Schweizer Brauerei-Verband

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Der Schweizer Brauerei-Verband (SBV, bis 2005 Schweizerischer Bierbrauerverein; französisch Association suisse des brasseries, italienisch Associazione svizzera delle birrerie, rätoromanisch Associaziun svizra da bierarias) ist der Interessenverband der schweizerischen Brauereibranche.

Organisation und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Verband gehören 20 schweizerische Brauerei-Unternehmen mit 25 Braustätten an (Stand Mai 2018). Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist ein Mindestausstoss von 2000 hl Bier pro Jahr. Die Geschäftsstelle des SBV befindet sich in Zürich.

Der SBV wahrt und fördert die beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder. Ferner fördert er die Rationalisierung im Braugewerbe durch Normierungen, Forschungen und Erfahrungsaustausch.

Oberstes Organ ist die Generalversammlung. Der Vorstand ist in seiner Zusammensetzung das Spiegelbild der Gesamtheit der Mitglieder, indem Gross-, Mittel- und Kleinbrauereien angemessen vertreten sind. Die Geschäftsführung besorgt ein vom SBV-Direktor geleitetes Sekretariat. Zur Behandlung spezieller Themen werden Kommissionen gebildet.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1877 bis 1935[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweizerische Bierbrauerverein wurde im Jahr 1877[1] mit einem Anfangsbestand von 92 Mitgliedern gegründet. Unter anderem sollte mit der Gründung eines gemeinsamen Vereins der Braumeister gegen die steigende Zahl der Bierimporte vorgegangen werden. So reichten die Mitglieder des SBV anlässlich der ersten Versammlung eine Petition beim Bundesrat ein, welche die Erhöhung des Eingangszolls auf ausländische Biere verlangte. Dieser Wunsch wurde auch alsbald umgesetzt. Die Anzahl der Mitglieder des SBV wuchs in den folgenden Jahren, sodass 1913 fast alle Schweizer Brauereien Mitglied im Verband waren. Die Brauereien nahmen unter anderem an den Landesausstellungen in Zürich (1883), Genf (1896) und Bern (1914) teil und demonstrierten mit Kollektivreklamen und Bierverkostungen ihre Leistungen.[2] Der Erste Weltkrieg hatte auch auf den Biermarkt einschneidende Auswirkungen. Der Ausstoss sank um mehr als zwei Drittel und über 30 Brauereien mussten den Betrieb einstellen. Zwecks Hilfsmassnahmen einigte sich die Bierbranche 1921 mit dem Wirteverein auf einen fünf Jahre dauernden Vertrag, der die Absatzstellen der Brauereien sichern sollte. In der Zwischenkriegszeit war der Import stark gesunken und machte weniger als ein Prozent des Schweizer Biermarktes aus. Zum Ärger des SBV wurden von den Mitgliedsbrauereien weiterhin ausländische Gattungsbezeichnungen wie Wiener, Dortmunder, Pilsner und Münchner Bier für die einheimischen Erzeugnisse verwendet. Aufgrund der marktwirtschaftlichen Schwierigkeiten investierten einige Brauereien in andere Betriebsfelder wie den Mineralwasser- oder Erfrischungsgetränkemarkt. Auch aufgrund des Bevölkerungswachstums erholte sich der Biermarkt in der Schweiz bis 1930.[3]

1935 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konvention der schweizerischen Brauereien, welche am 1. März 1935 in Kraft trat, war eine Zusammenfassung bereits bestehender Verträge in gestraffter Form. Das sogenannte Bierkartell sollte die Absatzverhältnisse regeln, ungesunde Wettbewerbsformen beseitigen, gute Verhältnisse zwischen den Marktbewerbern schaffen und so eine vernünftige Rationalisierung ermöglichen. Kartelle waren in der Zwischenkriegszeit für Wirtschaftsverbände keine Seltenheit. Durch diese Kooperationen erhoffte man sich in der Schweiz wirtschaftliche Besserung.[4] Die Brauereien hatten die Lehren aus dem Ersten Weltkrieg gezogen und der Biermarkt wurde demzufolge vom Zweiten Weltkrieg weniger stark gebeutelt.[5]

1945 bis 1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich der Biermarkt gut, trotzdem stieg die Produktion zuerst nur langsam, dann aber immer rascher und erreichte 1965 bereits die vierfache Menge von 1945.[5] 1971 war der Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht. Eine erste Konzentrationswelle unter den Brauereien führte Anfang der 1970er-Jahre zu einer geringeren Anzahl an Brauereien. Zwischen 1969 und 1974 sank die Zahl unabhängiger Unternehmen von 59 (mit insgesamt 60 Braustätten) auf 37 (mit 49 Braustätten).[6] Zu jener Zeit wurde die Konvention der Schweizer Brauereien bezüglich ausländischer Biere gelockert, so dass mehrere Brauereien ausländische Bierspezialitäten in ihr Sortiment aufnahmen. Die Nachfrage nach ausländischen Premium-Bieren stieg und Schweizer Brauereien versuchten solche Biere mit eigenen Produkten nachzuahmen.[2] Während der wirtschaftlichen Rezession in den 1970er-Jahren hatte das ausländische Billigbier im Wegwerfgebinde immer mehr Abnehmer gefunden. So sahen sich die Schweizer Brauereien im Zugzwang und mussten ihrerseits vermehrt Einwegflaschen einsetzen. In den Krisenjahren stoppten die Konzentrationsprozesse: Bis 1986 verschwand nochmals rund ein Drittel der Brauereien. Ebenfalls lief die Konvention der Schweizer Brauereien Ende 1991 nach den Austritten von Feldschlösschen, Hürlimann und Sibra aus.

Seit 1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Gründe waren unter anderem für den rasanten Rückgang des Pro-Kopf-Konsums Anfang der 1990er-Jahre verantwortlich: das gesteigerte Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung, die Aufhebung des Saisonnierstatuts 1991 und die damit verbundene Rückkehr der Saisonniers in ihre Heimatländer, verschärfte Arbeitssicherheitsbestimmungen, das Verschwinden der Stammtischkultur, das Bevölkerungswachstum und die steigende Vielfalt an Getränken. Ein Grund ist sicherlich auch, dass sich  die Schweizer Wirtschaft von 1990 bis 1996 in einer Krise befand. Erst steckte sie drei Jahre in einer Rezession, eine unüblich lange Zeit. Dann folgten drei weitere Jahre Stagnation. Die Arbeitslosenquote stieg auf fünf Prozent, die Zinsen waren sehr hoch. All diese Umstände lösten Unruhe und Hektik im Schweizer Biermarkt aus. Feldschlösschen, als grösste Brauerei der Schweiz, übernahm eine Mehrheit der Sibra-Gruppe und kam so auf einen Anteil von 50 Prozent am Schweizer Biermarkt. Heineken, welche schon seit den 1980er-Jahren im Biermarkt der Schweiz Fuss gefasst hatte, baute in den 1990er-Jahren den Importbierverkauf aus und kaufte zudem 1994 Calanda und Haldengut auf. Seit der turbulenten Zeit nach Auslaufen des Kartells und den nachfolgenden Zusammenschlüssen ist die aktuelle Bierlandschaft durch einen spielenden Wettbewerb gekennzeichnet. Der Kunde kann von einer grossen Vielfalt an Schweizer Bieren profitieren. Neben den bekannten grossen Brauereien finden kleine und mittlere Unternehmen ebenfalls die Möglichkeit, sich auf dem Markt erfolgreich zu positionieren. Namentlich seit dem Jahre 2000 kann eine starke Zunahme von Klein- und Kleinstbrauereien beobachten werden. Waren im Jahr 2000 noch 77 aktive biersteuerpflichtige Unternehmen in der Schweiz registriert, so ist ihre Anzahl bis 2010 auf 322 angestiegen. Diese Entwicklung explodierte förmlich in den letzten Jahren, so dass nach heutigem Stand (9. Juni 2017) 782 Brauereien in der Schweiz registriert sind.[7] Die 50 grössten Brauereien in der Schweiz stehen für über 99 Prozent des schweizerischen Bierausstosses. Jede von ihnen braut über 100‘000 Liter Bier pro Jahr. Ihnen gemeinsam ist, dass sie über professionelle Strukturen mit ausgebildeten Brauern (3-jährige Lehre zum Lebensmitteltechnologen Schwerpunkt Bier) und Braumeistern verfügen. Viele brauen seit Generationen und sind in Familienbesitz.[8]

Direktoren (Sekretäre) des SBV (in Klammern die jeweilige Amtsdauer)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Strelin (1877–1885), Brauerei Steinhof, Burgdorf
  • Adam Hafter (1885–1893), Brauerei Uetliberg, Zürich
  • Albert Hess (1893–1901), Brauerei Steinhölzli, Bern
  • Bernhard Füglistaller (1901–1908), Brauerei Warteck, Basel
  • K. Meyer (1908–1914)
  • Fritz Fick (1914–1916)
  • Jakob Vetsch (1916–1922)
  • J. Tinner (1922–1951)
  • Albert Hauser (1951–1966)
  • Martin Wehrli (1966–1983)
  • Konrad Studerus (1983–2008)
  • Marcel Kreber (seit 2008)

Präsidenten des SBV (in Klammern die jeweilige Amtsdauer)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottfried Feller (1877–1893)
  • Carl Habich-Dietschy (1893–1901)
  • Albert Hürlimann (1901–1908)
  • Fritz Weber (1908–1918)
  • Carl Habich-Schilplin (1918–1922)
  • Adolf Roniger (1922–1949)
  • Heinrich Hürlimann (1949–1958)
  • Walter Dubach (1958–1970)
  • Martin Hürlimann (1970–1979)
  • Werner Kim (1979–1983)
  • Jean-Baptiste Würsdorfer (1983–1985)
  • Alexander Peter Füglistaller (1985–1997)
  • Hans-Ulrich Leupin (1997–2003)
  • Alfred J. Bucher (2003–2007)
  • Markus Zemp (seit 2007)

Bierorden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Orden wurde 1972 unter dem Patronat des SBV gegründet. Es handelt sich dabei nicht um einen Verein mit Generalversammlung und Beiträgen, sondern um eine Mitgliedschaft von Bierfreunden und bieraffinen Persönlichkeiten.

Der SBV und seine Mitgliedbrauereien können Personen, die sich für die Förderung des Bieres besonders verdient gemacht haben, den Bierorden «AD GLORIAM CEREVISIAE» (zu Ehren des Bieres) verleihen. Dem Orden gehören heute rund 400 Personen an.

Laut Satzungen verpflichtet sich, wer mit dem Orden ausgezeichnet wurde,

  • dem edlen Bier allezeit die ihm gebührende wache Aufmerksamkeit zu widmen, es mit Sorgfalt und Hingabe zu behandeln und zu geniessen,
  • die Kenntnisse gütig andern Bierkennern mitzuteilen, sie über die Eigenschaften dieses Getränkes zu belehren, wie es sich angesichts der jahrtausendealten Tradition des Bieres geziemt,
  • das Bier überall zu ehren und niemals zu vergeuden.[9]

Der spezielle Orden «Ad gloriam cerevisiae» h.c. wird jeweils beim Ordensfest anlässlich des Tages des Schweizer Bieres verliehen.[10]

Tag des Schweizer Bieres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tag des Schweizer Bieres wurde im Jahr 2012 anlässlich des 135-jährigen Bestehens des SBV initiiert. Es handelt sich um eine Werbekampagne des SBV, welche zum Ziel hat, an einem speziellen Tag, die Bierkultur und Brauereitradition der Schweiz zu feiern. Der Tag des Schweizer Bieres findet jeweils am letzten Freitag im April statt. An diesem Tag veranstalten die Mitgliedsbrauereien verschiedene Aktivitäten. Zeitnahe zum Tag des Schweizer Bieres findet auch das Fest des Bierordens statt.[11]

Der Schweizer Bier-Sommelier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung zum Schweizer Bier-Sommelier (geschützte Wortmarke) wurde vom Schweizer Arbeitgeberverband des Gastgewerbes GastroSuisse und dem SBV konzipiert. Der erste Ausbildungskurs wurde im Herbst 2011 durchgeführt. Bis Juni 2016 fanden in der Schweiz 13 Kurse (davon zwei Kurse in der französischen Schweiz) mit insgesamt 231 erfolgreichen Absolventen statt. Das Seminar dauert acht Tage inklusive Prüfungstag.

Die Ausbildung hat folgendes Ziel: „Die Bierkompetenz in der Schweizer Gastronomie soll erhöht und dem Bierservice soll mehr Stil und Charakter verliehen werden.“ Absolventen der Ausbildung müssen unter anderem Themen rund ums Bier kennen, Bier-Degustationen durchführen und Gäste bei der Wahl des Bieres beraten können.

Die Ausbildung gliedert sich in folgende Themenbereiche:

  • Bierkultur, Grundlagen der Sensorik
  • Schweizer Biervielfalt
  • Internationale Bierstile und Bierländer
  • Qualität, Genuss und Lebensfreude mit Bier
  • Bier-Marketing
  • Bier und Gesellschaft

Zur Zielgruppe gehören Restaurationsfachleute, Restaurantleiter, Geschäftsführer und Kadermitarbeiter aus Hotellerie und Gastronomie, Mitarbeiter von Getränkebetrieben und allgemein Personen, die sich für das Thema Bier interessieren.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schweizer Brauerei-Rundschau. Verlag Versuchsstation Schweiz. Brauereien, Zürich 1977, S. 69–176, (Sondernr.).
  • Karl Thöne: Schweizer Bierbuch. Fachverlag Schweizer Wirteverband, Zürich 1985, ISBN 3-85898-007-2.
  • Matthias Wiesmann: Bier und wir. Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz. Verlag hier + jetzt, Baden 2011, ISBN 978-3-03919-193-2.
  • Schweizer Brauerei-Verband: Ad Gloriam Cerevisiae (Satzung Bierorden), Zürich 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://bier.swiss/verband/verband-und-aufgaben/
  2. a b Matthias Wiesmann: Bier und wir, Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz. 2. Auflage. 2012, S. 173.
  3. Matthias Wiesmann: Bier und wir, Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz. 2. Auflage. 2012, S. 128 f.
  4. Matthias Wiesmann: Bier und wir, Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz. 2. Auflage. 2012, S. 134.
  5. a b Karl Thöne: Schweizer Bierbuch. 2. Auflage. 1987, S. 41.
  6. Matthias Wiesmann: Bier und wir, Geschichte der Brauereien und des Bierkonsums in der Schweiz. 2. Auflage. 2012, S. 171.
  7. Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien. Abgerufen am 4. August 2016.
  8. Bier & Wir. Newsletter des Schweizer Brauerei-Verbandes. Abgerufen am 4. August 2016.
  9. Schweizer Brauerei-Verband: Ad Gloriam Cerevisiae (Satzung). 2016.
  10. Der Bierorden «ad gloriam cerevisiae». Abgerufen am 4. August 2016.
  11. Tag des Schweizer Bieres. Abgerufen am 4. August 2016.
  12. GastroSuisse (Hrsg.): Der Schweizer Bier-Sommelier. 2016.