Schleuse Anderten

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Schleuse Anderten
Luftaufnahme der Schleuse Anderten

Luftaufnahme der Schleuse Anderten

Lage
Schleuse Anderten (Niedersachsen)
Schleuse Anderten
Koordinaten 52° 21′ 37″ N, 9° 51′ 53″ OKoordinaten: 52° 21′ 37″ N, 9° 51′ 53″ O
Land: DeutschlandDeutschland Deutschland / Niedersachsen
Ort: Hannover
Gewässer: Mittellandkanal
Gewässerkilometer: km 174,24
Daten
Eigentümer: Bundesrepublik Deutschland
Zuständiges WSA: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal
Bauzeit: 1919 – 1928
Betriebsbeginn: 20. Juni 1928
Schleuse
Typ: Doppelschleuse / Sparschleuse
Kategorie: Vb
Wird gesteuert von: Leitzentrale Hannover
Nutzlänge: 214 m
Nutzbreite: 2 * 11,6 m
Höhe Oberwasser: 65 m
Durchschnittliche
Fallhöhe:
14,7 m
Obertor: Klapptor
Untertor: Hubtor
Sonstiges
Stand: 2020

Die Schleuse Anderten, auch als Hindenburgschleuse bekannt, in Hannover-Anderten überwindet einen Höhenunterschied von 14,70 m zwischen der Westhaltung und der Scheitelhaltung des Mittellandkanals. Sie war zum Zeitpunkt ihrer Einweihung im Jahr 1928 die größte Binnenschleuse Europas.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul von Hindenburg und Gustav Noske vor dem Schleusenmodell am Eröffnungstag 1928

Nach Aufnahme des Schifffahrtsbetriebs im Jahr 1916 auf dem Mittellandkanal vom „Nassen Dreieck“ (Abzweigung vom Dortmund-Ems-Kanal bei Bergeshövede) bis zum Misburger Hafen begann 1919 östlich von Hannover im damals noch selbständigen Dorf Anderten der Bau der größten Binnenschleuse Europas. Nach den Ausbaggerungsarbeiten folgte 1924 der Baubeginn der eigentlichen Schleuse, die am 20. Juni 1928 durch Reichspräsident von Hindenburg eröffnet wurde. Gleichzeitig konnte der Schiffsverkehr im weiteren Verlauf des Mittellandkanals bis Peine und auf dem Stichkanal Hildesheim freigegeben werden. Die Schleuse trug zu Ehren des Reichspräsidenten den Namen Hindenburgschleuse.

Mitte der 1960er Jahre wurde die Straßenbrücke im Verlauf der B 65 über die Oberhäupter der Schleuse durch zwei neue Brücken südlich des Schleusenbereichs ersetzt. 2003 wurde eine weitgehende Automatisierung der Schleuse beschlossen, durch die der Schleusungsvorgang auf zehn Minuten verkürzt werden soll.

Jährlich werden bis zu 22.000 Schiffe durch die 225 Meter langen Schleusenkammern geführt. Die nächste Schleuse am östlichen Ende der Scheitelhaltung des Mittellandkanals, in Richtung Elbe ist die Schleuse Sülfeld vor Wolfsburg, die die Schiffe um 9 m absenkt. Zuständig für den Betrieb und die Unterhaltung der Schleuse Anderten war das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Braunschweig, das mit der Reform bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal aufgegangen ist.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einweihung der Schleuse am 20. Juni 1928

Jahrzehntelang wurde die Schleuse allgemein als Hindenburgschleuse bezeichnet. Der Bund als Eigentümer der Wasserstraße verwendet auf der Homepage der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung den Namen "Schleuse Anderten",[1] während auf der offiziellen Homepage der Stadt Hannover der Begriff "Hindenburgschleuse" zu finden ist.[2] Im Bereich der Schleuse gibt es die Straße "Zur Hindenburgschleuse". 2014 berief die Stadt Hannover eine Kommission zur Überprüfung, ob es bei Personen als Namensgeber für Straßen „eine aktive Mitwirkung im Nazi-Regime oder schwerwiegende persönliche Handlungen gegen die Menschlichkeit gegeben hat“. Er regte die Umbenennung der nach Hindenburg benannten Straße an. Nach der Darstellung dieses Beirats habe Hindenburg „Hitler den Weg zur Macht geebnet und alle politischen Maßnahmen Hitlers mitgetragen“. Dies könne auch nicht dadurch relativiert werden, dass Hindenburg „nicht mehr Herr seiner Entscheidungen“ gewesen sei, denn diese Thesen seien widerlegt.[3][4]

Allerdings wurde noch keine Umbenennung vorgenommen, da die Empfehlung der Kommission nicht bindend ist, und es Widerstand in der Bevölkerung gegen die zahlreichen Umbenennungsempfehlungen gibt.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitraffer-Darstellung einer Schleusung ausgehend vom Unterwasser

Die Schleuse wurde als Schleppzugschleuse geplant und wegen der Hubhöhe von 14,7 Meter als Sparschleuse ausgelegt, um den Schleusenverlust gering zu halten. Als Doppelschleuse verfügt sie über zwei Schleusenkammern mit einer Länge von jeweils 225 Meter und einer Breite von 12 Meter. Die Drempeltiefe beträgt 3,5 Meter. Die Schleusenkammern werden im Unterhaupt mit 86 Tonnen schweren Hubtoren und im Oberhaupt mit 20 Tonnen schweren Klapptoren verschlossen. Für einen Füllvorgang, der circa 15 Minuten dauert, werden 40.000 Kubikmeter Wasser benötigt. Wegen der beschränkten Platzverhältnisse wurden statt offener Sparbecken geschlossene Sparkammern gewählt. Sie liegen beidseits in den verbreiterten Schleusenkammermauern auf ganzer Kammerlänge und auf fünf Ebenen übereinander, und zwar 2 × 25 Becken je Schleusenkammer. Jede dieser Ebenen wird über fünf Zylinderschütze befüllt oder geleert, so dass im Falle des Defekts eines Schiebers der Schleusengang zwar etwas länger dauert, insgesamt aber etwa die gleiche Menge Wasser in die Sparbecken gelangen kann. Die Schieber der Sparbecken werden über Schieberhäuschen (auf dem Foto gut als Türme zu erkennen) gesteuert. Sechs leistungsstarke Pumpen in einem Pumpenhaus sorgen dafür, dass rund 30 Prozent des Schleusungswassers (10.500 Kubikmeter Verlustwasser), die während einer Schleusung vom Oberwasser in das Unterwasser gelangen, zurückgepumpt werden.[5]

Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Goetzcke: Die Hindenburgschleuse in Anderten am Mittellandkanal. In: Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 72. Jahrgang, Nr. 41 (13. Oktober 1928), S. 1457–1464.
  • Reichsverkehrsministerium (Hrsg.): Der Mittellandkanal, Volk und Reich Verlag, Berlin 1938.
  • Waldemar R. Röhrbein: Hindenburg-Schleuse In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 296.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schleuse Anderten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Braunschweig: Schleuse Anderten, abgerufen am 3. Oktober 2015.
  2. Ausflugstipps auf Hannover.de: Station 1 – Hindenburgschleuse Anderten, abgerufen am 3. Oktober 2015.
  3. Diese zehn Straßen sollen umbenannt werden. In: Onlineausgabe Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. Oktober 2015, abgerufen am 3. Oktober 2015.
  4. Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. Oktober 2015, S. 18.
  5. Schleuse Anderten Lexikon auf schiffundtechnik.com, abgerufen am 1. April 2021.