Saccharomyces boulardii

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Saccharomyces boulardii
Systematik
Unterabteilung: Saccharomycotina
Klasse: Saccharomycetes
Ordnung: Echte Hefen (Saccharomycetales)
Familie: Saccharomycetaceae
Gattung: Zuckerhefen (Saccharomyces)
Art: Saccharomyces boulardii
Wissenschaftlicher Name
Saccharomyces boulardii
Seguela, Bastide & Massot

Saccharomyces boulardii (Synonym: Saccharomyces cerevisiae var. boulardii und Saccharomyces cerevisiae Hansen CBS 5926) ist eine Hefe, verwandt mit Saccharomyces cerevisiae. Sie wird als probiotischer Arzneistoff zur Behandlung von Durchfall sowie vorbeugend während und nach Antibiotikagabe eingesetzt.[1] Sie wurde zuerst 1923 von dem französischen Mykologen Henri Boulard in Indochina von den Schalen von Litschi- und Mangostanfrüchten isoliert.[2]

Verwendung als Arzneistoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hefepilze werden oral eingenommen und besiedeln innerhalb weniger Stunden den Magen-Darm-Trakt, der günstige Lebensbedingungen darstellt. Erreger, die häufig die Ursache für Durchfall sind, werden in ihrem Wachstum gehemmt und verdrängt und somit die natürliche Darmflora erhalten bzw. wiederhergestellt. Die Dauer von Durchfall wird durchschnittlich um einen Tag verkürzt. Die Wahrscheinlichkeit, während oder nach Antibiotikaeinnahme an Durchfall zu erkranken, wird vermindert. Allerdings weisen die vorliegenden Studien methodische Mängel auf.[3] Nach einer Metastudie der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2015 sind Hefepilze geeignet, antibiotika-assoziierten Durchfall zu verhindern. Bei stark geschwächten oder immunschwachen Kindern mit zugrundeliegenden Risikofaktoren sollte auf Grund der Nebenwirkungen jedoch ein Einsatz vermieden werden.[4] Personen mit Immunschwäche, zentralem Venenkatheter oder schwer kranke Personen sollten nicht mit probiotischen Präparaten behandelt werden, da auch septische Verläufe und Todesfälle beschrieben worden sind.[5]

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind diese Arzneimittel nicht verschreibungs-, aber apothekenpflichtig.

Ähnliche Präparate existieren mit Saccharomyces cerevisiae.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. L. McFarland, P. Bernasconi: Saccharomyces boulardii: a review of an innovative biotherapeutic agent. In: Microbial Ecology in Health and Disease. Band 6, Nr. 4, 1993, S. 157–171, doi:10.3109/08910609309141323.
  2. Probiotika bei Antibiotika Durchfall. In: infomed screen. Band 6, Nr. 9, 2002 (infomed.ch [abgerufen am 28. Oktober 2018] Metaanalyse aus British Medical Journal 2002).
  3. Probiotika zur Prophylaxe und Therapie von Durchfällen? In: Arznei-Telegramm. Oktober 2007, S. 89–91, abgerufen am 28. Oktober 2018 (Nr. 38).
  4. J. Z. Goldenberg, L. Lytvyn, J. Steurich, P. Parkin, S. Mahant, B. C. Johnston: Probiotics for the prevention of pediatric antibiotic-associated diarrhea. In: Cochrane Database of Systematic Reviews. Nr. 12, 2015, Art. CD004827, doi:10.1002/14651858.CD004827.pub4.
  5. Rote-Hand-Brief zu neuen Kontraindikationen von Saccharomyces boulardii (Saccharomyces cerevisiae HANSEN CBS 5926) bei schwerkranken oder immunsupprimierten Patienten. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 22. Januar 2018, abgerufen am 28. Oktober 2018 (Rote-Hand-Brief).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Saccharomyces boulardii – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien