Sderot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sderot
Wappen von Sderot
Basisdaten
hebräisch: שדרות
arabisch: سديروت
Staat: Israel Israel
Bezirk: Süd
Koordinaten: 31° 32′ N, 34° 36′ OKoordinaten: 31° 31′ 34″ N, 34° 35′ 38″ O
Höhe: 93 m
Fläche: 4,472 km²
 
Einwohner: 19.300 (2007)
Bevölkerungsdichte: 4.316 Einwohner je km²
 
Gemeindeart: Stadt
Sderot (Israel)
Sderot
Sderot

Sderot oder Audio-Datei / Hörbeispiel Sederot?/i, (hebräisch שדרות, auf Deutsch „Boulevard“, arabisch سديروت, DMG Sidīrūt) ist eine Stadt im südlichen Israel. Sie wurde 1951 auf dem Land des palästinensischen Dorfes Nadschd (arabisch نجد, DMG Naǧd) gegründet, dessen Einwohner 1948 von der Hagana nach Gaza vertrieben und das Dorf selbst vollkommen zerstört worden war. Die ehemaligen Bewohner und ihre Nachkommen leben bis heute als Flüchtlinge im Gazastreifen.[1] Sderot liegt im Westteil der Negev-Wüste unweit des nördlichen Gazastreifens.

Allgemeine Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sderot hat knapp 19.300 Einwohner (2007), etwa vierzig Prozent davon sind Neueinwanderer, die erst nach 1990 aus der ehemaligen Sowjetunion zugezogen sind. Sderot wurde in den Jahren nach der israelischen Staatsgründung (1948) besiedelt und wie viele andere Entwicklungsstädte gezielt gefördert. Die Stadt konnte sich dennoch nicht zu einem regionalen Zentrum entwickeln.

Der ehemalige israelische Verteidigungsminister Amir Peretz hat ein Haus in Sderot. Nahe der Stadt besaß der ehemalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon eine Farm.

Das südlich der Stadt im Landkreis Scha’ar HaNegev gelegene Sapir College ging im Dezember 2005 eine akademische Partnerschaft mit der Fachhochschule Trier ein. Das vom College organisierte, seit 2002 jährlich stattfindende internationale Cinema South Festival ist eines der wichtigsten Kulturereignisse im Süden Israels. Ein besonderer Schwerpunkt ist ein Programm für lokales arabisch-palästinensisches Kino.[2][3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Sderot abgefeuerte Qassam-Raketen werden in der Polizeistation aufbewahrt.
Straßenbunker (vorne), Bushaltestellenbunker (hinten) in Sderot

Sderot wurde 1951 auf dem Land des palästinensischen Dorfes Nadschd (arabisch نجد, DMG Naǧd) gegründet, dessen Einwohner 1948 geflohen waren.

Internationale Bekanntheit erlangte Sderot, weil es seit dem 16. April 2001[5] immer wieder mit aus dem nahen Gazastreifen angegriffen wird. Allein am Abend des ersten Tages schlugen 5 Mörsergranaten im Stadtgebiet ein.[6]

Im Juni 2004 starben bei einem solchen Angriff erstmals Menschen. Am 29. September wurden bei einem Angriff mit Kassam-Raketen aus dem Gazastreifen zwei Kleinkinder getötet. Dieser und weitere Anschläge löste die Militäraktion „Tage der Buße“ des israelischen Militärs im Gazastreifen aus.[7] Seit Israels Rückzug aus dem Gazastreifen im Sommer 2005 haben die Angriffe massiv zugenommen. Die Zahl der auf Israel, zumeist auf Sderot, abgefeuerten Raketen stieg im Zeitraum von 2001 bis zum Januar 2009 auf über 8600.[8]

In Sderot befindet sich wegen der Angriffe seit 2004 die einzige im Ernsteinsatz befindliche Komponente des Tactical-High-Energy-Laser-Systems, des von einer israelischen Firma entwickelten Frühwarnradars. Es funktioniert in etwa achtzig Prozent der Fälle. Vom Ertönen des Frühwarnsystems („Tseva Adom“, zu Deutsch „Farbe Rot“) bis zum Einschlag der Rakete bleiben jedoch nur ca. fünfzehn Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen.

Mitte November 2006 kam es zu einer Vielzahl von Raketenangriffen, die innerhalb weniger Tage zwei Todesopfer[9][10] forderten und einige Menschen schwer verletzten.[11][12][13] Die Angriffe dauerten in den Folgewochen an; eine Delegation von 70 Diplomaten, die auf Einladung von Außenministerin Tzipi Livni am 23. November die Stadt besuchte, verließ die Stadt nur 20 Minuten vor einem neuerlichen Angriff mit Qassam-Raketen.[14]

Am 12. Dezember 2007 fielen mehr als 20 Raketen auf Sderot, worauf der Bürgermeister der Stadt, Eli Moyal, unerwartet seinen Rücktritt bekanntgab. Im Januar und Februar des Jahres 2008 wurden über 1000 Raketen auf Sderot geschossen; dabei kam Ende Februar ein Mann auf dem Campus des Sapir Colleges ums Leben.[15] Auch in der darauffolgenden Zeit kam es zu weiteren Raketenangriffen, die die Militäraktion Operation Gegossenes Blei der israelischen Armee im Gazastreifen auslöst.

Im November 2010 wurden die ersten beiden Batterien des mobilen Raketenabwehrsystem Iron Dome zum Schutz von Sderot stationiert.[16]

Am 29. Juni 2014 brannte eine Farbenfabrik im Industriegebiet nach einem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen vollständig nieder. Zwei Arbeiter erlitten Verbrennungen. Dies war der erste direkte Treffer auf ein Ziel in Israel seit der erneuten Zunahme des Raketenbeschusses Mitte Juni. Weitere Raketen zerstörten ein Wohnhaus und ein Studentenwohnheim. Die Zunahme des Raketenbeschuss war ein Auslöser für die Operation Protective Edge der israelischen Armee ab 8. Juli 2014. [17]

Kibbuz Migwan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Migwan (hebräisch: מגוון, deutsch: Vielfalt) ist ein kleiner Kibbuz innerhalb der Stadt Sderot.

Der Kibbuz wurde 1987 gegründet. Seit seiner Gründung gehörte der Kibbuz der links-zionistischen Kibbuzvereinigung ha-Kibbuz ha-Arzi (Landeskibbuzverband) an, welcher allerdings 1999 in dem Dachverband ha-Tenua ha-Kibbuzit (die Kibbuzbewegung) aufging. 2005 lebten in dem städtischen Kibbuz ca. 50 Personen. Migwan ist ein moderner Kibbuz mit traditionellen Einflüssen. Er besitzt einen kollektiven Wirtschaftszweig mit Gemeinschaftsunternehmen, gemeinsame kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen sowie wöchentliche Versammlungen. Im Gegensatz zu den traditionell-sozialistischen Kibbuzim gibt es in Migwan privaten Besitz, wie das Einkommen und private Immobilien. Heute beherbergt der Kibbuz etwa 10 Familien sowie Internet- und Dienstleistungsunternehmen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sderot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Fisk: Wiped from Israel’s maps: The true inhabitants of Sderot. In: Belfast Telegraph, 26. November 2012.
  2. Kifah Abdul Halim: Filmfest "Cinema South": Ein Kulturfestival stellt den Süden Israels in den Mittelpunkt. In: Rosa-Luxemburg-Stiftung Israel Office. 13. Juli 2017; abgerufen am 10. Oktober 2017.
  3. Die Schule für Audio- und visuelle Kunst des Sapir Colleges. In: Rosa-Luxemburg-Stiftung Israel Office. Oktober 2016; abgerufen am 10. Oktober 2017.
  4. The Cinema South International Film Festival. In: Embassy of Israel, London. 2. Juli 2014; abgerufen am 10. Oktober 2017 (englisch).
  5. Sowohl angegriffen als auch verurteilt. Israelische Botschaft, 21. November 2006
  6. Kölner Stadt-Anzeiger, 18. April 2001, S. 3
  7. Kölner Stadt-Anzeiger, 1. Oktober 2004, S. 5
  8. news.bbc.co.uk
  9. Sderot victim was a Muslim married to a Jew. Jerusalem Post, 16. November 2006
  10. Man dies of wounds sustained in Qassam strike on Sderot. Haaretz, 22. November 2006
  11. Woman killed, man seriously hurt in Qassam strike on Sderot. Haaretz, 15. November 2006
  12. Tödlicher Raketenangriff. FAZ, 15. November 2006
  13. Qassams hit Negev, day after deadly Sderot strike. Haaretz, 16. November 2006
  14. Treffen zwischen Beratern Olmerts und Abbas; Erekat: positive Atmosphäre. Israelische Botschaft, 23. November 2006
  15. Raketenkrieg gegen Israel – Verletzte in Ashkelon und Sderot. haGalil.org, 28. Februar 2008
  16. Iron Dome system passes final tests. In: jpost.com. The Jerusalem Post, 19. Juli 2010, archiviert vom Original am 12. April 2011; abgerufen am 12. April 2011 (englisch).
  17. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 1. Juli 2014 und 3. Juli 2014
  18. Beleg auf der Seite der Bundeshauptstadt, abgerufen am 20. November 2012
  19. Angaben auf der Seite der Stadt Antony (französisch); abgerufen am 20. November 2012