Schloss Frohsdorf

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Schloss Frohsdorf in der Marktgemeinde Lanzenkirchen
Nebengebäude im Schloss Frohsdorf

Das Schloss Frohsdorf ist eine schlossähnliche Anlage in Lanzenkirchen in Niederösterreich. Der repräsentative zweieinhalbgeschoßige vierflügelige Bau ist von den Resten eines Wassergrabens umgeben. Der barocke Garten, darin ein Theaterbau, und der Landschaftspark dokumentieren trotz mehrerer Umgestaltungen die adelige Gartenkultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Anlage einschließlich der Wirtschaftsgebäude steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde im Jahre 1158 urkundlich als Chrotendorf (Krötendorf) erwähnt und gehörte bis 1403 zu Stift Göttweig. Der Krotenhof, ein Vorgängerbau des Schlosses, wurde 1514 an Matthias Teufel verkauft, die Türken brannten den Hof im Jahre 1529 nieder. Unter Christoph Teufel (* in Frohsdorf; † 1570) erfolgte 1547–1550 auf den Resten des Krotenhofs der Umbau zum bewehrten Renaissanceschloss. Teufel wurde später Verordneter des niederösterreichischen Ritterstandes.

Um 1600 gelangte das Schloss in den Besitz der Familie Hoyos, unter Johann Balthasar jun. Hoyos wurde das mit 1661 beurkundete barocke Gartentheater (Lage) erbaut und die Anlage 1663 mit Palisaden, Graben und Spanischen Reitern befestigt. Trotzdem wurde das Schloss im Jahre 1683 im Zuge der Zweiten Wiener Türkenbelagerung erneut verwüstet. Von 1706 bis 1718 wurde das Schloss unter Ernst Ludwig Hoyos im barocken Stil neugestaltet. Ende des 18. Jahrhunderts erhielt das Gebäude eine klassizistische Fassade und der Landschaftspark wurde angelegt. 1809 wurde das Schloss von der französischen Armee besetzt und geplündert.

1817 kaufte Caroline Murat, die Schwester Napoléons, das Schlossgut zu einem hohen Preis. Die Ex-Königin von Neapel nannte sich im Exil „Gräfin von Lipona“ und bewohnte das Schloss mit ihrem zweiten Ehemann, dem General Macdonald. 1828 kaufte es Alexander Ritter von Yermoloff, ein pensionierter russischer General.

Henri d’Artois, Herzog von Bordeaux, Graf von Chambord (1820-1883)

1839 erwarb der Hofminister von König Karl X. von Frankreich und überzeugte Royalist, Herzog Pierre-Louis de Blacas d’Aulps, das Gut. Er vererbte es 1844 dem französischen Thronprätendenten Henri d’Artois, Herzog von Bordeaux und Graf von Chambord. Dieser stellte es zunächst seiner im selben Jahr verwitweten Tante Marie Thérèse Charlotte de Bourbon, Herzogin von Angoulême, der ältesten Tochter Ludwigs XVI. von Frankreich und Marie Antoinettes von Österreich, zur Verfügung und bezog es nach deren Tod 1851. Er war das im Exil lebende letzte Oberhaupt der französischen Hauptlinie der Bourbonen und der Thronwunschkandidat der legitimistischen Partei in Frankreich. Er ließ die Schlosskapelle neu ausstatten. 1873 kam es auf dem Schloss zu einem historischen Treffen zwischen ihm und seinem entfernten Vetter Louis Philippe Albert d’Orléans, comte de Paris, dem Enkel des letzten französischen Königs Ludwig Philipp und Thronprätendenten der Orléanisten. Der Versuch zu einem Ausgleich zwischen den beiden Bourbonenlinien scheiterte jedoch an Henris legitimistischer Haltung, was dazu beitrug, die angestrebte Wiedereinführung der Monarchie in Frankreich zu verhindern. 1886 erbte Don Jaime von Bourbon, Herzog von Madrid, Infant von Spanien, das Schloss (nebst den französischen legitimistischen Thronansprüchen). Ihm folgte 1931 seine Schwester, Prinzessin Beatrice Massimo. 1941 übergab sie das Gebäude an die Deutsche Reichspost, behielt aber das Restgut (300 ha Wald) mit dem Jagdhaus, das ihre Tochter Blanca Wurmbrand-Stuppach geb. Massimo erbte.

1945 wurde das Schloss als deutsches Eigentum beschlagnahmt und von der sowjetischen Besatzungsmacht verwüstet. 1955 wurde es der Österreichischen Postverwaltung übergeben und zwischen 1961 und 1968 restauriert. 1970 brannte ein Teil des Dachstuhls ab, das Dach wurde danach wiederhergestellt. 2004 schließlich kam Schloss Frohsdorf in den Besitz von Christian Baha.[1][2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau. Teil 1, A bis L. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-364-X, S. 459–461.
  • Georg Clam Martinic: Österreichisches Burgenlexikon. Schlösser, Burgen und Ruinen. A & M, Salzburg 2007, ISBN 3-902397-50-0, S. 122.
  • Ralf Gröninger: Bericht zur Bauforschung in Schloss Frohsdorf (Niederösterreich). Frankfurt a. M. 2009 (online).
  • Laurin Luchner: Schlösser in Österreich. Erster Band. Wien, Niederösterreich, Burgenland. C. H. Beck, München 1978, ISBN 3-406-04507-3, S. 288.
  • Hilmar Schmitt, Karl Heinz Ritschel: Österreich, Schlösser, Burgen, Klöster. Ringier, München/Zürich 1981, ISBN 3-85859-148-3, S. 113.
  • Gerhard Stenzel: Von Schloss zu Schloss in Österreich. Kremayr & Scheriau, Wien 1976, ISBN 3-218-00288-5, S. 174–175.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schloss Frohsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. History of Schloss Frohsdorf
  2. der Standard, abgerufen am 3. Dezember 2016

Koordinaten: 47° 44′ 41,3″ N, 16° 15′ 20,1″ O