Schadenfreude

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Als Schadenfreude (selten auch Schadensfreude) wird die Freude über das Missgeschick oder Unglück anderer [1] bezeichnet. Sie kann versteckt als heimliche Schadenfreude empfunden werden oder sich als offene Schadenfreude (Hohn, Spott, Ironie, Häme, Sarkasmus) zeigen. Bei der offenen Schadenfreude wird diese Emotion dem „Verursacher“ direkt mitgeteilt.

Schadenfreude scheint eine dominante Rolle beim Erhalt von Gerechtigkeit und der Bestrafung von Normverstößen in menschlichen Gesellschaften zu spielen. In vielen Religionen und Wertesystemen wird sie jedoch geächtet.

Es werden geschlechterspezifische Unterschiede in Entstehung und Motivation angenommen.[2]

Das Wort Schadenfreude in einem englischen Text

Das Wort „Schadenfreude“ existiert als deutsches Lehnwort im Englischen, Französischen, Italienischen, Spanischen, Portugiesischen und Polnischen.

Schadenfreude als Spielgedanke[Bearbeiten]

Häme und Schadenfreude auch in Spielformen auszutragen, gehört zum traditionellen Spielen bei Kindern wie Erwachsenen.[3] Dabei wird in der Spielpädagogik zwischen harmlosen Scherzspielen wie dem Schwarzer-Peter-Spiel oder den belustigenden Irreführungen zum 1. April und die Psyche der Spielenden gravierender belastenden Spielformen unterschieden. Letztere, die mitunter auch in Fernsehshows zur Unterhaltung der Zuschauer dargeboten werden, sind in der Regel mit Demütigungen des verlierenden Mitspielers verbunden und können vor allem bei Kindern und sensiblen Erwachsenen erhebliche Konsequenzen für die Spiellust und das Verhältnis zu den Mitspielern haben.[4][5] Warwitz / Rudolf lassen in einer Pro- und Contra-Diskussion die Argumente von Befürwortern und Gegnern dieser im pädagogischen Bereich umstrittenen Spielgattung zu Wort kommen.[6]

Schadenfreude in Literatur und Kunst[Bearbeiten]

Wilhelm Busch: Das Hämespiel mit Witwe Bolte.

Wilhelm Busch (1832–1908) gilt mit seinen bis ins Groteske und Makabre reichenden berühmten Bildergeschichten als Meister der Darstellung von Häme und Schadenfreude.[7] Er verleiht seinen Figuren in Text und Bild sadistische Züge, die sich an Menschen und Tieren ausleben. Die größte Verbreitung haben die Bildergeschichten um die Streiche der Lausbuben Max und Moritz gefunden, die wegen ihrer menschenverachtenden und tierquälerischen Handlungen als Kinderliteratur in der heutigen Pädagogik stark umstritten sind:[8]

Die Mitbewohner der Umgebung werden nach und nach alle Opfer der sehr grausamen Einfälle von Max und Moritz. Die Hühner der Witwe Bolte strangulieren die beiden in einem Fadenspiel und angeln sie ihr anschließend auch noch aus der Bratpfanne. (Siehe Bild) Den Schneider Böck locken sie mit Schmährufen über einen Holzsteg, den sie zuvor angesägt haben, so dass er in den Bach fällt und fast ertrinkt. Dem Dorfschullehrer Lämpel füllen sie seine Tabakpfeife mit Schwarzpulver und provozieren so eine Explosion, die schwerste Verbrennungen zur Folge hat. Doch auch die streichlustigen Übeltäter entkommen nicht der Schadenfreude der Erwachsenen. Aus Versehen in die Mehlkiste und dann in eine mit Teig gefüllte Form gefallen, verbackt sie der Bäcker im Ofen zu Brezeln. Ihr unseliges Ende erwischt die beiden jedoch erst beim siebten Streich, indem sie der Bauer Mecke zur Mühle bringt, wo sie zusammen mit seinem Getreide zermahlen und schließlich als Entenfutter verzehrt werden. (Siehe Bild)

Nach dem schmählichen Ende der beiden Übeltäter ergehen sich die geschädigten Erwachsenen nicht minder in Schadenfreude und Genugtuung:[9]

Wilhelm Busch: Meister Müller und der schadenfrohe Bauer Mecke
Witwe Bolte, mild und weich,
sprach: „Sieh da, ich dacht es gleich!“
„Ja, ja, ja!“ rief Meister Böck,
„Bosheit ist kein Lebenszweck!“
Drauf, so sprach Herr Lehrer Lämpel:
„Dies ist wieder ein Exempel!“
„Freilich!“ meint der Zuckerbäcker,
„Warum ist der Mensch so lecker!“
Selbst der gute Onkel Fritze
sprach: „Das kommt von dumme Witze!“
Doch der brave Bauersmann
dachte: „Wat geiht meck dat an?!“
Kurz im ganzen Ort herum
ging ein freudiges Gebrumm:
„Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei
mit der Übeltäterei!!“

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Bilstein, Matthias Winzen, Christoph Wulf (Hrsg.): Anthropologie und Pädagogik des Spiels (= Pädagogische Anthropologie. Bd. 15). Beltz, Weinheim u. a. 2005, ISBN 3-407-32064-7.
  • Wilhelm Busch: Max und Moritz, eine Bubengeschichte in 7 Streichen. 1. Auflage. Braun und Schneider, München 1865, (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv).
  • Wilhelm Busch: Max und Moritz, eine Bubengeschichte in 7 Streichen. Vollständig überarbeitete und illustrierte Ausgabe speziell für digitale Lesegeräte. 2. Auflage. Null Papier Verlag, Neuss 2011, ISBN 978-3-943466-20-1.
  • Roger Caillois: Die Spiele und die Menschen. Maske und Rausch (= Ullstein 35153). Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1982, ISBN 3-548-35153-0.
  • Wolfgang Einsiedler: Das Spiel der Kinder. Zur Pädagogik und Psychologie des Kinderspiels. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1999, ISBN 3-7815-0977-X.
  • Rolf Oerter: Psychologie des Spiels. 2., neu ausgestattete Auflage. Beltz u. a., Weinheim 1997, ISBN 3-621-27377-8.
  • Anita Rudolf, Siegbert Warwitz: Spielen – neu entdeckt. Grundlagen – Anregungen – Hilfen (= Herderbücherei. Bd. 952). Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1982, ISBN 3-451-07952-6.
  • Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 3., aktualisierte Auflage. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2014, ISBN 978-3-8340-1291-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schadenfreude – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wikiquote: Schadenfreude – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schadenfreude. Wissen Media Verlag.
  2. Tania Singer, Ben Seymour, John P. O'Doherty, Klaas E. Stephan, Raymond J. Dolan, Chris D. Frith: Empathic neural responses are modulated by the perceived fairness of others. In: Nature. Bd. 439, Nr. 7075, 2006, S. 466–469, doi:10.1038/nature04271.
  3. R. Caillois: Die Spiele und die Menschen. 1982.
  4. Anita Rudolf, Siegbert A. Warwitz: Was Spielen bewirken kann. In: A. Rudolf, S. Warwitz: Spielen – neu entdeckt. 1982, S. 40–45.
  5. W. Einsiedler: Das Spiel der Kinder. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. 1999.
  6. Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Hämespiele. In: S. A. Warwitz, A. Rudolf: Vom Sinn des Spielens. 3., aktualisierte Auflage. 2014, S. 152–160.
  7. Wilhelm Busch: Max und Moritz, eine Bubengeschichte in 7 Streichen. 1. Auflage. Braun und Schneider, München 1865.
  8. Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Umstrittene Spielformen. In: S. A. Warwitz, A. Rudolf: Vom Sinn des Spielens. 3., aktualisierte Auflage. 2014, S. 126–160.
  9. Wilhelm Busch: Max und Moritz, eine Bubengeschichte in 7 Streichen. 2. Auflage. 2011.