Schaumburger Hof

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Ansicht von der Rheinseite
Ansicht aus Nord-Ost

Der Schaumburger Hof ist eine Gaststätte in einem Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert in Plittersdorf, einem Ortsteil des Bonner Stadtbezirks Bad Godesberg. Er liegt am Ufer des Rheins gegenüber dem Siebengebirge. Der Schaumburger Hof steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. März 1755 legte der Weinbauer und Landwirt Peter Joseph Rhein neben einem Leinpfad den Grundstock zu Godesbergs ältester Gaststätte. Auf Peter Joseph Rhein folgte dessen Sohn Peter Rhein der Jüngere mit seiner Frau, die das Gasthaus bis 1815 führten und dann an ihre Tochter Agnes abtraten. Agnes heiratete 1820 Henry Mundorf, der eine Renovierung des Gasthauses vornahm. Mit dem Anfang des 19. Jahrhunderts auftretenden Aufkommen der Dampfschiffe erledigte sich die Notwendigkeit des Treidelns, was das damals „Unter den Linden“ genannte Gasthaus seiner Stammkundschaft, den Halfen beraubte. Durch die Kunstströmung der Romantik und das einsetzende Biedermeier gewann die Familie aber neue Kundschaft durch die schnell wachsende Bonner Universität, deren Studenten und Professoren auf der Terrasse des Gasthauses den Blick auf das auf der anderen Rheinseite liegende Siebengebirge genossen. In einem Werbebrief schrieb Mundorf damals:

„Dem Publikum diene hiermit zur Nachricht, dass in diesem Hause die Fremden, welche dasselbe mit ihrem Zuspruch beehren, sich sowohl in Ansehnung der ausnehmend schönen Lage des Hauses als auch der Bequem- und Niedlichkeit der durchaus mit neuen Möbeln versehenen Logis einen angenehmen Aufenthalt versprechen können.“[2]

Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha begegnete 1839 „Unter den Linden“ Victoria, der Königin Englands, die er 1840 heiratete. Karl Simrock, Paul Heyse, Ferdinand Freiligrath, Emanuel Geibel, Ernst Moritz Arndt, Friedrich III., Annette von Droste-Hülshoff, Adele Schopenhauer, Sibylle Mertens-Schaaffhausen, Friedrich Nietzsche und Alexander von Humboldt stiegen ebenfalls dort ab, wie eine Tafel am Gebäude verkündet. Auch die literarische Gruppe Maikäferbund hielt hier ab 1842 ihre Treffen ab.[3] Die Umbenennung zum „Schaumburger Hof“ erfolgte nach 1900 zu Ehren des Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe, der während seiner Dienstzeit bei dem Bonner Husarenregiment das Gasthaus oft besuchte.

Auch in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland spielt das Haus eine Rolle. Am 5. September 1948 tagte im Schaumburger Hof der Parlamentarische Rat, um über die Verfassung der Bundesrepublik zu debattieren. Eine Gruppe von FDP-Abgeordneten hielt im Schaumburger Hof verschiedene Treffen ab. Die Gruppe wurde nach dem Ort der Veranstaltung als „Schaumburger Kreis“ bezeichnet. Der nordrhein-westfälische Staatssekretär Hermann Wandersleb übernachtete zwischen 1948 und 1950 vor, während und nach seiner Zeit als Leiter des Büros Bundeshauptstadt 660 mal im Schaumburger Hof.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Georg Wendl: Am „Silberblick des Rheines und des Siebengebirges“: 250 Jahre „Schaumburger Hof“ in Plittersdorf. In: Godesberger Heimatblätter: Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, ISSN 0436-1024, Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e. V., Heft 42/2004, S. 21–27. [noch nicht für diesen Artikel ausgewertet]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schaumburger Hof – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, Nummer A 1872
  2. Wolfgang Guting: Wandlung einer Schifferkneipe. In: kultur-in-bonn.de. 30. März 2009, abgerufen am 24. Juli 2017.
  3. Carl A. Kellermann: Das Gretchen von Plittersdorf. Der Lindenwirtin Töchterlein. Karl Rohm Verlag, Lorch 1934, S. 46–51.
  4. Helmut Vogt, Stadtarchiv der Stadt Bonn (Hrsg.): „Der Herr Minister wohnt in einem Dienstwagen auf Gleis 4“: Die Anfänge des Bundes in Bonn 1949/50, Bonn 1999, ISBN 3-922832-21-0, S. 40–41.

Koordinaten: 50° 41′ 52,3″ N, 7° 10′ 4,2″ O