Sehlis

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Sehlis
Stadt Taucha
Koordinaten: 51° 22′ 39″ N, 12° 32′ 15″ O
Höhe: 125 m
Einwohner: 169 (31. Dez. 2016)
Eingemeindung: 1973
Postleitzahl: 04425
Vorwahl: 034298
Sehlis (Sachsen)
Sehlis

Lage von Sehlis in Sachsen

Sehlis ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Taucha im Landkreis Nordsachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehlis auf einer Karte von Hermann Oberreit (1836/39)

Das Platzdorf Sehlis liegt etwa 3 Kilometer östlich von Taucha, am rechten Ufer der Parthe. Über Kommunalstraßen ist der Ort an Dewitz sowie Panitzsch und Cunnersdorf angebunden.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dewitz Gordemitz Pehritzsch
Taucha Nachbargemeinden
Plösitz Panitzsch Cunnersdorf

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf einen Teil von Sehlis sowie den Dorfteich

Die erste urkundliche Erwähnung datiert von 1350 als Selicz[1]. August Schumann nennt 1824 im Staatslexikon von Sachsen Sehlis betreffend u. a.:

„Es liegt angenehm zwischen dem rechten Ufer der Parde und einem Hügel, welchen die weit zu stehende Windmühle krönt – wie denn überhaupt die Gegend etwas hügelig und durch untermischte Büsche und fruchtbare Wiesenflächen abwechselnd genug ist. […] Das Dorf hat viel Güter, ist daher wohlhabend, und enthält in einigen 30 Häusern über 160 Bewohner, davon man 1801 138 angab. Sie besitzen 28 Hufen gutes Feld, erbauen etwas Flachs, und treiben starke Viehzucht; auch giebt es hier einige Fleischer, welche in Leipzig verkaufen dürfen. Die Kirche, ein unansehnliches Gebäude mit unförmlichem Thurme, liegt in der Tiefe unterm Hügel, und ist das Filial von Dewitz, ¼ Stunde nördlich entlegen. Am Hügel der Windmühle wird Sand gegraben.“[2]

Sehlis lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[3] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Taucha und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[4]

Am 12. Mai 1912 zog eine Windhose über den Ort hinweg und hinterließ dabei große Schäden an Gebäuden und verwüstete Ländereien. Das Ereignis brachte den kleinen Ort deutschlandweit in die Schlagzeilen. Über die Zerstörungen berichtete seinerzeit u. a. die Coburger Zeitung in 2 Artikeln.[5] 60.000 Katastrophentouristen besichtigten in den Tagen danach die Schäden im Ort, selbst der sächsische König Friedrich August III. war darunter.[6]

1973 wurde Sehlis nach Taucha eingemeindet.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl [1][7][8]
1551 19 besessene Mann, 21 Inwohner
1764 18 besessene Mann, 4 Häusler, 28 Hufen
1834 161
1871 184
1890 223
Jahr Einwohnerzahl
1910 227
1925 284
1939 279
1946 333
1950 327
Jahr Einwohnerzahl
1964 239
2008 160
2011 131

Katharinenkirche Sehlis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharinenkirche zu Sehlis (2006)
(2010)

Um 1500 war Sehlis Filialkirche von Dewitz und behielt diesen Status auch nach der Reformation 1540. Am Standort des heutigen Kirchenbaus existierte bereits um 1100 ein Vorgängerbau aus Holz. Um 1200 wurde dieser durch einen steinernen Bau mit halbkreisförmiger Apsis ersetzt und 1250 entstand aus diesem die heutige Kirche mit rechtwinkligem Schiff und Chor, welche durch eine Rundbogen getrennt sind, sowie einem Turm an der Westseite. Um den Kirchenbau herum liegt der Friedhof. Etwa 1400 wurde die Sakristei angebaut. Aus dem Jahre 1665 datiert das älteste erhaltene Kirchenbuch. 1718 erhielt die Kirche einen neuen Altar und 1795 wurde der Glockenstuhl erneuert. Dieser trug ursprünglich 3 Glocken, wovon die große und mittlere Glocke von ca. 1430 bzw. 1530 stammen – die kleinste wurde im II. Weltkrieg abgenommen und nicht wieder ersetzt. 1810 erhielt der Bau größere Fenster und die Orgel wurde erneuert, 1835 erfuhr die Kirche weitere Umbauten. 1875 erhielt sie eine neue Orgel von Meister Schrickel aus Eilenburg und 1900 eine mechanische Turmuhr. Am 12. Mai 1912 wurde durch eine Windhose das Kirchendach und das des Turmes abgedeckt, der Friedhof verwüstet. 1972 wurde ein gemeinsames Kirchspiel Taucha-Dewitz-Sehlis gebildet. Unter dem Vorwand einer behindertengerechten Gestaltung wurden 1978 Gestühl, Kanzel, Altar, Empore und Reste der Orgel ausgelagert bzw. vernichtet. 1980/81 setzte eine archäologische Rettungsgrabung den vorläufigen Schlusspunkt der Nutzung als Gotteshaus.[9]

Nach der politischen Wende 1990 erfolgen erste Sicherungsarbeiten der baulichen Hülle. In der Folgezeit bis 2001 erfolgten umfängliche Arbeiten zu Wiederherstellung und Nutzung als Gotteshaus. 2000 fand die Innensanierung ihren Abschluss und am Gründonnerstag 2001 konnte ein neuer Altar geweiht werden. 2004 erhielt der Bau eine Leihorgel aus Allmendingen bei Ulm und 2005 wurde diese käuflich erworben.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sehlitz bei Taucha. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 11. Band. Schumann, Zwickau 1824, S. 58 f.
  • Cornelius Gurlitt: Sehlis. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 115.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sehlis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b vgl. Sehlis im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  2. vgl. Sehlitz bei Taucha. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 11. Band. Schumann, Zwickau 1824, S. 59.
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  4. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. Beschreibung mit Bildern bei tornadoliste.de, abgerufen am 13. Januar 2011.
  6. Leipziger Volkszeitung: Der Katastrophe gedenken – Windhose zerstört vor 100 Jahren das kleine Sehlis., Ausgabe vom 5./6. Mai 2012, S. 24.
  7. LVZ-Online: Taucha hat 15000er-Marke im Visier, abgerufen am 18. April 2012.
  8. Kleinräumiges Gemeindeblatt für Taucha, Stadt. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, September 2014, abgerufen am 22. Februar 2015 (PDF; 0,23 MB).
  9. Aus der Geschichte der St. Katharinenkirche zu Sehlis, abgerufen am 13. Januar 2011.
  10. Sanierung der St. Katharinenkirche, abgerufen am 13. Januar 2011.