweit grössten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln (unter anderem Herbizide, Fungizide und Insektizide), Saatgut (unter anderem Reis, Mais) sowie verwandter Produkte. Zudem stellt Syngenta Biokraftstoffe, wie beispielsweise Biodiesel, her. Damit folgt das Unternehmen der politischen Strategie vieler Staaten, die Abhängigkeit von Erdöl-Importen anderer Länder zu verringern.[41]

Die Syngenta Group bietet darüber hinaus digitale Dienstleistungen für Landwirte an. Ein Beispiel hierfür ist die Plattform «AgriClime»,[42] die Wettergarantien für Landwirte berechnet, um Ernterisiken abzuschätzen und abzusichern. Die Produkte und Dienstleistungen der Syngenta Group sollen dazu beitragen, Nutzpflanzen effizienter zu machen, die Artenvielfalt zu erhalten und die Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen.[43]

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 gründete das Unternehmen die Syngenta Foundation for Sustainable Agriculture. Ihr Zweck ist die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, beispielsweise durch die Unterstützung entsprechender wissenschaftlicher Beiträge und Analysen in diesem Bereich. Die Syngenta-Stiftung geht auf die ehemalige Novartis-Stiftung zurück.[44]

Die Syngenta Group hat sich mit dem «Good Growth Plan», der zuletzt 2020 erneuert wurde, ausdrücklich den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen verschrieben. Die Unternehmensgruppe setzt stark auf Forschung und Innovation, was sie vor dem Hintergrund der Auswirkungen der globalen COVID-19-Pandemie noch verstärkt hat.[45]

2021 wurde Syngenta Hauptpartner des St. Gallen Symposiums.[46]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 rückte Syngenta in den Fokus der US-Börsenaufsicht SEC. Anlass waren Verkäufe von Produkten in Ländern wie Iran, Kuba, Nordkorea, Sudan oder Syrien durch Dritte.[47]

In der Vergangenheit gab es zudem mehrfach Kritik an Pflanzenschutzmitteln von Syngenta. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln mit hochgiftigen Wirkstoffen sei Bestandteil des Geschäftsmodells.[48] Im Jahr 2012 wurde der Konzern deshalb für den «Public Eye Award» nominiert, der Unternehmen mit menschenrechtlich fragwürdigem Verhalten anprangert.[49] Der Ex-Syngenta-Forscher Jon Heylings erhob schwere Vorwürfe gegen Syngenta wegen des Pflanzenschutzmittels Gramoxone, welches den Wirkstoff Paraquat enthält. Er fordert, dass deutlich mehr Brechmittel beigefügt werden sollte, um Suizide durch das Mittel zu verhindern.[50][51]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Syngenta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Über uns. Syngenta Group, abgerufen am 8. April 2021.
  2. a b Syngenta Group erzielt starkes Ergebnis im Gesamtjahr 2020. Syngenta Group, 7. April 2021, abgerufen am 8. April 2021.
  3. About. Syngenta Group, abgerufen am 27. Oktober 2020 (englisch).
  4. Matthias Müller: Ein Chemiegigant mit ruhiger Hand. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Dezember 2015, S. 27.
  5. Siegfried Hoffmann, Dana Heide: China formt den größten Agrochemie-Konzern der Welt. In: Handelsblatt. 6. Januar 2020, abgerufen am 4. August 2020.
  6. Zeneca und Astra gehen zusammen. Größte Industriefusion in Europa. In: Börsen-Zeitung. 10. Dezember 1998, S. 1.
  7. Neuer Stern am Agrohimmelszelt. In: Aargauer Zeitung. 12. Oktober 2000, S. 24.
  8. Syngenta geht im November an die Börse. In: Handelsblatt. 19. September 2000, S. 16.
  9. Syngenta wird neuer Maßstab der Agrarchemie. Novartis und AstraZeneca bringen ihre entsprechenden Aktivitäten in Gemeinschaftsfirma ein. In: Börsen-Zeitung. 3. Dezember 1999, S. 13.
  10. Größter Konzern für Agrochemie. In: Neue Vorarlberger Tageszeitung. 3. Dezember 1999, S. 34.
  11. Syngenta behauptet sich in schwierigem Umfeld. In: Financial Times Deutschland. 29. Juli 2004.
  12. Syngenta: Reiche Ernte. Das Schweizer Agrochemie-Unternehmen setzt auf Gentechnik und Biosprit – zum Wohl der Aktionäre. In: Focus Money. 31. Oktober 2006, S. 22–23.
  13. Syngenta kauft in China. In: Börsen-Zeitung. 15. Mai 2007, S. 12.
  14. Syngenta kauft in Israel zu. In: Börsen-Zeitung. 11. Juli 2007, S. 13.
  15. Syngenta entschlüsselt Reis-DNA. In: Handelsblatt. 26. Januar 2001, S. 15.
  16. Rita Gudermann, Kerstin Eva Dreher, Wiebke Ziegler: Genreis. Planet Wissen, abgerufen am 4. August 2020.
  17. Andreas Bohne: Zulassung für Genmais weckt Hoffnungen der Saatguthersteller. In: Handelsblatt. 21. Mai 2004, S. 17.
  18. Übernahmegerüchte um Monsanto und Syngenta. In: Wirtschaftsblatt. 5. Mai 2015, S. 11.
  19. Sergio Aiolfi: Warum Monsanto an Syngenta interessiert ist. Das Fehlen von Lösungen für das Problem pestizidresistenten Unkrauts hat Handlungsbedarf geschaffen. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Mai 2015, S. 29.
  20. Syngenta ist Monsanto hart auf den Fersen. In: Handelsblatt. 31. Juli 2003, S. 11.
  21. Monsanto klagt gegen Syngenta. In: Tagesanzeiger. 14. Mai 2004, S. 35.
  22. Sergio Aiolfi: Syngenta und Monsanto begraben Kriegsbeil. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. Mai 2008, S. 27.
  23. Renzo Ruf: Syngenta erteilt Monsanto einen Korb. In: Neue Luzerner Zeitung. 9. Mai 2015, S. 19.
  24. Sergio Aiolfi: Warten auf die grosse Konsolidierungswelle. In: Neue Zürcher Zeitung. 18. November 2015, abgerufen am 4. August 2020.
  25. Chemchina in Talks To Buy Syngenta. In: China Daily. 14. November 2015 (englisch).
  26. Riesenübernahme: China bietet 43 Milliarden Dollar für Syngenta. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. Februar 2016, abgerufen am 4. August 2020.
  27. Sergio Aiolofi: Die Chinesen kommen. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. Februar 2016, abgerufen am 4. August 2020.
  28. Sergio Aiolfi: Syngenta soll für 43 Milliarden nach China. Verwaltungsrat leistet keinen Widerstand. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. Februar 2016, abgerufen am 4. August 2020.
  29. ChemChina’s Crosses 98 % Syngenta Threshold. In: CHEManager International. 18. Juli 2017, abgerufen am 4. August 2020 (englisch).
  30. ChemChina hält 98 % an Syngenta – „Squeeze-out“ eingeleitet. In: Cash. 13. Juli 2017, abgerufen am 4. August 2020.
  31. Hungrige Chinesen bringen BASF und Bayer in Bedrängnis. In: Manager Magazin. 3. Februar 2015, abgerufen am 4. August 2020.
  32. Siegfried Hofmann, Bert Fröndhoff: Der China-Faktor. In: Handelsblatt. 12. Juli 2017, abgerufen am 4. August 2020.
  33. «Syngenta Group» – Die Eigner aus China machen Syngenta chic für die Börse. In: Handelszeitung. 18. Juni 2020, abgerufen am 4. August 2020.
  34. Syngenta bündelt Agrargeschäfte. In: Finanz und Wirtschaft. 6. Januar 2020, abgerufen am 4. August 2020.
  35. Syngenta wird in Holding integriert. In: Basler Zeitung. 6. Januar 2020, S. 1.
  36. Dominik Feldges: Syngenta nimmt noch stärker chinesische Züge an. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. Januar 2020, S. 23.
  37. Syngenta Group: Chen Lichtenstein zum CFO ernannt. In: Gabot. 7. Januar 2020, abgerufen am 11. September 2020.
  38. AWP Finanznachrichten: Unternehmensportrait Syngenta AG. 30. Mai 2020.
  39. Syngenta-Hauptsitz sollin Basel bleiben. In: Tagesanzeiger. 30. Januar 2020, S. 1.
  40. Syngenta Group: Gründung eines globalen AgTech-Marktführers. In: Gabot. 22. Juni 2020, abgerufen am 11. September 2020.
  41. Politik beschert Syngenta Rückenwind. In: Handelsblatt. 10. Februar 2006, S. 12.
  42. Sanjiv Rana: Syngenta, Sharing Weather-Related Risks With Farmers. In: Chemical Week. 24. August 2020, abgerufen am 23. Oktober 2020 (englisch).
  43. Henny Sender: Erik Fyrwald: Changing the Image of the Agrochemicals Industry. In: Financial Times. 28. Juli 2019, abgerufen am 25. April 2020 (englisch).
  44. Zwischen Hilfe und Geschäft. In: Basler Zeitung. 9. August 2001.
  45. Syngenta Group Launches New Good Growth Plan. In: Agriculture. 6. Juni 2020, abgerufen am 11. September 2020 (englisch).
  46. Jil Schuller: Syngenta wird neuer Hauptpartner des St. Gallen Symposiums – 2021 geht es um Vertrauen. In: bauernzeitung.ch. 17. Februar 2021, abgerufen am 17. Februar 2021.
  47. Oliver Stock: Heikle Ware. In: Handelsblatt. 13. Juli 2017, abgerufen am 4. August 2020.
  48. Syngentas giftiges Geschäftsmodell. Public Eye, abgerufen am 25. April 2020.
  49. Zweifelhafte Ehre für Syngenta. In: Handelszeitung. 5. Januar 2012, abgerufen am 4. August 2020.
  50. Georg Humbel, Rahel Sahli: Gefährliches Pestizid – Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe gegen Syngenta. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 24. März 2021, abgerufen am 24. März 2021.
  51. Gefährliches Pestizid: Ein Insider packt aus. In: Rundschau. 24. März 2021, abgerufen am 30. März 2021.