Algen (Lebensmittel)

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Getrocknete Kombu-Algen
Getrocknete Nori-Algen

Algen, besonders Seetang, werden vor allem in Ostasien als Lebensmittel verzehrt. Je nach Art sind sie nahezu geschmacklos oder haben einen würzig-salzigen Geschmack. Zu den heute durch die japanische Küche auch in Europa bekannten Sorten gehören Kombu, Wakame und das für Sushi verwendete Nori. In Asien wachsen Algen bis zu einem Jahr im Meerwasser. Algen aus europäischer Zucht (zum Beispiel vor Sylt) werden nach drei bis vier Monaten geerntet.

Algen enthalten Kohlenhydrate und Proteine, die sich aber nur teilweise verdauen lassen. Dadurch und wegen ihres geringen Fettgehalts haben Algen nur einen geringen quantitativen Nährwert. Sie enthalten einen hohen Anteil an Mineralstoffen und Vitaminen. Aufgrund ihres teilweise sehr hohen Iodgehalts sollten Algen nur maßvoll verzehrt und bei Schilddrüsenüberfunktion gemieden werden. Ein hoher Iodgehalt wird überwiegend bei aus Asien importierten Algen festgestellt.

Tradition und wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die asiatische Küche verwendet Algen häufig und vielseitig. Sie können gekocht, gebraten, gedämpft oder in Essig eingelegt werden, dienen als Gewürz oder Tee. Sie werden zu Salaten verarbeitet oder zu Suppen gegeben, dienen als Gemüsebeilage oder getrocknet als Snack.

Der Verzehr von Algen hat – zumindest in Asien – eine lange Tradition. Aus China ist er seit etwa 2500 v. Chr. überliefert; von dort wurde er in Japan, Korea und auf den Pazifikinseln übernommen.

Heute werden aus Zuchten jährlich weltweit zwischen acht und neun Millionen Tonnen geerntet, von denen ein Teil zu Viehfutter, Dünger oder Kosmetika verarbeitet wird. In Japan kommen pro Jahr etwa 300.000 Tonnen als Lebensmittel in den Handel. In China werden jährlich etwa drei Millionen Tonnen als gegartes Gemüse oder Suppe verzehrt.

In der europäischen Küche spielen Algen bis heute meist eine untergeordnete Rolle. Lediglich in Wales hat der Genuss von Algen eine lange Tradition. Unter der Bezeichnung „Laver Bread“ war das schwarze Brot aus dem Meer früher Nahrungsmittel der walisischen Bauern, heute ist es in vielfältiger Form in der walisischen Küche zu finden. Die Algen der Gattung Porphyra umbilicalis werden außerdem nach Frankreich, Holland und Luxemburg exportiert. In Frankreich und Irland werden jeweils jährlich bis zu 1000 t der Meeresalgen verzehrt.

Als Rohstoff für Lebensmittelzusätze wie Agar, Alginat und Carrageen sind sie für die Lebensmittelindustrie von großer Bedeutung. Aus Spanien kommen Algenprodukte für den Delikatessenmarkt. In den 1990er-Jahren entstand an der galicischen Küste im Rahmen des Projekts „Porto Muinos“ eine ökologisch verträgliche Algenproduktion. Algen und Algenprodukte wie Agar werden auch in der Molekularküche verwendet.

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

100 Gramm frischer Algen enthalten durchschnittlich:[1]

Inhaltsstoff Gehalt
Wasser 90,5 g
Eiweiß 5,9 g
Kohlenhydrate 2,1 g
Fett 0,4 g
Iod 50,0 μg

Der Brennwert von 100 g Algen beträgt 153,3 kJ (36,5 kcal).

Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iodgehalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der oben angegebene Iodgehalt von 50,0 μg/100 g ist ein Mittelwert, der sich auf frische Algen bezieht. Vor allem aus Asien importierte Algen können deutlich mehr Iod enthalten, da Algen in Asien länger im Meerwasser wachsen und bis zur Ernte mehr Iod anreichern. In getrockneten Algenprodukten fehlt der Anteil von rund 90 Prozent Wasser in frischen Algen, der Iodgehalt pro 100 g ist in getrockneten Algenprodukten entsprechend rund zehnmal höher. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine maximale tägliche Aufnahme von 200 Mikrogramm Iod. Wenn der Iodgehalt von Algenprodukten unbekannt ist und die Verzehrsmenge unkritisch gehandhabt wird, besteht das Risiko der Iodüberversorgung.

Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) beziehungsweise das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gaben in den Jahren 2001 und 2004 (mit Aktualisierung im Jahr 2007) Warnungen vor getrockneten Algenprodukten mit überhöhtem Iodgehalt heraus.[2][3] Die deutschen Verbraucherzentralen wiesen 2017 darauf hin, dass das Problem nach wie vor aktuell ist. Sie warnen vor allem vor Produkten, auf denen Angaben zum Iodgehalt und zur maximalen Verzehrmenge fehlen. Die Verbraucherzentralen verweisen auf häufige Meldungen auf dem Internetportal www.lebensmittelwarnung.de sowie im Europäischen Schnellwarnsystem RASFF, in denen vor Produkten mit erhöhtem Jodgehalt gewarnt wird.[4]

Toxine in AFA-Algen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die oft als Nahrungsergänzung angebotenen AFA-Algen (Grüne Spanalge), die volkstümlich auch als blaue oder blaugrüne Uralgen bekannt sind, sind Cyanobakterien. Bestimmte Stämme bilden Gifte, die das Nervensystem und die Leber schädigen können. Davor warnte im Jahr 2002 das BfArM und trat irreführenden und wissenschaftlich nicht belegten Werbeaussagen zu proklamierten gesundheitsfördernden Effekten von Nahrungsergänzungsmitteln aus AFA-Algen mit einer Bekanntmachung entgegen.[5]

Verwendete Algenarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Lebensmittel werden vor allem folgende Arten genutzt:[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Éric Coisel: Genuss aus dem Meer: Algen – einfach köstlich & gesund. Hädecke Verlag, Weil der Stadt 2004, 224 Seiten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. aid: Ernährung im Fokus - 9. Jahrgang, Ausgabe August 2009, Seite 322
  2. BgVV warnt vor gesundheitlichen Risiken durch jodreiche Algenprodukte www.bfr.bund.de, Presseinformation vom 3. April 2001.
  3. Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen www.bfr.bund.de, aktualisierte Stellungnahme Nr. 026/2007 des BfR vom 22. Juni 2004.
  4. Oft zu viel Jod in Meeresalgen verbraucherzentrale.de, 7. März 2017.
  5. BfArM 2002: BfArM und BgVV warnen: Nahrungsergänzungsmittel aus AFA-Algen können keine medizinische Therapie ersetzen
  6. M. Harrison: Edible Seaweeds around the British Isles. Wild Food School, 2008
  7. Michael Guiry: The Seaweed Site: information on marine algae: Himanthalia elongata, abgerufen am 11. Februar 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Algen als Lebensmittel (Edible seaweed) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien