Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit

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Die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) fand 1928 in Bern und 1958 in Zürich statt. Die Ausstellung wurde von den grossen nationalen Frauenorganisationen Bund Schweizerischer Frauenvereine (BSF), Frauengewerbeverband, Schweizerischer Katholischer Frauenbund (SKF) und 28 weiteren Vereinen organisiert.

SAFFA 1928[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saffa in Bern, Foto Walter Mittelholzer

Das Ziel der Ausstellung auf dem Viererfeld (heute Länggasse-Felsenau), die vom 26. August bis zum 30. September 1928 stattfand, war es, die Bedeutung des "weiblichen Anteils" an der gesellschaftlichen aber auch volkswirtschaftlichen Arbeit in der Schweiz aufzuzeigen. Die Frauenarbeit – ganz besonders auch die Hauswirtschaft und die Familienarbeit – wurde nach Ansicht der Organisatorinnen zu wenig geschätzt und sie forderten mehr Anerkennung für die Leistungen der Frauen. Diese Anerkennung sollte längerfristig zur politischen Gleichstellung (Frauenstimmrecht) und zum Recht auf Erwerbsarbeit führen. Eine der leitenden Architektinnen der SAFFA war auch die Schweizerin Lux Guyer. Die SAFFA erregte 1928 auch in architektonischer Hinsicht grosse Aufmerksamkeit. In axial angeordneten Hallenbauten wurden Themen aus der Landwirtschaft, Industrie, Hausarbeit, Erwerbsarbeit, Wissenschaft, Bildung und Kunst präsentiert.[1]

SAFFA 1958[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saffa Zürich in Bau, Flugaufnahme vom 8. Mai 1958
Die nach der Ausstellung benannte Saffa-Insel in Zürich-Wollishofen

Die zweite SAFFA fand vom 17. Juli bis 15. September 1958 auf der Landiwiese in Wollishofen statt. Sie wurde vom BSF sowie gegen hundert Frauenvereinen und Frauenzentralen organisiert. Die zweite SAFFA stand unter dem Motto "Lebenskreis der Frau in Familie, Beruf und Staat". Entsprechend dem Frauenbild der konservativen 1950er Jahre vertraten die Ausstellerinnen ein Lebensmodell in drei Phasen: Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit bis zur Heirat, anschliessend Hausfrauendasein und Berufswiederaufnahme, nachdem die Kinder gross sind. Die Rolle der Frau als Alleinverantwortliche für die Familie als "Hort der Geborgenheit" im sich immer schneller wandelnden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld wurde dabei nicht infrage gestellt.

An der SAFFA 1958 wurde auch Elisabeth Pletscher, welche massgeblich bei der Einführung des Frauenstimmrechtes 1989 im Kanton Appenzell Ausserrhoden beteiligt war, entscheidend für ihr weiteres politisches Engagement geprägt, indem sie sich der Bedeutung der Frau in der Arbeitswelt in vollem Ausmass bewusst wurde. Das Schlüsselerlebnis für ihre künftige Frauenarbeit schilderte sie folgendermassen: «Was mich geprägt hat, war die SAFFA 1958 in Zürich, die zweite schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit. Ich war gerade 50 Jahre alt. Der Berufsverband der Medizinischen Laborantinnen, als deren Präsidentin ich damals amtete, hat an der SAFFA ein Labor geführt. Wir waren involviert in die Planung, Organisation und Durchführung dieser Ausstellung, und ich habe hautnah miterlebt, was Frauen alles leisten - ohne je Anerkennung dafür zu erhalten. Ich empfand es schon nach dem Zweiten Weltkrieg als stossend, wie viele Aufgaben und Pflichten die Frauen während des Krieges übernommen hatten, ohne dass ihnen entsprechende Rechte zugestanden worden wären. Wir sind damals, nach dem Krieg, ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Frauen nun auch ihre politischen Rechte bekommen. Das ist aber etwa gar nicht automatisch geschehen. Und an der SAFFA, fünfzehn Jahre später, haben wieder so viele Frauen gezeigt, was sie alles können. [...] Mich hat damals auch das Engagement und die enorme Leistung der Pionierinnen für die Anliegen der Frauen beeindruckt. [...] Da ich beruflich sehr beansprucht war, konnte ich mich nie im selben Ausmass engagieren wie andere Frauen. So habe ich mich während der Zeit der zweiten SAFFA entschieden, nie ‹Nein› zu sagen, sollte ich angefragt werden, mich für etwas einzusetzen: Was ich tun kann, das tue ich. [...] Ich tue es aus Dankbarkeit und Solidarität mit den Pionierinnen für die Frauenrechte und die Anliegen der Frauen, als einen kleinen persönlichen Tribut für all das, was diese Frauen erdulden und durchstehen mussten.»[2]

Während der 2. SAFFA erschien Iris von Rotens Buch Frauen im Laufgitter und stellte den den Frauen von Presse und Männern entgegengebrachten Goodwill in Frage.

Dritte SAFFA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 2007, dem ersten Schweizer Nationalfeiertag seit der Unterzeichnung des Fakultativprotokolls als Zusatz zur Frauenkonvention im Februar 2007 durch den Schweizer Bundesrat zur juristischen und formalen Anerkennung der vollständigen Menschenrechte der Frauen in der Schweiz, wurde der Beschluss gefasst, eine dritte SAFFA zu veranstalten. Die Schweizerinnen Priska Lenherr, Franziska Demarmels und Lisa Gwerder, Vorstandsmitfrauen der Internetplattform frauennet.ch, fassten anlässlich ihres Frauen-Picknick-Brunches am Schweizerischen Nationalfeiertag auf der Saffa-Insel in Zürich den Beschluss, eine dritte SAFFA zu veranstalten. Die Saffa-Insel ist eine Hinterlassenschaft der zweiten SAFFA in Zürich.

Mittlerweile ist dies ein Projekt der Dachorganisation alliance F, die dafür den Verein 2020 gegründet hat. Das Projekt ist in drei Phasen eingeteilt: Vorprojekt, Konzept und Realisierung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sibylle Brändli: Der Supermarkt im Kopf: Konsumkultur und Wohlstand in der Schweiz nach 1945. Böhlau Verlag, Wien 2000, ISBN 9783205992646.
  • Marie-Louise Barben, Elisabeth Ryter: Verflixt und zugenähnt. Frauenberufsbildung - Frauenerwerbsarbeit 1888 - 1988. Bern 1988, ISBN 9783905278330.
  • M. Beyeler: La SAFFA (Schweiz. Ausstellung für Frauenarbeit) de 1958 à Zurich: son architecture et ses architectes. Dissertation, Lausanne 1999.
  • Dorothee Huber: Die Tugend der Not. Zu den beiden historischen Ausstellungen für Frauenarbeit (SAFFA 1928 und 1958). In: Ausstellungen - Darstellungen, Beiträge zum Diplomwahlfach "Frauen in der Geschichte des Bauens", Bd. 3, Petra Stojanik (Hg.), Zürich : ETH, [c/o] Professur F. Ruchat-Roncati, 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jakob Tanner, Geschichte der Schweiz im 20.Jahrhundert. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-68365-7, S. 205.
  2. Hanspeter Strebel, Kathrin Barbara Zatti: Es gibt Dinge, die brauchen Zeit - Elisabeth Pletscher, Zeitzeugin des 20. Jahrhunderts. Appenzeller Verlag, Herisau 2005, ISBN 3-85882-410-0, S. 20/21.