Ludwig XVI.

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Ludwig XVI. im Krönungsornat. Gemälde von Antoine-François Callet aus dem Jahr 1779

Ludwig XVI. August von Frankreich (* 23. August 1754 in Versailles; † 21. Januar 1793 in Paris) aus dem Haus der Bourbonen war als Louis Auguste zunächst Herzog von Berry und wurde nach dem Tode seines Vaters 1765 Dauphin sowie nach dem Tode seines Großvaters 1774 schließlich König von Frankreich und Navarra. Er war der letzte König des Ancien Régime.

Ludwig XVI. erhielt von seinem Großvater Ludwig XV. ein schwieriges Erbe. Frankreich stand am Rande des finanziellen Ruins und im Rahmen der absolutistischen Monarchie konnte der König die Krise nicht bewältigen.

Im Zuge der Französischen Revolution wurde er entmachtet und 1791 gezwungen, der Umwandlung von der absoluten in eine konstitutionelle Monarchie zuzustimmen, als deren Oberhaupt, nunmehr König der Franzosen, er fungierte. Er wurde 1792 abgesetzt, 1793 von den Revolutionären zum Tode verurteilt und starb durch die Guillotine.

Die heutige Sicht auf Ludwig XVI. ist differenziert; Historiker sehen in ihm einen ehrlichen Menschen mit guten Absichten, der jedoch an der Schwierigkeit scheiterte, die Monarchie im nötigen Maß zu reformieren und die Privilegien der oberen Stände Adel und Klerus zu beschneiden, um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Als Vertreter des Ancien Régime wurde er von den immer radikaler werdenden Kräften dafür in Verantwortung genommen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwigs Eltern, Dauphin Ludwig Ferdinand (1729–1765) und Maria Josepha von Sachsen, Tochter von Friedrich August II. Kurfürst von Sachsen und König von Polen, führten ein zurückgezogenes, fast „bürgerliches“ Familienleben in einem stillen Winkel von Versailles, abseits vom hektischen Hofleben. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Vater vom König keinen Zugang zu Regierungsgeschäften und Verantwortung erhielt.

Der Herzog von Berry (d. h. der spätere Ludwig XVI.) mit seinem jüngeren Bruder, dem Grafen der Provence. Gemälde von François-Hubert Drouais aus dem Jahr 1757

Ludwig erhielt die Namen seiner beiden Großväter Ludwig-August und den Titel Herzog von Berry. Die Geburt fand protokollgemäß unter Anwesenheit des Hofes statt – ein üblicher Vorgang bei möglichen Thronfolgern, damit von verlässlichen Repräsentanten der Monarchie, in diesem Fall in Gestalt von drei Ministern, die Abkunft des Neugeborenen bezeugt werden konnte. Ein Te Deum und ein Feuerwerk wurden vom König, wie üblich für einen männlichen Nachkommen, angeordnet. Ludwig hatte zum Zeitpunkt seiner Geburt eine Schwester, Zephyrine (1750–1755), und einen lebenden Bruder, Louis Joseph Xavier, Herzog der Bourgogne. Ludwig stand hinter Ludwig XV., seinem 35-jährigen Vater, und seinem 3-jährigen Bruder an dritter Stelle der Thronfolge – somit galt es als eher unwahrscheinlich, dass Ludwig-August die Thronfolge antreten würde.

Die Aufsicht über die Kinder wurde bei Hof durch lukrative Posten sichergestellt, bei deren Verteilung Intrigen und Beziehungen eine Rolle spielten. Die Amme für Säuglingspflege und Ernährung konnte den Säugling nicht mit genügend Milch versorgen. Da der gutbezahlte Posten aber durch Beziehungen zum Innenminister vergeben worden war, wurde sie gegen keine der sechs zur Verfügung stehenden Ersatzammen ausgetauscht. Nach einem Monat wurden die Hintergründe entdeckt und die Amme ersetzt. Der Schweizer Arzt Tronchin, Leibarzt von Voltaire, wurde herangezogen und verordnete einen „Kuraufenthalt“ auf dem Besitz Bellevue bei Meudon. Diese Maßnahme rettete dem Säugling das Leben. Die Aufgabe der Pflege und Erziehung bis zum Alter von sechs Jahren erfüllte Comtesse de Marsan, Schwester des Marschalls Rohan-Soubise und Gouvernante der Kinder von Frankreich.

Der traditionelle Übergang zum Status des Erwachsenen erfolgte im Alter von sechs Jahren. Damit verbunden waren umfangreiche medizinische Untersuchungen. Es wurde festgestellt, dass das Kind bis auf seine Kurzsichtigkeit normal und gesund sei.

Der neue Lebensmittelpunkt wurde in einen neuen Hausstand am Hof verlagert, zusammen mit seinem älteren Bruder Louis Joseph Xavier (* 1751) und den nachgeborenen Brüdern, den späteren Königen Ludwig XVIII. und Karl X. Dafür wurde eigens Personal zusammengestellt. Als Louis Joseph Xavier am 22. März 1761 an Knochentuberkulose starb, rückte Ludwig mit sechs Jahren hinter seinem Vater zum Thronfolger auf. Als sein Vater am 20. Dezember 1765 starb, wurde er mit elf Jahren selbst Thronfolger.

Die Eltern legten großen Wert auf eine universelle, umfassende Ausbildung, besonderes Interesse galt Geschichte, Religion, der Vermittlung von Gerechtigkeit und Regierung. Die Erziehung wurde mit autoritären Methoden durchgeführt. Kleine Unachtsamkeiten wurden hart bestraft.

Der für die Erziehung verantwortliche Herzog La Vauguyon wurde bei seiner Tätigkeit von Hauslehrern, z. B. Monseigneur Coetlosquet, Bischof von Limoges und Abbé de Radonvilliers, einem Mitglied der Académie française, unterstützt. Die beiden Geistlichen standen den Jesuiten nahe. Der Vater und nach seinem Tod die Mutter überprüften mit Strenge die Lernerfolge ihrer Söhne. Der Vater bediente sich eines Jesuiten, Pater de Neuville. Dieser attestierte dem achtjährigen Berry weniger Lebhaftigkeit und Anmut als seinen Prinzenbrüdern. In Urteilsfähigkeit und Herzenseigenschaften stehe er ihnen aber in nichts nach. Gelobt wurden seine Kenntnisse in Latein und Geschichte sowie sein gutes Gedächtnis.

Die Erziehungsmethoden von La Vauguyon müssen auf Ludwig XVI. abschreckend gewirkt haben, denn als er als König einen Erzieher für seine Kinder auswählen musste, lehnte er den jungen La Vauguyon mit den Worten ab: „Es tut mir leid, Sie ablehnen zu müssen, aber Sie wissen doch, dass Sie und ich so schlecht wie möglich erzogen worden sind“.[1]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porträt von Elisabeth Vigée-Lebrun: Marie-Therese und Louis Joseph, 1784
Ludwig XVI. 1775
Ludwig XVI. 1777

Ludwigs Vorgänger als König war sein Großvater Ludwig XV. Als sein ältester Bruder starb, rückte Ludwig XVI. mit sechs Jahren zum nächsten Thronfolger nach seinem Vater auf. Als auch dieser starb, wurde Ludwig XVI. zum rechtmäßigen Nachfolger. Am 16. Mai 1770 heiratete der 15-jährige Kronprinz zur Festigung des französisch-österreichischen Bündnisses die ein Jahr jüngere habsburgische Prinzessin Marie Antoinette, Tochter des Kaiserpaars Franz I. Stephan und Maria Theresia.

Der Ehe entstammten die vier Kinder:

Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ancien Regime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sein Großvater Ludwig XV. am 10. Mai 1774 starb, wurde Ludwig XVI. mit 19 Jahren König. Er suchte zunächst einen Mentor und entschied sich für den 73-jährigen vormaligen Staatssekretär Graf von Maurepas. Die Krönung des Königs fand am 11. Juni 1775 in Reims statt.[2] Das Volk begrüßte ihn bei seiner Thronbesteigung mit dem Beinamen le désiré, das heißt der Ersehnte, doch Ludwig XVI. lehnte diesen Namen aus Bescheidenheit ab.[3]

Hauptproblem Frankreichs war die hohe Staatsverschuldung. Die radikalen Reformen von Turgot und Malesherbes stießen auf den Widerstand des Adels; Turgot wurde entlassen, Malesherbes trat 1776 zurück und wurde durch Jacques Necker ersetzt.

Ludwig brachte es zustande, Frankreichs Position als Seemacht wieder zu stärken, indem er die Marine immens ausbaute. Diese konnte nun erneut mit jener Großbritanniens konkurrieren. Frankreich konnte sich damit im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, den auch Necker befürwortete, gegen die Engländer behaupten. Im Jahr 1777 wurde die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkannt, ein Jahr später trat Frankreich an der Seite der USA in den Krieg ein. Der anschließende heftige Seekrieg hatte seine Schwerpunkte in West- und Ostindien.

Durch Ludwigs militärische Intervention verhalf Frankreich den Amerikanern zur Unabhängigkeit und konnte 1783 auf der Siegerseite den Frieden von Paris vermitteln. Doch der Unabhängigkeitskrieg hatte ein gewaltiges Loch in die Staatsfinanzen gerissen, während er für Frankreich im Großen und Ganzen nur mit dem früheren Besitzstand endete. Jacques Necker wurde aber 1781 entlassen und durch Calonne ersetzt.

Ludwig XVI. zeigte wenig Interesse, die Politik seines Bündnispartners Österreich zu unterstützen. Am 14. März 1778 bat Joseph II. den König angesichts eines drohenden österreichisch-preußischen Krieges um seine Vermittlung und fragte an, ob er im Falle einer preußischen Aggression bereit sei, Truppen zu stellen, wie im Vertrag von 1756 festgelegt. Am 30. März antwortete Ludwig, die Aufgabe eines Vermittlers gehe über seine Rolle hinaus, und im Falle einer preußischen Aggression könne er keine andere Position als die der Neutralität beziehen. Auch als Friedrich II. am 7. Juli 1778 in Böhmen einmarschierte, erklärte sich Ludwig nicht zugunsten Österreichs. Als 1784 ein Krieg zwischen Österreich und den Niederlanden drohte, warnte er vor den unberechenbaren Folgen und bot an zu vermitteln. Nach dem Friedensschluss schloss er sogar 1785 ein Bündnis mit Holland. Auch zögerte er trotz Marie Antoinettes Drängen, dem Plan des Kaisers zuzustimmen, die Österreichischen Niederlande gegen Bayern zu tauschen.

In den ersten neun Jahren seiner Regentschaft war der König bei seinem Volk sehr populär. Der junge König setzte darauf, dass seine Beliebtheit das Funktionieren des Königtums garantiere, und so kam es, dass er einesteils den an ihn gestellten Anforderungen weit nachgab, zum Beispiel die Wiedereinsetzung der Parlamente, in der Meinung, dadurch das Beste seines Volkes zu fördern, andererseits sich keiner der gegeneinander mit immer wachsender Erbitterung streitenden Parteien anschloss und ihr durch sein Ansehen den Sieg verschaffte.[3]

Ihm war es als einzigem König im 18. Jahrhundert gelungen, einen Krieg gegen England zu gewinnen. Aber genau dieser Sieg sollte sich als Mitursache seines Untergangs herausstellen, denn die Kriegskosten steigerten die Staatsverschuldung ins Unermessliche. Zum Anderen brachten die in Amerika eingesetzten Soldaten das Gedankengut der Amerikanischen Revolution unter das französische Volk. Außerdem betrieben die Adligen, allen voran der Herzog von Orléans, genannt Philippe Égalité, und die von Ludwig im Jahr 1774 zurückgerufenen Parlamente, eine harte Oppositionspolitik gegen die Monarchie. Hinzu kam die zunehmende Unbeliebtheit der Königin beim Volk, die unter anderem durch die Halsbandaffäre (1785) in Misskredit geriet. Der aufsehenerregende Prozess zeigte erstmals ein selbstbewusstes Parlament. Außerdem gab es widrige Umstände wie zwei schlechte Ernten und einen harten Winter mit Versorgungsproblemen für die Bevölkerung. Alle diese Faktoren mündeten in die Ereignisse des Jahres 1789.

Französische Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig XVI. 1786

Als die in der Öffentlichkeit stark beachteten Debatten der Notabelnversammlung zur Lösung des Staatsdefizites kein Ergebnis brachten und auf eine Beschränkung der königlichen Macht hinauszulaufen schienen, beschloss Ludwig am 25. Mai 1787, sie aufzulösen. Auf Vorschlag von Étienne Charles de Loménie de Brienne hieß er zudem in der Nacht vom 14. auf den 15. August das Parlament, sich nach Troyes zurückzuziehen. Mit diesem Ereignis begannen die persönlichen Angriffe gegen den König, zumal er während der Sitzung plötzlich einschlief und dabei laut schnarchte. Am 26. August ernannte er Brienne zum leitenden Minister, ein Titel, den er bis dahin noch niemandem verliehen hatte. Zur Reformpolitik der neuen Regierung gehörte das Edikt von Versailles, das erste Ansätze zu einer religiösen Toleranz beinhaltete.

Brienne versuchte, den zögernden König zur Einberufung der Generalstände zu bewegen, um die drängenden Finanzprobleme zu lösen. Am 19. November 1787 verlangten bei einer feierlichen Parlamentssitzung mehrere Redner nachdrücklich, die Generalstände bereits 1788 oder 1789 einzuberufen. Als der König ausweichend antwortete, warf ihm der Herzog von Orléans vor, sein Verhalten sei ungesetzlich. Daraufhin ließ Ludwig seinen Cousin auf dessen Schloss verbannen, außerdem verbannte er zwei weitere Parlamentarier.

1788 berief Ludwig auf Drängen Marie Antoinettes Necker wieder zum Finanzminister, der zugleich Briennes Demission durchsetzte. Da der König keinen leitenden Minister mehr ernannte, war praktisch nunmehr Necker in dieser Position. Zu dieser Zeit kam es zu immer mehr Diskussionen, wie das Land künftig regiert werden sollte.

Um finanzielle Reformen zu verabschieden, berief der König 1789 die Generalstände ein, die seit 1614 nicht mehr zusammengetreten waren. Die Feierlichkeiten begannen am 4. Mai, wobei der König, als er mit dreistündiger Verspätung erschien, ohne besondere Bekundung der Freude begrüßt wurde. Während des anschließenden Gottesdienstes in der Kirche Saint-Louis nickte er ein. Am nächsten Tag erschien er gegen Mittag zur Eröffnung der Generalstände. In seiner kurzen Ansprache erwähnte er nur das Problem der Staatsschuld und warnte vor einem übertriebenen Wunsch nach Neuerungen.

Am 17. Juni erklärten sich die Abgeordneten des Dritten Standes zur Nationalversammlung. Der König hielt sich zu dieser Zeit in Marly auf und konnte sich nicht dazu entschließen, dem Vorschlag Neckers zu folgen und den Forderungen des Dritten Standes entgegenzukommen. Dessen Bestrebungen gipfelten am 20. Juni im Ballhausschwur. Am 21. Juni hielt der König in demonstrativer Abwesenheit Neckers eine Rede an die Generalstände. Die Beratungen des Dritten Standes seien nichtig, ungesetzlich und wider die Grundsätze des Königreiches. Andererseits erklärte er sich bereit, die individuelle Freiheit, die Pressefreiheit und die Abstimmung der Generalstände nach Köpfen statt nach Ständen anzuerkennen.

Bei seiner Rückkehr nach Versailles fand er Neckers Rücktrittserklärung vor. Gleichzeitig zeigte sich erstmals eine aufgebrachte Menschenmenge vor dem Schloss und ergoss sich in Höfe und Säle. Auf dringende Bitten des Königs sah sich Necker veranlasst, seinen Rücktritt wieder rückgängig zu machen, und am 27. Juni ersuchte der König in einem Schreiben den Klerus und den Adel, sich dem Dritten Stand anzuschließen. Am selben Tag gab er jedoch auch den Befehl, Truppen am Rande der Hauptstadt zusammenzuziehen. Rings um Paris sammelten sich die Regimenter, und Ludwig ernannte am 30. Juni Victor-François de Broglie zum Generalmarschall der Truppen. Am 10. Juli erklärte Ludwig auf das Ersuchen der Versammlung hin, die Truppen seien da, um ihn zu schützen. Am 11. Juli entließ er Necker, am 13. Juli stellte er ein neues Kabinett zusammen mit de Broglie als Kriegsminister. Am Nachmittag des 13. Juli inspizierten der König und die Königin ausländische Regimenter, die kurz zuvor eingetroffen waren.

Am 14. Juli erfolgte in Paris der Sturm auf die Bastille. Etwas später erschien der König überraschend in der Nationalversammlung und kündigte an, er werde seine Truppen zurückziehen. Viele erleichterte Abgeordnete geleiteten ihn daraufhin zum Schloss und riefen: „Es lebe der König!“. Dessen ungeachtet wurde am 16. Juli in einer Sitzung des Staatsrates der Plan diskutiert, Versailles zu verlassen und fern der Hauptstadt den Kampf gegen die Revolution aufzunehmen. Der König entschied sich jedoch zu bleiben und rief abermals Necker zurück. Als Zeichen seines guten Willens fuhr er am 17. Juli in die Hauptstadt, um den Neuerungen seine Zustimmung zu geben.

Am 29. Juli traf Necker, der in Basel von seiner Rückberufung erfahren hatte, in Versailles ein. Bei seiner Begrüßung durch den König erklärte er, seine Stellung gebiete Eifer für den König, er schulde aber keine Dankbarkeit. Am 25. August, dem Tag des hl. Ludwig, kamen wie üblich die Schöffen, Offiziere und Marktweiber der Stadt nach Versailles, um ihre Glückwünsche zu überbringen, diesmal jedoch in Begleitung der Nationalgarde und des Magistrates.

Da der König zögerte, die Beschlüsse der Nationalversammlung zu unterschreiben und am 14. September das Régiment de Flandre nach Versailles verlegte, wuchs das Misstrauen erneut. Am 21. September bat Mirabeau im Namen der Nationalversammlung den König, er möge erklären, warum er die Truppen gerufen habe. Am 23. September traf das Regiment mit 1100 Infanteristen in Versailles ein. Am 1. Oktober veranstaltete die 600 Mann starke Leibwache des Königs mit dessen Zustimmung ein Bankett mit 210 Gedecken für das „Régiment de Flandre“, bei dem auch die königliche Familie erschien. Am 3. und 4. Oktober gab es erneut Bankette für das Regiment Flandern.

Die Berichte über diese Gelage lösten in Paris, wo hungernde Menschen vor den Bäckereien Schlange standen, Empörung aus. Am 4. Oktober riefen Redner wie Marat und Danton das Volk zu den Waffen. Am 5. Oktober brach dennoch der König zur Jagd in den Wäldern von Meudon auf. Zahlreiche aufgebrachte Bürger, darunter viele Frauen (Poissarden) und Nationalgardisten strömten unterdessen nach Versailles. Gegen drei Uhr am Nachmittag kam der König zurück und beriet mit seinen Ministern, was zu tun sei. Er empfing eine Delegation der Frauen, die nach Brot schrieen, schickte sie in die Küche und versprach, dass es an Brot nicht fehlen werde. Mounier bat den König, jetzt die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte zu unterschreiben, doch der König war unentschlossen. Als er befahl, die Kutschen anzuspannen, stürzte sich die Menge auf die Wagen, zerschnitt das Geschirr und führte die Pferde weg. Der König sah sich genötigt, nun die Dekrete zu unterschreiben. Das aufgebrachte Volk schien beruhigt, und der König verbrachte noch einmal eine Nacht im Schloss.

Am frühen Morgen des 6. Oktober jedoch drang noch vor Tagesanbruch eine mit Spießen und Messern bewaffnete Horde in das Schloss ein. Als die Menge nach dem König rief, überredete ihn La Fayette, er möge sich dem Volk zeigen. Die königliche Familie zeigte sich auf dem Balkon, während La Fayette zu der Menge sprach. Diese rief: „Nach Paris! Nach Paris!“ Tatsächlich sah sich der König gezwungen, mit seiner Familie nach Paris in den Palais des Tuileries umzuziehen. Die königliche Familie saß dabei, umgeben von einer dichtgedrängten Menge, in einer Kutsche, der die Köpfe von zwei getöteten Leibwächtern vorangetragen wurden. Um neun Uhr abends traf der König im Rathaus ein und zeigte sich mit seiner Familie einer jubelnden Menschenmenge auf dem Balkon, um zehn Uhr kam er in den Tuilerien an.

In diesem anfänglichen Stadium der Revolution erließ die Nationale Versammlung am 10. Oktober 1789 anlässlich der Diskussion über die Art, Gesetze zu verkündigen, die neue Formel Ludwigs: Louis, par la grâce de Dieu, et la loi constitutionnelle de l’État, Roi des Français („Ludwig, durch die Gnade Gottes und das konstitutionelle Gesetz des Staates König der Franzosen“). Ab diesem Zeitpunkt trug Ludwig also den Titel Roi des Français. Zwischen „Roi des Français“ und „Roi de France“ gibt es nicht nur einen grammatischen, sondern einen fundamentalen Bedeutungs- und Statusunterschied: Als „Roi de France“ schulden die Franzosen ihm Treue und gehören ihm, während er als „Roi des Français“ den Franzosen gehört und ihnen Treue schuldet.

Ludwig selbst war lange Zeit populär und stand den Reformen der Revolution zunächst aufgeschlossen gegenüber. Dies hatte er bereits mit der Abschaffung der Folter bekundet, auch schuf er öffentliche Arbeitsplätze, indem er beispielsweise Notleidende, die für einen gerechten Lohn arbeiten sollten, Sümpfe entwässern ließ. Doch die in der Revolution geforderte Volkssouveränität war ein deutlicher Bruch mit den damals gültigen Prinzipien der Monarchie. Entsprechend wurde die Revolution von der herrschenden Elite Frankreichs und den übrigen europäischen Herrschern abgelehnt.

Ende der Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die freie Unterschrift“. Französische Karikatur aus dem Jahr 1792. Kaiser Leopold II.: „Was machst du da, Schwager?“ Ludwig XVI. (im Käfig): „Ich unterschreibe.“

Nach und nach wurden aus Versailles Möbel und andere Gegenstände in die zuvor größtenteils leerstehenden Tuilerien gebracht. Bälle, Jagden, Theater und Konzerte gab es hier nicht mehr. Am 4. Februar 1790 verkündete Ludwig vor der Nationalversammlung feierlich, er und die Königin nähmen die Verfassung vollständig an. Am 6. Juni 1790 durfte die Königsfamilie mit Erlaubnis der Nationalversammlung nach Saint-Cloud reisen. Der König unternahm wieder lange Jagdpartien, es wurden Komödien gespielt, Konzerte gegeben und Spazierfahrten unternommen. Am 14. Juli reiste er nach Paris zurück, um am Föderationsfest auf dem Champ de Mars teilzunehmen. Der König wirkte übellaunig, er schwor auf Nation und Gesetz, aber nicht wie gewünscht am Vaterlandsaltar in der Mitte des Platzes. Wieder zurück in Saint-Cloud nahm er den abermaligen Rücktritt Neckers entgegen, der die Finanzkrise nicht hatte lösen können, und bildete ein neues Kabinett aus Anhängern La Fayettes. Ende Oktober kehrte das Königspaar nach Paris zurück, wo es eisig empfangen wurde. Am 13. November zog der Mob zu den Tuilerien, und der König flüchtete ins Dachgeschoss, doch die postierte Nationalgarde konnte die Menge abdrängen. Am 28. Februar 1791 hingegen zogen Adlige, mit Degen, Jagdmessern und Pistolen bewaffnet, zu den Tuilerien, um das Königspaar vor Angriffen zu schützen. La Fayette entwaffnete sie im Beisein des Königs.

Obwohl die königliche Familie die Erlaubnis erhalten hatte, über Ostern ein paar Tage in Saint-Cloud zu verbringen, wurde sie von der Nationalgarde mit aufgepflanzten Bajonetten über zwei Stunden in ihrer Karosse am Losfahren gehindert und von einer wütenden Menge beschimpft. Der König kehrte schließlich in das Schloss zurück.

Hinrichtung Ludwigs XVI. (Kupferstich aus dem Jahr 1793)
Ludwig XVI. auf Kupfermünze des Jahres 1791
Rückseite der Münze Ludwigs des Jahres 1791

Als der Druck auf Ludwig und seine Familie immer größer wurde, unternahm er in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1791 die Flucht nach Varennes in die Österreichischen Niederlande. Die Flucht endete vorzeitig in dem kleinen Ort Varennes, nachdem Ludwig anhand seines Konterfeis auf einer Münze von dem Sohn eines Postmeisters erkannt worden war. Die königliche Familie wurde anschließend von Angehörigen der Nationalgarde nach Paris zurückgeführt und der König kurzfristig von seinen Ämtern suspendiert. Ludwig war nun faktisch in Gefangenschaft, auch wenn er noch einige seiner Privilegien genießen konnte. In einer Befragung durch drei Abgeordnete am 25. Juni hinsichtlich seiner Flucht wurde er schonend behandelt, zumal er seine Verbundenheit mit der Verfassung beteuerte. Gleichzeitig knüpfte er wieder Kontakte zu den europäischen Fürstenhöfen. Am 13. Juli verkündete die Kommission zur Aufklärung der „Entführung“ Ludwigs, dem König sei nichts vorzuwerfen. Das Ergebnis der Kommission wurde angenommen und der König für unantastbar erklärt. Da sie zu diesem Zeitpunkt keine Alternative zur geplanten Einführung der konstitutionellen Monarchie in der Verfassung sahen, einigten sich die Abgeordneten der Nationalversammlung darauf, den Fluchtversuch als „Entführung“ auszugeben, und beließen Ludwig im Amt. Daraufhin begehrten die Gegner des Königs auf, und es kam am 17. Juli 1791 zum Massaker auf dem Marsfeld.

Am 27. August erklärten der Kaiser Leopold II. und König Friedrich Wilhelm II. von Preußen in der Pillnitzer Deklaration ihr Ziel, „den König von Frankreich in die Lage zu versetzen, in vollkommener Freiheit die Grundlage einer Regierungsform zu befestigen, welche den Rechten der Souveräne und dem Wohle Frankreichs entspricht.“

Von äußeren Kräften bedrängt, „akzeptierte“ der König die Verfassung des 3. September 1791. Am 14. September schwor der König in der Reithalle, dem Tagungsort der Nationalversammlung, der neuen Verfassung die Treue. Frankreich wurde zur konstitutionellen Monarchie. Der König galt nun nicht mehr als Herrscher von Gottes Gnaden, sondern eher als erster Repräsentant des Volkes. Den Gesetzen der Nationalversammlung hatte er durch seine Unterschrift Rechtskraft zu verleihen, allenfalls konnte er durch sein aufschiebendes Veto ihr Inkrafttreten hinauszögern. Die Konstitution änderte auch den Titel des Dauphins in prince royal („königlicher Prinz“).

Mit fröhlicher Miene nahm der König an den Feierlichkeiten des 18. September teil. In offener Kutsche fuhr das Königspaar am Abend über die Champs-Élysées, und zuweilen ertönte der Ruf: „Es lebe der König!“ Das Vertrauen der meisten Abgeordneten in seinen guten Willen hatte Ludwig durch seinen Fluchtversuch indes nachhaltig erschüttert. Das Ereignis gab republikanischen Gruppierungen in der Nationalversammlung starken Auftrieb. Als der König Ende 1791 sein Veto gegen zwei Dekrete einlegte, verstärkte sich das Misstrauen.

Am 20. April 1792 legte er der Nationalversammlung die Kriegserklärung gegen Österreich vor. Heimlich sandte er jedoch den Journalisten Jacques Mallet-du-Pan zum Kaiser und zu den deutschen Fürsten und ließ ihnen mitteilen, er wolle den Konflikt zum Anlass nehmen, um seine Macht wiederherzustellen.

Bald kam es zu schweren Rückschlägen in Belgien, wo Truppen ihre adeligen Offiziere im Bunde mit dem Feind wähnten und ihnen den Gehorsam verweigerten. Am 18. Mai beschworen die versammelten Generäle den König in Valenciennes, so schnell wie möglich um Frieden zu bitten. Dieser hingegen legte wieder gegen zwei Dekrete sein Veto ein, entließ am 12. Juni seine girondistischen Minister und berief ein gemäßigtes Ministerium. Am 20. Juni drang eine bewaffnete Menschenmenge in das Schloss ein und verlangte vom König, sein Veto zurückzunehmen. Stattdessen erklärte er der aufgebrachten Ansammlung stundenlang, die Jakobinermütze auf dem Haupt, er werde von seinen Entscheidungen nicht abgehen. Das eine Veto richtete sich gegen das Dekret, zum Schutz der Hauptstadt ein Lager für 20.000 Mann der Nationalgarde zu errichten, das andere gegen den Beschluss, alle Priester, die von den Bürgern denunziert würden, zu deportieren. Gegen zehn Uhr abends leerten sich allmählich die Höfe und Parkanlagen.

Grabstätte von König Ludwig XVI. in Saint-Denis

Am 11. Juli erklärte die Nationalversammlung „das Vaterland in Gefahr“. Am 14. Juli, dem Jahrestag des Sturmes auf die Bastille, legte der König am Altar des Vaterlandes den Eid auf die Verfassung ab. Am 25. Juli 1792 veröffentlichte Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig ein Manifest, in dem er der Stadt Paris und ihren Bewohnern „eine beispiellose und für alle Zeiten denkwürdige Rache“ androhte, sollten sie Ludwig oder seiner Familie etwas antun. Dies Manifest wurde von den Revolutionären als Beweis einer Kollaboration von Ludwig XVI. mit den Feinden Frankreichs verstanden. Ludwigs Erklärung, er werde alles tun, dass Frankreich im Krieg den Sieg davontrage, überzeugte nicht mehr. Als die Nationalversammlung es ablehnte, über die Absetzung des Königs zu beraten, beschlossen die Sektionen der Hauptstadt, den Aufruf der Jakobiner zu befolgen und die Monarchie gewaltsam zu stürzen.

Grab von Ludwig XVI. und Marie Antoinette in der Kathedrale von Saint-Denis

Nach dem Sturm auf die Tuilerien am 10. August 1792 wurde der König mit Familie am 13. August 1792 im Kloster der Feuillanten verhaftet und im Temple eingekerkert. Bei der zwei Stunden dauernden Überführung saß die königliche Familie in einer von nur zwei Pferden gezogenen Hofkarosse, die von Nationalgardisten begleitet wurde, während von allen Seiten Spottverse und Beschimpfungen erschollen. Da er nicht mehr König war, wurde er von nun an nur noch Bürger Louis Capet (bezugnehmend auf Hugo Capet, den Ahnherrn des französischen Herrschergeschlechts) angesprochen.

Anlässlich der ersten Sitzung des Nationalkonvents wurde am 21. September 1792 die Republik ausgerufen (l’an 1 de la République française) und der König offiziell entthront (la royauté est abolie en France). Als Ludwig das entsprechende Dekret vorgelesen wurde, ließ er sich nichts anmerken. Am nächsten Tag erfuhr er, dass die französischen Truppen in der Kanonade von Valmy die Preußen zurückgeschlagen hätten.

Am 29. September wurde Ludwig in den großen Wehrturm gebracht, in den man drei Wochen später auch die übrigen Familienmitglieder einquartierte. Die Haftbedingungen wurden ständig verschärft, und schließlich entdeckte man beim König eine Schatulle, die viel belastendes Material enthielt. Aus diesen Papieren ging hervor, dass der König in Kontakt mit Emigranten gestanden hatte, heimlich mit Österreich verhandelte und Politiker der Revolution bestochen hatte.

Am 3. Dezember nahm der Konvent ein Dekret an, in dem der König vorgeladen wurde. Ihm wurde ab dem 11. Dezember vor dem Nationalkonvent in der Salle du Manège der Prozess gemacht. Robespierre betonte vor dem Konvent: „Wenn nicht der König schuldig ist, dann sind es die, die ihn abgesetzt haben“. Somit konnte nach Robespierres Darstellung der Konvent, der Ankläger und Richter in einer Person war, den König gar nicht freisprechen, da dies einer Selbstanklage gleichgekommen wäre.[4]

Die Abstimmung zog sich über mehr als 24 Stunden vom 16. bis zum 17. Januar 1793 hin. Ein Antrag der Girondisten, über Schuld oder Unschuld des ehemaligen Königs das Volk abstimmen zu lassen, wurde mit 426 : 278 Stimmen abgelehnt. Mit 387 : 334 Stimmen sprach der Konvent ihn schuldig der „Verschwörung gegen die öffentliche Freiheit und die Sicherheit des gesamten Staates“ (la conspiration contre la liberté publique et la sûreté générale de l’État). Eine Aussetzung der Todesstrafe wurde mit 380 : 310 Stimmen abgelehnt.[5]

Am Vormittag des 21. Januar 1793 wurde Ludwig auf der Place de la Révolution (Revolutionsplatz) – heute Place de la Concorde – vom Henker Charles-Henri Sanson mit einer Guillotine enthauptet.[6]

Am 16. Oktober 1793 wurde nach einem kurzen Prozess auch seine Frau Marie-Antoinette auf dem Revolutionsplatz guillotiniert. Sein überlebender Sohn Louis Charles starb im Alter von zehn Jahren im Temple-Gefängnis.

Ludwig wurde zunächst auf dem Friedhof de la Madeleine beigesetzt und 1815 in die Basilika Saint-Denis überführt.

Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig wurde 38 Jahre alt. Der Zeitabschnitt von der Krönung bis zum Tod beträgt 19 Jahre. Die Revolutionsjahre machen also nur einen Bruchteil seines Lebens aus. Jugend und Erziehung hatten großen Einfluss auf seine Persönlichkeit. Unerwähnt bleiben dürfen hierbei nicht die traumatischen Erlebnisse in seiner Jugend mit der Krankheit und dem Tod seines älteren Bruders Bourgogne, die Zurücksetzungen hinter seinen älteren Bruder, die eigenen Erkrankungen sowie der frühe Tod seiner Eltern.

Seine Lehrer beschrieben Ludwig während seiner Ausbildung als guten und intelligenten Schüler mit weit gefassten Fähigkeiten. Grundlage der Erziehung bildete die Schrift Télémaque Fénelons, die von einem Monarchen Tugend, Verantwortungsbewusstsein gegenüber Gott, Liebe zu den Untertanen und Einsatz für deren Glück verlangte. Das spätere Selbstverständnis Ludwigs als Monarch wurde hiervon im Sinne eines patriarchalischen Königtums geprägt. Zeitgenossen erwähnten seine wenig vorteilhafte Erscheinung, ein ausgeprägtes Misstrauen und eine große Zurückhaltung, verbunden mit einer unglücklichen Miene und einem der Eleganz entbehrenden Gang. Jedoch änderten sich die Meinungen der Genannten rasch wieder, sobald Ludwig den Rang des neuen Dauphin de France bekleidete. Von diesem Moment an bekamen seine Position und sein Stellenwert eine unermesslich hohe Bedeutung. Und damit waren auch positive Äußerungen über sein Erscheinen verbunden. Dies geht z. B. aus dem Tagebuch der Herzogin von Northumberland hervor. Diese schrieb dort: „Ich stellte ihn mir gräßlich vor, doch ganz im Gegenteil gefiel mir seine Erscheinung sehr gut. Er ist groß und schlank, hat ein interessantes Gesicht und kluge Augen, die bei seinem ziemlichen blassen Teint sehr groß wirken. Das blonde Haar steht ihm sehr gut zu Gesicht.“[7]

Ludwig war kein Machtmensch, der den Thron anstrebte. Er fand die Rolle als König belastend, stellte sich aber der Verantwortung. Aus seinem Verhalten lässt sich schließen, dass Bildung und moralisches Handeln ihm wichtiger waren als höfische Repräsentation. Wohl auch deshalb gab es Konflikte mit der Hofgesellschaft, seinen reaktionären Brüdern und seiner Frau.

Er besaß eine eher bürgerliche Natur und zog es vor, handwerklicher Arbeit nachzugehen. Er schmiedete, baute und reparierte Uhren, zeichnete Karten von Wäldern, Versailles und Vorlagen zu verschiedenen technischen Armaturen, ohne auf die höfische Etikette Rücksicht zu nehmen. Während er sich selbst jeder Art von Ausschweifung, ja selbst kostspieliger Vergnügungen streng enthielt, gönnte er seiner Gemahlin und den königlichen Prinzen einen Aufwand, welcher um so weniger in der Ordnung war, als der Zustand der Finanzen mit jedem Jahre schlechter wurde.[3]

Er interessierte sich für Geschichte, Seefahrt und Geographie, verstand Englisch (er ließ sich englische Zeitungen zusenden), Deutsch und Spanisch. Zu seinen Leidenschaften gehörte die Jagd. Er liebte Statistiken und führte exakt Tagebuch über die täglichen Jagdergebnisse. Dazu zwei Beispiele, die zu Irritationen führen können: Im Jagdtagebuch stand nach der Hochzeitsnacht die lakonische Bemerkung: „Rien“ („Nichts“). Diese bezog sich nicht wie anzunehmen auf den Nichtvollzug der Ehepflicht in dieser Nacht. Am Tag des Sturms auf die Bastille notierte er ebenfalls „Rien“, was nicht hieß, er hätte damit das Ereignis nicht zur Kenntnis genommen. Die Ehe Ludwigs und Marie Antoinettes litt unter der Gegensätzlichkeit ihrer Charaktere. Es dauerte sieben Jahre, bis das junge Paar Nachwuchs erwartete – was jedoch nicht damit gleichzusetzen ist, dass das Paar in dieser Zeitspanne keinen Versuch unternommen hätte. Denn Versuche gehen eindeutig aus den Briefen Marie Antoinettes hervor. Sie schrieb am 17. Juli 1773 nach der Rückkehr aus Compiègne: „Dieser Umstand hat wohl das Gerücht aufkommen lassen, dass er mich öffentlich geküßt hat, obwohl das nicht richtig ist; doch ist meine treue Mama sehr im Irrtum zu glauben, dass er seit meiner Ankunft nicht getan hat; im Gegenteil, seit langem bemerkt jedermann seine Zuneigung zu mir. Ich kann wohl Ihnen, meine treue Mama, und nur Ihnen allein anvertrauen, dass meine Angelegenheiten, seitdem wir hier (Versailles) sind, sich gut entwickelt haben und ich die Ehe für vollzogen halte; wenn auch noch nicht in dem Maße, um schwanger zu sein. Aus diesem Grund allein will der Herr Dauphin noch nicht, dass man es weiß. Welches Glück, wenn ich im Monat Mai ein Kind hätte! Was meine Regel betrifft, habe ich sie noch immer stark und gut, und Sie können mir glauben, dass ich zu dieser Zeit nicht reite.“[8]

Seine hohe Auffassung von seiner königlichen Stellung und auch sein religiöses Gewissen brachten ihn in Konflikt mit der Revolution. Mit der Rolle eines konstitutionellen Monarchen, die ihm in der neuen Verfassung vom 3. September 1791 zugedacht war, vermochte er sich nicht abzufinden.

In seiner Regierungszeit wurde kein politisches Todesurteil ausgesprochen. Ludwig XVI. war kein Unterdrücker, sondern der liberalste aller Bourbonenkönige. Er setzte viele Reformen durch, aber bei der Finanzreform scheiterte er am Widerstand der privilegierten Stände.

Ludwig erfuhr am 17. Januar 1793 von seinem Todesurteil. Er reagierte mit Gelassenheit, betete und sprach seiner Familie Trost zu. Auch bei seiner Hinrichtung am 21. Januar 1793 wird dem König Souveränität bescheinigt. Er betonte in einer letzten kurzen Ansprache nochmals seine Unschuld.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vincent Cronin: Ludwig XVI. und Marie-Antoinette. Eine Biographie. Claassen, Düsseldorf 1975, ISBN 3-546-41968-5.
  • Bernard Fay: Ludwig XVI. – Der Sturz der französischen Monarchie. Wilhelm Heyne, München 1989, ISBN 3-453-03033-8.
  • John Hardman: The Life of Louis XVI. Yale University Press, New Haven 2016.
  • Peter Klaus Hartmann: Ludwig XVI. 1774–1789/92. In: Peter Klaus Hartmann (Hrsg.): Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498–1870. 2. Auflage. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54740-0, S. 272–307.
  • David P. Jordan: The King's Trial. The French Revolution vs. Louis XVI. University of California Press, Berkeley 1979, ISBN 0-520-03684-0.
  • Evelyne Lever: Ludwig XVI. Klett-Cotta, Stuttgart 1988, ISBN 3-608-93102-3.
  • Angela Taeger: Ludwig XVI. (1754–1793). Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018475-X.
  • Evelyne Lever: Marie Antoinette. Eine Biographie. Weltbild Verlag, 1995, ISBN 3-89350-948-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludwig XVI. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Evelyne Lever: Biographien zur Französischen Revolution, Ludwig XVI. Klett-Cotta, Stuttgart 1988.
  2. Ludwig. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 10, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 971.
  3. a b c Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838, S. 776–777.
  4. Peter Cl. Hartmann: Die französischen Könige und Kaiser der Neuzeit 1498–1870. Ludwig XVI. C. H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54740-0, Seitenzahl fehlt.
  5. Albert Soboul: Die Große Französische Revolution. Ein Abriß ihrer Geschichte (1789–1799). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, S. 249.
  6. Hans-Ulrich Thamer: Die französische Revolution. Verlag C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-50847-2. Seitenzahl fehlt.
  7. Vincent Cronin: Ludwig XVI. und Marie-Antoinette – Eine Biographie. Claassen, Düsseldorf 1974, Zitat- Kapitel III. Die unmögliche Heirat, Absatz 22–30, S. 56.
  8. Vincent Cronin: Ludwig XVI. und Marie-Antoinette - Eine Biographie. Claassen, Düsseldorf 1974, S. 550, Absatz 18–29.
Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig XV. Blason France moderne.svg
König von Frankreich und Navarra

1774–1791/92
(Amt suspendiert)
Konstitutionelle Monarchie
(Amt geschaffen)
Absolutistische Monarchie
Flag of France (1790-1794).svg
König der Franzosen

1791–1792
(Amt suspendiert)
Nationalkonvent
Ludwig XV. Coat of arms of Andorra.svg
Kofürst von Andorra

1774–1792
Napoleon I.
Ludwig XV. Blason France moderne.svg
Oberhaupt des Hauses Bourbon

1774–1793
Ludwig XVII.
Louis I. de Bourbon, duc d’Orléans Grandes armes OSLJ.svg
Großmeister des Lazarusordens

1757–1773
Ludwig XVIII.