Gebärmutter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schematische Darstellung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane des Menschen: Gebärmutter (Uterus) mit Gebärmutterhals (Zervix), oben Eileiter und Eierstöcke (Ovarien), unten Vagina

Die Gebärmutter[1] oder medizinisch der Uterus (lat. uterus, matrix; griech. mētra, hystera, delphos) ist Teil der weiblichen Geschlechtsorgane, in dem sich die befruchteten Eizellen beziehungsweise die embryonalen Frühstadien (Blastozysten) einnisten und zum geburtsreifen Fötus heranreifen. Die Befruchtung findet hingegen im Eileiter statt. Die Gebärmutter ist durch eine ausgeprägte Muskelschicht außerdem an der Austreibung des Kindes unter der Geburt beteiligt. Sie reicht vom äußeren Muttermund bis zur Öffnung zum Eileiter und besteht aus drei Teilen: dem Gebärmutterhals, Isthmus und Gebärmutterkörper. Alle weiblichen Säugetiere sowie zahlreiche weitere lebendgebärende (vivipare) Wirbeltiere besitzen paarige oder unpaare Uteri.

Der Fachbegriff intrauterin bedeutet „innerhalb der Gebärmutter“. Das Gegenteil ist extrauterin.

Anatomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau und Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematischer Aufbau der Gebärmutter

Prinzipiell ist die Gebärmutter ein Hohlorgan, das einer auf dem Kopf stehenden Birne ähnelt. Sie ist ca. sieben Zentimeter lang, fünf Zentimeter breit, zwei bis drei Zentimeter dick und wiegt 30 bis 120 Gramm. Größe und Gewicht können jedoch erheblich schwanken. Die Gebärmutter besteht aus drei Teilen: Der unterste Teil ist der Gebärmutterhals (Cervix uteri); ihm schließt sich der Isthmus und der eigentliche Gebärmutterkörper (Corpus uteri) an. Der Gebärmutterhals umgibt den Gebärmutterhalskanal (Canalis cervicis), der mit dem äußerenm Muttermund (Ostium uteri externum) beginnt und mit dem inneren Muttermund (Ostium anatomicum uteri internum) endet. Der äußere Muttermund befindet sich an dem Teil des Gebärmutterhalses, der sich in die Scheide (Vagina) vorwölbt, dem Scheidenanteil des Gebärmutterhalses (Portio vaginalis uteri, oder kurz Portio). Der Teil des Gebärmutterhalses, der über dem Scheidenanteil sitzt, nennt man dagegen Portio supravaginalis uteri (deutsch etwa: Gebärmutteranteil über der Scheide). An dessen Ende befindet sich der innere Muttermund, der mit einem Durchmesser von zwei bis drei Millimeter die engste Stelle im Gebärmutterhalskanal ist. Der Gebärmutterhals ist dann über eine ebenfalls sehr enge Übergangszone mit dem Gebärmutterkörper verbunden. Diese Übergangszone heißt Isthmus uteri und wird eigentlich noch zum Gebärmutterhals gerechnet. Der Isthmus ist ca. fünf bis zehn Millimeter lang und umgibt in seinem Inneren den Isthmus-Kanal (Canalis isthmi). Der sich anschließende Gebärmutterkörper stellt mit zwei Dritteln den größten Teil der Gebärmutter dar. Das Lumen (Inneres) des Gebärmutterkörpers (Cavitas uteri) ist von vorne betrachtet etwa dreieckig mit zwei seitlichen Rändern (Margo uteri). Nach oben seitlich geht der Gebärmutterkörper in die Eileiter über und nach oben endet er mit der Gebärmutterkuppe (Fundus uteri). Betrachtet man den Uteruskörper jedoch von der Seite ähnelt er nur einem schmalen Spalt, da sich seine Vorder- und Hinterwand (Facies anterior und Facies posterior) aneinander legen.[2]

In der Seitenansicht wird die Nachbarschaft der Gebärmutter (Uterus) zu den benachbarten Organen Harnblase (Bladder) und Mastdarm (Rectum) deutlich.

Die Vorderwand der Gebärmutter liegt auf der benachbarten Harnblase, während die Hinterwand zum Mastdarm zeigt. Da das Bauchfell (Peritoneum) alle drei Organe überzieht, bilden sich bedingt durch die Lage der Organe zwei Bauchfellgruben: Eine zwischen Harnbalse und Gebärmutter (Excavatio vesicouterina) und eine zwischen Gebärmutter und Mastdarm (Excavatio rectourinaria). Die Grube zwischen Mastdarm und Gebärmutter wird auch als Douglas-Raum bezeichnet und bildet den tiefsten Raum der Bauchhöhle der Frau.[3] Darüber hinaus wird die Lage der Gebärmutter durch drei Begriffe wiedergegeben:

  • Winkel des Gebärmutterkörpers gegenüber dem Gebärmutterhals (Flexio): Normalerweise ist der Gebärmutterkörper gegenüber dem Gebärmutterhals leicht nach vorn geneigt (Anteflexio).
  • Winkel zwischen Gebärmutterhals und Scheide in der Klinik, oder gegenüber der vertikalen Körperachse in der Anatomie (Versio): Der Gebärmutterhals wiederum knickt gegenüber der Scheide oder der vertikalen Körperachse nach vorne ab (Anteflexio).
  • Lage der Portio im Becken (Positio): Die Portio vaginalis uteri befindet sich normalerweise in einer Ebene zwischen den beiden Sitzbeindörnern (Interspinalebene) und in der Mitte des Beckens.

Die genaue Lage der Gebärmutter variiert jedoch je nach Füllungszustand der umgebenden Organe, also Harnblase und Mastdarm. [4]


Die Blutversorgung des Organs erfolgt auf jeder Seite über die aus den inneren Beckenschlagadern (Arteria iliaca interna) abgehenden Gebärmutterarterien (Arteria uterina). Die Venen bilden ein weitmaschiges Netz in der Gebärmutterwand (Plexus uterinus), welches über die Vena uterina abfließt.[5]

Die arterielle Blutversorgung von Gebärmutter, Muttermund (Portio vaginalis uteri), Eileiter und Eierstock

Schichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Endometrium mit Drüsenöffnung einer Hündin, REM-Aufnahme. Auf der Oberfläche der Epithelzellen sind zahlreiche Mikrovilli zu sehen.

Die Gebärmutter ist, wie alle Hohlorgane, aus drei Schichten aufgebaut. Außen liegt das Perimetrium, ein glatter glänzender Überzug der Serosa. Den Hauptteil der Wand bildet eine Schicht aus glatter Muskulatur, das Myometrium. Die Innenauskleidung ist eine Schleimhaut, die als Endometrium bezeichnet wird. Die innere Höhle wird Cavum uteri genannt.

Zyklische Veränderungen des Endometriums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Endometrium lässt sich beim Menschen in ein Stratum basale (auch Basalis genannt) und ein Stratum functionale (auch Functionalis genannt) gliedern. Im Stratum functionale lässt sich außerdem ein zur inneren Höhle gelegene Stratum compactum und ein locker gebautes Stratum spongiosum einteilen. Das Stratum functionale wird im monatlichen Zyklus hormonell gesteuert auf- und abgebaut.

In der Proliferationsphase beginnt, gesteuert durch das Hormon Östrogen der Aufbau des Stratum functionale ausgehend vom Stratum basale. Es proliferieren die Drüsen und Arterien wachsen spiralförmig in die neu entstehende Schicht ein, man spricht von Spiralarterien.

Auf die Proliferationsphase folgt die Sekretionsphase, eingeleitet durch das Hormon Progesteron. Die Drüsen im Endometrium bekommen einen gezackten, sägeblattartigen Verlauf und die Drüsenzellen beginnen mit der Sekretion von Proteinen und Schleim. In der ersten Hälfte der Sekretionsphase ist bei Betrachtung in einem normalen mikroskopischen Präparat eine retronukleäre Vakuole in der unteren Zellhälfte unter dem Zellkern sichtbar. Dort befand sich, bevor das Gewebe fixiert wurde, Glykogen. Des Weiteren entstehen in der Umgebung der Arterien im Stratum compactum Prä-Dezidualzellen, Vorläufern von Dezidualzellen in der sich bei Einnistung eines Embryos bildenden Plazenta.

Kommt es in diesem Zeitraum nicht zur Befruchtung, folgt die Desquamationsphase, die durch sinkende Östrogen- und Progesteronspiegel ausgelöst wird. Die Spiralarterien kontrahieren, sodass es im Stratum functionale zur Ischämie kommt. Durch eine Entzündungsreaktion erfolgt der Abbau und die Ablösung dieser Schicht. [6]

Dann erfolgt bei Primaten die Monatsblutung (Menstruation). Nicht-Primaten zeigen ebenfalls zyklische Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut im Verlauf des Sexualzyklus. Eine Menstruation gibt es bei ihnen allerdings nicht.

Veränderungen des Endometriums in der Schwangerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Befruchtung und erfolgreichen Einnistung der befruchteten Eizelle (Zygote), genauer der Blastozyste, wächst die Gebärmutterschleimhaut weiter und stellt die Versorgung des heranwachsenden Embryos sicher. Nach der Geburt wird bei Primaten die Gebärmutterschleimhaut mit der Plazenta als Nachgeburt ausgestoßen.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größenveränderung während der Schwangerschaft

Die Gebärmutter entsteht entwicklungsgeschichtlich aus dem paarigen Müller-Gang, wobei linker und rechter beim Menschen und anderen Primaten zu einem einheitlichen Hohlorgan (Uterus simplex) verschmelzen.

Erfolgt diese Verschmelzung nicht komplett, ist dies die Ursache für verschiedene Uterusfehlbildungen. Eine ausbleibende Verschmelzung führt zur Doppelbildung der Gebärmutter, begleitet von einer Fehlbildung der Vagina mit Ausbildung einer Trennwand auch dort (Uterus duplex et vagina duplex). Ein unvollständiger Zusammenschluss (mit ausbleibender Verschmelzung des oberen Abschnitts der Müller-Gänge) führt zu einem Uterus bicornis („zweihörnige Gebärmutter“) mit einfach oder doppelt vorhandenem Muttermund sowie mit oder ohne Scheidenseptum. Der sogenannte Uterus arcuatus kann als abgeschwächte Form eines Uterus bicornis gesehen werden.

Die Gebärmutter ist präpubertär relativ klein, wird nach der Pubertät beim Menschen 5–10 cm groß und dehnt sich während der Schwangerschaft stark nach oben und zu den Seiten aus. Sie reicht am Ende der Schwangerschaft bis an die Rippen. Nach der Entbindung schrumpft sie wieder zusammen. Nach der Menopause wird sie nochmals kleiner.

Untersuchungen an Tier- und insbesondere Mausmodellen konnten aufzeigen, dass Transkriptionsfaktoren der HOX-Gen-Gruppen, hierbei speziell HOX A9, A10, A11 und A13, eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Urogenitaltrakts spielen. Es ließen sich die einzelnen HOX-Genabschnitte bestimmten morphologischen Strukturen zuordnen, so etwa dass HOX A10 für die Uterusentwicklung, HOX A11 für den kaudalen Uterus- und Zervix-Anteil, HOX A13 für die obere Vagina und HOX A9 für die Eileiterentwicklung verantwortlich sind.[7][8][9][10]

Gebärmutter der Nicht-Primaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den meisten Säugetieren verschmilzt während der fetalen Entwicklung nur ein Teil der Müller-Gänge zu einem kompakten Uteruskörper (Corpus uteri). Der bei den Tieren als der vordere Abschnitt bezeichnete Teil wird von vornherein paarig angelegt, was auch hier als Uterus bicornis („zweihörnige Gebärmutter“) bezeichnet wird. Einen solchen Uterus bicornis mit zwei Uterushörnern (Cornua uteri) besitzen beispielsweise alle Raub- und Huftiere.

Bei Hasenartigen, vielen Nagetieren, Riesengleitern, Beutelsäugern und Kloakentieren bleibt der gesamte Uterus paarig (Uterus duplex).

Bei Vögeln wird als „Uterus“ der Abschnitt des Oviductus bezeichnet, in dem die Kalkschale gebildet wird.

Mögliche Krankheitsanzeichen oder Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erkrankungen der Gebärmutter werden als Metropathien bezeichnet. Im Einzelnen versteht man darunter:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Gille: Weibliche Geschlechtsorgane. In: Franz-Viktor Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. 2., erweiterte Auflage, Enke, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1, S. 379–389.
  • Barbara Ehret-Wagener, Irene Stratenwerth, Karin Richte: Gebärmutter. Das überflüssige Organ? Sinn und Unsinn von Unterleibsoperationen (= rororo 9636). Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-499-19636-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gebärmutter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ältere Form: Bärmutter. Vgl. Hermann Paul et al.: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10., überarbeitete Auflage, Niemeyer, Tübingen 2002, ISBN 978-3-484-73057-1, S. 374.
  2. Gerhard Aumüller et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 719f
  3. Gerhard Aumüller et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 721
  4. Gerhard Aumüller et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 720
  5. Gerhard Aumüller et al.: Anatomie (= Duale Reihe.). Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-136042-7, S. 724.
  6. Ulrich Welsch: Lehrbuch Histologie. 3. Auflage, Elsevier, München 2010, ISBN 978-3-437-44431-9, S. 434-440.
  7. Abbildung über die Zuordnung der HOX-Gene zu den Urogentialabschnitten. Auf scienceblogs.com ; zuletzt abgerufen am 15. August 2015.
  8. Weibliche genitale Fehlbildungen. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), herausgebende Fachgesellschaft. AWMF-Register Nr. 015/052 Klasse: S1 + IDA, S. 4 (online).
  9. PZ Myers: Evolution of the mammalian vagina. vom 14. Januar 2007 Auf scienceblogs.com ; zuletzt abgerufen am 15. August 2015.
  10. Evolution des Urogentialtraktes. Auf scienceblogs.com ; zuletzt abgerufen am 15. August 2015.