Nozizeptor

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Ein Nozizeptor (von lat. nocere, ,schaden’) – auch als Nozisensor oder fälschlicherweise als Nozirezeptor bezeichnet – ist eine freie sensorische Nervenendigung, die eine Gewebeschädigung beziehungsweise Verletzung infolge thermischer, chemischer oder mechanischer Noxen in elektrische Signale (Aktionspotentiale) umwandelt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

freie Nervenendigung mit Varikosität und fenestrierter Schwann-Zelle

Entsprechend ihrem Axon­durchmesser und ihrer spezifischen Reaktionsbereitschaft lassen sich Nozizeptoren in drei Gruppen unterteilen: [1] [2]

  1. Mechanonozizeptoren, die auf starke, vor allem spitze Reize reagieren
  2. Polymodale Nozizeptoren, die zusätzlich auch auf Hitze und starke chemische Reize reagieren. Sie lassen sich in Abhängigkeit der Fasereigenschaften in A-polymodale-Nozizeptoren und C-polymodale-Nozizeptoren differenzieren.
  3. Stumme Nozizeptoren, in gesundem Gewebe nicht erregbare Nozizeptoren, deren Reizschwelle durch eine Entzündung auf ein besonders sensitives Niveau herabgesenkt wird.

Der erste Typ ist des Weiteren für die Auslösung von Erstem Schmerz und Schutzreflexen verantwortlich, wohingegen der zweite Typ den länger anhaltenden, verzögert auftretenden Schmerz (meist flächig brennend) charakterisiert.

Nozizeptoren liegen als freie Nervenendigungen in der Dermis. Freie Nervenendigungen zeichnen sich durch eine periphere Endverzweigung aus. Sie besitzen eine fenestrierte Ummantelung aus Schwann-Zellen und weisen zahlreiche Varikositäten (Auftreibungen) auf. Diese liegen meist in der Nähe von Blutgefäßen und Mastzellen. Teilweise dringen sie in die Epidermis ein. Sie sind für die Eigenschaften der Haut als Schutzhülle des Organismus von entscheidender Bedeutung.

Die Dichte der Nozizeptoren beim Menschen ist größer als die aller anderen Hautrezeptoren. Die Verteilung auf der Körperoberfläche ist relativ gleichmäßig. Darüber hinaus findet man Nozizeptoren auch in den Muskeln, im Bereich der Eingeweide und weiteren Stellen des Körperinneren. Beim menschlichen Körper finden sich in fast jedem Gewebe Nozizeptoren.

Ausnahmen bilden unter anderem Eingeweideorgane wie Gehirn, Leber, Lunge, Niere und Nebennieren, Schilddrüse, Pankreas und Milz aber auch Knorpel die zwar selbst überhaupt keine bzw. keine nennenswerte Anhäufung von Nozizeptoren besitzen, jedoch meist von ein oder mehreren schmerzempfindlichen Geweben oder Bindegewebskapseln umhüllt sind (z.B. die Hirnhäute und die Leberkapsel) von denen aus (teilweise enorme) Schmerzen entstehen können.[3][4][5][6]

Offenbar besteht eine Spezifität für thermische, mechanische bzw. chemische Reize. Für Säugetiere gilt es als erwiesen, dass Nozizeptoren durch sogenannte freie Nervenendigungen verkörpert werden. Die Erregung tritt jeweils bei hohen Reizintensitäten ein. Charakteristisch ist eine nur geringe oder fehlende Adaptation.

Substanzen, die Nozizeptoren aktivieren, nennt man algogen, diese Substanzen sind schmerzverursachend. Algogene Substanzen sind z. B. Serotonin, Bradykinin, Histamin sowie Kaliumionen und Leukotriene. In der Schmerzforschung wird auch Formaldehyd verwendet.[7][8][9]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nozizeptoren gehen in der embryonalen Entwicklung wie Nervengewebe generell aus dem Ektoderm hervor.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Flexikon: Nozizeption
  2. Nozizeption
  3. Susanne Geyer, Arthur Grabner: Die Tierarzthelferin: Lehrbuch und Leitfaden für die Ausbildung zur Tierarzthelferin und zum Tierarzthelfer. Schlütersche, ISBN 978-3-87706-586-0 (google.com [abgerufen am 7. Mai 2016]).
  4. Florian Lang, Philipp Lang: Basiswissen Physiologie. Springer-Verlag, ISBN 978-3-540-71402-6 (google.com [abgerufen am 7. Mai 2016]).
  5. Bernd Hartmann, Michael Spallek, Rolf Ellegast: Arbeitsbezogene Muskel-Skelett-Erkrankungen: Ursachen, Prävention, Ergonomie, Rehabilitation. ecomed-Storck GmbH, ISBN 978-3-609-16478-6 (google.com [abgerufen am 7. Mai 2016]).
  6. Grünwald Frank, Derwahl Karl-Michael: Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen: Ein Leitfaden für Klinik und Praxis. Lehmanns Media, 2014, ISBN 978-3-86541-538-7 (google.com [abgerufen am 23. Mai 2016]).
  7. Glossar, Universität Bern
  8. Peter Reuter: Springer Kompaktwörterbuch Medizin. Concise Medical Dictionary: Deutsch-Englisch. Springer, 2005. ISBN 3-540-23780-1, S. 724.
  9. Wolf Erhardt: Anästhesie und Analgesie beim Klein- und Heimtier sowie bei Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen. Schattauer Verlag, 2004, ISBN 3-794-52057-2, S. 405.