Saukopftunnel

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B38 Saukopftunnel
Saukopftunnel
Nutzung Straßenverkehr
Verkehrsverbindung Bundesstraße 38
Länge 2715 mdep1
Fahrzeuge pro Tag 20.000[1]
Anzahl der Röhren 1
Größte Überdeckung 180 m
Betrieb
Freigabe 9. Dezember 1999
Lage
Saukopftunnel (Baden-Württemberg)
Red pog.svg
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Koordinaten
Westportal 49° 34′ 20″ N, 8° 39′ 55″ O
Ostportal 49° 34′ 22″ N, 8° 42′ 8″ O

Der Saukopftunnel unterquert nördlich von Weinheim den Westkamm des Odenwaldes. Durch ihn verbindet die Bundesstraße 38 die Oberrheinische Tiefebene mit dem Birkenauer Tal (Tal der Weschnitz). Er ist 2715 m lang und damit der längste einröhrige, im Gegenverkehr betriebene Straßentunnel in Mitteleuropa außerhalb der Alpen. An Werktagen fahren im Durchschnitt rund 20.400 Fahrzeuge durch den Saukopftunnel.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saukopftunnel mit Talbrücke

Der Tunnel beginnt im Westen zwischen Weinheim und Weinheim-Sulzbach in Baden-Württemberg, führt in östlicher Richtung ungefähr unter dem 348 m hohen Saukopf durch und endet im Osten zwischen Birkenau und Nieder-Liebersbach in Hessen. Die darin verlaufende B 38 hat auf westlicher, badischer Seite Anschluss zur B 3 und zum Autobahnkreuz Weinheim (A 5), von wo aus sie sich als A 659 Richtung Mannheim fortsetzt und wo sie von der A 6 gekreuzt wird. Auf östlicher, hessischer Seite hat sie eine Abfahrt zu der Birkenau mit Nieder-Liebersbach verbindenden K 11 und führt danach über Mörlenbach in nordwestlicher Richtung weiter in den Odenwald.

Die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Hessen liegt fast genau in der Mitte des Saukopftunnels, der Streckenanteil Baden-Württembergs ist unwesentlich größer (1,37 km gegenüber 1,35 km für Hessen).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründe für den Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Bau des Tunnels führte die B 38 durch die Stadt Weinheim, das sehr enge und windungsreiche Durchbruchstal der Weschnitz und anschließend noch durch Birkenau. Durch den Tunnel umgeht seitdem ein Großteil des überörtlichen Verkehrs diese Verkehrshindernisse.

Insbesondere hatte mit der Eröffnung der alltägliche Stau in der Ortsdurchfahrt von Birkenau ein Ende. Das Problem hat sich nun aber in das hintere Weschnitztal nach Mörlenbach verlagert, dessen Bürger nunmehr auch auf eine Verkehrsumgehung drängen. Es ist strittig, ob eine Umgehung oder eine vollständige Untertunnelung Mörlenbachs vorzuziehen wäre.

Bau und Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Fertigstellung des Baus dauerte es aufgrund von gerichtlichen Streitigkeiten mit Naturschützern über 30 Jahre. Der Tunnel wurde am 9. Dezember 1999 von den Ministerpräsidenten Erwin Teufel (Baden-Württemberg) und Roland Koch (Hessen) am Westportal auf der badischen Seite eröffnet. Zwischen den Bundesländern besteht ein Verwaltungsabkommen, nach dem Hessen für den Bau und den Erhalt des Tunnels zuständig ist, Baden-Württemberg dagegen den Betrieb und die Wartung gewährleistet.

In jedem Quartal ist der Tunnel für eine Woche (Mo–Fr) in den Nachtstunden (von 20 bis 5 Uhr) für turnusmäßige Wartungsarbeiten (z. B. Spülen der Drainage) gesperrt. In dieser Zeit wird der Verkehr über die alte B 38 umgeleitet.

Die Betriebskosten für den Saukopftunnel belaufen sich auf rund 1.000.000 Euro pro Jahr.

In einem Tunneltest des ADAC aus dem Jahre 2001 schnitt der Saukopftunnel mit „ausreichend“ ab. Um die Sicherheit im Tunnel zu erhöhen wurde zwischen 2009 und 2013 parallel zum Tunnel ein Fluchtstollen gebaut und in weitere Sicherheitstechnik investiert, wodurch der Tunnel bei einem weiteren ADAC-Test 2015 die Note "sehr gut" erreichte.[2]

Durch einen Brand im Technikraum am 15. November 2010 wurde eine mehrtägige Stilllegung des Tunnels nötig.[3] Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer war dabei zu keiner Zeit gefährdet, da sich der Technikraum an einem Berghang außerhalb des eigentlichen Tunnel befindet.

Nachrüstungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sperrung 2008 – Sicherheitsnachrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Saukopftunnel war vom 1. Juli 2008 bis 19. Dezember 2008 aufgrund von umfangreichen Sicherheitsnachrüstungen für den Verkehr komplett gesperrt. Die Kosten für die Nachrüstung beliefen sich auf etwa 11 Mio. Euro.[4][Anm 1]

Sperrung 2009 – Vorbereitung für den Rettungsstollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den baden-württembergischen und hessischen Sommerferien wurde der Saukopftunnel komplett gesperrt, da man unerwartet die Bewehrung des Haupttunnels verstärken musste, um den Rettungsstollen bauen zu können. Diese Sperrung begann am 13. Juli 2009 und dauerte bis 18. Dezember 2009.[5]

Bau des Rettungsstollens 2009–2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2009 begann man mit dem Bau des Rettungsstollen. Dabei konnte, kurzzeitige Sperrungen ausgenommen, der Verkehr weiter durch die Fahrröhre rollen. Außer im Bereich der Portale trieb man dabei die neue Röhre bergmännisch vor. Am 21. März 2011 fand der feierliche Durchstich statt. Der Rettungsstollen wurde Anfang 2013 in Betrieb genommen. Die Baukosten in Höhe von rund 30 Mio. Euro trug der Bund.[1][Anm 2]

Sicherheitseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 3 Betriebszentralen (Westportal, Tunnelmitte, Ostportal)
  • 2 Notgehwege von 1,0 m Breite
  • 5 doppelseitige Nothaltebuchten
  • 2 Zu- und Abluftzentralen an den Portalen
  • 1 Abluftzentrale in der Tunnelmitte
  • 26 Notruftelefone
  • 48 Feuerlöscher
  • 22 Fernsehkameras
  • 7 Lautsprechergruppen
  • 21 Feuermeldelinien
  • 19 Hydranten
  • 3 Funkkanäle
  • 10 Verkehrssteuerungsprogramme
  • 2 Fahrzeughöhenkontrollen

Einige Radiosender sind dank interner Verstärker auch im Tunnel zu empfangen. In Notfällen können damit über das Radio den Fahrern Sicherheitshinweise übermittelt werden.

Zur Planungszeit war es noch Stand der Sicherheitstechnik, in beiden Richtungen befahrene einröhrige Tunnel zu bauen. Bei der Eröffnung 1999 war dieses Konzept bereits überholt und nach Fahrtrichtungen getrennte Tunnelröhren hatten sich etabliert.

Verkehrsbeschränkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tunnel ist durch Verkehrszeichen 261 StVO für kennzeichnungspflichtige Kraftfahrzeuge mit gefährlichen Gütern gesperrt. Ein zusätzliches Schild (Buchstabe) ist daher nicht erforderlich.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Saukopftunnel ist auch Thema des Kriminalromans „Tod im Saukopftunnel“ aus der Serie „Bergstraßen-Krimi“ von Manfred H. Krämer.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. entspricht heute 12,8 Mio. Euro
  2. entspricht heute 32,8 Mio. Euro

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Nicoline Pilz: Saukopftunnel wird auf den neuesten Stand gebracht. In: rnz.de. Rhein-Neckar-Zeitung, 24. Februar 2013, abgerufen am 9. August 2017 (Zeitungsartikel).
  2. Archivlink (Memento des Originals vom 17. Juni 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/hessenschau.de
  3. dapd/dpa: Ursache geklärt. Brand im Saukopftunnel. In: fr-online.de. Frankfurter Rundschau, 16. November 2010, abgerufen am 11. April 2013 (Zeitungsartikel).
  4. Verkehr durch den Saukopftunnel darf wieder rollen. Abgerufen am 2. Juli 2009.