Saul Kussiel Padover

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Saul Kussiel Padover (meist Saul K. Padover; * 13. April 1905 in Wien; † 22. Februar 1982 in New York) war ein US-amerikanischer Historiker, Politikwissenschaftler und Nachrichtendienst-Offizier jüdischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten]

Padover wanderte 1920 im Alter von 15 Jahren mit seinen Eltern Keva Padover und Frumet Goldmann Padover in die USA aus. Sein Vater war Amerikaner.

Er studierte an der Yale University Geschichte und schloss 1932 sein Studium an der University of Chicago mit einem Ph.D. für Geschichte ab. Von 1933 bis 1936 forschte er an der University of California und veröffentlichte unter anderem Biographien von Kaiser Joseph II., König Ludwig XVI. von Frankreich und Thomas Jefferson.

Von 1938 bis 1944 arbeitete er im Innenministerium, zuletzt als Referent des Innenministers.

1944 kam er als politischer Analyst für die Federal Communications Commission nach London. Im selben Jahr wurde er Geheimdienstoffizier des Office of Strategic Services und der US-Armee. Er gehörte der Psychological Warfare Division (PWD) an, der Division für psychologische Kriegsführung der US Army. Diese Division hatte die Aufgabe, die Reaktion der deutschen Bevölkerung auf den Krieg realistisch einzuschätzen. 1944/45 zog Padover hinter der amerikanischen Front durch Frankreich, Belgien, West- und Mitteldeutschland und interviewte zahlreiche deutsche Kriegsgefangene und andere Personen. Seine Expertisen dienten der amerikanischen Militärverwaltung zur Orientierung. Auch Dwight D. Eisenhower zog sie als Oberbefehlshaber zu Rate.

1949 wurde er Mitglied der Graduate Faculty of the New School for Social Research in New York City und lehrte dort Politikwissenschaften. 1978 veröffentlichte er als Spätwerk eine Biographie von Karl Marx.

Experiment in Germany[Bearbeiten]

Padovers bekanntestes Werk ist "Experiment in Germany", ein autobiographischer, populär abgefasster Bericht über seine Tätigkeit als Geheimdienstoffizier in Europa während des Zweiten Weltkrieges und kurz danach. Der Front der vorrückenden alliierten Truppen folgend, sollte er feststellen, wie die psychische Situation in den noch von Deutschland beherrschten Gebieten war, und wie sich die Bevölkerung gegenüber den Alliierten verhalten würde.

Ende 1944 erreichte er Aachen, die erste von den Amerikanern besetzte deutsche Stadt, und führte dort zahlreiche Interviews, unter anderem mit dem Sozialdemokraten Heinrich Hollands, der Kommunistin Anna Braun-Sittarz, dem Oberregierungsrat Josef Burens, dem Stadtkämmerer Kurt Pfeiffer, dem Oberbürgermeister Franz Oppenhoff und dem katholischen Bischof Johannes Joseph van der Velden. 1945 folgte er der Front weiter durch Deutschland und führte noch viele Interviews, unter anderem mit Wilhelm Elfes. Er interviewte auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene der von den Deutschen überfallenen Länder.

Das Werk erschien 1946 in den USA. Eine gekürzte deutsche Übersetzung erschien erst im Jahr 1999 unter dem Titel Lügendetektor - Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45. Auszüge aus den Aachener Interviews erschienen 1985 in Aachen in deutscher Übersetzung als Broschüre des Seniorats Geschichte der Fachschaft 7/1 an der RWTH Aachen und der Aachener VVN-BdA.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Joseph II., der Revolutionär auf dem Kaiserthron („The Revolutionary Emperor. Joseph the Second, 1741–1790“). Diederichs, Düsseldorf 1969.
  • The Life and Death of Louis XVI. Redman Books, London 1965 (Nachdr. d. Ausg. New York 1939).
  • Jefferson. The New American Library, New York 1964 (Nachdr. d. Ausg. London 1942).
  • Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45 („Experiment in Germany. The Story of an American Intelligence Officer“). Ullstein, Frankfurt/M. 2001, ISBN 3-548-75006-0 (aus dem Amerikanischen übersetzt durch Matthias Fienborck).
  • Karl Marx. An Intimate Biography. McGraw-Hill, New York 1978, ISBN 0-07-048072-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • Winfried B. Lerg: Alliierter Psychokrieg am Niederrhein, 1944/45. Aus den Erinnerungen eines Vernehmungsoffiziers. (...). In: Kurt Koszyk, Volker Schulze (Hrsg.): Die Zeitung als Persönlichkeit. Festschrift für Karl Bringmann. Droste Verlag, Düsseldorf 1982, ISBN 3-7700-4036-8, S. 195- 230.

Weblinks[Bearbeiten]