Birkenau (Odenwald)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Birkenau
Birkenau (Odenwald)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Birkenau hervorgehoben
Koordinaten: 49° 34′ N, 8° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 144 m ü. NHN
Fläche: 24,55 km2
Einwohner: 9933 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 405 Einwohner je km2
Postleitzahl: 69488
Vorwahlen: 06201, 06209
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 004
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile (inklusive Kerngemeinde)
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 119
69488 Birkenau
Webpräsenz: www.birkenau.de
Bürgermeister: Helmut Morr (parteilos)
Lage der Gemeinde Birkenau im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild

Birkenau im Odenwald ist eine Gemeinde des südhessischen Kreises Bergstraße. Sie hat den Beinamen „Das Dorf der Sonnenuhren“.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Weschnitztal im Odenwald etwa 25 km nördlich von Heidelberg und rund 20 km nordöstlich von Mannheim. Sie befindet sich an der B 38 und wird von der Weschnitz durchflossen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birkenau grenzt im Norden an die Gemeinde Mörlenbach, im Osten an die Gemeinde Abtsteinach, im Süden an die Gemeinde Gorxheimertal sowie im Westen an die Städte Weinheim und Hemsbach (beide Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Lage nahe an der Bergstraße herrscht in Birkenau ein mildes Klima, das häufig in einer für Deutschland sehr frühen Mandelbaumblüte sichtbar wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birkenauer Schloss

Die erste urkundliche Erwähnung von Birkenau erfolgte 795 und steht im Zusammenhang mit der Schenkung der Mark Heppenheim durch Karl den Großen an das Reichskloster Lorsch. Damit wurde das Kloster aufgewertet und so dem Zugriff der Diözesen Mainz und Worms entzogen. Die Mark Heppenheim umschloss den größten Teil des heutigen Kreises Bergstraße und große Teile des Odenwaldkreises. In der Grenzbeschreibung von 773 wird Birkenau noch nicht erwähnt. Im Zusammenhang mit dieser Schenkung entwickelten sich Grenzstreitigkeiten zwischen dem Kloster Lorsch und der Diözese Worms, die 795 zur Einberufung eines Schiedsgerichtes auf dem Kahlberg bei Weschnitz führten, einer alten Versammlungs- und Gerichtsstätte unweit der heutigen Walburgiskapelle. Als Ergebnis dieses Schiedsgerichtes wurde eine neue Grenzbeschreibung festgelegt, die nun auch die wichtigsten Orte innerhalb der Grenzen der Mark Heppenheim benannte, nämlich Furte (Fürth), Rintbach (Rimbach), Morlenbach (Mörlenbach), Birkenowa (Birkenau), Winenheim (Weinheim), Heppenheim, Besinsheim (Bensheim), Urbach (Auerbach), Lauresham (Lorsch) und Bisestat (Bürstadt).[4]

Graf Werinher schenkte 846 die Zelle Birkenau dem Kloster Lorsch. Bischof Adalberto von Augsburg empfing Birkenau 897 zum Lehen. Als Besitz des Lorscher Klosters fiel es 1232 unter die Herrschaft des Erzbistums Mainz. Die Ortsteile Hornbach und Balzenbach waren dagegen kurpfälzisch, so dass sie nach der Reformation unterschiedlichen Bekenntnissen angehörten. 1568 und 1613 ist Birkenau im Besitz der Freiherren von Wambold und der Landschaden zu finden, 1653 kam es an den Reichshofrat von Bohn, nach Aussterben dessen Familie wurde es an die Freiherren Wambold von Umstadt belehnt, 1806 kam das Amt an Hessen.[5] 1552 wird das Rathaus erbaut, 1771 das Schloss der Herren Wambolt von Umstadt.

Bis 1964 wuchs die Einwohnerzahl auf über 5.000 an. 1967 wurde die Gemeinde als Erholungsort und 1979 als Luftkurort anerkannt, hat das Prädikat Luftkurort aufgrund des geringen Fremdenverkehrs aber nicht neu beantragt. Der Ort ist jedoch noch Erholungsort.[6] 1995 feierte Birkenau das 1200-jährige Bestehen.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch dokumentierte Erwähnungen des Ortes sind (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[7]

  • Birkenowa (773, 795)
  • Birkenouua, cella (846)
  • Birchenowa, villa (877)
  • Birkenouua (897)
  • Prechauwe (1392)
  • Birkenau (1392)
  • Pirckenauwe (1392)
  • Birkenauwe (1437)

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Kallstadt (am 1. Juli 1970), Hornbach, Reisen (beide am 31. Dezember 1970), Löhrbach und Nieder-Liebersbach (beide am 31. Dezember 1971) auf freiwilliger Basis nach Birkenau eingegliedert.[8] Am 1. August 1972 wurden außerdem der bis dahin zur Gemarkung Mackenheim gehörende Weiler Schnorrenbach, der als Exklave jenseits des westlichen Nachbarortes Vöckelsbach liegt, durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Bergstraße in die Gemeinde Birkenau eingegliedert.[9] Für das Gebiet der ehemaligen Gemeinden wurden außer für Kallstadt per Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Kallstadt gehört zum Ortsbezirk Kerngemeinde und Kallstadt. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen den Gemarkungsgrenzen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[10] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[11][12]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
     
Von 31 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 30,4 10 33,1 10 35,6 13 37,4 14
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 29,4 9 29,7 9 38,3 14 44,4 16
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 17,1 5 22,6 7
FWV Freie Wählervereinigung Birkenau 12,6 4 10,6 4 21,0 8 13,6 5
FDP Freie Demokratische Partei 10,5 3 4,0 1 5,1 2 4,5 2
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 50,8 52,8 52,3 54,4
Altes Rathaus

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Die Wahlen des Jahres 2009 gewann Helmut Morr (parteilos) in der Stichwahl am 1. Februar mit 3330 Stimmen (68,8 %) gegen 1509 Stimmen (31,2 %) für Peter Zschippig (unterstützt von CDU und SPD). Die Wahlbeteiligung lag bei 62,2 %. Seit dem 21. Mai 2009 ist er Nachfolger von Ingrid Berbner (FWG).

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot eine silberne mit silbernem Maueranker belegte entwurzelte Birke“

Die Bedeutung des Wappens, dessen Stilelemente teilweise auf Zentsiegeln und Marksteinen bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden können, ist unklar. Vor allem das als Maueranker gedeutete Zeichen ist umstritten und könnte auch eine Weberhaspel gewesen sein. Mit Urkunde vom 22. Juli 1926 verlieh der Innenminister des Volksstaates Hessen der Gemeinde das Recht zur Führung des vorgenannten Wappens.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchklingen

Ein beliebtes Wochenendausflugsziel sowie Raststätte für Wanderer ist Buchklingen.

In Schnorrenbach befindet sich ein Wintersportgebiet mit einem Abfahrtshang (450 Meter lang) und Skilift. Im Sommer wird seit 15 Jahren jährlich das internationale FIS-Camp für Kinder und Jugendliche sowie der Deutschlandpokal im Grasski ausgetragen. Dabei starteten bisher Grasskifahrer aus Österreich, Tschechien, Italien, Deutschland und auch Japan. Es ist eine Flutlichtanlage installiert.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birkenau liegt im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar und im Rhein-Main Verkehrsverbund. Der Bahnhof Birkenau liegt an der Weschnitztalbahn WeinheimFürth (Odenwald). Dort halten stündlich, wochentags in den Hauptverkehrszeiten halbstündlich, Regionalbahnen der DB Regio AG. Unterstützt werden die Züge durch die mehrmals täglich verkehrenden Linien 681, 684 und 688 der Busverkehr Rhein-Neckar GmbH.

Weiterhin führte bis zuletzt die Bundesstraße 38 durch Birkenau. Diese wurde durch die Öffnung des Saukopftunnel im Jahre 1999 praktisch „außerorts“ gelegt. Die „alte B 38“ ist nun die L 3408.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freibad Birkenau
  • Gemeinde und Bürgerhaus

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 7 Kindergärten
  • 2 Grundschulen (Sonnenuhrenschule, Grundschule Nieder-Liebersbach)
  • 1 Haupt- und Realschule (Langenbergschule)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfau im Schlosspark

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Historisches Rathaus (1552 – das Älteste im Kreis Bergstraße) mit Pranger und Normal-Elle
  • Birkenauer Barockschloss und Schlosspark des Freiherrn von Wamboldt
  • Rotkreuzmuseum Birkenau[13]
  • Dorf der Sonnenuhren (etwa 170 Uhren)[14]
  • Sonnenuhrenschule Birkenau

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um Birkenau befinden sich mehrere Naturschutzgebiete und eine beachtliche Anzahl von Wanderwegen. Diese Wanderwege finden sich einerseits in den Wäldern rund um Birkenau, jedoch lohnt z. B. auch der „Höhenweg“ (Europäischer Fernwanderweg Nr. 1, Plateauweg zwischen Birkenau und Reisen) einen Besuch, da man von ihm aus einen wunderschönen Blick über Birkenau und Nieder-Liebersbach hat. In den Wäldern von Birkenau ist es keine Seltenheit, einheimische Waldtiere zu sehen wie z.B. Rehe, Vögel, Hasen etc. Teilweise finden sich auch Fuchshöhlen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregional bekannt ist der TSV Birkenau durch seine Handballabteilung. Die Mannschaft spielte in der ersten Handball-Bundesliga und wurde 1974 Deutscher Meister im Feldhandball.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Birkenau verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Gilmer (1822–1871), Gutsbesitzer auf dem Haselhof bei Birkenau und Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Vergleiche die Ortsteile nach Portrait auf der Webseite der Gemeinde Birkenau, abgerufen am 22. April 2016
  3. Hauptsatzung 2013 auf der Webseite der Gemeinde Birgenau - Ortsrecht, abgerufen am 22. April 2016
  4. Regesten der Stadt Heppenheim und Burg Starkenburg bis zum Ende Kurmainzer Oberherrschaft (755 bis 1461). Im Auftrag des Stadtarchivs Heppenheim zusammengestellt und kommentiert von Torsten Wondrejz. Nr. 5a (PDF; 2,0 MB)
  5. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen, 3. überarbeitete Aufl., S. 53
  6. 77. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 17. November 2011. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 2012, ISSN 0724-7885, S. 221.
  7. „Birkenau, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 8. Juli 2014 (Stand: 23. Juni 2014).
  8. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 201
  9. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Bergstraße vom 11. Juli 1972 , GVBl. I S. 222., § 3 Gemeinde Birkenau
  10. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  11. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  12. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  13. Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Mit Herz und Hand fürs Rote Kreuz. (Rotkreuzmuseum Birkenau) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 2, Süddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, S. 180–181, ISBN 978-3-7776-2511-9
  14. Informationen zu den Sonnenuhren in Birkenau

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Birkenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien