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Hagana

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Emblem der Hagana

Die Hagana, auch Haganah, (hebräisch הַהֲגַנָּה die Verteidigung) war eine zionistische paramilitärische Untergrundorganisation in Palästina zur Zeit des britischen Völkerbundsmandats für Palästina (1920–1948). Unmittelbar nach der Ausrufung des Staates Israel 1948 wurde die Hagana in reguläre israelische Streitkräfte umgewandelt, in die später weitere paramilitärische Gruppen, etwa der Irgun, integriert wurden.

Schon im späten 19. Jahrhundert war als Reaktion auf die antisemitischen Pogrome 1887 im russischen Zarenreich eine Organisation jüdischer Jugendlicher unter diesem Namen entstanden, die jedoch in keinem direkten Zusammenhang mit der späteren Hagana stand. Deren unmittelbarer Vorgänger war der 1909 gegründete Haschomer, eine kleine Vereinigung jüdischer Immigranten im osmanischen Palästina, die nicht mehr als 100 Mitglieder umfasste.

Ein Teil Palästinas wurde 1917 in der von der britischen Regierung erlassenen Balfour-Deklaration als „nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ versprochen, wobei die Rechte der dortigen nicht-jüdischen Bevölkerung gewahrt bleiben sollten. In der Folge kam es zu einer jüdischen Einwanderung erheblichen Umfangs: Waren 1918 noch 8 % der Bevölkerung Palästinas westlich des Jordans Juden, so stieg deren Anteil binnen 30 Jahren auf 32 %, obwohl die britische Mandatsregierung die Einwanderung zeitweilig begrenzte oder ganz verbot.

Die Hagana wurde in der Folge der arabischen Unruhen von April 1920 am 12. Juni 1920 gegründet.[1] Die Unruhen in der Jerusalemer Altstadt forderten fünf Tote, 216 Verletzte und 18 Schwerverletzte auf jüdischer Seite und vier Tote, darunter ein kleines Mädchen durch einen Querschläger, 23 Verletzte und ein Schwerverletzter auf arabischer Seite. Sieben britische Soldaten wurden verletzt.[2][3] Die erneuten Unruhen in Jaffa im Mai 1921 verstärkten im Jischuw, der jüdischen Ansiedlung in Palästina, das Gefühl der Bedrohung. Fortan wollte sich die Führung der Jewish Agency bei der Verteidigung der Siedlungen nicht länger auf die britischen Kolonialtruppen verlassen. Nach dem Krieg wurden die Haschomer-Mitglieder von den Briten daran gehindert, Waffen zu tragen. Haschomer wurde 1920 aufgelöst[4]. Als einer der Mitbegründer etablierte Wladimir Zeev Jabotinsky, der bereits die Jüdische Legion organisiert hatte,[5] daraufhin die Hagana und war wie Elijahu Golomb einer ihrer Kommandeure.[6][7][8][9]

Die Hagana wurde als Miliz, d. h. als Volksheer, geführt, die einen großen Teil der wehrfähigen jüdischen Bevölkerung umfasste. Da die Miliz illegal war und daher nur mit kleinen Einheiten geübt werden konnte, kam die Ausbildung über Truppführerlehrgänge nicht hinaus. In den 1920er Jahren standen nicht mehr als ein Dutzend Berufssoldaten im Dienst der Organisation, von denen sich viele zudem als politische Aktivisten betätigten. Da Waffenbesitz von der Mandatsverwaltung nicht erlaubt wurde, wurden Schusswaffen und Munition meist über das französisch kontrollierte Syrien ins Land geschmuggelt und heimlich verwendet.[10] Die Jewish Agency und die Hagana hielten sich dabei an ein Prinzip der Zurückhaltung (havlagah), welches der Hagana zwar erlaubte, die jüdische Gemeinde gegen arabische Angriffe zu verteidigen, aber Vergeltungsangriffe nicht erlaubte.[11][12.1] Bis zur Mitte der 1930er Jahre war diese Zurückhaltung die offizielle Politik der Hagana.[13]

In den relativ ruhigen ersten neun Jahre ihres Bestehens war die Hagana trotz des Anspruchs, das jüdische Gemeinwesen in Palästina gegen Angriffe verteidigen zu können, eine eher lose Organisation lokaler bewaffneter Gruppierungen in größeren Orten und wenigen Siedlungen. Die Organisation unterstand der zivilen Führung der Gewerkschaft Histadrut und war deren ideologischen Einfluss unterworfen.

Im Mai 1923 tötete Hagana den ehemaligen hochrangigen Polizeikommandeur Tewfiq Bey, den sie für den Angriff auf die jüdische Einwandererherberge während der Unruhen von Jaffa 1921 verantwortlich machten.[14] Am 30. Juni 1924 tötete der Hagana-Kommandant Avraham Tehomi in Jerusalem den Dichter, Journalisten und Gegner des Zionismus Jacob Israël de Haan. Die Aktion gilt als der erste politische Mord von Juden an Juden, der in Palästina von Zionisten begangen wurde.[15][16] Kommandeure der Hagana glaubten, dass de Haan so bedrohlich für die Sache des Zionismus in Palästina war, dass er eliminiert werden musste.[12.2] Tehomi gab später an, den Mord im Auftrag des späteren Präsidenten Jizchak Ben Zwi begangen zu haben.[17][18]

Infolge des Massakers von Hebron und weiterer Unruhen des Jahres 1929, die zu 133 Toten auf jüdischer Seite führten, veränderte sich die Rolle der Hagana drastisch. Sie wuchs zu einer wesentlich größeren Organisation heran und umfasste beinahe alle Jugendlichen und Erwachsenen in den ländlichen Siedlungen und hatte außerdem tausende Mitglieder in den Städten. Sie begann, ausländische Waffen zu beschaffen und einfaches militärisches Gerät sowie Handgranaten herzustellen (siehe: Israel Military Industries). Zugleich wandelte sie sich von einer nur dürftig ausgebildeten Miliz zu einer schlagkräftigen paramilitärischen Organisation.

Hagana-Bet und Abspaltung der Irgun

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In der Folge der arabischen Massaker des Jahres 1929 und aus Unzufriedenheit mit der insgesamt eher moderaten Haltung der Hagana gegenüber den Ansprüchen der Araber begannen zahlreiche Hagana-Kommandeure, über organisatorische Veränderungen zu diskutieren. Dies führte zur Gründung einer zweiten Hagana, der Hagana-Bet, unter dem Kommando von Avraham Tehomi, dem ehemaligen Kommandanten von Jerusalem. Die gemäßigteren Zionisten befürchteten, er plane eine Übernahme der Hagana. Innerhalb von drei Jahren stieg die Mitgliederzahl der Hagana-Bet von dreihundert auf dreitausend an;[19] Tehomi kehrte 1937 mit einem erheblich Teil der Irgun zur Hagana zurück. Etwa 1.500 revisionistische Mitglieder der Hagana-Bet lehnten Tehomis Entscheidung ab und beschlossen stattdessen, ihre eigene unabhängige Organisation beizubehalten, die in Irgun umbenannt wurde. Jabotinsky wurde zum Oberbefehlshaber der Irgun ernannt.[20]

Arabischer Aufstand

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Havlagah-Bus während des Arabischen Aufstands
Mitglieder der Jewish Settlement Police, 1938

Im April 1938 zählte die Hagana 21.000[21] Freiwillige, davon waren rund 4000[21] Frauen. Fast alle waren Teilzeitkräfte, die daneben beruflichen Tätigkeiten nachgingen.[21] Während des Arabischen Aufstands (1936 – 1939) wurden Mitglieder der Hagana als Teile der neu gegründeten Jewish Settlement Police geduldet, einer Abteilung der Notrim. Zunächst hatte diese Einheit einen rein defensiven, auf die Sicherung jüdischer Siedlungen zielenden Charakter. Erst gegen Ende des Aufstands wurde ihr Handeln offensiver. Die militärisch-strategischen Erfahrungen dieser Jahre erwiesen sich später im Palästinakrieg von 1947 bis 1949 für die jüdische Seite als nützlich.

Angesichts der arabischen Angriffe während der Revolte von 1936–1936 wurde das Prinzip der Zurückhaltung in Frage gestellt. Das Oberkommando der Hagana entschied deshalb, die Hagana-Kämpfer auszubilden und zu bewaffnen und Vergeltungsoperationen durchzuführen.[11][12.1]

Im Sommer 1939 ermordete ein Hagana-Kommando in einem Racheakt nachts in dem palästinensischen Dorf Lubya mehrere unbeteiligte Zivilisten, zwei Männer und eine Frau, und verletzten zwei kleine Kinder. Geplant wurde die Aktion unter anderem von Nachum Shadmi, der später in der israelischen Armee Karriere machte und dessen Sohn Issachar Shadmi 1956 Kommandant der Polizeibrigade sein sollte, die das Massaker von Kafr Qasim verübte.[22]

Um den im Arabischen Aufstand formulierten Forderungen entgegenzukommen, schränkte die britische Regierung gemäß ihrem Weißbuch von 1939 die jüdische Einwanderung nach Palästina ein, woraufhin die Hagana antibritische Kundgebungen und die illegale Einwanderung Alija Bet organisierte, die über Stützpunkte in der Schweiz und der Türkei operierte.

Die SS Patria, ein französisches Passagierschiff,[23] wurde 1940 in der Bucht von Haifa von der Hagana gesprengt, um die Deportation der jüdischen Reisenden nach Mauritius zu sabotieren. Dabei starben 260 Menschen.[24] „Keiner der Männer, die an dem Untergang der ‚Patria‘, an diesem Verbrechen mitwirkten, ist je in Israel wegen Mord [sic] zur Verantwortung gezogen und verurteilt worden“, schreibt diesbezüglich Rudolf Hirsch im Nachwort seines Romans Patria Israel.[25]

Teilnahme am Zweiten Weltkrieg

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Trotz des Weißbuchs von 1939, das die Einwanderungsbeschränkungen für Juden festschrieb und damit die jüdische Führung in Palästina tief verärgerte, stellte sich David Ben-Gurion als Vorsitzender der Jewish Agency nach Kriegsausbruch auf die Seite Großbritanniens:

„Wir werden Hitler bekämpfen, als ob es kein Weißbuch gäbe, und wir werden das Weißbuch bekämpfen, als ob es keinen Krieg gäbe“

David Ben-Gurion

Im ersten Jahr des Zweiten Weltkriegs ersuchte die britische Armee die Hagana aus Furcht vor einem deutschen Durchbruch in Nordafrika um Unterstützung. In der Folge wurden viele junge jüdische Siedler, darunter viele, die erst kurz zuvor aus Europa nach Palästina geflüchtet waren, Mitglieder der britischen Armee – zum Teil unter fragwürdigen Bedingungen, wie sich das Hagana-Mitglied Michael Evenari später erinnerte:

„Da die Engländer auf den Krieg völlig unvorbereitet waren, gab es in Palästina keine englischen Flakkanonen. Unsere Kanonen waren von den Italienern erbeutete kleine Geschütze, die wir »pea shooters« nannten. Wir mußten selber herausfinden, wie sie funktionierten und für sie bessere Zielvorrichtungen erfinden. Dabei zeichnete sich Hans Jonas, ein Doktor der Philosophie und später sehr bekannter Philosophieprofessor in Nordamerika, besonders aus. Er wurde deshalb zum »armourer« befördert. Erst später bekamen wir Bofors, richtige Flakgeschütze. Wir wurden in Abteilungen von je sechs (inklusive einem Koch [sic]) mit einem Geschütz zum Flugschutz von Haifa auf dem Bahnhof, im Hafen, um die Ölraffinerie und auch am Toten Meer zum Schutz der Kali-Fabrik aufgestellt. Haifa wurde damals von italienischen, vichy-französischen und deutschen Flugzeugen angegriffen. Der Hafen wurde, soviel ich weiß, auch einmal von Schiffen attackiert. Wir traten einige Male mit unseren »pea shooters« in Aktion.“[26]

Nachdem das Heer Erwin Rommels im Jahr 1942 in El-Alamein besiegt worden war, beendeten die Briten ihre uneingeschränkte Unterstützung der Hagana. Um sie vom Konflikt in Palästina zu isolieren, wurden die jüdischen Soldaten mehrmals zwischen Ägypten und Haifa verlegt, bevor sie Ende 1943 auf Britisch-Zypern stationiert wurden.[27] Hier waren sie zu weitgehender Tatenlosigkeit verdammt, ehe nach langen Verhandlungen (auch innerbritischen) 1944 die Jüdische Brigade innerhalb der britischen Armee gegründet wurde. Ihr Brigadeabzeichen war der Davidstern, ihre Einheit gehörte zur britischen 8. Armee. Der Autor Michael Evenari berichtet, dass in der Brigade auch nicht-jüdische englische Artilleristen eingesetzt werden mussten, was zu Spannungen und antisemitischen Konflikten geführt habe. Außerdem habe es Hierarchieprobleme gegeben: „Ich als Batterie-Sergeant-Major war die höchste Charge unter den Unteroffizieren. So viel ich weiß, war das eine ungewöhnliche Situation, denn nach den »King’s Regulations« darf nur ein Brite britische Soldaten befehligen.“[28]

Die Jüdische Brigade bestand aus 5.000 Soldaten. Sie wurde ab September 1944 zunächst in Italien eingesetzt und zog dann quer durch das besiegte Deutschland bis nach Belgien. Ihre Auflösung erfolgte 1946.[29] Insgesamt dienten während des Zweiten Weltkriegs mehr als 30.000 Juden aus Palästina in der britischen Armee.

Im Frühjahr 1941 gründete die Hagana den Palmach, eine paramilitärische Einrichtung, die sich auf die Ausbildung der jüdischen Jugend Palästinas an der Waffe konzentrierte. Der Palmach war vergleichsweise klein, bis 1947 bestand er aus nur fünf Bataillonen (ca. 2.000 Mann), spielte jedoch eine wichtige Rolle, da seine Mitglieder grundlegende militärische Fähigkeiten und auch Führungskompetenz erwarben, die sie für verschiedene Funktionen in der späteren israelischen Armee qualifizierten.

Nach einer Reihe von Vergewaltigungen im Bet-Scheʾan-Tal im Jahr 1945 kastrierte ein Hagana-Kommando als Vergeltung einen der mutmaßlichen Täter. Die Aktion wurde bald in einem hebräischen Lied besungen, das im Palmach beliebt war: Wir haben dich kastriert, Mohammed.[30] Die Operation wurde von Yigal Allon initiiert, dem späteren Oberkommandierenden des Palmach und Minister, und von Yohai Ben-Nun, dem späteren Flottenkommandant, Amos Horev, der später General der israelischen Armee und Rektor des Technion in Haifa wurde, und Yaakov Cohen, später Mitarbeiter mehrerer israelischer Geheimdienste, durchgeführt. „Diese Operation hatte eine durchschlagende Wirkung, die im gesamten Bet Scheʾan-Tal zu spüren war und die Araber vor Ort in Angst und Schrecken versetzte“, schrieb Cohen in einem Buch, das später vom israelischen Verteidigungsministerium veröffentlicht wurde.[22] Die offizielle Palmach-Website stellte die Kastration als „Ausnahme“ dar und bewertete die Tatsache, dass der Mann nicht getötet wurde, als „humanen Ansatz“.[31]

Das Hagana-Schiff Jewish State im Hafen Haifa, 1947
Jisrael Galili, von 1946 bis 1948 Stabschef der Hagana (Fotografie von 1955)

Nach dem Zweiten Weltkrieg weigerten sich die Briten, Palästina für eine unbegrenzte jüdische Einwanderung zu öffnen und die bisher zurückhaltende Hagana wandte sich terroristischen Aktivitäten zu, auch um die Errichtung eines jüdischen Staats zu beschleunigen.[32][33] Die Arbeiterbewegung in Palästina war intern gespalten. Insbesondere Mitglieder der Kibbuzbewegung und des Palmach befürworteten Operationen gegen die Briten, einschließlich terroristischer Anschläge. Da sie sich nicht auf Operationen zur illegalen Einwanderung beschränken wollten, setzten sie die Führung unter Druck, was schließlich im Oktober 1945 zur Gründung des „Hebrew Resistance Movement“ führte, einem gemeinsamen Unternehmen der Hagana mit Irgun und Lechi. Die Planung erfolgte durch das sogenannte „X Committee“, dem Mosche Sneh und Jisrael Galili von der Hagana, Menachem Begin von der Irgun und Natan Friedman-Yellin von der Lechi angehörten.[34.1] In der Frage des Terrorismus war die Jewish Agency gemäß Steven Wagner gespalten: Chaim Weizmann lehnte ihn ab, Mosche Sneh befürwortete ihn. Ben-Gurion glaubte, dass er für den Jischuw von Nutzen sein könnte. Er war der Meinung, dass es wichtig sei, Sabotage und Vergeltung zu üben. „Nicht individueller Terror, sondern Vergeltung für jeden einzelnen Juden, der durch das Weißbuch ermordet wurde.“ Es ist gemäß Wagner unklar, inwieweit die Haganah und die Jewish Agency terroristische Operationen tatsächlich unterstützt haben, abgesehen davon, dass sie dem „X Committee“ ihre Zustimmung erteilten.[34.1] Die Zusammenarbeit der Arbeiterbewegung mit Etzel und Lechi dauerte nur acht Monate, stellte jedoch eine allgemeine Akzeptanz des Prinzips durch die jüdische Führung dar, dass die Briten militärisch bekämpft werden sollten.[35] Sie führte Bombenanschläge auf das Eisenbahnnetz und Polizeiboote sowie Sabotageakte auf Radarstationen und Polizeistationen der Briten durch. Dabei koordinierte sich die Jewish Agency gemäß britischen Angaben mit der Stern Gang und Irgun und war auch über den Angriff der Irgun auf den Bahnhof Lydda und den Angriff der Stern Gang auf die Raffinerien bei Haifa Ende 1945 vorgängig informiert.[36]

1946 wurde Jisrael Galili, der seit 1935 der Führung der Hagana angehört hatte, zu ihrem Stabschef berufen. Außerdem organisierte Hagana weiterhin die Einwanderung von Juden, wie beispielsweise die Fahrt von europäischen Überlebenden des Holocaust mit der Exodus.

In der Amerikanischen Besatzungszone in Deutschland unterhielt die Hagana ab 1946 zwei illegale Militärschulen in Bayern: das Hochlandlager bei Königsdorf in Oberbayern – wo zuvor die Hitlerjugend militärisch ausgebildet worden war – und bis zum Frühjahr 1947[37] auch ein Ausbildungslager in Wildbad in Mittelfranken.[38][39]

Die Zeit der Zusammenarbeit zwischen der Hagana und den konkurrierenden Organisationen gefährdete die Beziehungen zwischen der Jewish Agency und den Behörden, verschaffte der Hagana jedoch ein gewisses Maß an Kontrolle über die beiden anderen Gruppen und ermöglichte es ihr, sie zu bremsen. Während dieser Periode wurde ein Attentatsversuch auf Raymond Cafferata unternommen, und der Anschlag auf das King-David-Hotel wurde geplant.[35.1] Im Juni 1946 nahmen die terroristischen Anschläge zu, und Ende des Monats ordnete General Barker die Operation Agatha an: Mehr als 100.000 Soldaten und Polizisten umstellten Dutzende jüdischer Siedlungen im ganzen Land und verhängten eine Ausgangssperre, die auch Tel Aviv und Jerusalem einschloss. Etwa 3.000 Personen wurden verhaftet, darunter Mitglieder des Exekutivkomitees der Jewish Agency; zudem wurde im Kibbuz Yagur ein großes Waffenlager entdeckt. Vier Wochen später sprengten Etzel-Mitglieder den Südflügel des King-David-Hotels, in dem das Regierungssekretariat untergebracht war.[35.2]

Palmach, die Elite-Einheit der Hagana, griff im Dezember 1947 das arabische Dorf Balad Al-Sheikh an, tötete rund 60 Dorfbewohner und zerstörte mehrere Dutzend Häuser.[40]

Im Januar 1948 verübte ein Hagana-Kommando einen Bombenanschlag auf das Hotel Semiramis in Jerusalem. Ziel war das Hauptquartier von Abd al-Qadir al-Husayni, der arabische Milizen kommandierte, die gegen zionistische Verbände kämpften. Allerdings befand sich al-Husayni während der Explosion nicht in dem Gebäude. Zahlreiche unbeteiligte Zivilisten, darunter Frauen und Kinder wurden getötet und verletzt. Die genaue Anzahl ist unbekannt, ein Bericht gibt 26 Tote und weitere 60 Verletzte an. Unter den Toten war auch der stellvertretende Konsul Spaniens.[22][41] Benny Morris schrieb, bei dem Bombenanschlag habe sich um ein Beispiel dafür gehandelt, dass die Hagana „gelegentlich unbeabsichtigt Terror angewandt“ habe,[42.1] während Maher Charif Hagana als eine der „zionistischen Terrorbanden“ neben Irgun, Stern und Lechi beschrieb.[33] In der arabischen und palästinensischen Literatur wird die Hagana von den einen Autoren als reguläre Streitkraft, von anderen Autoren als terroristische Organisation eingestuft.[43]

Am 1. Mai 1948, einen Monat nach dem Massaker von Deir Yasin, verübte die Hagana ein weitaus weniger bekanntes Massaker in dem palästinensischen Dorf Ein al-Zeitun bei Safed. Die Hagana hatte das Dorf erobert und mehrere Dutzend palästinensische Kämpfer gefangen genommen. Zwei Tage später ermordete sie die Gefangenen.[22]

Am 28. Mai 1948, weniger als zwei Wochen nach der Gründung des Staates Israel am 14. Mai, gründete die provisorische israelische Regierung die neue israelische Armee. Gleichzeitig wurden alle anderen bewaffneten Gruppen verboten. Der Irgun akzeptierte die Entscheidung. Um die Waffenlieferung der Altalena kam es trotzdem zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Hagana und Palmach auf der einen und Irgun auf der anderen Seite und Israel war einem Bürgerkrieg nahe.[44][45] Schließlich legte der Irgun die Waffen nieder und Menachem Begin transformierte seine Miliz in eine politische Partei, die Cherut.

Das Hagana-Museum in Tel Aviv

Eine von dem Kibbuznik Yair Pelleg erstellte Dokumentation zur Geschichte der Hagana ist zu finden im Haus der Ghettokämpfer des Kibbuz Lochamej haGeta’ot nördlich von Haifa. In diesem von überlebenden Ghettokämpfern gegründeten Kibbuz fanden auch bis zur Gründung der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem die zentralen Gedenkfeiern an die Shoa, die überlebenden Kämpfer des Warschauer Gettoaufstandes und die gefallenen Palmachniks statt.

Auf dem Tel Aviver Rothschild-Boulevard, im Haus mit der Nummer 23, dem ehemaligen Wohnhaus des Hagana-Gründers Eliyahu Golomb, befindet sich heute das Hagana-Museum.[46] Es liegt schräg gegenüber der israelischen Independence Hall, in der am 14. Mai 1948 die israelische Unabhängigkeitserklärung erfolgte.

  • Jim G. Tobias: Sie sind Bürger Israels: Die geheime Rekrutierung jüdischer Soldaten außerhalb von Palästina/Israel; unter besonderer Berücksichtigung der Mobilmachung im Nachkriegsdeutschland von 1946 bis 1948. Antogo-Verlag, Nürnberg 2007, ISBN 978-3-9806636-8-7.
  • Howard Blum: Ihr Leben in meiner Hand. Die Geschichte der Jüdischen Brigade im Zweiten Weltkrieg. Econ-Verlag, München 2002, ISBN 3-430-11565-5.
  • Michael Evenari: Und die Wüste trage Frucht. Ein Lebensbericht. Bleicher, Gerlingen 1990, ISBN 3-88350-230-8. Das Buch enthält eine ausführliche Darstellung von Evenaris Zeit in der britischen Armee und in der Jüdischen Brigade. Es deckt sich weitgehend mit den Erfahrungen von Erich Jehoshua Marx, die dessen Vater aus dem gemeinsamen Briefwechsel aus dieser Zeit rekonstruiert hat:
  • Leopold Marx: Mein Sohn Erich Jehoshua. Sein Lebensweg aus Briefen und Tagebüchern, Bleicher, Gerlingen, 1996, ISBN 3-88350-730-X.
Commons: Haganah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Yehuda Bauer: From Cooperation to Resistance: The Haganah 1938-1946. In: Middle Eastern Studies. Band 2, Nr. 3, 1966, ISSN 0026-3206, S. 182, JSTOR:4282159.
  2. Tom Segev: Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels. Siedler Verlag, München, S. 143.
  3. Benny Morris: 1948. A History of the First Arab-Israeli War. New Haven 2008, S. 11.
  4. From Hashomer to the Israel Defense Forces. Israel Ministry of Foreign Affairs, 22. September 2003, abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  5. Zionist-Revisionism: The Years of Fascism and Terror. Archiviert vom Original am 26. Februar 2026; abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  6. The Establishment of the Irgun | Jewish Virtual Library. Abgerufen am 29. Mai 2026.
  7. Ze'ev Jabotinsky (1880–1940). Knesset, abgerufen am 29. Mai 2026.
  8. 102 Years Since the Founding of the Haganah | Bar Ilan University. Abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  9. Howard Morley Sachar: History Of Israel - From The Rise Of Zionism To Our Time / A Howard M Sachar (1977). S. 221222 (archive.org [abgerufen am 29. Mai 2026]).
  10. Martin van Crefeld: The Sword and the Olive. A Critical History of the Israeli Defence Force. New York 2002, S. 20–25.
  11. 1 2 John Louis Peeke: Jewish-Zionist Terrorism and the Establishment of Israel. Thesis, December 1977, Seiten 21–23
  12. Ehud Sprinzak: Brother Against Brother. Violence and Extremism in Israeli politics from Altalena to the Rabin Assassinations. The Free Press, New York 1999, ISBN 0-684-85344-2.
    1. 1 2 Seite 34
    2. Seite 99
  13. Ami Pedahzur, Arie Perliger: The Evolution of Jewish Terrorism. In: Carola Dietze, Claudia Verhoeven (Hrsg.): The Oxford Handbook of the History of Terrorism. Oxford University Press, New York 2022. Seite 405
  14. Tom Segev: A State at any Cost. Kapitel 9, "Scandals", Abschnitt “Betrayal and Deception”
  15. Nir Hasson: Forget Paris, This Is 'Gay Jerusalem'. 11. Februar 2011, abgerufen am 15. Juni 2026 (englisch).
  16. Ludy Giebels: Jacob Israel de Haan in Mandate Palestine: was the victim of the first Zionist political assassination a "Jewish Lawrence of Arabia"? In: Jewish Historical Studies. Band 46, 2014, ISSN 0962-9696, S. 107–129 (jstor.org [abgerufen am 15. Juni 2026]).
  17. David B. Green: This Day in Jewish History Zionism's First Political Assassination. In: Haʾaretz. 12. Mai 2013, abgerufen am 14. Mai 2026.
  18. Ofri Ilany: The Repercussions of the First Political Assassination in Pre-state Israel Are Felt 100 Years Later. In: Haʾaretz. 12. Juli 2024, abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
  19. J. Bowyer Bell: Terror Out of Zion. Avon Books, New York 1977. Seiten 29–31
  20. Paul Bagon: The impact of the Jewish Underground upon Anglo Jewry: 1945–1947. St Antony's College, University of Oxford M-Phil thesis, 2003. Seiten 48–49
  21. 1 2 3 Tom Segev: David Ben Gurion – Ein Staat um jeden Preis. Siedler Verlag (Random House), München 2018, ISBN 978-3-8275-0020-5, S. 285 (übersetzt von Ruth Achlama).
  22. 1 2 3 4 Ofer Aderet: Assassinations, Terror Attacks and Even Castration – the Hidden Actions of Israel's Pre-state Militia. In: Haʾaretz. 13. Juni 2020.
  23. le paquebot PATRIA des messageries maritimes. In: www.messageries-maritimes.org. Abgerufen am 5. August 2016.
  24. admin: Deaths of 260 in 1940 ship explosion commemorated | j. the Jewish news weekly of Northern California. Archiviert vom Original am 3. Juni 2012; abgerufen am 8. Juni 2026 (englisch).
  25. Rudolf Hirsch: Patria Israel. S. 325, Rudolstadt 1983.
  26. Michael Evenari: Und die Wüste trage Frucht. S. 93.
  27. Leopold Marx: Mein Sohn Erich Jehoshua. S. 107 ff.
  28. Michael Evenari: Und die Wüste trage Frucht. S. 101.
  29. In den Büchern von Michael Evenari und Leopold Marx finden sich ausführliche Schilderungen über den Einsatz der Jüdischen Brigade.
  30. יום הדין גדול zemereshet.org.il
  31. Ofer Aderet: Assassinations, Terror Attacks and Even Castration – the Hidden Actions of Israel's Pre-state Militia. In: Haaretz.com. (haaretz.com [abgerufen am 12. Juni 2026]).
  32. Haganah, Zionist military organization. In: Encyclopedia Britannica. (britannica.com [abgerufen am 29. Mai 2026]).
  33. 1 2 Maher Charif: The Roots of Zionist Terrorism. Institute for Palestine Studies, 13. Dezember 2023, abgerufen am 30. Mai 2026 (englisch): „Zionist terror gangs before 1948. In discussing Zionist terrorism before the creation of the State of Israel, one might point to the activities of four principal gangs: the Haganah, the Irgun (ETZEL), the Stern and the LEHI. [...] At war's end, and in order to hasten the creation of a Jewish state, members of the Haganah and their elite units, called the Palmach, numbering some 60 thousand male and female fighters and 700 officers, began to carry out terrorist operations against British military and civilian outposts throughout Palestine.“
  34. Steven Wagner: British Intelligence and the Jewish ResistanceMovement in the Palestine Mandate, 1945–46. In: Intelligence and National Security, Vol. 23, No.5, October 2008. DOI:10.1080/02684520802449500
    1. 1 2 Seite 633
  35. Tom Segev: One Palestine, Complete (2000)
    1. S. 365
    2. Seite 367
  36. Colonial Office (Hrsg.): Palestine statement of information relating to acts of violence. London Juli 1946 (wikimedia.org [PDF]).
  37. Häuserkampf an der Isar: Die geheime Rekrutierung jüdischer Soldaten hagalil.com
  38. Geheime Militärausbildungscamps der Hagana in Bayern 1946–48 nurinst.org (Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts e. V.). Siehe dort auch die TV-Dokumentation „Sie sind Bürger Israels“ – Die geheime Ausbildung von jüdischen Soldaten in Bayern von Jim G. Tobias und der Medienwerkstatt Franken, Juni 2003 (Video, 24:13 Min.).
  39. Vgl. die Buchveröffentlichung Sie sind Bürger Israels von Jim G. Tobias (2007) unter Literatur.
  40. Zachary Lockman: Comrades and Enemies: Arab and Jewish Workers in Palestine, 1906-1948. University of California Press, 1996, ISBN 978-0-520-91749-1, S. 353 (google.ch [abgerufen am 30. Mai 2026]).
  41. Sumantra Bose: Contested Lands: Israel-Palestine, Kashmir, Bosnia, Cyprus, and Sri Lanka. Harvard University Press, 2009, ISBN 978-0-674-02856-2 (google.ch [abgerufen am 30. Mai 2026]).
  42. Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press, New York 2004, ISBN 978-0-511-16505-4.
    1. S. 66: "The Haganah also on occasion inadvertently employed terror, as in the attack on Jerusalem’s Semiramis Hotel in January 1948, but normally cleaved to a policy of hitting the guilty and, when not, at least limiting the violence in scope and geographically to areas already marked by Arab-initiated violence."
  43. Sarah Ozacky-Lazar, Mustafa Kabha: The Haganah by Arab and Palestinian Historiography and Media. In: Israel Studies. Band 7, Nr. 3, 2002, ISSN 1084-9513, S. 45–60, JSTOR:30245595.
  44. Jerold S. Auerbach: Brothers at War – Israel and the Tragedy of the Altalena. Quid Pro Books, New Orleans 2011, ISBN 978-1-61027-060-1, S. 68–70.
  45. Ehud Sprinzak: Brother against Brother – Violance and Extremism in Israeli Politics from Altalena to the Rabin Assasination. The Free Press 1999, ISBN 0-684-85344-2, S. 29.
  46. Heritage Sites: The Haganah Museum. In: shimur.org. The Council for Conservation of Heritage Sites in Israel, abgerufen am 15. April 2019 (englisch).