Seetang

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Von Seetang bedeckte Felsen

Seetang (kurz und seemännisch: Tang) bezeichnet überwiegend am Untergrund festgewachsene (benthische) Algen der Meeresküsten, die mehrzellige, mit bloßem Auge sichtbare Thalli besitzen. Sie können Größen von einigen Millimetern bis zu 50 Metern erreichen. Damit grenzen sich diese marinen Makroalgen oder Großalgen von den Mikroalgen ab, die überwiegend einzellig sind oder lediglich mikroskopische Größe erreichen und watteähnliche Strukturen aus dünnen Fäden bilden können. Seetang ist keine natürliche Verwandtschaftsgruppe, sondern findet sich unter den Grünalgen, Rotalgen und den Braunalgen. Einige Cyanobakterien können ebenfalls als Seetang bezeichnet werden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Seetange können krautigen Landpflanzen ähneln. Der Thallus (Algenkörper) ist mit einem wurzelartigen Haftorgan (Rhizoid) am Untergrund verankert. Daraus entspringt ein stabiler, flexibler Stängel (Cauloid). Dieser trägt blattartige Wedel (Phylloide), die der Photosynthese dienen. Oft halten gasgefüllte Schwimmkörper die Blattorgane nahe der Wasseroberfläche. Dieser Aufbau findet sich insbesondere bei den oft großen Tangen der Laminariales.

Manche marinen Makroalgen bilden aber auch nur undifferenzierte, niedrige Überzüge auf Steinen. Die Vermehrung erfolgt bei allen Algen durch Sporen in Sporenhaufen (Sori).[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seetang gedeiht im belichteten Bereich der Meeresküsten, von der Spritzwasserzone über die Gezeitenzone bis ins Sublitoral. Besonders üppig wächst er an kälteren Meeresküsten, wo nährstoffreiches Tiefenwasser aufsteigt. Die untere Grenze für das Algenwachstum liegt bei ca. 0,1 % des einfallenden Oberflächenlichtes. Die erreichbare Tiefe ist abhängig von der Trübung und Turbulenz des Wassers.[1] In der Nordsee bei Helgoland ist Seetang bis in eine Tiefe von 15 m unter der Niedrigwasserlinie zu finden.[2] In sehr klarem Wasser können die Algen auch tiefere Zonen besiedeln, selten dringen sie bis in etwa 200 m Tiefe vor.[1]

Eine Ausnahme bilden einige Arten der Golftange (Sargassum), die nicht am Untergrund festgewachsen sind, sondern im offenen Meer frei schwimmend große Flächen bedecken können.[1]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hedvigs Hus auf Læsø mit der inseltypischen Dacheindeckung aus Seetang

Seetang wird von Völkern an den Küsten als wichtige Nahrungsquelle verwendet. Dazu gehören vor allem Japan, aber auch Korea, Peru und auch Irland und die Atlantikküste Kanadas. Beispielsweise wird Nori verwendet, um Sushi-Rollen zu umwickeln.

Seetang wird auch für die Produktion des vielseitigen Kohlenhydrats Alginat verwendet, genauso wie für die Herstellung von Dünger. Verwendung fand früher der Seetang auch als Baumaterial zur Isolierung der Wände und zur Dachbedeckung (z. B. auf der dänischen Insel Læsø) sowie bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Füllmaterial für Polstermöbel.

Seetang ist außerdem bekannt für seinen extrem hohen Jodgehalt von bis zu 6.000 Milligramm pro kg im Trockengewicht (der Jodtagesbedarf beträgt 0,2 Milligramm), der bei unkontrolliertem Verzehr leicht zu einer starken Jodüberversorgung führen kann.

Getrockneter Seetang zählt zu den cadmiumreichen Nahrungsmitteln.

Der israelische Biotechnologiekonzern BiolineRX hat ein auf Seetang basierendes Gel entwickelt, das zur Therapie bei Herzinfarkten zum Schutz des Herzmuskelgewebes eingesetzt werden kann.[3]

Für die Landwirtschaft wird ein Pflanzenstärkungsmittel aus Seetang hergestellt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Wolfram Braune: Meeresalgen. Ein Farbbildführer zu den verbreiteten benthischen Grün- Braun- und Rotalgen der Weltmeere. Ruggell: Gantner, 2008, ISBN 978-3-906166-69-8, S. 12-18.
  2. K. Lüning: Tauchuntersuchungen zur Vertikalverteilung der sublitoralen Helgoländer Algenvegetation. Helgoländer wiss. Meeresunters. 21, 1970, S. 271.
  3. http://www.scientificamerican.com/article.cfm?id=can-seaweed-mend-a-broken-heart.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Seetang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Seetang – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen